15
glücklich. Er wurde, wie alle Emporkömmlinge, sehr miß-trauisch und — namentlich wegen seiner großen Erfolge —übermüthig. Endlich ward er trübsinnig, finster und auchgrausam. So verlor er die Liebe seines Volkes. Da ließ ihnein Unterfcldherr Namens Eh a kr i gefangennehmen, tödten nndbemächtigte im Jahre 1782 sich selbst des Thrones. AberChakri starb bald und ihm folgte sein Sohn als König. Dieserführte glückliche Kriege mit Birma. Im Jahre 1811 starb er,und ein Enkel Chakri's bestieg den Thron. Er regierte zwarklug, war auch tapfer im Kriege und brachte die rebellischenMalaycnstämme im Süden zum Gehorsam; ließ aber, ausallerdings nicht unbegründeter Furcht vor Verschwörung, 117Prinzen und vornehme Siamescn hinrichten. Seine Regierungreichte bis inö Jahr 1824. Rechtmäßiger Thronerbe war seinzwanzigjähriger Sohn Chao-Fa-Mo ngknt. Dieser hattenun einen herrschsüchtigcn, ältern Halbbruder, von einer Neben-frau des Königs abstammend, welcher sich auf unblutige,ganz streitlose Weise des Thrones bemächtigte. Er bedeutetenämlich dem Kronprinzen, er sei zum Regieren noch zu jung,und erklärte ihm: Ich werde für Dich einige Jahre regierenund Dir alsdann die Regierung überlassen. Der junge Prinzwilligte ein und sein Halbbruder ließ unter dem Namen Phra-Chao-Prasat-Thong sich zum König ausrufen.
Dieser ward zum Usurpator. Er dachte nicht an die Er-füllung seines Versprechens. Und der Kronprinz, der wohlGrund hatte, vor seinem Bruder sich zu fürchten, ging in einePagode und wurdeTalapoin(Mönch). Von der Regierungdes Usurpators ist nur zu berichten, daß er den König imnördlichen Laos in einem Kriege (1829) gefangen und dengrößten Theil dieses Gebietes für Siain gewonnen. Der armeKönig wurde in einem eisernen Käfig nach Siam gebracht underlag bald der Beschimpfung und Mißhandlung. Ein Kriegmit Cochinchina hatte keinen andern Erfolg, als einen großenMenschenraub, der mehrere Tausend Chinesen nach Siain schleppte.Seine Regierung endete i. I. 1851. Er wollte auf seinemKrankenlager noch seinem Sohne das Thron-Erbrecht ver-schaffen, was ihm jedoch nicht gelang.
Nach seinem Tode holten die Großen des Reiches denPrinzen Ehao-Fa-Mongkut den Mönchen auö dem Klosterund setzten ihn, nachdem er sein gelbes MönchSgcwand abge-legt, auf den Thron. Er wurde ein gerechter und weiserHerrscher. In 26 Jahren klösterlicher Zurückgczogcnhcit hatteer durch eifriges Studium abendländischer Wissenschaft undReligion seinem Geist eine tiefernste und hohe Bildung gegebenund seinen Charakter veredelt. Er schätzte die abendländischeCultur, proklamirte und schützte die Freiheit aller Religionenund schloß mit England, Frankreich, Deutschland , Oesterreichund Amerika Handelsverträge.
König Mongknt starb am 1. Oktober 1868 (64 Jahrealt). Ihm folgte als Thronerbe sein Sohn Somtech-LschaufaiChnlalonkom — erst 17 Jahre alt. Der jungeFürst, erzogen von britischen Lehrern, erwies sich fähig, großeReformen in seinem Lande zu unternehmen, suchte die gutenBeziehungen zu den europäischen Staaten aufrecht zu erhalten,sowie auch zu den katholischen Missionären.
Die religiösen Verhältnisse Siams erinnern anjene in China, die wir früher schon geschildert; sie sind ebensotraurig. Neben dem Buddhismus , der die Staatsreligion bildet,und eigenthümlich — eben siamesisch — „zugestutzt" ist, bestehtder grcuelhaftestc Aber- und Geisterglaube, dem noch Menschenzum Opfer fallen. Im Volke herrscht eine krasse Unwissenheit,denn der Schulunterricht, welchen die buddhistischen Lehrer er-theilen, ist höchst mangelhaft. Trotz vielen.Betens und Opferndsteht die Moral des siamesischen Volkes auf einer sehr niederenStufe. In seinem Neligionscult spielt bekanntlich der weiße- Elephant eine Hauptrolle. Da dieses mächtige Thier Kraft und
Muth rcpräsentirt, und die weiße Farbe die „heilige Reinheit",so ist er den Siamcsen ein heiliges Thier und der „Schutz-geist deSReicheS". Der „heilige" Elephant wohnt in einemprächtigen Palast und wird von einer Menge von „Priestern"bedient, welche ihm täglich, auf den Knieen vor ihm liegend,auf silbernen Gefäßen die Nahrung vorsetzen. Vor diesemElephanten müssen auch die höchsten Staatsbeamten sich ver-neigen; der kaiserliche Leibarzt hat sich täglich nach dem Be-finden des „heiligen" Elephanten zu erkundigen, und wer immerdemselben näher treten will, hat die goldenen Quasten seinerkostbaren Decke zu küssen und — eine Rupie zu opfern.
Den Riescnleib förmlich mit Gold und Edelgestein über-laden, wird jeden Morgen der Elephant von Priestern auf dieobere Schwelle des Tempels hinaufgeführt. Hier nun hebt derKoloß seinen im Diamantschmuck blitzenden Rüssel empor; dasist das Zeichen zum Gebet! Da sinken alle Anwesenden aufdie Kniee, ein Knabcnchor hebt einen heiligen Gesang an —und die Bonzen müssen sich sputen, die vielen Opfcrgaben ein-zusammeln, indeß der Elephant die für ihn bestimmten Lecker-bissen in emsiger Weise sich aneignet. Man wird da an den„göttlichen" Stier „Apis" der alten Aegypter erinnert. Welch'traurige Verirrungl
Wie nothwendig doch ist hier die Ausbreitung desChristenthums; damit aber geht cS in Siam den Schnccken-gang. Obgleich auch in diesem Reiche das MissionSwcrk schonim Jahre 1554 begann und im Allgemeinen die Könige unddas Volk dem Christenthum geneigt sich zeigten, und bei ihnenniemals eine so blutige Christcnvcrfolgnng wie in China undTongking stattfand, so hat es doch niemals eine so zahlreicheChristengemeinde wie diese Länder gehabt.
Die ersten Apostel und zugleich Märtyrer SiamSwaren die portugiesischen Dominikaner l?. HieronymuSvom Kreuz und ?. Sebastian von Cantu. Sie kamen,gesandt von ihrem Provinziell, 1554 nach Juthia, um mit derErlaubniß des Königs zunächst in der dortigen portugiesischenNiederlassung die Scelsorge zu versehen. Ihr MissionSbemühenbei den Eingcbornen war von Erfolg und in 3 bis 4 Jahrenbattcn sie schon an 1500 Heiden bekehrt. Da erhob sich derNeid uns Zorn der Bonzen, denen beide Patres erlagen,k. HieronymuS wurde erstochen, als er einen Kampf zweierBuddhisten, der absichtlich nur ein Schcinkamps war, abwehrenwollte, und ?. Sebastian wurde später (nach einem oder halbemJahre?) heimtückisch ermordet. Im Jahre 1600 wurde k. Lud-wig Fonseca, der mit den Patres Ludwig Linie ncö undJohann Maldonat in Siain eingedrungen war und vieleGötzendiener bekehrt hatte, am Altare während deö Gottes-dienstes überfallen und erwürgt, k. Ludwig Limcncö, derProvinziell war und aus heiligem Eifer selbst in die Heidcn-bckehrilng eintrat, wurde mit k. Maldonat auf Befehl dcSKönigS ergriffen und ibm mit einem Beile das Haupt abge-schlagen, während l?. Johann Maldonat von einer Stcin-schleuder - Maschine zermalmt wurde. ES ist hiebet zubemerken, daß diese Missionäre Spanier waren, gegen welcheeben der König sehr aufgebracht war, weil spanisches Militärdem König von Compodscha, mit dem Siam im Kriege lagHilfe geleistet hatte. Im Jahre 1606 kam der JesuitcnpatcrBalthasar Scgueira nach Siam und 18 Jahre später folgteihm sein Mitbruder k. Julius Cäsar Maripico. Dieser erwarbsich die Gunst deö KönigS und der Großen, bildete eine Christen-gemeinde und hatte eben in der Hauptstadt Juthia eine schöneKirche gebaut, alö seine eigenen LandSlcnte schändliche Vcr-räthercien gegen ihn anzettelten, denen er endlich erlag. Ersoll im Kerker vergiftet worden sein. So war das mühsamerrungene, hoffnungsvolle Missionswerk mit einem Schlag ver-nichtet. Es erstand erst wieder im Jahre 1665, alö in Siamein apostolisches Vicariat errichtet wurde. Der erste apostolische