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Vicar Siams wurde der französische Jesuit Msgr. De laMothe, der schon 1662 nach Siam gekommen war. Erstnach mannigfachen Kämpfen, besonders mit den Portugiesen, dieihre kirchliche Jurisdiktion auch über Siam erstrecken wollten,gelang es ihm, bei der vollen staatlichen Religionsfreiheit, derMission in Siam eine Grundlage zu schaffen und schöne Er-folge zu erzielen. Doch das neue Werk war nicht von Bestand.Auch diese Mission wurde eine Passion — mit Zwischenpausen —bis endlich das so mühsam errungene Merk in Trümmer ging,aus denen in unserm Jahrhundert die Mission sich langsamwieder herausgearbeitet hat.
Der gegenwärtige Stand der Mission in Siam ist(dem neuesten Berichte „d. kathol. Missionen" — Novemberhcst —zufolge) folgender: Unter dem apostol. Vicariat des Mszr.Ludwig Bey wirken 48 Missionäre, wovon 11 eingcbornePriester sind. Das Priesterseminar zählt 52 Alumnen. DieHauptstadt Bangkok, wo der Sitz des apostol. VicarS , hatsechstausend Christen, besitzt 5 Gemeinden mit ebensovielKirchen, ein Collcg mit 212 einheimischen Zöglingen, ein Pen-sionat der Schwestern vom Kindlein Jesu, ein Hospital undmehrere andere Anstalten. Die Gesammtzahl der Katholikenbeträgt über zwanzig Tausend. In 52 Schulen erziehtdie Mission 2737 Kinder, hat 17 Waisenhäuser mit 133 Knabenund Mädchen, 4 Spitäler mit 500 Kranken, ein KatcchisteuhauSmit 39 Zöglingen und eine landwirthschasrliche Schule.
Was die Neugestaltung der politischen Verhält-nisse der Mission bringen wird — wer weist cS? Hoffenwir indeß das Beste. —
Durch den Unistand, daß Frankreich in jüngster Zeit einrespektables Stück von Siam sich angeeignet, dürfte Hoffnunggehegt werden, daß die Mission in Siam nun in wenigerschwieriger Weise vorwärts schreitet. Die Franzosen haben esverstanden, durch bloße Kriegsdrohung — nur mit einemFedcrzug — in ihrem Vertrage mit Siam im Oktober 1393ihr hinter indisch es Kolonialreich (Eochinchina, AnnaimTongking — Schutzgebiet Kombodscha) mir ein siamesisches Ge-biet von rund 100,000 glrm zu vergrößcr. Frankreich ist auchHerr des Riesenstromcs Mekong geworden und hat seine Herr-schaft über eine ganze Reihe von noch wenig bekannten Volks-stämmen ausgedehnt. Zu den wenigsten derselben sind bisjetzt die Missionäre vorgedrungen und waren sie überdieß ge-zwungen, ihre mühsam gebildeten kleinen Gemeinden zeitweisezu verlassen. Wir wollen hoffen, daß bei dieser Gebicts-crwerbung Frankreichs das MissionSwerk einen sicheren Bestandgewinnen werde.
Recensionen und Notizen.
^ „Der Todtentanz in der St. Michaels capellezu Merzen theim" lautete ein Artikel von, 14. Sept. d. I.in der Beilage zur „Augöb. Postztg.", Nr. 37, der eine gerechteBelobung dieses Werkes brachte. ES erübrigt hier nur nochnachzutragen, daß der ganze Gcmäldccyclus als Prachtwcrk vorein paar Jahren erschienen ist unter dem Titel: >8 oeprramortis.l Ein biblischer Todtentanz. FünfzehnKunstblätter nach den Originalcartons zu denGemälden in der St. Michaclscapelle zuMergent-heim von Tobias Weiß. Mit erklärendem Textvon k. W. Kreitcn 8. 4., und zwar in B. KühlensKunstverlag zu M.-G lad back) (T^pograk. ^postolio.).Die gesammte katholische Presse hat rückhaltlose Anerkennunggezollt und damit den Beweis geliefert, welch außerordentlichgünstige Aufnahme sich das Werk im Kreise der Literaten undKunstkenner erworben; das gewichtigste Zeugniß aber für denWerth und die künstlerische Vollendung des Werkes ist dochgewiß in der seltenen Auszeichnung zu finden, daß SeineHeiligkeit Papst Leo XIII. geruht haben, die Wid-mung des Prachtwerkes huldvollst entgegen;»-nehmen. Das Format ist 49: 33 Centimeter, dieReproduc- s
tion in unveränderlichem Lichtdruck auf feinstem Elfenbein-Carton, die Textbeilage in zweifarbigem Druck 26 Seiten Grotz-octav, die Mappe in zarter, geschmackvoller Ausführung mitächter Goldpressung. Der Preis von 18 Mark für dasExemplar ist gewiß ein niedriger zu nennen und erleichtert dieAnschaffung oder Vcrschenkung dieses Hauöschatzes, der, wie die„Stimmen aus Maria-Laach" schreiben: „einmal imFamilienbesitz, eine Quelle gemeinsamen Ge-nusses auf lange Zeit hinaus" bleiben wird.
Von BrockhauS' Convcrsations-Lexikon, dem Vor-bilde aller deutschen Werke dieser Art, ist mit dem 8. Bandedie Hälfte der 14. Auslage soeben erschienen. Der 8. Bandenthälr eine reiche Fülle sorgsam ausgearbeiteter, zuverlässigerArtikel, die von 48 Tafeln, darunter 7 Chromotafcln und 12Karten und Pläne, und 2!2 Tcxtbildern illustrirt werden.Die Chromotaseln sind wie immer wahre Meisterwerke, mögensie die merkwürdige Gestalt einer Giraffe oder eine noch selt-samer geformte Gruppe der Glasschwämme (einer Thicrgattungl)oder das berühmte Goethe-Denkmal (Berlin ) von Schaper odereine kostbare Sammlung farbenprächtiger GlaSfeustcr darstellen.Die Karten sind vorzüglich und dem neuesten Stande ent-sprechend. In den bisher erschienenen Bänden ist das groß-artige Programm der Derlagshaudlung in allen Theilen muster-haft durchgeführt. Der Text ist, wenn wir auch nicht mit Allemübereinstimmen können, klar, knapp und angenehm lesbar. Dieillustrative Ausstattung ist meisterhaft. Auf dem Gebiete derNaturwissenschaften z. B. liegen nicht weniger als 96 Tafelnvor, darunter 19 Cbrvmotafcln, auf technischem Gebiete 89Tafeln; zur Kunst finden sich 60 Tafeln, darunter 15 Chromes;15 landwirtbsebastliche, 12 militärische, 19 geographische Tafeln,in Summa 414 Tafeln und Karten. Wie viel reicher muß erstdie zweite Hälfte des Werkes illustrirt sein, da sie noch 77Cbromoiafein. beinahe doppelt so viel als bisher, insgesammtnoch 486 Tafeln und Karten bringen wird!
Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift.Jahrgang l894. 12 Nummern. M. 4 — fl. 2.40 ö.W. — " Freiburg im Breiögau. Herder'sche Verlags-handlung. Durch die Post und den Buchhandel.
Inhalt von Nr. 1: Der Mekong. (Eine geographischeSkizze.) — Der selige Rudolf Aquaviva am Hofe Akbars deöGroßen. — Altchristliche Ruinen Nord-Shriens. — Nach-richten aus den Missionen: Pcrsicn (Stand der Mis-sion); China (Die Unruhen in Ost-Hupe); Vorderindien (Mis-sion in Puna); Aequatorial-Asrika (Mission in Buddn); Süd-afrika (M-ssion im Masckonalaud); Westasrika (Mission amKongo ; Jesuiienmission am Kivango); Aus verschiedenen Mis-sionen. — Miscellcn. — Für MissionSzweckc. — Beilage fürdie Jugend: Die Sklaven des Sultans.
Illustrationen: DaSL-lromland dcSMekong. (Karten-skizze.) — Pnom Pcuh vom Strome aus. — Straßcnbild ausKambodscha . — Die Niesen-Avenue von Augkor Tom (herge-stellt). — Hauptiassadc des Augkor Wat. — Prinzen aus demGeschlechte der Großmoguls. — Hamah am OronteS. — Kalaatem Mudik von Süowcst and gesehen. — HauSthor und Straßezu Jeradi. — Der innere Hos einer Villa zu Serdschilla. —Das Innere des PerlcnkioSkS im Serail.
Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätter. Jahr-gang 1894. Zehn Hefte M. 10.80. — Freiburg imBrciSgau. Herder'sche Verlagshandlung. Durch die Postund den Buchhandel.
Inhalt des 1. HeftcS: Der Staatssocialismus. I. (H.Pesch 8. I.) — Deutschlands höheres. Schulwesen im neun-zehnten Jahrhundert. (L. v. Hammcrstein 8. 4.) — Die ältestenMosaiken der römischen Kirchen. (St. Beissel 8. 4.) — Die Er-ziehung der bayerischen Wittelsbacher . I. (O. Pfüli 8. 4.) —Das Kuckucksei und seine Räthsel. I. (E. Waömann 8. 4.)
— Aubrey de Vere. Eine literarische Skizze. I. (A. Baum-gartncr 8. 4.)
Recensionen: 1. Dittrich, Nuntiaturberichte GiovanniMoroncs; 2. Ehscs, Römische Documente zur Geschichte derEhescheidung Heinrichs VIII. von England (O. Braunsberger8. 4.); Hardy, Die vediich-brabmanische Periode der Religiondes alten Indiens (I. Dahlmann 8. 4.); Vau Overbsrgch, Losinspeotsurs äu travail (A. Lehmkuhl 8. 4.); Herbert, Baals-opser (W. Kreiten 8.4.). — Empfehlenswerthe Schristen.
— Miscellcn: Deutschlands Bücherschatz; Nietzsche und keinEnde; Zum Ende der Nonnenplage.