23
Tigern, Bären u. s. w., an Metallen und werthvollenHölzern. Das Klima ist, besonders in der nördlichenHälfte, sehr rauh und der nordasiatische Frosthauch läßtdas Thermometer im Winter (vom Oktober bis in denMärz hinein!) bis auf 45° R. sinken, während es imSommer bis auf 40, ja 45° steigen kann.
Die Gesammteinwohnerzahl soll nicht mehr als zwölfMillionen betragen. Die Hauptmasse der Bevölkerungbefindet sich im Südtheile des Landes. Die Mandschurei zeigt ein buntes Völkergewirr: Mandschn, Tungusen,Mongolen, Chinesen, Khalkhas, Ghilaks, Solons undverschiedene Mischrasfen aus diesen Stämmen und Völkern.
Die Mandschu-Provinzen und die Provinz Leao-tong haben ihre eigene, getrennte Verwaltung. DieMongolen stehen unter 48 mongolischen Tributär-königen und die wilden Horden — Nomaden — habenihre Häuptlinge.
Was die Religion betrifft, so bekennen sich dieChinesen zu einem Gemisch von Konfutse-Buddhismus ; dieMandschu und Tungusen fröhnen dem unheimlichenGeisterglauben der „Schamanen "; manche bekennen sichzum Islam. Die Anfänge des katholischen Missions-werkes reichen zurück bis zur alten Jesuitenmission. Dieneue Missionsthätigkeit begann im Jahre 1840 mit derErrichtung eines Apostolischen Vikariats der Mandschurei — unter Leitung des Pariser Missions-Seminars.
Das Centrum der Missionsthätigkeit ist die ProvinzLeao-tong (im Südtheile), wo in deren wichtigster Hafen-stadt Jng-tse (Jng-tze) der Apostolische Vikar seinenSitz hat. Die Eroberungen der Nüssen und ihre Nähehaben den Fortschritt der Mission sehr gehemmt und denFrcmdenhaß wiederholt auch gegen die Missionäre herauf-beschworen. Nur langsam dringt das Evangelium indem ungeheuren Gebiete vor.
Gegenwärtig zählt die Misston 14,000 Katholiken,welche sich auf 151 Gemeinden in 41 Distrikten ver-theilen. Der europäischen Missionäre sind es 27, dereingebornen Priester 7. Es bestehen 2 Priesterseminare„wegen der Größe des Landes und der Reisekosten".Das eine Seminar ist im Südtheile mit 30 Alumnen,das andere im Nordtheile mit 12 Alumnen. Die Mis-ston hat ferner 88 Schulen, 16 Waisenhäuser, 2 Spitäler,eine Landbau-Schule mit 250 Zöglingen u. s. w.
„Die kathol. Missionen" veröffentlichen soeben inihrem Dezemberheft 1893 einen Brief des ApostolischenVicars Msgr. Guillon (vom 3. Mai 1893), worinder hochwürdigste Herr über eine viermonatliche Missions-reise berichtet, die vom 1. Dezember 1892 bis 1. April1893 dauerte, einen Weg von zweitausend Kilometerumfaßt und ungemein flrapazenreich war. Hiebci be-suchte er zum ersten Male die beiden Nordproviuzen.Diese Rundreise geschah mitten im Winter, wo die Kälte„so furchtbar empfindlich werden kann". Doch hatte derApostolische Vikar das Glück, über 700 Ncophyten dasSakrament der Firmung zu spenden, zwei neue Kircheneinzuweihen und einen neuen Missionsdistrikt zu gründen,dem er den Namen „Stern des Erlösers" gab, zur„Erinnerung an das schöne Weihuachtsfest", das derhochwürdigste Herr unter 400 Neophhten verlebte; die-selben hatten noch nie ihren Bischof gesehen, noch jeder Feier einer hl. Christmette beigewohnt. Zu derobigen Zahl der Katholiken sind nach dem Schreiben desA. Vicars noch 2500 Katechumenen zu rechnen. In seinenzwei Seminarien hat Msgr. Guillon zwei Einheimischezu Priestern geweiht, zweien die Diakonatsweihe und I
fünfen die Tonsur ertheilt. — Eine peinliche Klage sprichtaus dem Schlüsse deS bischöflichen Berichtes in Bezugauf die Geldmittel. „Wenn ich einem jeden der (42)Missionäre sein Weggeld auf's Jahr verabreicht habe,bleiben mir von der Summe, die der Verein für dieGlaubeusverbreitung mir zuwendet, noch ganze 11,200 M.übrig; damit soll ich alle andern Unternehmungen undWerke des unermeßlichen MissionsgebicteS im Gang er-halten und die Seminaristen ernähren (und der eigeneHausbedarf?!). Die Folge davon ist der Mangelan einer hinreichenden Anzahl einheimischerPriester und Katechumenen, die doch den Haupt-nerv der hiesigen Missionsthätigkeit bilden."
Recensionen und Notizen.
Cardinal Johannes Dominici, 0. kr., 1357—1419.
Ein Ncformatorcnbild aus der Zeit bcS großen Schisma.
Gezeichnet von k. Augustin Rösler , 6. 88. L. Frei-
burg i/B., Herder 1893. VI und 196 S.
* Es ist eine traurige Periode der Kirchcngeschichte, in dievorliegende Arbeit uns versetzt. Einer Geißel GotteS gleich istdas große Schisma über die abendländische Christenheit herein-gebrochen, spaltet die kirchliche Einheit und ängstigt ungezählteGemüther. Wie aber der Herr sein Volk zu keiner Zeit ver-läßt, so fehlt es auch in dieser Zeit nicht an bedeutendenMännern, die das Volk erheben und trösten und die kommendeRettung vorbereiten. Ein solcher Mann war Johannes Dominici ,dessen Lebeiisgang uns der Vers. vor Augen führt. 1357 inFlorenz geboren, tritt Johannes (17 Jahre alt) in den Ordendes hl. Dominikus und erregt hier bald durch seine glänzendenTalente sowohl wie durch seinen glühenden Eifer für die Ordcns-reiorm die Aufmerksamkeit weiterer Kreise. Bald finden wirihn in Venedig, wo er das Kloster Oorpus Lüiristi für Töchterseines hl. Ordcnsstiftcrs gründet, deren geistliche Führung erübernimmt und mit denen er Zeit seines Lebens in frenndschaft-licbcm Briefwechsel verbunden bleibt. Darauf entfaltet er inseiner Vaterstadt eine großartige Thätigkeit als Kanzelrcdner,er, der in seiner Jugend stotterte, gründet den Dominikancr-conveut bei Fiesole und tritt insbesondere der damals sich ent-faltenden sogenannten Renaissance entgegen in seiner interes-santen Schrift „luenla noetüs", deren Entstehung und Inhalteingehend erläutert werden. Sodann lernen wir Dominici'Skirchcnpolitische Thätigkeit kennen, wie er in die Nähe Grcgor's XII.kommt, der ihm sein ganzes Vertrauen schenkt und ihn zumCardinal erhebt. Endlich sehen wir ihn aus dem Concil vonKonstanz eine hervorragende Roste spielen, biö er gelegentlicheiner GesandtschastSrcise zur Bekehrung der Hussiten 1419 inBuda stirbt, nachdem ihm noch der Trost zu Theil geworden,zur Wiederherstellung der kirchlichen Einheit mitgewirkt zuhaben. Wir können dem Verfasser vorliegender Monographiedas Zeugniß nicht versagen, daß er sich in den Quellen fleißigumgesehen hat und daß eS ihm gelungen ist, manches schiefeUrtheil zu verbessern, manches falsche zu widerlegen; auch be-sitzt er die Gabe anziehender Schilderung und gewandter Sprache.Das Bild, das k. R. von Dominici entwirft, ist denn ein wesent-lich verschiedenes von dem, das ein anderer katholischer Historiker,Sauerland , gezeichnet hat. Wir möchten glauben, ganz treu istR.'s Bild so wenig, wie das Sanerland'S. ?. N. wirft zwarSanerland Voreingenommenheit gegen Dominici vor, er selbstist aber erfüllt von solcher für D., der nach L. R. an allenErfolgen schuld, den« alles zu danken ist. Und doch muß I?. R.selbst zugeben, das; namentlich D. es war, der Gregor XII. imEntschlüsse, nicht zu rcsigniren, bestärkte. War nun D. wirklichder große, einzig uin's Wobl der Kirche besorgte Mann, als denI?. N. ihn darstellt, dann hätte D. von Anfang an Gregor XII. energisch und immer wieder zur Abdankung rathen und, wenner mit seinen Vorstellungen nicht durchdrang, Gregor sich selbstüberlassen müssen. Daß D. von der Ueberzeugung getragenwar, Gregor sei der allein rechtmäßige Papst, ändert darannichts, dasselbe glaubten die Vertrauten Peter de Luna's auchvon diesem; dadurch, daß beide Theile nur immer auf ihr gutesRecht pochten und keiner dem andern zum Wohl der Gcsammt-hest weichen wollte, wurde ja eben das ganze Elend der Kircheverschuldet. Daß die schlicßlichc Union Gregors XII . mit demConcil und damit die Hebung des Schisma viel mehr aufKosten deö Fürsten Malatesta, als, wie ?. R. schreibt, D.'S zusetzen ist. wurde von berufenster Seite bemerkt. Und von einwenig Ehrgeiz scheint D. nicht ganz freizusprechen zu sein.