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Erklärung der gebräuchlichsten fremden Pflanzen-namcn. Bon A. Emmerig. Donauwörth , Druckund Verlag der Buchhandlung von L. Aucr.
LI. Der Verfasser des in weiten Kreisen bekannten „Stcrucn-himmcl" hat mit einem ähnlichen praktischen Werkchcn auf demGebiets der Botanik den Büchermarkt bereichert. Auf 122Seiten gibt dasselbe in Form eines Lexikons eine etymologischeErklärung von den Namen unserer häufigsten Tops- und Garten-pflanzen. Der Laie erfährt hier nicht bloß, welche Namen inder Wissenschaft viele Pflanzen führen, die der Volksmundanders bezeichnet, sondern auch, aus welcher Sprache dieseNamen genommen sind, welche Betonung dieselben haben, wel-chem Gcnuö sie angehören und ob sie Eigen- oder Gattungs-namen, einfache oder zusammengesetzte Wörter sind. Wenn diePflanzen, was nicht selten ist, nach bestimmten Personen be-nannt sind, so werden letztere bezeichnet; ebenso wird die Wort-bedeutung der übrigen Pflanzen aufs eingehendste mitgetheilt.Geradezu überraschend ist oft diese Erklärung, indem nämlichder Verfasser als Fachmann mit der ihm eigenen Gründlichkeitnachweist, wie der Name genau zur Pflanze paßt. GewisseEigenschaften, die der letzteren anhängen, lassen sofort erkennen,warum sie diesen Namen trägt. Unwillkürlich entsteht der Ge-danke, dass auch im Pflanzenreiche jedem Gewächse „sein Namegegeben" ist, wie der biblische ScböpfnugSbcricht von der Thier-welt erzählt. In bekannten Wortlürzungen enthält dann dasSchriftcken bei den einzelnen Namen auch die Angabe sowohlder Klasse und Ordnung (nach Linnö'schcm System), welcherjede Pflanze angehört, als auch der Autoren, von denen Be-nennungen verschiedener Pflanzen herrühren. Auf weiteren 14Seiten folgt die nähere Erklärung dieser „Familiennamen " derPflanzen, die analog ist der vorausgegangenen, und auf denletzten 7 Seiten werden gleichfalls in alphabetischer Reihenfolgedie früher bei den Pflanzen angedeuteten „Autoren " aufgeführtund ihr genauer Name, ihr Stand und Zeit und Ort, wannund wo sie geboren sind, kurz und bündig angegeben. Da dasBüchlein auch einen sehr mäßigen Preis und ein gefälligesTaschenformat hat, so empfiehlt es sich durchaus als das, wasauf dem Titclblatte zu lesen ist, nämlich als „ein Nachschlagc-Luch für Studircndc. Botaniker, Lehrer, Seminaristen, Gärtner,Forstleute, Blumenliebhaber" rc.
Kirchengeschichte in Lebensbildern. Für Schule undFamilie dargestellt von Ferdinand Stiefel Hagen.3. Aufl. Freiburg i. B., Herder 1893. VIII u. 6l6S.
* Ein eigenthümlicher, geheimnißvollcr Zauber ergreift un-willkürlich den Pilger, wenn er vor den alten Mosaiken Noin'soder besonders Ravenna'S steht. Da leuchten lind grüßen sieauf ihn herab, diese altchrwürdigen Gestalten in ihren langen,wallenden Gewändern, mit ihren hagern, durchgeistigten Zügen,in die eine so feierliche Majestät und doch wieder eine so tiefinnerliche Ruhe, ein so himmlischer Friede gegossen ist. Inden Händen aber halten sie den SiegcSpreis ihres opfer- undentsagungsvollen Erdcnstrebens, die Krone des ewigen Lebens.Und wir können uns des Gedankens nicht erwehren: ist nichtauch die Kirchengeschichte einer solchen alten Basilika vergleichbar,in deren Hallen die hl. Blutzeugen, Bckenner und Jungfrauenuns cntgegenlächeln und uns ihre Kronen zeigen zur Aufmun-terung, daß auch wir kämpfen und siegen sollen? Wenn wirdie Blätter der Kirchengeschichte aufschlagen, da begegnen unsauf Schritt und Tritt die großen Männer des Christenthums,denen die Welt zwar keine Statuen gesetzt hat, die aber dochmit ihrem segenSvollen Walten unauslöschlich fortleben im Ge-dächtnisse der kathol. Kirche. Einer literarischcn Walhalla der .Heroen des Katholicismus möchte ich nun „die Kirchcnge-schickte in Lebensbildern" vergleichen, die uns Stiefclhagcn in3. Auflage bietet. Es war ohne Zweifel ein sehr glücklicherGedanke, die verschiedenen Epochen der Kirchengeschichte gleichsampersonisicirt in ihren markantesten Vertretern zur Darstellungzu bringen, und wir können dem Verfasser die Anerkennung nichtversagen, daß er in der Auswahl der für jede Periode be-zeichnendsten Persönlichkeiten einen sicheren Blick bewiesen hat.Dock können wir unsere Verwunderung nicht unterdrücken, daßder Verfasser, der doch schon auf dem Titelblatt ankündigt, seinBück sei für Schule und Familie geschrieben, die kirchlicheWissenschaft, besonders auch die Scholastik, so stiefmütterlich be-handelt, z. B. den hl. Thomas von Aquin (S. 268) in wenigenZeilen abthut. Auch die kirchliche Kunst und Poesie hätte mehrzur Geltung kommen dürfen, die großartige charitative Thätig-keit der Kirche im Mittclalter trilt gleichfalls allzuweuig hervor.Doch wollen wir mit dcm Verf. hierüber nicht rechten; er wolltenur ein Lesebuch bieten, keine eigentliche Kirchengeschichte, eine
solche will und kann sein Buch auch gar nicht sein, dazu wärees zu lückenhaft und einseitig; denn die Kirchengeschichte erzähltleider nicht bloß von Heiligen und großen Männern.
Brunn er (Franz Lndw.), Geschichte der Deutschhcrreuordens-Comthurci und des Marktfleckens Neubrunn . Von denältesten Zeiten bis zur Gegenwart nach archivalischenund historischen Quellen bearbeitet. Würzburg , „NeueBayerische Landeszeitung" 1893. 8°. Vl, 131 S. M. 1,50.-s- Eine auf Grund der Materialien des KönigSberger Staats-archives, Münchener NcichSarchives, Stuttgarter Staatsarchives,des Wertheimcr Archives und der Würzburger Archive gearbeiteteAbhandlung, der Gemeinde Neubrunn (Marktflecken im Bezirks-amts Markthcidenscld) von ihrem Pfarrherrn gewidmet; ihrErlös soll dem Nenbrunner Kirchenbaufonds zu Gute kommen.Dieser fromme und gemeinnützige Zweck muß bei der WürdigungdcS Buches vor Augen behalten bleiben! Denn in einer „Ge-schickte der DcurschherrenordcnS-Comthurci rc. Neubrunn rc."würde man gerne vermissen die Bemerkung, daß „die Ncu-brnuncr an ihrem erfahrenen, allgemein beliebten Arzte Dr.Pfistcr einen immer bereiten, bewährten Helfer" haben (S. 3),oder S. 84 f. die Vorschläge dcS Vers., wie die Gemeinde1884 ihr neues SchnlhauS besser und schöner hätte bauenkönnen; Neihenfolg der Herren Lehrer" und „Fräulein Lehrer-innen" S. 129 ist allzu höflich! Eine „Geschichte" im strengenSinne gibt das Werkchcn nicht, wohl aber eine fleißige chro-nikalische Verzeichnung der Geschichte Neubrnnns als Deulsch-hcrrenordenscomthnrei 1290—1484, unter Kurmainz 1484 bis1655, unter Würzburg 1655—1801 s180l unter Bayern ); obaber für die Zwecke des Verfassers die Urkundenpublikationenüber den Deulichhcrrcnorden vonJ.H. Hennes, E. Strchlkeund E. G. Graf v. Pettcnegg, welche nirgends im Bucheerwähnt sind, wirklich keine Ausbeute gewähren, wäre wohlnoch zu untclsnckcn. Der „Bauernkrieg 1325" (S. 9) ist gewißnur ein Druckfehler, statt 1525. Dem Citate aus „Sclversallbekannten .Adclsprobeu'" (S. 33) über Kurfürst Joh.Philipp von Schöuborn, daß keiner von dessen Vorführern „sichso vieler besessener höchster Würden rühmen konnte", hätte Vers.mit einem Hinweis auf den Kurfürsten Albrecht von Branden-burg widersprechen müssen. Doch wir wollen an dein in usumvolpbini pietätvoll geschriebenen Büchlein keinen gar zu strengenMaßstab anlegen! ES ist gewiß ein lcbwürdiges Unternehmen,diese OrtSzesckichte, und verdient als solche Nachahmung zufinden. Im Hinblicke speziell auf ihren frommen Zweck sei siehicmit bestens empfohlen!
-o Brevier. Bei Pustet-Rcgensburg ist neben einerneuen vielbändigen Ausgabe des römischen Breviers auch einezweibändige in 13" erschienen. Fast unglaublich, und dochwahr! Was sonst in 4 Bänden steht, ist hier in 2 enthalten,ohne daß der Druck kleiner, die Dicke dcS Bandes (40 Millimtr.)größer, das Gewicht (675 Gramm) schwerer ist. Alan findetdas Brevier sehr haudbar, den Druck außerordentlich schön unddeutlich; alles ist vollständig ausgesetzt, so daß auch das lästigeHin- und Herschlagcn vermieden wird. DaS Brevier enthältalle neueren Feste nebst den Votivofficien. Bei denHauptfestcn sind noch herrliche Bilder eingelegt. Man muß sichwirklich fragen: wie war eine solche Ausgabe möglich? Die be-sonders gute Papiergualität hat sie ermöglicht. DaS Papier,obwohl sehr fein, ist aber doch so fest, daß der Druck nichtdurchsichtbar wird. Ganz begreiflich, wenn darum diese Aus-gabe eine ehrende Anerkennung von Rom erhalten hat. DasWerk lobt den Meister. Die Landes, Hören, Vesper undComplet sind außerdem noch durch Scparatabdruck in einemkleinen Broschürchen beigelegt mit den Ncsponsoricn für dieNocturncn, welche im proprimn äs toiuporo einzulegen sind,ebenso die Antiphonen unv Vcrsikeln pro oommsmoralionsLanotorum, pro oomwomorationo vominioarom ot Vsriarmnund die Oommsworatnoues oomwunos. Proprien für einzelneLänder, Diöccsen und Orden können gegen aparte Berechnungmitbestellt werden. Der Preis dieser zweibändigen Brcvicraus«gäbe beträgt broschirt 12 Mark. In Schaflcderband mit bieg-barem Rücken und Nothschnitt 18 M. Ebenso mit Goldschnitt19 M. In echtem Chagrinband mit Nothschnitt 21 Mark.Ebenso mit Goldschnitt 22 M. Ebenso mit reicher Pressung,Kantenvergoldung und Goldschnitt auf rothem Untergrund25 Mark. In Juchtenledcrband niit Goldschnitt auf rothem.Untergrund 30 M. Diese schöne, praktische und billige Aus-gabe kann somit jedem Priester aufs beste empfohlen werden»und namentlich möchten wir die Alumnen in Priestersemiuaricn beiAnschaffung eines Breviers auf selbige aufmerksam gemacht haben.