Ni-. 4.
25. Januar 1894.
Zur Fortsetzung der Augsburger Bisthums-Geschichte.*)
— 8. Obgleich die Fortsetzung der AugsburgerDiözesangeschichte von mehrfacher Seite und zwar durch-gängig günstige, ja höchst anerkennende (s. Allg. Ztg.1893 Nr. 356; Hist. Jahrb. d. Görresgesellsch. 1893S. 431) Besprechungen erfuhr, so glauben wir doch auchan dieser Stelle in Kürze darauf zurückkommen zu sollen,vor allem deßhalb, weil das schöne Werk zunächst geradefür jene Kreise bestimmt ist, in denen auch dieses Blattseine weiteste Verbreitung findet.
Es ist bekannt, daß das groß angelegte Werk, nach-dem sein hochverdienter Begründer auf den erzbischöflichenStuhl von München-Freising berufen worden war, ausleicht begreiflichen Gründen, nur einen sehr langsamenFortgang nahm. Gewiß wird es von den Abnehmernwohlthuend empfunden werden, daß sich seit der in An-griff genommenen'Fortsetzung trotz der zu überwindendenAnfangsschwierigkeiten die Herausgabe erheblich be-schleunigte. In verhältnismäßig kurzer Zeit sind sichdrei sechs Bogen starke Hefte gefolgt, in denen die nochvon dem hochseligen H. Erzbischof begonnene Beschreibungdes Landkapitels Jchcnhausen zu Ende geführt und dieallgemeine Uebersicht des Dekanates Jettingen gegebenwird. In der letzteren schloß sich Schröder, wie billig,ganz der bewährten Eintheilung seines Vorarbeiters an,welcher der topographisch-statistischen Beschreibung derDekanatsbczirke unter dem Titel „Geschichtliches" jedes-mal einen historischen Ueberblick über die politischen undkirchlichen Verhältnisse folgen ließ. Nur in einem Punktekonnten wir eine Abweichung oder richtiger Erweiterungvon Steichele's Plan wahrnehmen, sofern nämlich jetztder Rubrik „Kirchlich-Geschichtliches" die weitere „Knnst-geschichtliches" hinzugefügt ist. Thatsächlich hatte jedochbereits Steichele bei der Behandlung der einzelnenPfarreien den religiösen Kunstgegenstünden nach bestenKräften und in umfassender Weise seine Aufmerksamkeitzugewendet. Wenn daher sein Fortsetzer die allgemeinenErgebnisse seiner Beobachtungen auf dem kunstgeschicht-lichen Gebiete bereits in der Einleitung zu den be-treffenden Bezirken kurz aufführt, so kann dadurch nureinerseits die Uebersichtlichkeit des Stoffes, andrerseitsaber auch die kunstgeschichtliche Darstellung gewinnen,der damit ein paffender Raum geschaffen wird, auchihrerseits in größeren Zügen auf eine Entwicklung undauf die zusammengehörigen Bereiche und Zonen über-einstimmender Kunstübung hinzuweisen. Ueberhaupt scheintuns in der Beschreibung der kirchlichen Kunstgegenstände,wobei der Verfasser ohne Voreingenommenheit für odergegen einzelne Stile und Richtungen das Schöne undWerthvolle anerkennt, wo es sich findet, das Werk ge-wonnen zu haben, und die Commission für Jnventari-sirung der Kunstdenkmüler Bayerns wird, wenn sie zu denin der Augsburger Bisthumsgcschichte behandelten Be-zirken kommt, gewiesenen Weg haben.
Wie wir vernehmen, beabsichtigt der Verfasser sichder mühsamen Arbeit der Negistriruug der sämmtlichenbisherigen Bände zu unterziehen und das Register demnoch in diesem Jahre fertig zu stellenden fünften Bandebeizugeben. Dadurch wird ein Mangel beseitigt, der bei
den Historikern von Fach längst gefühlt werden mußte,und wird die Brauchbarkeit des Werkes wesentlich ge-hoben.
Um endlich noch mit einem Worte auf das jüngsterschienene 38. Heft zu sprechen zu kommen, so konntein demselben der Verfasser sein Geschick für historischeForschung und Darstellung an einem größeren Gegen-stände, der Beschreibung der Pfarrei Wettenhausen mitihrem ehemaligen in das 12. Jahrhundert hinaufreichendenAugustinerchorherrenstift an den Tag legen. Durch einenglücklichen Zufall wurde erst in jüngster Zeit die Stiftungs-urkunde dieses Klosters von dem Einbanddeckel einesBuches der Staatsbibliothek zu München abgelöst.Schröder stellte den beschädigten Text mit Glück wiederher und bringt das Dokument zum ersten Male zumAbdruck. Die Geschichte der ehemaligen Neichsprälatur,für welche eine sehr ausgedehnte und mannigfaltigeLiteratur zu bewältigen war, ist durchgehend sehr an-ziehend niedergeschrieben, namentlich treten die be-deutenderen Prälaten in gutem Relief hervor. Bekannt-lich ist in den sechziger Jahren das Klosterleben zuWettenhausen , wenn auch in anderer Form, durch dieThatkraft und das Gottvertraucn der unübertrefflichenPriorin Aquinata wie ein Phönix aus der Asche wieder-erstanden.
Am Schlüsse des Kapitels Jchenhausen fand -nochdie Geschichte der ehemals katholischen, jetzt protestant-ischen Pfarreien Leipheim und Nisdheim bis zu derGrenze hin Berücksichtigung, welche durch eine katholischeBisthumsbeschrcibung gegeben ist.
Möge das Werk seinen Zweck, Kenntniß und Liebeder heimischen Kirchcngeschichte zu wecken und zn fördern,in ausgedehntem Maße erreichen; möge diese durch denHinweis darauf, was gewesen und geschehen ist, dazubeitragen, nicht aus dem Auge zu verlieren die Normdessen, was sein und geschehen soll.
Aus allerlei Tonarten.
Verdeutschte spanische und eigene Lyrikvon
(Stuttgart 1893. I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger.)
tt. „Glücklich der Schriftsteller, welcher im Standeist, ein schönes kleines Buch zu schreiben," sagt eingeistreicher französischer Aphoristiker. Nach Durchlesungdes vorliegenden Büchleins, das nur 120 Seiten hat,muß man sagen, daß der Verfasser so „glücklich" war.Wenn er in der „Vorrede" gesteht, daß er schon in derJugend Lieder machte und sie im Alter gesammelt habe,so darf man wohl annehmen, daß, wenn er nur dieHälfte davon herausgab, er uns gewiß einen stattlichenBand von vielen hundert Seiten hätte bieten können.Aus dieser weisen Beschränkung und Selbstkritik kannman mit Recht den Schluß ziehen, daß er uns nurGutes und Gediegenes bietet. Eine solche Strenge habensich nicht alle Dichter auferlegt, und selbst Goethe hat soviele lyrische Kleinigkeiten des Druckes würdig erachtet,daß seine stärksten Bewunderer gestehen müssen: dieHälfte wäre besser, als das Ganze. Weit über dieHoraz 'sche Vorschrift der „neun Jahre" hinaus ließunser Verfasser, das ganze Leben hindurch bis zumAlter, seine Gedichte liegen und — reifen. Und als ein