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Doch die religiöse Kunst allein würde auch in einemWaders kaum ihren Mann ernähren, und auch er siehtsich, wie so viele andere gerade der gediegensten christ-lichen Künstler, genöthigt, mit in den Wettbewerb umdie Gunst der weltlichen Muse einzutreten. So be-theiligte er sich als geborner Kolmarer nicht ohne Erfolgan einer kürzlich für sämmtliche in Elsaß-Lothringen ge-bornen Bildhauer ausgeschriebenen Coucurrcnz. DieElsaß-Lothringer beabsichtigen nämlich, ihrem verstorbenenLandsmanne Herrn Charles Grad, der auch als Volks-vertreter im deutschen Reichstag thätig war, wegen seinergroßen Verdienste um Elsaß Lothringen ein würdigesDenkmal in seiner Heimathstadt Dürkheim zu setzen.Eingesandt wurden 10 Entwürfe, darunter mehrere vonPariser Bildhauern und Architekten. Die Juroren,zu denen unter andern auch die Maler Henner und Lixaus Paris zählten, sprachen laut Diplom Herrn Wadersden „ersten Ehrenpreis" zu. Die Thonskizze zeigt daseinfach monumentale, auf drei Stufen sich erhebendePiedestal von feinen harmonischen Verhältnissen, welchesdie porträtgetreuc charakteristisch aufgefaßte Büste Grad'strägt. Eine junge, frische Elsässerin hat die Stufen zumSockel bestiegen, auf den sie mit leichter Bewegung heran-schreitend den Lorbeerkranz legt.
Gegenwärtig modellirt der Künstler (ohne Bestellung)wieder eine lebensgroße Madonna. Es ist eine schlankeund feine, zur Jungfrau aufblühende Mädchengestalt.Die Hände über die Brust gekreuzt, das Haupt ein weniggesenkt, kniet sie, von dem faltigen Betmantel umhüllt,in selige Andacht versunken, das Ideal einer „rosain^stioa.". Das durch Schönheit der Linien und voll-endete Proportion ausgezeichnete Antlitz ist von heiligerAndacht und entzückender Himmelslust zart belebt, welcheauch den empfänglichen Beschauer unwillkürlich mitstimmungsvoller hl. Freude erfüllen.
Festing.
Das Kloster Monheim und die Reliquien derheiligen Walburga: 893—1893.
Zum 1000. Jahrestag der Neliquienübertragungund Stiftung des Klosters.
Von A. Zottmann.
Ungefähr in der Mitte der alten Heeresstraße vonNürnberg nach Augsburg liegt das in seinen Anfängenbayerische, später pfalz-neuburgische und nunmehr imKreise Schwaben gelegene Städtchen Monheim . Da esgerade 1000 Jahre sind, daß dasselbe in Folge derGründung eines Benediktinerinnenklosters durch einebayerische Prinzessin und in Folge der Uebertragungeines großen Theiles der Reliquien der hl. Walburgazu großem Ansehen und weithin in alle deutschen Gaueverbreiteter Berühmtheit gelangte, so dürfte es als ge-rechtfertigt erscheinen, das gegenwärtige Jahr nicht vorüber-gehen zu lassen, ohne auch in diesen Spalten eine kurzeGeschichte des Klosters und der hl. Reliquien vorzuführen.
l. Anfänge des Klosters und Uebertragungder Reliquien: 893.
Schon im Leben hatte die hl. Walburga großeVerehrung genossen und nicht weniger nach ihrem 799den 25. Febr. erfolgten Tode. In der Klosterkirche zuHeidenheim ruhten ihre Reliquien. Gegen die Mitte des9. Jahrhunderts scheint jedoch diese Verehrung nachge-lassen zu haben, wenigstens berichtet der Mönch Wolf-
hard von Herrieden 9 (lebte um 870), daß den BischofOtgcn?) in Eichstütt die hl. Walburga im Schlafe ge-mahnt habe, doch ihr Grab nicht so vernachlässigen undentheiligen zu lassen. Bald darauf, wahrscheinlich imJahre 870?) entschließt sich der Eichstätter Oberhirte,die hl. Reliquien von Heidenheim , welches aus einemBenediktinerkloster in ein Canonikatstift umgewandeltworden war, ganz weg- und nach Eichstätt selbst bringenzu lassen. „Er sendete die Erzpriester Wallo und Adelungnach Heidenheim ; auch den Ammon mit der Nonne Liubila ^)aus dem Kloster Monheim ^) ließ er mit ihnen ziehen,damit sie die hl. Asche der Jungfrau mit größter Sorgfalterheben und mit Hymnen- und Psalmengesang in dasKloster nach Eichstätt bringen sollten. Diese aber voll-zogen die glücklichen Aufträge auf ihrer gesegneten Reise,und unter himmelwärts klingenden Melodien der Glockenund den von überall zusammentönenden Wohllauten dergeistlichen Gesänge erhoben sie die seligen irdischen Nesteunter Frendenthränen aus dem Boden." °)
In diesem Berichte begegnet uns zum erstenmal ge-schichtlich der Name Monheim , und zwar in Verbindungmit Liubila. Jedenfalls war aber damals, als Liubilazur Abholung der Reliquien aufgefordert wurde, in Mon-heim noch kein eigentliches, gestiftetes Kloster?), sondernnach den ältesten Quellen haben wir uns die Verhältnissefolgendermaßen zu denken:
Liubila, welche sehr wahrscheinlich zuerst in Heiden-heim am Grabe der hl. Walburga geweilt, begab sich mitihren Gleichgesinnten nach Monheim , wo sie reich begütertwar?) Hier lebten sie nun nicht in einem eigentlichenKloster, sondern wir können sagen als Privatcongregationin kleinen Zellen (osllulas, wie sie im spätern Stiftungs-brief vorkommen) oder Klausen, welche sich um eineKapelle gruppirten?) Das war an dem Ort, wo heute
Vita s. >ValburAao nach der Ausgabe bei den L. L-8. 8. Bollancl. I'sbr. III. x§. 525.
Reg. v. 847-871.
Popp, Anfang und Verbreitung des ChristenthumsxZ. 203 u. 217.
Nach den verschiedenen Handschriften heißt sie auch:Lioba , Leoba, Luiwila, Lnibida, Hnbula, Luubnla. Ueber ihreHerkunft läßt sich ganz Bestimmtes nickt mittheilen; jedenfallswar sie verwandt mit Hildegard und Lnitpold, dem Stamm-vater des bayerischen KönigshauseS (et. XVoltdarä: äs mir. b.IValb. I. o. 539); Sunthem nennt sie geradezu ciueissa Lavar.(Imitisl. 8untdöm. moncwk. I'rano. bei Ocfcle II, 609.)
°) Auch Monheim, Mannheim , Mouwenheim, Murwen-hcim, Monwenhcim.
°) 6k. Snttner. Eichst. Past.-Bl. XVIII. Jahrg. x§. 218.
') Popp, Auf. u. Verbr. des Christenthums, sucht geradezuden Beweis zn liefern, daß es in den ältesten Handschriftenursprünglich statt ex monasterio illorvouboim: ox m. Ileiäon-Iwim gelautet habe; dem kann ich aber aus dem Grunde nichtbeistimmen, weil es heißt, Liubila sei mit den andern beauf-tragt worden: abirs, ut saoros eineros olovarsnt,- das hättekeinen Sinn, wenn sie schon in Heidenheim bei den hl. Reli-quien damals gewesen wäre. Daß sie aber vor ihrer Uebcr-sicdlung nach Monheim in Heidenheim gelebt, schließe ich daraus,daß gerade sie zur Erhebung der hl. Reliquien mitbeordert wird;sie muß also mit den Hcidcnheimer Verhältnissen vertraut ge-wesen sein; ferner daß sie einen so großen Theil der hl. Reli-quien, gleich die Hälfte, für ihr Kloster erhielt, was sicher nichtder Fall gewesen wäre, hätte sie nicht als ehemalige Heidcn-hcimcr Nonne ein gewisses Recht darauf beanspruchen können.
°) Im Stiftnugsbrief v. I. 893 werden als -ros ziroxriasxoksstaiis« Liubilens aufgeführt: „die Kirche mit alle» Ge-bäulichkcitcn, Hofe, Häuser, bebaute und unbebaute Ländcreicn,große und kleine Wälder, Wiesen, Weiher, Abflüsse der Weiher,Mühlen, Knechte und Mägde." Die Besitzungen waren alsosehr weit ausgedehnt.
") Auch anderwärts sehen wir Klöster auf diese Weise vor-bereitet werden durch diese oollnlcw und ihre Bewohner; so z.