Ausgabe 
(25.1.1894) 4
 
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noch die St. Peterskapelle in Monheim steht. Hier wares also, wo Liubila der ehrende Auftrag zu Theil wurde,die Reliquien der hl. Walburga in Heidenheim mit-zuerheben.

In Eichstätt wurden die hl. Reliquien in feier-lichster Weise in Empfang genommen und in der Kirchedes hl. Kreuzes, bei welcher sich Canonissen (vermuthlichebenfalls ehemalige Heidenheimer ") Benediktinernonnen)niedergelassen hatten, beigesetzt. Liubila weilte bei dieserGelegenheit lange in Eichstätt , wohl aus Verehrung zurhl. Walburga , dann, weil sie schon damals ihre Herzens-angelegenheit betreiben mochte, einen Theil der hl. Re-liquien für Monheim zu erhalten, und sicher auch, weilsie von Heidenheim her noch manche gute Bekannte unterden Canonissen fand.

Dieses lange Fernbleiben Liubilas von ihren Güternin Monheim benutzten ihre habsüchtigen Verwandten undim Bunde damit andere Mächtige, um diese Besitzungenzu gefährden ") und an sich zu bringen; ja ein gewisserWaltheri bemächtigte sich thatsächlich eines Theiles davon.")Diesen Beunruhigungen gegenüber wählte Liubila zwei imfrühern Mittelalter öfters vorkommende und gebräuchlicheMittel, durch welche sie Monheim vor den FangschlingenAnderer sicher stellte.

In einem Ergänzungsheft der Maria - LaacherStimmen, die Ncliquienverehrnng behandelnd, wirdFolgendes ausgeführt:

Weil man die Heiligen als Besitzer ihrer Kirche und desihr zustehenden Grundbesitzes ansah, entstand .. die Sitte, dieseHeiligen (d. h. ihre Reliquien) in Kapellen oder aus Grund-stücke zu tragen, wogegen mächtige Herren einen Angriff planten.Als beispielsweise Graf Robert von Flandern 1074 die Güterzurücknehmen wollte, welche die Abtei Corbie von seinem Ahnen,dem hl. Adalhard , erhalten hatte, beschlossen die Mönche, dieReliquien dcS Adalhard auf die bedrohten Besitzungen zu tragen.So kamen sie auch zu einer kleinen Stadt in der Nähe vonTournay, welche Graf Robert eben belagerte. Kaum hörte dieser,die Reliquien seines Ahnherrn näherten sich, so eilte er ihnen ent-gegen, nahm den Schrein, brachte ibn mit seinen Hoflcutcn indie nächste Kirche und gab dort alles Geraubte zurück. Freudigkehrten die Mönche heim."")

Damit haben wir das eine Mittel, das Liubila an-wenden wollte, um ihr Besitzthum zu sichern. Und fürsie lag es am nächsten und war auch am aussichtsreichsten,um Reliquien der hl. Walburga zu werben. Das thatsie denn auch redlich, und um dieses Unternehmen durch-zusetzen, wird sie auch in dieser Zeit von 870890 einewürdigere Wohnstätte für die aufzunehmenden Reliquienan der Stelle, wo jetzt noch in Monheim die Pfarrkirchesteht, erbaut haben, nämlich die Basilika,fluas sita,est in donors Opitrcis eb Lalvatoris st Oomini n.(s. Olrr'i." Anfangs ging es hart und bereitete es

B. beim Kloster Pillcureuth, dann bei Abenbcrg u. A. ZurEntstehungsgeschichte deS letztem sogt Suttuer:Es konnteeellula eine der damals sehr gewöhnlichen Scklnsorien (Klausen)sein, in welcher nur einige sorores seelnsao wohnten, die daherauch eellitas oder cellitissae genannt wurden, und welcheZellen aus einer Kapelle mit daranstvßcndem Wohngebände zubestehen pflegten."

">) 6tr. Popp, l. o. p§. 21718.

") Wolfhard berichtet, dass diese Güter gefährdet wurden»proprer kemineuin imbeeiilitatis sexnm ot proptor lon§in-quitatsm, quia in alio looo in servitio Der apnst s. IVal-bur§ao Vir§. reichn!as stetsnta knit (seil. Liubila).- (Vita8. IVaib. anotors anoiiMro.)

>2) ».. alostsn, quao eiiutiscs stieitnr ,kinanelch qnarn ..iujnsts ablatam restonavit Valtberi.- (Stiftn ngSbrics.)

°) 54. Ergänznngshest: Die Verehrung der Heiligen undihrer Reliquien rc. v. St. Beissel 8. st.

ihr große Schwierigkeiten eine günstige Zusage zu be-kommen.")

Nun kam aber Erchambold auf den Stuhl des hl.Willibald.") Er war, wie berichtet wird. Verwandterdes Königs Arnulf; zum wenigsten war er ein beson-derer Günstling") desselben und hatte schon verschiedeneBeweise von dessen Gunst empfangen. Nun war aberauch Liubila Arnulf nahestehend und bei ihm gut ange-schrieben; dadurch glückte daS Unternehmen. Liubilawandte sich zunächst an Erchambold, den Bischof vonEichstätt , und bot ihm an, wenn sie die hl. Reliquienerhalte, werde mit ihren Gütern ein eigenes Kloster ge-gründet und dem Bischof von Eichstätt übergeben. Dahier so hohe fürstliche Verwandtschaften hereinspielteuund es in der damaligen Zeit der Raublust für eineDiöcese mit eine Lebensfrage war, mächtige Beschützer gegenäußere Feinde zu haben, so wollte offenbar Erchamboldohne Vorwissen der fürstlichen Verwandten in dieser An-gelegenheit nichts unternehmen, um dieselben nicht amEnde aus Begünstigern zu Feinden zu machen. Erschlug deßhalb Liubila's Bitte nicht direkt ab, sagte aberauch nicht zu. Liubila wußte jetzt, was sie zu thunhätte. Sie wendet sich an den König und dessen Räthe,was er dazu sage. Wolfhard berichtet:Nachdem derBischof in Betreff dieser Angelegenheit den Rath desKönigs und seiner Hofleute erhalten hatte, gab er dasVersprechen, die hl. Reliquien aushändigen zu wollen,und löste dasselbe auch zu gegebener Zeit ein."")

Nachdem die neue Kirche zur Aufnahme der Re-liquien fertiggestellt war und auch die darangebautenKlostergebüude ihre Vollendung erreicht hatten, sollte nunvorerst der erste Plan Liubila's, die Erwerbung der hl.Reliquien, zur Thatsache werden.Im Jahre 893 nachder Menschwerdung unseres Herrn Jesu Christi , so be-ginnt ganz feierlich Wolfhard") den Bericht darüber,unter der glücklichen Regierung des erhabensten KönigsArnulf, eröffnete man das Mausoleum der hl. JungfrauWalburga in der Basilika, in welcher sie unter BischofAkarius begraben worden war. Zu diesem Zweck schickteder überaus weise und in allen Angelegenheiten scharf-sinnige Bischof Erchambold seine gottesfürchtigen Archi-presbyter mit andern wohlverdienten Personen ab, ließdurch sie die genannten Gebeine der hl. Walburga auf-suchen, dieselben sodann mit der größten Sorgfalt heraus-nehmen und theilen, und (den einen Theil) mit höchsterEhrfurcht wieder beisetzen, so daß (der andere Theil) dielang ersehnten Reliquien an Liubila abgegeben und fürimmer ihrer Kirche bewahrt bleiben. Diejenigen, welchemit dem Befehle betraut waren, bestrebten sich beklom-menen Herzens in aller Einfalt ihn auszuführen. Indemsie sich ganz der Barmherzigkeit des Herrn übergabenund unablässig in Psalmen- und Hymnengesang ver-harrten, gruben sie nach und fanden die zu erhebendeAsche unserer seligen Mutter Walburga , wie von einerklaren Flüssigkeit benetzt (^nasi tsnui raaäs-

") »Liest prins tentansto stiküeilliinnm vieler Stur.- IVolÜbarst, vita L. >VaIb. 1. I, ex. 3, p§. 525.

") Regiert v. 882-912.

") Arnulf schenkt ihm anno 838 die Abtei Herrieden mitvoller Gewalr über alle Klostergütcr; 889 den Ort Sezzi (Seitzen-mühl bei Hilpollstein), sowie einen grotzen Ferstdistrikt zwischenBiswang u. Weisscnbnrg ; 895 das Klösterlein Kirchanhauscnrc.Sax, Bischöfe u. NeichSfürsten PA. 2021.

") Wolfhard. 1. o. I, 3 ibist.

") I. v. I, 3.