Ausgabe 
(1.2.1894) 5
 
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der Kunst und ist diese Periode die glänzendste seinesWirkens und Schaffens als Tonkünstler.

Das Concil von Trient , das sich bekanntlich aufdas eingehendste mit einer rctoimatio in caxitc sdmornlzris beschäftigte, that dies auch betreffend den Kircben-gesang und die Musik und stellte den Satz auf, daß stetsdarüber strenge gewacht wird, daßab ecclcsüs ruusicassas, ul>1 sivs or§auo, sivs cautu lascivuru ant im-xurniu alic^uiä uiiscstur arcsaub." Der hl. Stuhlwollte eine einfachere Compositionsweise, als sie durchden figurirten Stil der Niederländer in den Kirchen derkatholischen Christenheit üblich geworden war, er wolltegrößere Deutlichkeit und Verständlichkeit des gesungenenTexteswortes, als eine solche bisher bei einer großenAnzahl von vielstimmigen Kompositionen, darunter nament-lich von Messen, möglich gewesen. Palestrina erhielt denAuftrag, nach diesen Wünschen eine Messe zu componiren,er kam dem Wunsch mehr nach als er gestellt war undschrieb drei Messen, deren letzte er zum Andenken anden ihm wohlwollenden Papst MarcellusLIissa kaxasNarcslli" nannte. Bei den ersten Aufführungen er-rangen alle drei Messen Erfolg, die letztere aber einenderartigen, wie einen solchen der bescheidene Meister nichterwartete. Pins IV. sagte nach der ersten Aufführungdieser Messe:Dies sind die Harmonien des neuen hohenLiedes, welches einst der Apostel Johannes in demjubelnden Jerusalem gehört hatte, von welchem einanderer Johannes uns eine Idee in seinem wanderndenJerusalem gibt." Bekanntlich ist gerade diese Messe heutenoch ein Triumph der musikalischen Kunst. Palestrina setztediese Messe, wie die genannten zwei andern, sechsstimmig,nämlich für Sopran, Coutra-Alt, zwei Tenöre und zweiBässe.

Der allgemeine Beifall, den dieses MeisterwerkPalestrina's fand, veranlaßte Pius IV. , den Meisterauszuzeichnen, und er schuf für ihn den Posten einesTonsetzers der päpstlichen Kapelle, ein Titel, den Palestrina beibehielt bis zu seinem Tode und den nach ihm nurnoch ein Einziger erhielt. Auch wurde seine Pensionerhöht, so zwar, daß er von jetzt an monatlich elf Scudials solche erhielt. Es wurde schon die Frage aufgeworfen,warum der Papst Palestrina nicht den Titel einesMaestro der päpstlichen Kapelle verliehen habe, ein Titel,den er schon vorher geführt und der bei allen angesehenenKapellen damals üblich war? Die Antwort ist leicht.Dieser Titel kam bei der päpstlichen Kapelle von jehernur einem Prälaten zu und war dieser Titel mit be-sondern Auszeichnungen verbunden. Palestrina aber warein Laie und zudem verheirathet, von dem alten Princip aber konnte nicht gut abgegangen werden.

Ganz kurze Zeit nach seiner Ernennung starbPius IV. und nun glaubten die Kollegen Palestrina's,daß letzterer wieder entfernt werden könne, allein sietäuschten sich, denn Pius V. und seine Nachfolger ließPalestrina und seinem großen Genie Gerechtigkeit wider-fahren, er blieb in seinem Amte zum Wohle und Stolzeder Kirche und der Kirchenmusik.

König Philipp II. von Spanien hat große Verdienstesich erworben betreffend die Verherrlichung des Gottes-dienstes in seinem Reiche, besonders auch betreffend dieKirchenmusik speziell in seiner Hofkapelle zu Madrid .Aus diesem Grunde wurde Palestrina aufgefordert, demKönige seine Messe kaxas NarcsIIi zu widmen, was derMeister auch gerne that. Er fügte noch andere Messen,vier- und fünfstimmige, bei und setzte eine sehr bescheidene

Dedikation voraus, der wir folgende Worte hier bei-setzen :Owavissiworum st rsliAiosissiworuraliomimiinsscutus Consilium, sauctissiraum Llissas sacri-siciuur uovo ruoäorum Asnsrs äscoranäum oiuusmsum stuäiunr, oxsram inäustriawgus contuli.Von seiner Llissa I'axas Llarcslli aber sagt er in derDedikation:lros iu§suii rusi couatus uou Huiäswxriruos, ssä tarnen Isliciorss, ut spsro, luaswajsstati xotissinium inäicanäos sxistirnavi."

Nahezu zu gleicher Zeit widmete unser Meister auchdem Cardinal Hippolyt d'Este, Herzog von Ferrara ,einem begeisterten Anhänger guter Kirchenmusik undebenso hochherzigen Beschützer derselben, einen Bandfünf-, sechs- und siebenstimmiger Motetten, und auf'sneue dem König von Spanien einen Band weitererMessen, acht an der Zahl. Von Interesse mag sein,daß der Meister sich damals beklagte, daß die Tonsetzerseiner Zeit oft unzüchtige Gedichte wählen, um Musikdazu zu schreiben, ein Beispiel, dem er niemals folgenwerde, zumal bei seinem gereiften Alter matura jamst vsr-Asnti all ssniuin astats. Hier mag die Be-merkung gestattet sein, daß Palestrina als ganz jugend-licher Komponist mit mehreren Madrigalen wegen dermitunter anstößigen Dichtung Anstoß gab. Er bereuteaber dies als einen jugendlichen Fehler, was aus einerDedikation der (lautlos, canticorum an PapstGregor XIII. hervorgeht, worin es heißt:st orulissoost äolso, seä yuauäo xrastsrita inutari uou xossunt,uoo isääi ivtscta, g!uas tacta säur siut, Consiliumrnutavi", und an einer andern Stelle:sx gas autsursi coZitars cosxi, Quantum iu wusica xrokscissscxistirnarsr, äscrsvi toturu äivinis lauäidus cou-sscrai-s." Und Palestrina hielt fein Wort getreu.

Nachdem im Jahre 1571 der Kapellmeister zu St.Peter im Vatican mit Tod abgegangen war, übernahmPalestrina auf vielseitiges Ersuchen diese Stelle, obgleicher dadurch die Hälfte seines Monatsgehaltes einbüßte,den er bei der Hauptkirche Sta. Maria Maggiore bezog.Er war jetzt Compositore der päpstlichen Kapelle undzum zweitenmale Kapellmeister in der vatikanischen Haupt-kirche. Zu gleicher Zeit erhielt er auch die Stelle imDienste des hl. Philipp Neri , des Stifters der Vätervom Oratorium, welcher einer der eifrigsten Fördererder Kirchenmusik zu damaliger Zeit war und dem Palestrina schon längere Zeit mit inniger Frömmigkeit anhing.

Die Jünglinge des Oratoriums hatten schon längereZeit die Werke Palestrina's mit größtem Eifer einstudirtund aufgeführt und begrüßten mit größter Freude sammtihrem Führer diese Ernennung. Trotz seiner Doppel-stellung war es dem riesigen Fleiße des Meisters dennochbeschieden, auch in dieser Periode seines Lebens eine sehrgroße Fruchtbarkeit zu entfalten, indem er mehrere Samm-lungen von Messen und Motetten herausgab. Vonletztem sind besonders der Erwähnung werth:kuitlroiuo missus a Oso",Irasc äiss yuana kocit Oo-miuus« undo bollc 5ssu cxauäi wo". Zu gleicher Zeiterrichtete er und leitete mit dem Kapellmeister Naninieine Musikschule in Rom , die erste, die von einemItaliener dort errichtet wurde, die vorzügliche Meisterhervorbrachte und welche durch die Pflege des Palestrina -stils einen beinahe hundert Jahre lang andauernden undfür ganz Europa bestimmenden Einfluß auf die Ver-breitung dieser Satzweise ausübte. Zu all diesen Ge-schäften übernahm er auf Befehl des Papstes Gregor XIII .mit seinem Schüler Guidetti die Verbesserung des Graduelle