und des Antiphonars, einen Auftrag, dem er innerhalb dreierJahre, zurückgezogen von der Welt, in seiner einsamenWohnung nachkam. Nach Ablauf dieser Zeit widmete erdem Papste „das hohe Lied Salomons", 29 Motetten,in denen alles nach dem Bericht eines vorzüglichenKenners „groß und erhaben, kunstvoll und gemüthvoll,neu und interessant ist und rührend und überraschendwirkte". Er erhielt in Folge dessen den Titel: kriuoipsciaila Llnsion, eine Auszeichnung, die vor ihm keinemMusiker zu Theil geworden war. Sofort ließ der Meistereinen zweiten Band Motetten folgen, im gleichen Stilgehalten. (Schluß folgt.)
Die Encyklika über das Bibelstttdinm.
Das päpstliche Aktenstück von» 18. November d. Js.,das in Form eines Rundschreibens an den gesammtenkatholischen Episkopat das Studium der heiligen Schriftbehandelt, ist ein hochbedeutsames Dokument, bestimmtund geeignet, eine neue Aera der wissenschaftlichen Be-schäftigung mit der Bibel in der katholischen Kirche zueröffnen.
Der Eingang der Encyklika „kroviäantissiurugDarm" geht von dem Wesen und Grundcharakter derSchrift aus, um aus diesem ihren Werth und die Noth-wendigkeit ihres Studiums zu begründen. Die heiligeSchrift ist die eine Quelle der göttlichen Offenbarung:daher ihre Würde, daher ihre Stellung im theologischenStudienplan, daher die Nothwendigkeit und die Be-rechtigung, das Bibelfach zum Gegenstand intensivstergelehrter Thätigkeit zu machen. Der hl. Vater erkenntan, daß besonders in der Gegenwart es nicht an ka-tholischen Gelehrten fehlt, die die bibliologische Literaturmit schätzbaren Beiträgen bereichert haben, erklärt jedochausdrücklich die Vermehrung dieser Fachgelehrten, nament-lich aus dem geistlichen Stande, für höchst wünschens-werth. Das Studium und die gelehrte Behandlung derhl. Schrift den Zeitbedürfnissen anzupassen, ist der be-sondere Zweck der Encyklika.
Der an das Exordium sich anschließende erste Theilder Encyklika bespricht die Bedeutung der Schrift für diegesammte Pastoraldidaktik, also ihre homiletische,katechetische und mannigfache paränetische Verwerthung.In erster Linie und immer wieder soll der Prediger diehl. Schrift im Munde führen, aus die Schrift sich be-rufen, durch die Schrift begründen, die Schrift inter-pretiren; die Schrift, gleichsam ein Ausfluß des gött-lichen Hauches, wird seinem Worte mehr als mensch-liches Gewicht und Ansehen verleihen: der Schrifttextgestattet ihm auch dann, mit apostolischem Freimuth auf-zutreten, wenn seine eigenen Worte mißdeutet oder übelaufgenommen würden; die Schrift wird eine kräftige,männliche, wahrhaft salbungsvolle Beredsamkeit auch dannermöglichen, wenn die natürliche Rhetorik versagt. Ebensoberechtigt wie beachtenswert ist des Papstes Tadel überjene Prediger, die die Lehren der Offenbarung undnamentlich auch die Vorschriften deS Sittengesetzes, diedoch, so weit sie Lehren der katholischen Religion sind,übernatürlichen Charakter haben, fast ausschließlich durchnatürliche und menschliche Autoritäten und Motive stützenund beweisen wollen. Man hört da eine Menge Utilitäts-und Opportunitätsgründe, Aussprüche von Philosophen,Citate aus Dichtern rc. Das ist das Geheimniß desMißerfolges gar mancher Kanzelvorträge, denen es anoratorischem Schmuck aller Art nicht mangelt; sie lassen
den Verstand leer und das Herz kalt, denn in ihnenleuchtet weder göttliches Licht, noch brennt göttlichesFeuer. Anders, sagt die Encyklika, haben alle großenund heiligen Prediger gethan, anders die heiligen Väter,anders die Apostel, anders Christus während seinesErdenwandels. Freilich genügt zum Erfolge nicht diematerielle Kenntniß und Anwendung des Schriftwortes;denn die Schrift ist nicht wie sonst irgend ein Buch zubetrachten und zu behandeln (uegus anim eornua —saarorum — ratio lidrorura similis atgus Lvra-lüuuiuni xutauän 68t); ihr Studium erfordert eineübernatürliche Weihe, deren Elemente wir mit den Aus-drücken des Originaltextes der Encyklika andeuten wollen:iut6§ra,s piaagua voluntatis llabituo, kuiuUis prs-ontio, sauotimouin vltas.
Im zweiten Theile der Encyklika wird einehistorische Uebersicht der biblischen Studien und derkirchlichen Veranstaltungen zu deren Förderung von derchristlichen Urzeit an gegeben; dieser Abschnitt des päpst-lichen Dokumentes ist ein Muster kompendiöser Dar-stellung; knappe Form ist hier in meisterhafter Weisemit übersichtlicher Anordnung und relativer Vollständig-keit verbunden. Unter den Vertretern einer ausgedehntentheologischen Verwerthung der hl. Schrift im apostolischenund patristischen Zeitalter fehlt kein bedeutender Name.Von den Apologeten wird an erster Stelle Justinus ge-nannt. Die alexandrinische und die antiochenische Ka-techetenschule werden in der Encyklika in desclbenlähmendsten Weise erwähnt, obschon sie, wie bekannt,verschiedene Richtungen verfolgten. Der Papst erkenntaber beide Richtungen als in ihrer Art berechtigt undersprießlich an, ohne selbstverständlich die Ausartung derallegorisirenden Schriftdeutung zu billigen. Mit be-sonderer Auszeichnung nennt die Encyklika Origenes undseine Hexapla. Dieses Riesenwerk verdient es wahrlich,in einem solchen Dokument lobend erwähnt zu werden;behufs Herstellung eines möglichst korrekten Scptuaginta-Tcxtes unternommen, enthielt es den hebräischen Textdes Alten Testamentes in hebräischer Schrift, denselbenText in griechischer Schrift, die griechischen Uebersetzuugendes Aqnila, des Symmachus, der Septuaginta und desTheodotion , sowie stellenweise noch die in derselben alsQuinta, Sexta und Septima bezeichneten Uebertragungen(daher auch die Namen Octapla und Enneapla). DieBestrebungen und Verdienste der nachpatristischen Zeitund der Scholastiker bezüglich des Bibelstudiums werdenin prägnanten Zügen und lichtvoller Charakteristik vor-geführt. Mit der Errichtung von Lehrstühlen für dieorientalischen Sprachen an verschiedenen Universitätendurch die Päpste hebt im vierzehnten Jahrhundert eineneue Epoche des Bibelstudiums an: die philologische Be-handlung der hl. Schrift durch Zurückgehen auf den Ur-text und durch Vergleichen verschiedener Recensionen undUebersetzungen. Die orientalische Philologie stand zunächstim Dienste der Bibelforschung und ist auf kirchlichemBoden erwachsen.
Wieder eine neue Zeit für die Pflege der Bibel-kenntniß und in weiterer Folge für die wissenschaftlicheBearbeitung der hl. Schrift brach mit der Erfindung derBuchdruckerkunst an. Der Papst nennt diese Er-findung eine glückliche (arta nova lidraria, telicütsrinvautu) — die beste Illustration für die „Bildungs-feindlichkeit" der Kirche. Für die Bibel bestand die ersteFolge der Erfindung der Typographie in einer nie da-gewesenen Vermehrung ihrer Ausgaben und Verviel-