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daß die Fäden der damaligen Politik durch Monheim gelaufen und das beigetragen hat, dasselbe zu einemder berühmtesten Klöster damaliger Zeit zu machen, umso mehr, als Wolfhard selbst bemerkt, Hildegard sei mitLuitpold gekommen, um der hl. Walburga für empfangeneWohlthaten zu danken, und damit jedenfalls gemeint ist,daß sie bei König Arnulph wieder Gnade fand, nachdemsie vorher dieselbe verloren hatte und ihrer Güter entsetztworden war.
Wie lang nun dieser äußere Glanz und diese Be-rühmtheit Monheims gedauert, das läßt sich nur ver-muthen. Sicher haben dieselben wenigstens abgenommenmit dem Verschwinden der nach der damaligen politischenConstellation gerade im Vordergründe stehenden Persönlich-keiten: mit dem Tode des Königs Arnulph, seiner Ver-wandten Hildegard und Luitpold, dann des BischofsErchambold und der Aebtissin Liubila, so ungefähr, wollenwir sagen, bis ums Jahr 920 herum, wird ein großerTheil dieses äußeren Glanzes weggefallen sein, wenn ervielleicht auch noch längere Zeit nachgeleuchtet hat. Diebesonderen Heilungen und Erhörungeu scheinen auch mitder Zeit weniger häufig geworden zu sein. Wenigstensweiß von den vier Berichterstattern, welche nach Wolf-hard die Begebenheiten in Monheim beschrieben, auchnicht ein einziger dem schon von Wolfhard Erzähltennoch etwas beizufügen. Nur Bischof Adolbold sagt amSchlüsse seiner Beschreibung, daß auch jetzt noch zu seinerZeit in allen Provinzen des Frankenreiches, wo Reliquiender hl. Walburga sind, ausgezeichnete und lobenswürdigeWunder geschehen. Aber speziell namhaft macht auchdieser nichts mehr. Man geht wohl nicht fehl mit derAnnahme, daß wenigstens mit Beginn des 11. Jahr-hunderts Monheim in das Stadium eines gewöhnlichenKlosters und allenfalls Wallfahrtsortes für die Umgebunggetreten ist. Bemerkenswerth erscheint noch Folgendes:Im Jahre 1040 erhielten die Reliquien der hl. Wal-burga in Eichstütt ihre letzte Translation, und zwar inder unter Bischof Heribert theils reparirten, theils neu-gebauten Kirche in einem Steinsarge hinter dem Hoch-altar. „Von dieser Zeit an beginnt das berühmteWunder, daß unter jenem Sarge eine färb-, geschmack-und geruchlose Feuchtigkeit hervorquillt, St. Walburgisölgenannt." Dieser Oelfluß dauert bis zum heutigenTage fort und war von jeher die Quelle zahlreicherHeilungen und Gnaden, so daß es nicht zu wundern,daß aus allen Weltgegenden das Verlangen nach demhl. Oele auftauchte und sich nun die Pilgerzüge nachdieser wunderbaren Guadenquelle bei St. Walburg inEichstätt richteten: Wir sehen, mit dem 11. Jahrhundertnimmt Monheim ab, Eichstütt aber zu. Es mag imPlan der Vorsehung gelegen gewesen sein: das KlosterHeidenheim, wo Walburga begraben, ein Jahrhundertlang als erstes Glied der Verehrung derselben bestehenzu lassen und durch Wunder auszuzeichnen. In dasErbe Heidenheims treten Eichstätt und Monheim , jedesdurch einen Theil der hl. Reliquien; Bionheim sollte
Nach Wolfhard wurden das Leben und die Wunder derhl. Walburga beschrieben von Bischof Adelbold in Lüttich umSJahr 1006; dann von einem unbekannten Autor vielleicht im12. Jahrh., — vom Bischof Philipp von Eichstätt Anfang des14. Jahrh, und endlich nach den Angaben der Klosterfrauenvon St. Walburg in Eichstätt Ende des 16. Jahrh. — Nochwäre zu erwähnen eine solche Beschreibung in Versen von einemgewissen Medibardus. etwa im 12. Jahrb. Sämmtlich heraus-gegeben bei den Bollandisten, 25. Februar.
°b) Popp. Eint. u. Ausbreitg. des Cbristentbums pq'. 206.
nun zuerst ein bevorzugter Gnadenort sein als zweitesGlied der Walburgaverehrung, um endlich als drittesGlied für dauernd und mit der größten BevorzugungEichstätt zu begnadigen, wo Walburga im Tode an derSeite ihres hl. Bruders weilt.
Für Monheim beginnt damit eine neue Periode.(Fortsetzung folgt.)
Recensionen und Notizen.
Die Glückseligkcitslehre des Aristoteles undThomas von Aquin und ihre Recension von Dr. K.
Vor uns liegt das genannte Schriftchen, „Die Glückselig-keitslehre des Aristoteles und Thomas v. Aquin, ein historisch-kritischer Vergleich", von Dr. Sebast. Huber, und daneben dieRecension, welche in der vorigen Nr. der Beilage 31 er-schienen ist. Die letztere scheint ein Urtheil über die genannteArbeit in Anspruch zu nehmen, und spricht sich über derenWerth dahin aus, daß sie „den Anforderungen wissenschaftlicherKritik, Unbefangenheit oder philosophischer Schulung nicht vonFerne entspreche". Damit verbindet die Recension den feinenAusdruck ihrer Anerkennung, daß „man den Vorsatz des Ver-fassers, die Arbeit fortzusetzen, fast nur perhorreSciren könne".Es ist ja berechtigt, und das Interesse der Wissenschaft fordertes, daß in ihrem Kreise jede Unwissenheit und Unfähigkeit ge-kennzeichnet und vom öffentlichen Schauplatze verdrängt werde.Aber wenn dies geschehen soll und das Recht zu solchem Vor-gehen in Anspruch genommen wird, dann müssen jene Fehlereiner Arbeit klar und überzeugend nachgewiesen werden. Dazuaber hat hier die Kritik kaum den Versuch gemacht. Soll etwader Unwerth der vorliegenden Leistung dadurch nachgewiesensein, daß sie nicht mehr leiste, als eine „vergleichende Para-phrase" des I. und X. Buches der Ethik des Aristoteles undder entsprechenden Abschnitte aus Thomas? Sie hatte sich janichts Anderes zur Aufgabe gemacht, als den Inhalt jenerStücke aus Aristoteles und Thomas historisch-kritisch zu ver-gleichen. Durch eine Paraphrase und Erklärung beider Stückeund eine Vcrgleichung beider nebst einem Urtheil über ihr Ver-hältniß wäre also ihre Aufgabe erfüllt. Die einfache Lesungüberzeugt, daß in der Arbeit keines dieser Dinge fehlt. Aberder Kritiker vermißt die Verwerthung „höherer geschichtlicheroder philosophischer Gesichtspunkte". Es ist nicht reckt ersicht-lich, was für höhere gesehichtliche Gesichtspunkte hätten ver-werthet werden sollen, wo es sich um die Frage handelt, wieThomas den Aristoteles benützt habe. Etwa die ganze Ent-wicklung der betr. Gedanken, welche zwischen beiden Denkernliegt? Aber diese, so nothwendig sie sein mag, um die Fort-schritte des Thomas zu erklären, so ist sie unnöthig, umdiese Fortschritte durch Vergleich festzustellen. Oder etwadie spätere Entwicklung der einschlägigen Lehren? Was soll,wie es Dr. K. zu fordern scheint, das Studium Wundt's undPanlsenS — deren Kenntniß die Kritik dem Verfasser mitDiviuationsgabe abzusprechen .weiß — bei einer VergleickungThomas' und Aristoteles '? Das ist eine sehr seltsame For-derung. Die Kenntniß Wundts und Paulsens kann offenbardemjenigen zum Verständniß des Thomas und Aristoteles nichtdienlich sein, der die letzteren zwei aus ihren eigenen Werkengründlich kennen gelernt hat. So lange der Kritiker nicht dieGüte hat, das „Viele", worüber dann „dem Verfasser die Augenaufgehen würden", genauer zu bezeichnen, wird man seinerMahnung wenig Dank wissen. Welche „höheren philosoph-ischen Gesichtspunkte" hätten verwerthet werden sollen, deuretdie Kritik kaum an. Es ist auch nicht einleuchtend, daß „demnaivsten Dogmatismus huldige, wer den Aristoteles an Thomasmesse". Uns scheint weder, daß ein solches Messen und Ver-gleichen Dogmatismus wäre, noch daß der Verfasser thatsächlichden hl. Thomas zum Maßstab für Aristoteles genommen habe.Doch wie sein auch sei — es ist eine starke Entstellung, daßgesagt wird, der Verfasser habe die Vergleickung nach demGrundsätze angestellt: „Thomas bekämpft Aristoteles überall,wo er ihn auf Irrwegen ertappt, und huldigt ibm dort, woderselbe die Wahrbeit sagt." Es beißt doch wahrlich den Sinnentstellen, wenn man dem Verfasser ein gelegentliches Citat,womit er die Behauptung belegt, daß sich das Urtheil überThomas' SelbMändigkeit zum Bessern gewendet, verdreht ineinen „Grundsatz", von dem er sich in seiner Arbeit habe leitenlassen! (Man lese 2 der Dissertation.) Aus dem Inhaltund der Methode der Schrift bringt Kritiker auch nickt einenBeleg, um dem Verfasser wissenschaftliche Unfähigkeit nachzu-weisen („Mangel an philosophischer Kraft" nennt er es).
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