Ausgabe 
(1.2.1894) 5
 
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mag das immerhin Etwas ausgemacht haben. Das warder Stand des Klosters und der Kirche zu Anfang derStiftung, und rasch stieg dessen äußere Berühmtheit,während auch im innern Leben eine große Blüthe herrschte.Das Kloster wurde rasch so bekannt, daß Wolfhard eseinfach nennt rnonastarium ounotio noduiQ (allen be-kannt") und erzählt:Das auf der ganzen Erde zer-streute christliche Volk begann voll Freude Herzuströmen,so daß täglich ununterbrochen aus allen vier Himmels-richtungen ganze Mengen von Gläubigen schnarenweisezusammenkamen» Gott und der Mutter angenehme Ge-schenke darbrachten und nach erhaltener Benediktion inFrieden zurückkehrten??) Diesen großen Ruf verdankteMonheim vor Allem den vielen wunderbaren Heilungen,welche dort auf Fürbitte der HI. Walburga gewirktwurden. Wolfhard hat sie in vier Büchern ausführlichbeschrieben. Da man daraus sieht, wie weit die Pilgerherkamen, so führen wir sie kurz im Auszuge an:

Im Jahre 893 wurden geheilt:^) die AebtissinLiubilla selbst von ihrem Podagra; ein Mädchen ausWomöäinAa, (Wemding ); ein Lahmer, Namens Wolf-gerus, aus Llegsnslroim (Megesheim bei Oettingen );Egiuswindis aus LsrZila (Berge! in Mittelsranken),welche ein Bein zersplittert hatte; eine gewisse Geila ausLloülsnUöiin (Stopfenheim bei Weissenbnrg a. S.), welchewegen Mißachtung eines Festtages von Gott gestraft,dann aber von verkrüppelter Hand und auch von Blind-heit geheilt wurde; sodann Erchauboldus aus Nur»(Alten- oder Neuen-Muhr bei Gunzenhausen).

Vom Jahr 894 sind aufgezeichnet:") ein Weibchenaus dem Distrikt DraZorva (Diözese Constauz) findetwunderbar einen verlorenen Gegenstand wieder; eineadelige Frau aus Franken erfleht die Gesundheit ihresKindes; Wunder an zwei Mördern aus der Weingegend.Ein Mann aus dem lflooostarAorvs (Neckargau) bringtsein blindes Kind und es wird geheilt; ebenso ein blinderGreis aus dem Gefolge des allemannischen Grafen Adal-bert; ferner ein Blinder aus Haiwenaskurt: (Hainsfarth bei Oettingen ); Wunder beim Wallfahrtszug der Regens-burger Bürger (RsKineimio quocjus urbg cjucmäamre§a1is st inol^ta, snog uroirastsrmm trarm-misit oivso) und an einem lahmen Knaben LrisaZorvansia(aus dem Breisgau am Rhein ).

DaS Jahr 895") bringt bei den Reliquien der hl.Walburga Hilfe einem blinden Mädchen aus Kcmpten;der Frau Rumhilde aus dem LIis§orvs (im heutigenLothringen, nahe an der Mosel ), welche etwas verlorenhat; in derselben Angelegenheit der Gisela von Thür-ingen, aus hochadeligem Geschlechte; ferner einer epi-leptischen und stummen Frau aus ^äalolteslocrd inxa§o OstelesZorvö (Adelschlag im Kelsgau, bei Eichstätt ),einer Lahmen aus vkoolrinAa, (Kösching bei Jngolstadt),einer stummen Frau aus 'IsizrrinAia (Thüringen ) undeiner nobilis Oiötbii'Aa, bei allen in Allemannien sehrberühmt.

H.nno 896") und die Folgezeit verzeichnet Wolf-hard Wallfahrten und wunderbare Erholungen für Fuß-leidende aus dem Kloster Fulda, aus fl'ubüiga (Tübingen ),

"1 Wolfhard 529.

Enthalten im I. Buch der Wolshard'schcn Schriftox. 4 6.

") Enthalten im II. Buch in 3 Kapiteln.

") Enthalten im III. Buch WolfhardS in 3 Kapiteln.

") Enthalten im IV. Buch, ebenfalls in 3 Kapiteln. Wirhaben bisher immer nach der Seitenzahl bei den Äollandisten

ritirt.

aus den fränkischen Provinzen, aus DrutstinZa (Wasser-trüdingen), aus Monheim selbst und sogar auS Rom(Rowavns yniäorn acivonisns); endlich mit verschiedenenLeiden Behaftete aus der Donaugegend, aus Schwaben ,Franken und eine aus vrutolinga. in xago Luala-nsläioo (Treuchtlingen im Sualafeld).

Außer diesen genannten führt Wolfhard noch mehrereandere wunderbare Ereignisse an, bei denen er keine Orts-namen verzeichnet, und sagt zudem, wollte er alle be-schreiben, deren Augenzeuge er war oder die ihm erzähltwurden, oder die überhaupt geschehen sind, so würde ihmdie Zeit dazu fehlen.

Ein anderer Grund, der die große Berühmtheit undBlüthe Monheims herbeigeführt, mag der gewesen sein,daß sich Bischof Erchambold von Eichstätt so um das-selbe angenommen hat. Es war ja schon mit seineStiftung; dann hat auch Wolfhard gerade auf seineVeranlassung seine Berichte über Monheim niederge-schrieben;") außerdem kam Bischof Erchambold öftersnach Monheim .Es geschah auch, daß der gottesfürchiigeund fromme Bischof Erchambold, wie er nach seinerGewohnheit ziemlich häufig that, selbst das Klosterbesuchte, um die Dienerinnen Gottes zu ermähnen und inder Furcht Gottes zu befestigen." Bei solchen Besuchenhielt derselbe dann auch für das Volk Predigten ab:Als derselbe einmal noch in dieser Kirche weilte und inhl. Eifer sich alle Mühe gab, die Seelen für Christus zugewinnen . . . ."")

Gewiß wurde durch das Bekanntwerden dieser Vor-liebe des Bischofes für Monheim auch der Eifer imVolke immer größer, dorthin zu Pilgern, um so mehr,da auch ein Ablaß damit verbunden war. Und espilgerten dorthin nicht nur das Volk, sondern auch diehohen und höchsten Herrschaften des ganzen Landes, dieja, wie bemerkt, mit Liubila verwandt waren, und daswar ein weiterer Grund für Monheims Berühmtheit: esfanden sich dort ein: Hildegard, die Base des Königsund nachmaligen Kaisers Arnulph, mit ihrem SohnLuitpold von Scheyern,") welchem Arnulph die Ost-und Nordmark zur Regierung übergeben hatte, undwelcher sich gegen die Ungarn so unsterblichen Ruhm ge-holt hat und auch sein Leben im Kampfe gegen dieselbeneingebüßt; außer diesen finden wir dort Adalbert,") denerlauchten Grafen von Schwaben , sowie einen andernAdalbert,") den Markgrafen von Babenbcrg, der imJahre 906 zu Theres durch Heukershand fiel; zu ihnengesellt sich noch Gisela??) die Gemahlin des HerzogsBurchard von Thüringen , Gesandte von Bischof Salomo")von Constauz, Adalbero") von Augsburg und der kgl.Stadt Negensburg "). Sie alle finden wir um den,dem Karolingerhause nahestehenden Bischof Erchambold unddie bayerische Prinzessin, die Aebtissin Liubila, in Mon-heim versammelt, und sie alle waren Persönlichkeiten,welche in die damalige Politik stark hineinverwickeltwaren; es liegt nahe, mit Suttner") zu vermuthen,

") In der xraskatio zur Lebensbeschreibung der heiligenWalburga .

« 2 ) Wolfhard xss. 540 (Üb. IV, ox. 2).

") IIM. pA. 539 (I. IV, ep. 1).

") Ibüi. PA-. 526 (I, 4).

?§. 540 (IV. 2).

") ?§. 535 (III, 1).

530 (II, 1).

") 535 (III. 1).

°°) ?§. 533 (II. 3).

") Eichstätter Past.-Bl. 1859.