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auch in deutschem Gewände einer warmen Aufnahmewerth, zumal die Uebersetzung die fließende Form undden oratorischen Schwung des Originals zu vollem Aus-druck bringt.
Das Werk umfaßt fünf Bände, von denen bisherzwei in deutscher Bearbeitung vorliegen.
Das erste Buch behandelt in meisterhafter WeiseReligion und Jrreligion, die Schönheit der einenund die Trostlosigkeit der andern, sowie die Rolle, welchebeide im öffentlichen Leben spielen. Bereits hier machtB. Gebrauch von der neuen Methode, indem er die letzteUrsache der Religion im Innern des Menschen und in derNatur Gottes aufsucht. Die Vernunft und das Gewissen,die Selbstachtung und die Ehre, die Sorge um dieZukunft sind es, die dem Menschen nicht erlauben, ohneReligion, ohne Gott leben zu können. Zugleich wirdgezeigt, daß weder die Naturwissenschaften, noch diePhilosophie und Geschichte, noch auch die industriellen,politischen und socialen Bewegungen irgend einen ernst-lichen Einwurf gegen die Religion vorzubringen ver-mögen.
Bedarf also der Mensch nach dem Gesagten einerReligion, so wird im zweiten Buch sofort gezeigt, daßdie nothwendige Religion nicht die natürliche, sonderndie Religion Jesu Christi , das Christenthum ist.Auch hier geht der Verfasser nicht den gewöhnlichen Wegder Apologetik. „Du fühlst, daß der Mensch eine Re-ligion haben muß, du weißt aber nicht, welche. Lassedie metaphysischen Fragen, die schwierigen Probleme,Wunder und Prophezeiungen bei Seite; stelle dich vorChristus hin, vor sein unvergleichliches Antlitz, seinLeben, seinen Tod, seine Lehren, seine Tugenden, wieman sich vor die Sonne stellt, aber ohne die Augen zuschließen" (1, 36). Ohne also die Unzulänglichkeit dernatürlichen Religion weitläufig zu besprechen, ohne dieFragen über Möglichkeit und Wirklichkeit der Wunderund Weissagungen, über Authentizität, Unversehrtheit undGlaubwürdigkeit der hl. Schriften zu behandeln, führtB. sofort „die großartige Evidenz Jesu Christi " demLeser vor und erbringt den eingehendsten Beweis derGottheit Christi , indem er von der Menschheit Jesu zuseiner Gottheit, von der menschlichen Schönheit seinesCharakters, seines Geistes und Herzens, seiner ganzenSeele emporsteigt bis zu der vollkommenen Erkenntniß,bis zu der demüthigen und freudigen Anbetung seinergöttlichen Natur. Gewiß eine ebenso historisch als psycho-logisch berechtigte Methode, hat ja der Heiland sie selbstangewandt gegenüber seinem zweifelnden Apostel Thomas ,von dem schon der hl. Augustin ebenso kurz als treffendbemerkt: viäit dominom, Ooum oonkWsua esb, er sahdie Menschheit (Jesu) und bekannte seine Gottheit!
Der eine Satz: Christus ist Gott , schließt aber dasganze Credo in sich. Darum wird das dritte Buch „dieDogmen des Christenthums" behandeln. Da so-dann unter allen Glaubensgcnossenschaften, welche sichTöchter Christi nennen, nnr eine den herrlichen Schatzseiner Lehre unverfälscht besitzt, wird im vierten Buchdie Kirche dargestellt. Den Gegenstand des letztenTheiles wird „die Uebung des Christenthums"bilden. Sachlich und logisch stehen sonach alle Theilemit einander im innigsten Zusammenhang und doch bildetjeder für sich ein abgeschlossenes Ganzes.
Das Unternehmen Bougauds war nach Plan undMethode keine geringe Aufgabe. Ihre Lösung ist aberin großartiger Weise gelungen. Sie ist das Meisterwerk
eines scharfsinnigen Geistes und eines edlen Gemüthes.Ein unbefangenes Herz und ein redliches Gewissen wirddarin die „auserlesensten geistigen Genüsse" (I, 38)finden. Möge das schön ausgestattete und preiswürdigeBuch sich recht weiter Verbreitung erfreuen!
Religionslehrer Or. tffsoi. A. Koch.
Das Kloster Monheim und die Reliquien derheiligen Walbnrga: 893—1893.
Zum 1000. Jahrestag der Neliquienübertragungund Stiftung des Klosters.
Von A. Zottmann.
(Fortsetzung.)
IV. Kurze Zeit der Neubelebung bis zur gänz-lichen Auflösung des Klosters und Reformationc. 1500 bis c. 1600.
In diese trüben Tage des Klosters schien mit An-fang des 16. Jahrhunderts nochmal neues Leben kommenzu sollen. Das Kloster gelangte wieder zu Vermögen;die letzte Aebtissin (Katharina Walrab) war eine gnädigeFrau, besuchte durch Abgeordnete die Landtage, undwaren ihr fast alle Güter in Stadt und Flur Monheimlehenbar?6) Gegen Ende des 15. oder Anfang des16. Jahrhunderts begann sie auch den Neubau der Kirchein spätgotischem Stile. Bei der Ausgrabung der Funda-mente geschah nun ein besonderes Ereigniß, das die Neu-belebung des Klosters noch vorzüglich fördern zu sollenschien. Der Nebdorfer regulirte Chorherr ?. BalthasarBöhm erzählte nämlich in einer Walburgapredigt fol-gendes von diesem Fundamentgraben: „Auch zu meinerZeit, als zu Monheim die Klosterkirch von Grund auserneuert und ein anderes Fundament gegraben wurde,ist unter der Erd ein Altar, obwohl völlig mit Schuttbedeckt, doch ganz und unverletzt gefunden worden. Undals Andreas, der Stadtschreiber, ein Vatter unsers Ordens-und Klosterbruders Sixti in Rebdorff solchem Bau alsBaumeister vorstünde, hat er dieses ersehend um denAltar rings herum zu graben befohlen, damit er freystunde: nachgehends alle Arbeiter beyseits geschafft under mit zwey Priestern den Altarstein eröffnet, allwo erin einem Glas jenes hl. Oel (verstehe das Oel der hl.Walburga , wovon in der Predigt die Rede ist) annochlauter, klar, rein und hell mit denen Reliquien gefunden,welches (wie der beygelegte Zettel auswiese) bei 300 Jahrallda verharret war, und weil dieser Ort drey mahl ver-bruunen, ist dieser Altar in der unterirdischen Kapellalso vergraben und unbekannt geblieben." ^)
Man fand also wieder den lang vermißten, kost-baren Schatz, das Palladium Monheims: die Reliquiender hl. Walburga. Der Bau der Kirche wurde nunmöglichst beschleunigt, und da es doch zu lange gewährthätte, bis man in der Kirche selbst die hl. Reliquienhätte gut und sicher unterbringen können, muß man einst-weilen in einer fertig gebauten Sakristei einen würdigen,mit Gittern umgebenen Ort, vielleicht eine Art Stein-tumba, bereitet haben und dort die in einen silbernenSchrein eingeschlossenen hl. Reliquien aufbewahrt haben,aber so, daß mau sie zu Prozessionen und sonstigenfeierlichen Gelegenheiten bequem herausnehmen und um-hertragen konnte. Der Güte des hochw. Herrn Stadt-pfarrers in Monheim verdanke ich nämlich eine Notiz
">) Eichst. Past.-Bl. 1870, i>§. 201.
") Luidl, Eichst. Heiligthum, 1-, i>§. 222.