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aus dem dortigen Pfarrbuch, welche im Jahre 1618 einJesuit eingetragen. Diese lautet: „Wie ich von zweyalten vernomen, da sie sich in der sacristey wegen schwer-hörens und hohen alters, den sie bey 82 aä 84 (Jahr)waren, eingestelt, nach beschehner deicht mich angeredt:Herr, es ist hierin nit mehr wie vor, da ich Jung war,denn da und da ist ein großer silberner sarg oder Truhengestanden, in dem die heiltumb und leib 8. ^Valkui-xisgelegen und darumb heißen Unser hie soviel Walburg.Discn sölbcn Castcn haben acht Meiner über die Achselngetragen, wenn man mit dem Creitz (Kreuz), (wie ihrHerr itz wieder mit dem Creitz geht) gen Otting Zu Unserlieben Frawen ist gangen. Sonst war da und da alzeitder silbern sarg (loouw rnilii mann ostoniano) abermit gattcr (Gitter) gleich als ein Grab und in einertruhen eingeschlossen."
Die Reliquien der hl. Walburga waren demnachwieder vorhanden. Der Clerus muß um diese Zeit auchzahlreich in Monheim vertreten gewesen sein. In einemVerzeichniß der verschiedenen Stellen bei Frankenstein^)werden für Monheim sechs aufgeführt: der Pfarrer, dererste und zweite Caplan, sowie der Frühmcsser für Mon-heim selbst, dann noch je ein Caplan für Jtzing undWarching. Für sämmtliche sechs Stellen hatte dieAebtissin das Präscntationsrccht; außerdem hatte sie esum diese Zeit auch noch für die Pfarreien Emskeim ^)und Waltersperg?°) So schienen doch abermals Beding-ungen vorhanden zu sein, welche den gänzlichen Verfallhintanhalten konnten. Aber andere Verhältnisse undZeitumstände waren zu ungünstig. Es war die Zeit derbeginnenden sogenannten Reformation. Der Geist derUnbotmäßigkeit, besonders gegen alles Kirchliche, und einerfalschen Freiheit beim Volke und der Geist der Güter-und Ländersucht bei den Fürsten nahm immer mehrübcrhand. Dadurch kam über Monheim Verderben; schon1511 verweigerten die Bürger die Lehenspflicht; imBauernkrieg gab es große Unruhen; diese wurden zwarniedergehalten, aber doch die Aebtissin veranlaßt, mitihrem Konvent nach Neuburg zu flüchten, aus Furcht,vom Pöbel überfallen zu werden?') So dem Regenausweichend, kamen sie in die Traufe, nämlich in dasNetz des Ottheinrich in Neuburg , für welchen nebst seinemBruder Philipp, als Erben des verstorbenen Ruprecht,die junge Pfalz: Pfalz-Neuburg , durch den Kölner Spruchgebildet worden war. Welche zum mindesten höchst ver-dächtige Sache es war, ja gefährlich, unter Ottheinrichszweideutigen Schutzmantel zu gelangen, wird uns klar,wenn wir uns nur einigermaßen in der Geschichte nachseiner Persönlichkeit umsehen. Bei Janssen^) finden mirüber ihn Folgendes: „Durch seine Prachtbauten, seinenHofstaat, seine Spiclsucht, sein ,epikurisches Leben' hattesich Otto Heinrich so tief in Schulden gestürzt, daß erfür den ,verarmtesten Fürsten im ganzen Reiche' geltenkonnte. ,Aus Bedrängnis; der Schulden hatte er sichmit seinem Bruder, Pfalzgrafen Philipp, genöthigt ge-sehen, die Herrschaft Heidcck und die beiden Aemter Steinund Allersberg an Nürnberg zu verkaufen ... InNürnberg daneben das Murmeln, das Amt Amberg undSulzbach würden auch bald flattern' . . . ,Trotz der er-
Falckenstein, Lutiqu. Uorägav. im Hochstisi Eichstätt ,II. Tbl., pg'. 302-303.
F.Nckcnsteiii, I. o. 303.
«") 1>»cl. iix. 310.
°>) Eichst. Vast.-Bl. 1870, x§. 202.
lösten Summen war Otto Heinrich immer noch vonGläubigern beladen' . . . Widmnnn schreibt, ,er warwohl seines Fürstenthums scxe Werth schuldig'." Anandrer Stelle^) läßt Janssen einem Augenzeugen er-zählen, daß Otto Heinrichs Gelage mit seinen Gleich-gesinnten so lange gewährt, „also daß die Herrn zumalalle fröhlich und, wie sie es nennen, mit guten altenSpitzen versehen worden. Sonderlich hatte Herzog OttoHeinrich nicht wohl mehr stehen können". Das genügt;die Geschichte brauchte uns gar nichts aufbewahrt habenvon des Klosters Schicksal, so könnten wir uns einbilden,daß für einen solchen Fürsten, der so gute alte Spitzesich angetrunken und bis über Hals und Kopf so inSchulden steckte, daß eines seiner Güter nach dem andern„flattern" mußte, Monheim recht bequem kam, um es inseine Tasche zu stecken. Es sind noch Nachrichten vor-handen, wie schlau er das angefangen. Die Aebtissinwar mit ihrem Convent in Streit gekommen. Ottheinrich mischte sich nun so ein, daß beide Theile erst recht gegeneinander erbittert werden mußten und selbst der Conventvermindert wurde. Nachdem er das erreicht, gab er sogarBefehl, es dürfe ohne sein Vorwisscn keine neue Convent»frau aufgenommen werden. Damit hatte er indirekt dasKloster auf den Aussterbeetat gesetzt?^) DaS war um1525. Drei Jahre später, 1528, war außer der Acblissinnur mehr eine einzige Chorfrau im Kloster, und mußtedieses also von selbst sehr bald aufhören. Da er aberauch das nicht erwarten konnte, so wußte er beim Papsteeine vour 5. Februar 1530 datirte Bulle durchzusetzen,des Inhalts, daß er wegen geringer Anzahl der Nonnen,sowie wegen schlechter Disciplin und unordentlicher Haus-haltung derselben, das Kloster aufzuheben berechtigt sei.Er selbst aber schickt erst im Winter darauf seinen Pflegernach Monheim , um sich erkundigen zu lassen, wie es mitder Verwaltung nnd Disciplin, uiit Gottesdienstordnungund kirchlicher Gesinnung u. dgl. bei den Nonnen steht.Wir sehen, welch ein ganz widriges Spiel er mit demKloster treibt und wie er, um die Aufhcbungsbulle zuerschleichen, den Papst nach allen Dimensionen belügtund betrügt: erst wirkt er dahin, daß alte Klosterfrauenausgeschlossen und neue nicht aufgenommen wervcn, dannbittet er, wegen zu geringer Anzahl der Klosterbewohucr,um Erlaubniß, das Kloster aufheben zu dürfen; fernerschreibt er nach Rom, daß schlechte Disciplin rc. imKloster herrsche, und erst fast ein Jahr später erkundigter sich über die zwei noch übrigen alten Klosterfrauen»wie es eigentlich mit ihnen sieht; vorher wußte er nichtsdavon und konnte also kein Urtheil abgeben. Im Besitzder Aushebungsbulle, „ließ der Herzog Alles im KlosterInventarisiren, stellte 1531 der Aebtissin Cnratoren zurSeite, und als dieselbe am 10. Januar 1533 mit Todabgegangen war, nahm er Ornate und Gelder in Be-schlag. Zu Ostern zog die noch übrige Nonne, MarthaEschenweck, aus dem Kloster, und die Stiftung Linbilla'swar erloschen."^)
Wir fragen uns unwillkürlich: Was ist aus denReliquien der hl. Walburga geworden, nachdem die be-rufenen Behüterinncn derselben entfernt waren. Vor-läufig wurden sie an ihrem ursprünglichen Ort belassen,nunmehr unter die alleinige Obhut des Klerus gestellt:denn Ottheinrich hatte sich bis jetzt immer noch ganz gutkatholisch gestellt und auch bei der Klosterannepion ganz
Ibiä. 695.
Neuburger Collekt. 1816, xg. 89.Eichst. Past.-Bl. 1870, xg. 202.