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(15.2.1894) 7
 
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vorzüglichen Eifer für die Neinerhaltung des kirchlichenGlaubens und kirchlicher Disciplin vorgegeben: und dasmußte ihn doch noch zurückhalten, sich auch an den hl.Reliquien zu vergreifen. Wenn wir nach obiger Angabedes Monheimer Pfarrbuches vom Jahre 1618 zurück-rechnen in die Jugendzeit der beiden Alten, welche dieAngabe gemacht haben, daß in ihrer Jugend der Re-liguienschrein noch in der Sakristei stand, so kommen wirungefähr auf das Jahr 1548; es werden die Reliquiennoch einige Jahre länger, etwa bis 1553, erhalten ge-blieben sein; das ergibt sich aus folgendem Verlauf derreligiösen Verhältnisse:

Der Herzog warf bald seine katholische Maske abund ließ im Jahre 1543 seine halb lutherische, halbkalvinische Neuburger Kirchenordnung erscheinen, welcheallen Pfarreien Zur Befolgung vorgeschrieben wurde. DerMonheimer Stadtpfarrer hatte die Schwäche, sich derGewalt zu fügen und dieselbe, obwohl mit Widerstrebenund innerlich gut katholisch gesinnt, äußerlich auszuführen.Auch gab er dem Drängen Ottheinrichs nach und nahmein Weib. War so der Hirte zu Fall gebracht, so ginges um so leichter, nunmehr bei der Hecrde das Luther-thum einzuführen. Es dauerte aber nicht lang, da gingder Wind wieder anderswoher.

Kaiser Carl V. hatte 1547 durch den Sieg beiMühlberg den schmalkaldischen Krieg beendigt und be-schlagnahmte nun Pfalz-Neuburg für sich und machte eswieder dem katholischen Glauben zugängig. Da schriebStadtpfarrer Fricdl von Monheim an die bischöfl. Be-hörde von Eichstätt, daß er und andere, als Ottheinrich sie unter seinen Gerichtszwang zog, in dieser Nath-und Hilflosigkeit nirgends Rettung gefunden und darumdie neue Kirchenordnung durch die Verhältnisse dazu ge-drängt, eingeführt hätten. Schließlich bittet er, es mögediese Erklärung dem Bischof mitgetheilt und er und seineCooperatoren demselben alsdessen arme und gehorsameDiener und Caplüne" empfohlen werden. Aus den6. März wurden nun verschiedene Priester vorgeladenund in Eichstätt über ihren Uebertritt vernommen. Stadt-pfarrer Fricdl erklärt:Er ist bereit den ihm angethanenZwang legal zu constatircn. Katholisch habe er immernoch gepredigt; auch in andern Stücken katholisch sich ge-halten, die Kirchenordnung nur beachtet, wo er nichtanders konnte. Er hat (weil Ottheinrich keinenunverehelichten Priester mehr duldete) ge-heirathet, werde aber ohne Umstünde das Weib ent-lassen." Schlimmer stand es mit seinem Kaplan vonJtzing, welcher erklärte, sein Weib nicht entlassen zukönnen. Letzterer wurde abgesetzt und entlassen, Stadt-pfarrer Fried! wegen seiner Umkehr und guten Willens,wie mehrere andere, wieder aufgenommen. Ihre Bußebestand darin: ein Jahr lang jeden Freitag die siebenBußpsalmen mit der Litanei zu beten und jeden Freitagbei Wasser und Brod zu fasten?»)

Damit schien es nun sein Bewenden zu haben undMonheim katholisch bleiben zu sollen: aber es sollte vor-läufig doch nicht recht zur Ruhe kommen. Durch denPassauer Vertrag 1552 kam Ottheinrich wieder in denBesitz der Pfalz-Neuburger Lande, und der verstand esnun, mit der katholischen Religion radikal aufzuräumen. Eskamen die Prädikanten der Lehre Luthers nach Monheim ,alles Katholische wurde unterdrückt, ja oft, was nur an kathol.Zeit erinnerte, mit großem Haß zerstört, und die neue

Lehre pflanzte nun mit Gewalt und großer Hartnäckig-keit ihre Fahne auf. Und das wird wohl auchdie Zeit gewesen sein, in welcher die hl. Re-liquien abhanden gekommen sind. Der silberneSchrein wird manchem Herrn gar einladend in die Augengestochen haben und etwa in ein willkommenes Taschen-geld verwandelt, die Reliquien selbst aber werden, wennsie vielleicht nicht doch durch Fügung Gottes irgendwoerhalten ruhen, aus konfessionellem Haß oder Gleich-gültigkeit verstreut worden sein. Es ist zu befürchten, meintLuidl, daß die Heiligthümer der hl. Walburga , als dasganze Herzogthum Neuburg sichvon der Römischen Kirchabgerissen und zu des Luthers Evangelium bekennet hat",eben die Gewaltthätigkeiten erlitten haben, mit welchendie Anhänger der neuen Lehre auch anderswodie Re-liquien der Heiligen angetastet, beschimpft und vertilget

haben"?»)

Aus dieser Periode ist nun nur Weniges mehr an-zuführen. 1574 wurden die Klostergcbäude abgebrochenund im Schütte liegen gelassen. Auch die Petcrskapellewurde entweiht und in ein Wohnhaus verwandelt. Diegroße Pfarr- und Klosterkirche war bis jetzt immer nochnicht fertig gestellt. Es galt eben auch, was der General-vikar Priefer bezüglich der Kirche in Mörsach in seinemBericht geschrieben:vioitur, man hab aufgehellt, daranzu bauen, wie der Luther aufgestanden." Sie war bisherohne Gewölbe, so daß man in den freien Himmel Hinauf-schanen konnte. Erst 1575 wird der Thurm ausgebaut,und erst als die Leute die um die Kirche herumliegendenSteine zu ihrem Privatgebrauch fortschafften, ging mandaran, die Kirche selbst zu vollenden, welches im Jahre1596 geschah?»)

Beim vorigen Abschnitt hat uns ein Rückblick schonein trauriges Bild geboten: blicken wir aber am Schlüssedieser Periode aus die Schicksale des Klosters und dieReliquien der hl. Walburga zurück, so zeigt sich uns einnoch viel traurigeres Bild: das Bild der gänzlichenAuflösung und Zerstörung; das Kloster liegtniedergerissen in Schutt, die hl. Reliquien sind vernichtetoder wenigstens spurlos abhanden gekommen, die Kloster-frauen und der katholische Klerus entfernt, die Kirchewiderhallend von den heftigen Angriffen gegen den altenGlauben. Und es schien, daß nun Monheim endgiltignach dieser Richtung hin befestigt werde und das An-denken der hl. Walburga für immer ausgerottet sei.Aber, Gott sei Dank! es schien nur so.

(Schluß folgt.)

Die christlichen Missionen aus den Fiji-Jnseln.

1. Die protestantischen Misstonen.

(Nach einem Privatbricfe.)

Ein Freund und Mitarbeiter unserer Blätter erhieltvor kurzer Zeit aus Levnka, Fiji-Jnseln, von einemdort angesiedelten Freunde ein Schreiben vom 15. No-vember v. Js. Es verdient dasselbe, weil die christlichenMissionen besprechend, wenigstens auszugsweise in weiterenKreisen bekannt zu werden. Ein zweiter, die kathol-ische Mission schildernder Brief ist in Aussicht ge-stellt, vielleicht schon unterwegs.

Verfasser des Briefes ist ein k. u. k. Oberlieutenant a. D.,O. v. H. Bei Jicin 1866 schwer verwundet, genas erzur Freude seiner Freunde, reiste nach Sau Francisco zu

°°) Eichst. Past.-Bl. 1868, pA. 125-130.Luidl, 1. o. 222-223.

b°) Luidl, I. o. M. 222.

°°) Eichst. Past.-Bl. 1863, x§. 111.