Ausgabe 
(15.2.1894) 7
 
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einem dort lebenden Bruder und lebt nun als Plantagen-

besitzcr seit Anfang der 70er Jahre auf Fiji -Daß

Sie den katholischen Missionen hier den Vorzug geben,wundert mich nicht?) Man muß an Ort und Stellesein, und zwar lange, um das Treiben der Wes-leyaner *) **) richtig beurtheilen zu können.

Nicht alle, doch viele derselben benutzen die Missionnur, um, wenn auch nicht ihre eigene Tasche, doch dieihrer Gesellschaft zu füllen.

Sie beziehen reichliche Einkünfte von ihren Ab-sendern, während die katholische Mission nicht einenPfennig weder von der Regierung noch von der Be-völkerung einnimmt, sondern nur von der MarianischenKongregation und der 800 . pro xroMAanäu siäs" inLyon. Graf Hübner konnte bei seinem Aufenthalt nurflüchtig sehen, dennoch ist sein Urtheil über unsere Mis-sion im Allgemeinen richtig.

Im Jahre 1839 kam William Croß, der erstewesleyanische Missionär, hieher, im Jahre 1842katholische Missionäre, dadiehierangesiedeltenkatholischen Europäer ohne Seelsorge waren,keineswegs um die Protestanten zu vertreiben.Der erwähnte 1?. Brälisret begann damals seine sogesegnete Thätigkeit."

Die Wesleyaner predigten ihre Religion unter demNamenI^otu-äino.", d. h.Wahre Kirche". Die Mis-sion machte Fortschritte, da die wesleyanische ohne Con-cnrrenz war.

Damals lieferte Fiji große Quantitäten Cocos-nußöl (VVai-^Vai). Baares Geld war unter den Ein-gebornen unbekannt, und die Missionäre erhielten undforderten-von den -Eingebornen ihre Geschenke und kirch-lichen Abgaben in Cocosnußöl nahmen sie nur zuniedrigem Preise an und verschifften sie auf einemihrer Gesellschaft gehörenden Schiffe. Die Eingebornennannten daher diese Religion liotu-IVa'i-'VVai (Oel-Ncligion).

»Jetzt nennen die Eingebornen auch die katholischeReligion I^otu-Ouva, da die Ausfnhr von Oel fast auf-gehört hat und statt dessen Copra ausgeführt wird. Diewcsleyanischen Missionäre lehrten, die rathol. Kirche ver-diene nicht diesen Namen, sondern sie sei eine I-otu-Imsu(d. h. Lügenkirchel). Einer derselben veröffentlichte einwie ein katholisches Meßbuch mit rothen und schwarzenBuchstaben gedrucktes Buch. Die gemeinsten, infamstenLügen waren in diesem Schaudwcrk über unsere (ka-tholische) Kirche gesagt! Man muß indeß anerkennen,daß die anderen Missionäre darüber empört waren unddies Benehmen ihres ,Bruders' schärfstens mißbilligten.Sie kauften womöglich alle Exemplare zurück, und derThäter mußte, der allgemeinen Verachtung weichend, dieInsel verlassen.

Ich muß auch constatiren, daß die nicht den Wes-leyaneru angehörenden Missionäre, in jeder Beziehungbesser sind, so daß erstere ihren Anhang verloren.

Obwohl nun die Missionäre große Summen ausLondon beziehen, kommen sie mit ihren Familien undzahlreichem Haushalt nicht aus. Aber die Gesellschaftkann oder will ihnen nicht mehr geben, die getauftenEingebornen müssen also für das Fehlende eintreten. Es

*) Ick hatte Herrn O. v. H. die Urtheile Hübners in seinerWeltreise mitgetheilt.

Eine Abart der Methodisten, jener auck bei gutenProtestanten ibres zudringlichen arroganten Wesens wegen inübelstem Rnt'e stehenden Sekte.

muß zugegeben werden, daß diese Missionäre ein ganzaußerordentliches Talent zeigen, Geldquellen aufzufindenund Zahlungen zu betreiben. Ich glaube nicht, daßsie es für ihren Privatvorthetl thun, es ist fürihre Gesellschaft. Je mehr sie ihr Geld senden, destobesser sind sie in England angesehen.

Diese Steuern werden natürlich als ,freiwilligeGaben' angegeben, denn die Regierung erlaubt keineSteuern für irgend eine Kirche! Wie diese ,Freiwillig-keit' aussieht, einige Beispiele:"

Die Lulio (Distriktsvorsteher) sind getaufte Ein-geborne, meist ehrlich, aber ganz abhängig vom protestant-ischen Missionär. Dieser bestimmt das ,Vasia > ruisZionarz? Missionssteuer. Sie muß in baarem Gelde bezahltwerden, und dies zu verschaffen, müssen die Leute ihreProdukte um jeden Preis verkaufen. Einigen Missionärensagt man nach, doch will ich es nicht verbürgen, sie ließenselbst von Vertrauten die Produkte kaufen und mit Vor-theil verkaufen.

Wenn ein Fijianer eine große Gabe dem Mis-sionär oder auch dem Katechisten bringt, so empfängt erseinen Dank mit den Worten: , 8 ü äolu siivoi lro-loinulu§i!' (Der Himmel ist für Dich offen!) Dasist eine von allen Unparteiischen, auch protestantischen,die lange hier sich aufhielten, zugegebene Thatsache.

Neben dieser großen Sammlung besteht noch die,Valca vula 1o!u° (3monatliche Sammlung: vula Mond,Monat, tolu drei). Für dieselbe werden Waaren, Früchte,Oel, Seife u. s. w. angenommen. Die Luri und 'lurauAL(Ortsvorsteher) werden von den Missionären aufgemuntert,möglichst eifrig diese .freiwilligen Gaben' einzutreiben, na-türlich dürfen keine Zwangsmaßregeln angewendet werden,denn die Regierung würde sie einfach verbieten, es mußalles durch Versprechen geschehen. Viele dieser 1uran§upredigen auch selbst, und thun es gerne. Ob sie auchdazu befähigt sind, darnach fragt die Behörde nicht undder Missionär auch nicht, wenn er nur viel sammelt. Ichhabe noch nie einen gehört und auch kein Verlangendarnach. Einige derselben, die das Missions-Colleginmauf der Vitu-Levu-Insel besuchten, werden von derRegierung bevollmächtigt, gültige Trauungen zu schließen.Diese sind verhältnißmäßig gebildete Leute. Sie erhalten8040 Pfd. St. jährlich, aber noch einen großen An-theil der Vasia vula tolu, so daß es in ihrem eigenenVortheil liegt, sie so hoch als möglich einzukassiren.

Alle drei Monate hält der Missionär noch mit seinenKatechisten und Unter-Predigern besondere Confercnzeu ab,in denen immer das beschlossen wird, was er will.

Obwohl getauft, halten viele Eingeborue den Mis-sionär immer noch für eine Art Zauberer, dessenLiebe Glück, dessen Fluch in diesem und in jenem LebenUnglück bringt. Allerdings lehren dies die Missionärenicht, doch thun sie auch nicht viel dagegen, weil ihrEinfluß sinken würde.

Die Missionäre haben auch ein Recht, von ihrenLeuten gewisse Arbeiten, Bebauen der Felder, Gärten,Einsammeln der Produkte, zu verlangen. Einige vonihnen mißbrauchen es! Ihre Schüler sind mehr für sie,als mit dem Lernen beschäftigt.

Auch die Eitelkeit sie ist sehr groß! derFijianer wird vielfach ausgebeutet. Man sprengt z. B.aus, ein Nebendistrikt habe so und so viel an freiwilligenGaben gespendet. Nun werden z. B. die von ^Vo irusil nicht ärmer sein wollen! Man sagt den Lulis, die