Ausgabe 
(15.2.1894) 7
 
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Regierung werde dünn auch diesen oder jenen Wunscherfüllen, dem reichen Bezirk zur Freude.

Natürlich weiß die Colonial-Negiernng das Allesgenau, sie muß ein Auge zudrücken, es sei denn, daßein weißer Ansiedler offiziell die Sache zurAnzeige bringt. Dann freilich müssen die Missionarealles herausgeben, die Lulis werden abgesetzt, aberbald ist es beim Alten! Zudem verfeindet man sich auchnicht gerne mit diesen Leuten, die einem Arbeiter ent-fremden oder sonst das Leben unangenehm machen können.Es erklärt auch zum Theil die Furcht, oft den Haß vielerMissionäre gegen die Europäer, die angesiedelt sind.

Ich habe keine Ursache, mich über die protestant-ischen Missionäre zu beklagen. Sie hassen mich wohl,weil ich katholisch bin und wir Katholiken es nicht dulden,daß unsere Priester und Missionäre von diesen Leutenverlüumdet und geschmäht werden; sie wissen, daß ichihr Treiben durchschaue, indeß auch mich nicht um Dingekümmere, die nicht ich verantworten muß.

Noch ein Beispiel, wie die Wesleyaner Alles zuihrem Vortheil ausnützen. Sie haben die Communionbeibehalten, aber keine Beichte. Anstatt der Hostie be-nutzen sie kleine Kügelchen, aus Arrowroot und Stärkeverfertigt. Sie entziehen den Leuten, welche unsittlichleben, z. B. Ehebruch treiben, die Communion, bis siesich bessern. Sie heißt: OurusiAN (Ouru eintreten, 8i§nSonne, Tag). Einzelne nicht alle! wesleyanischeMissionäre machten eine elende Comödie ausdieser sogen. Besserung! Der Ausgeschlossenebrauchte einfach mindestens 1 Pfd. St. zu bezahlen, dieBesserung war Nebensache! Nur die Wesleyaner thatendies, und es soll auch nicht allgemein gebilligt werden.

Gut, aber wie verlüumden uns Katholiken nichtnur die Wesleyaner, sondern fast alle Protestanten mitunserem hl. Ablaß! Zwei der wesleyanischen Missionärewaren allgemein wegen ihres lauten und energischenEinschreitens gegen diesen Seelenschacher bekannt, diemir persönlich bekannten Herren Webb und Gibson.Leider haben diese beiden Ehrenmänner die Colonie ver-lassen, und es soll jetzt wieder neu angehen. Die Londoner Leitung ruft nicht die Schuldigen ab, sondern ihre An-kläger, weil sie an Einnahmen einbüßen könnte.

Ein gewisser Ehapman, Missionär, trieb seinenHaß gegen die katholische Kirche soweit, daß er einekatholische Kirche auf ^L-su-rvo, anzündeteoder anzünden ließ! Er ist in Untersuchungshaft,und man hört, es stehe schlecht mit ihm. Darauf deutetschon, daß die Wesleyaner, entgegen ihrer Gewohnheit,ungemein still und bescheiden find. Sie haben die Sym-pathien des Gouverneurs gewonnen. Doch Sir Baklcy,unser Ostisk-lluslios, ist ein Ehrenmann, vollkommenunabhängig, und läßt sich nicht beeinflussen.

Glauben Sie indeß ja nicht, daß ich ein Feindder Mission bin, deren Nutzen und Segen ich nicht inAbrede stelle, obwohl meine Erfahrung mir lehrt, daßVieles nur äußerlicher Schein ist. Was mich empört,ist das Treiben dieser Missionäre gegen unsere liebe ka-tholische Kirche und unsern, von Hübner seinem Verdienstnach gewürdigten Ist Brieloret, von dessen Leiden undVerdiensten mein nächster Brief berichten soll. Er lebtapostolisch einfach und bescheiden und beutet Niemandenaus, wie es die Wesleyaner thaten und zum Theilenoch thun.

Auch sind in Li§Ii Ostnrok Hsverenfls ganzandere Leute, haben aber gar keinen Einfluß.

Sie haben wohl vom Ist Damian gehört! Wennje Jemand die Canonisation verdiente, so ist er es.Man muß nur den Aussatz dort gesehen haben, um sicheinen Begriff von dem Leben dieses Märtyrers zumachen! Wir Katholiken können auf einen solchen Mannhinweisen, wenn unsere Feinde, und gar Leute wie diebeschriebenen Wesleyaner find, mit Lügen und Ver-länmduugen uns schaden wollen.

Für heute schließe ich .... .

Ihr ganz ergebener

O. H."

Der neue Hochaltar der St. Marienkirche zuKaiserslautern.

kl Ik. Wir lcbcn in einer Knnstära, in welcher auf demGebiete des gesannnien Kunsigcwcrbes die profane Innendeko-ration, trotz vielfacher Ausartungen, ihre täglich wachsendenTriumphe feiert. Der Innendekoration privater, öffentlicherund staatlicher Räume fallen die fürstlichsten Zuwendungenanheim, sie verlangt das regste Studium, sie beansprucht underhält das Interesse der kunstverständigen, wie der schau- undvcrgnügungSlnstigen Bevölkerung. Im Gegensatze zu diesemkünstlerischen Auffvande der modernen Zeit ist die kirchlicheInnenarchitektur und Innenausstattung mit einer wahrhaftstiefmütterlichen Unterstützung und mit einem relativ geringenInteresse bedacht, und nur selbstlose Künstler wenden sich denhochidealen, aber in Rücksicht aus pekuniären Erfolg und aufAnerkennung eines modernen, unk.rchlichen Publikums meistundankbaren Aufgaben zu. So viele berühmte Vertreter heutedie monumentale mittelalterliche Architektur zählt, so vcrhältniß-mäßig wenige hervorragende Spezialisten weist die kirchlicheInnenausstattung und besonders die Holzarchitektur auf. Umso erfreulicher ist es, hie und da in Gotteshäusern Werke derheutigen religiösen Kunst und dcS Knnstgcwerbcs zu treffen,welche den Stempel ächter Kunst, daö Zeugniß langen und ge-reiften kunstgcschichtlichcn Studiums, den Beweis technisch voll-endeter Ausführung an sich tragen, und welche Originalität derGcsammtform mit Reinheit dcS Stiles und geistiger Tiefevereinigen. Als ein solches Werk möchten wir den neuenHochaltar der von Professor Frhrn. v. Schmidt erbautenSt. Marienkirche zu Kaiserslautern bezeichnen. DerAltar, entworfen von Pfarrer Stiff in Obcrwintcr a. Rhein und ausgeführt von den Gebr. Port in Münstcrmaifcld (beiKoblenz ), ist sowohl in Rücksicht auf die in ihm verkörpertengeistigen Ideen, als auch in Beachtung seiner künstlerischen undtechnischen Ausführung ein ganz hervorragendes Produkt kirch-licher Innenarchitektur und kann ohne Uebertreibung als derkünstlerisch werthvollste Hochaltar der Diöcese Speher bezeichnetwerden. Der fignralc Theil der Altararbeit ist von HerrnCarl Port (Kunstanstalt in Augsburg ) ausgeführt.

Die dem Aufbau dcö Flügcl-Hochaltares zu Grunde lie-gende Idee ist, nach Pfarrer Stiff, folgende:

Die Vorderseite des in Stein gearbeiteten AltartischcS istin 12 kleine Nischen und eine größere Mittelnische eingetheilt,geschmückt mit den Apostclfiguren und unserem Erlöser und dieIdee versinnbildend, daß alles Heil von Christus durch das hl.Meßopfer uns zufließt, bezeugt und mitgetheilt durch die Apostelund ihre Nachfolger. Auf dem Mariische, Predella und Altar-schrein überragend, erhebt sich der Haupttheil dcö Ganzen, derweit vorspringende Tabernakel, nuten mit dem Ncpositorium,oben mit dem Expositionsthron versehen, alsturris kortitmäinis,Thurm der Stärke". Selbst bei geschlossenen Flügeln verliertder Tabernakel nicht an seiner Bedeutung. Die Thüre deö Rc-pvsitvriums schmückt eine nach mittelalterlichem Vorbilde ent-