Ausgabe 
(15.2.1894) 7
 
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worfenc, auf goldgestirntemHimmel" sich abhebende Darstellungdes Heilandes, das Kreuz in der einen Hand, die andere segnenderhoben mit der an den Friesen der Taberuakelthüre ange-brachten erklärenden Umschrift:ÜArsäis tmr vowiuus äs toeoLancia suo, voniot nt salvet xopuluw snum. Es schreitet derHerr aus seinem Heiligthume, er kommt, sein Volk zu erlösen."Bild und Umschrift soll dem Glauben Ausdruck geben, daßalles Heil des Christen aus Christi Opfer und Sakramentstießt. Die neben dem Repositorium befindlichen vier Medaillonsder Predella haben symbolische und vorbildliche Darstellungender Gottesmutter zum Vorwürfe. In den Bildern des Altar-schreines und der über dem Schreine sich befindenden Mittel-nische kommen sodann die fünfzehn Geheimnisse des Rosen-kranzes zur Darstellung. Durch diese plastischen nnd farbigenBilder, dem Inhalte unseres ganzen Erlösungswerkes, wird demBeschauer laut die Wahrheit gepredigt, daß wir uns die Gnadeunseres ErlöserS aneignen und durch treue Mitwirkung mitderselben durch Trübsal zur ewigen Glorie gelangen werden.Bei geschlossenen Flügeln sind nur die freudenreichen und schmerz-lichen Geheimnisse und oben, in vorbczeichneter Nische, dieKrönung Maria sichtbar. Der Altar soll so, an gewöhnlichenTagen, verkündigen, daß, wie Maria (ähnlich wie ihr göttlicherSohn) sich durch Ergebung in GotteS heiligen Willen, in Kreuzund Leiden den Himmel verdienen mußte, für den Christen keinanderer Weg zur himmlischen Glückseligkeit führt. Damit aberdas schwache Herz vor dem Leiden nicht zurückschrecke, ist in demoberen Nischenraum durch die Darstellung der Krönung Mariastets dem betrachtenden Auge der Lohn deö muthvolle» und ge-duldigen KampfcS angedeutet. Aus diesem Grunde, nnd weilder Altar zugleich Maricnaltar ist, soll die obere Gruppe immersichtbar sein, damit dem Erdcnpilger fort und fort das Zielseiner Wanderung und seines Ringend ungetrübt vor Augenschwebt. Wird aber an hohen Festtage» der Altar geöffnet,dann erstrahlt derselbe in voller Gold- und Farbenpracht, dannerscheinen die glorreichen Geheimnisse in herrlichen Hochrelief-darstellungen, und es wird dem fromme» Beschauer der Lohnder treuen Mitwirkung mit der Gnade, in diesem Leben wie indem kommenden, an dem Beispiele der Gottesmutter zu Ge-müthe geführt.

Die zwei Strebepfeiler des Altarschreines umrahmen dieHeiligenfiguren: hl. DominikuS nnd bl. Bernhard, denBegründer des Nosenkranzgebctcö und den glühenden VerehrerMariens. Auf der hohen Endigung der Strebepfeiler stehenEngel mit Posaunen, welche zur Mitwirkung an der im Schreinedeö Altares versinnbildlichten Aufgabe des Christen mächtigauffordern.

Das ist die geistige Idee des Altares, den wesentlichen In-halt der durch Christus uns vermittelten Wahrheit, das ganzeErlösungswcrk umschließend, alles in Beziehung auf die gnaden-reiche Gottesmutter, der die Kirche erbaut und geweiht, gedacht!

Der Altar ist im Charakter der rhcinischen Frühgo thikgehalten und weist auf ein seltenes Vcrtrautscin mit den Formenjenes Stiles hin. Besonders reizend ist der reiche Abschluß deöAltarschreincs. Die Bildhauerarbeit, sowohl in Stein wie inHolz, ist durchgehends vorzüglich und wabrt bei Vermeidungaller anatomischen Fehler der mittelalterlichen Plastik überallden typischen Charakter der besten gothischen Vorbilder. Vonjener süßlichen und schematischen Darstellung gothisch sein sollenderHeiligenfiguren, mit welchen in den letzten Jahrzehnten so vieleKirchen beglückt wurden, ist nichts zu finden. Ganz ausgezeichnetist die Polhchromirung des Flüzelhochaltareö, deren harmonischeund prächtige Farbenwirkung leider in Folge der ungünstigenBeleuchtung des Chores nicht voll zur Geltung kommt.

Das Material der Architekturthcile des Altares, mitAusnahme der Mensa und des Stipcs, ist Eichenholz. DieMensa und der Unterbau sind in grauem, die sie schmückenden

Figuren in weißem Sandstein gearbeitet. Die drei Stufen desAltares bestehen aus dunkclgrauem Marmor. Das Repositoriumdeö Tabernakels ist mit vergoldeten und theilwcise verziertenKupferplatten ausgelegt. Die rechts und links von demselbenbefindlichen Medaillons der Predella sind in Glasemail aus-geführt.

Die technische Herstellung des Kunstwerkes ist eine durch-aus exakte und solide. Selbst der mit elegantem Maßwerk de-korirten Rückseite des Altares ist dieselbe Sorgfalt zugewendet,wie den übrigen Theilen des Werkes.

Pfarrer Stiff, der Schöpfer des Altares, und die FirmaGebrüder Port haben durch den Hochaltar der St. Marien-kirche zu Kaiserslautern ein Denkmal der heutigen religiösenKunst geschaffen, welches zur allseitigen Beachtung und zurNachahmung herausfordert, sie haben die höchsten Geheimnisseunseres Glaubens in einer seltenen geist- und kunstvollen Weisezum Ausdrucke gebracht und sich Hiebei, als selbstlose christlicheKünstler, mit bescheidenem Lohn und bescheidener Anerkennungbegnügt. Möge ihnen diese Anerkennung durch diese Zeilen,wenn auch verspätet, in weiteren Kreisen zum Antheilewerden!

Recensionen und Notizen.

Katholisches Kirchenrccht. Von Franz Heiner.

Erster Band XIV und 391 S.; zweiter Band 438 S.

Paderborn , Schöningh 1893/4.

An Lehr- und Handbüchern des kath. Kirchenrechts istwahrlich kein Mangel. Nennen wir unter den neueren nurAichner, Hcrgenröthcr, Lämmer, Phillips, Scherer, Silbcrnagl,Bering, deren jedes vortrefflich ist, jedes seine eigenartigen Vor-züge auszuweisen hat. Und doch ein gutes Buch hat mannie zuviel. Ein solches liegt uns aber ohne Zweifel in demneuen Heincr'schen Werke vor. Der Verfasser, Schüler derberühmten römischen Kauonisten Santi und de Angeliö, batsich auf dem Gebiete des Kirchenrechts bereits einen ehrenvollenNamen erworben durch seine Arbeiten über die kirchlichen Cen-suren und das Eherecht, nnd auch vorliegendes Handbuch, dasin zwei mäßigen Bänden vollständig erschienen ist, zeichnet sichdurch große Klarheit und Uebersichtlichkeit aus nnd empfiehltsich dadurch insbesondere für Kandidaten der Theologie und fürSeclsorgsgeisiliche, deren Bedürfnisse der Verfasser, wie er inder Vorrede selbst bemerkt, bei Abfassung des Werkes vorzüglichberücksichtigt hat. Demgemäß hat sich der Verfasser bei seinenCitaten und Literaturangabcn durchaus auf das Nothwendigstebeschränkt, mit vollem Rechte. Denn ein Zuviel, ein Wald vonNamen verwirrt, nnd besonders für den praktischen Seclsorgö-gcisilichen handelt es sich doch zuvörderst darum, für jede Ma-terie den gleichsam klassischen Autor kennen zu lernen. DieDiction des Verfassers unterscheidet sich vorthcilhaft von demvielfach sehr geschraubten und oft ungenießbaren Juristendeutsch.All dies schließt freilich nicht aus, daß nicht etwa für einehoffentlich bald nothwendig werdende neue Auflage einige Ver-besserungen wünschenSwcrth wären. Vor allem dürfte daö Re-gister sorgsamer bearbeitet werden. Hier sucht man z. B.Fc-bronius",Papalsystcm",Spolicn (-Recht und -Klage) umsonst,beiEpiseopaliystem" ist auf S. 271 verwiesen, wo aber vomEpiscopalshstem als Ausfluß deö von den weltlichen Fürstenbeanspruchten ins circa saora, nicht im Gegensatz zum Papal-systcm gesprochen wird. Ucberhaupt hätte das so viel besprochenePapal- und Episcopalshstem im Rahmen der geschichtlichenEntwicklung gründlicher behandelt werden dürfen, auch diewichtige Frage über die potostas ocetcsias in tcmporalia hätteim Verhältniß zu andern Partien des Buches eine eingehendereDarlegung verdient. S. 341 beißt:In Bezug auf denräumlichen Umfang erstrecken sich die pfarrlicheu Rechte aufalle diejenigen christlichen Personen, welche innerhalb desörtlich abgegrenzten Bezirks ihr Domicil haben." So richtigdieser Satz rein theoretisch betrachtet ist, so wird dem Verfasserselbst bewußt sein, daß die Praxis eine ganz andere ist, undumsomchr hätte er in seinem vornehmlich für praktische Bedürf-nisse berechneten Buche darauf Rücksicht nehmen und die Fragenach dem Einfluß der ConfcssiouSverschiedcuheit in Bezug aufdie Pfarrangcbörigkcit erörtern müssen; s. HinschiuS , KN. 2. B.S. 313 ff.; Aichner lehrt tu seinem trefflichen Compcndium,7. Anst., S. 431, ausdrücklich: » iiarocüianos jam pertinentomncs, gut tu Irao äistrictu äomleitiuw vvl guai-iüouueilium