störuugcn, zu leugnen, fällt gegenwärtig wohl keinem Arztemehr ein, auch ihre rationelle Begründung wird nicht be-zweifelt." Und an anderer Stelle: „Man vermag mit ein-zelnen thermischen und mechanischen Eingriffen eine große Reihevon Anzeigen zu erfüllen, bestimmte Störungen auszugleichen,Gefäßeverengcrnng, Gcfäßeerweiternng, Erhöhung und Herab-setzung des Gefäßtonus, Verlangsamung und Beschleunigung,Schwächung und Verstärkung der Hcrzcontraktionen, Ver-änderung der Dlutvertheilung und der Strömungsgeschwindig-keit können wir oft mit Sicherheit durch das kalte Wasser be-wirken. Wie tief eingreifend in die intimsten organischen Vor-gänge. in den BiochemiSmus muß sich eine solche Aktion schonvon diesen Gesichtspunkten gestalten!" . . .
Pros. Winternitz, der in Wien über Kaltwasser-heilknnde liest und Kurse abhält, hat unter andern hoch-interessanten Untersuchungen auch den Nachweis von ge-wissen Blntverändernngen nach thermischen Eingriffen ge-liefert, über die wir hier der großen Bedeutung wegendie Hauptsache skizziren:
1. Bei allen allgemeinen, die ganze Oberfläche desKörpers treffenden thermischen und mechanischen Proceduren:Abreibungen im nassen, kalten Laken, Lakenbädern, Tauch-bädern, Halbbädern, allen Arten die ganze Körperober-fläche treffenden Douchen, Dampfbädern mit nachfolgen-den kalten Proceduren, wechselwarmen, sogen, schottischenAnwendungen, kalten Vollbädern zeigte sich eine Ver-mehrung der Blutkörperchen.
2. Die Zunahme der rothen Blutkörperchen betrugbet 56 untersuchten Individuen im Maximum 1,860,000pro Cubikmillimeter, der Hämoglobin-(Blntfarbstoff-)Gehaltim Maximum 14 °/g.
3. Das Blut wird dem normalen ähnlicher unddamit auch alle Ernährungsvorgänge, und unter method-ischer Wiederholung wird dieser temporäre Effect zu einemdauernden.
Winternitz sah auf diese Weise schwere Fülle vonAnämie und Bleichsucht zur Heilung kommen. — DieserFund ist von eminenter Bedeutung.
Dr. Fodor sagt: Es gehört die Hydrotherapie zujenen Heilmethoden, die, abgesehen von ihrer lokalen odersymptomatischen Wirkung, nahezu in allen Fällen denGefammtorganismus günstig beeinflussen, lebenswichtigeFunktionen anregen und dadurch auf Wegen, die ex-perimcntell nicht verfolgt werden können, zur Ausgleichungkrankhafter Störungen führen.
Rußland: Die russischen Aerzte sind im Großenund Ganzen Freunde der Hydrotherapie und habennamentlich in den letzten Jahren sehr werthvolle Arbeitenüber diesen wichtigen Heilfactor geliefert. Ich erwähne nurdie zahlreichen Arbeiten über die physiologischen Wirkungender abkühlenden, indifferenten und erwärmenden allgemeinenund lokalen Douchen bei den verschiedensten Krankheiten.
Ungarn : Von den ungarischen Aerzten, welcheüber dieses Thema gearbeitet haben, verdient Dr. E.Tuszkay, Frauenarzt in Budapest, besondere Er-wähnung. Er schreibt:
„Die glänzendsten Erfolge werden uns durch diese Behand-lung zu Theil in den Fällen, wo wir sonst meistens rath- undthatloS dastehen. (Er meint damit die Frauenleiden.) Aberauch die Geburtshilfe muß der Hydrotherapie sehr dankbar sein,so viele unersetzliche Behandlungsmethoden hat selbe ihr ge-schenkt. . . . Alle Vorurtheile müssen endlich schwinden undman soll endlich der Wasserbehandlung im Interesse der lei-denden Menschheit ein wohlverdientes großes Feld in derGynäkologie und Geburtshilfe einräumen."
I)r. Fischer behandelt das Wechselfieber mit kaltemWasser, beklagt sich aber bitter über die „wasserscheuenPatienten".
„Es bedarf von Seite des Praktikers, insbesondere auf demLande, eines gewissen Grades von Muth und Energie, dem
Patienten die Kaltwasserbehandlung anzutragen. Hat doch dasLaienpublikum im Allgemeinen eine Aversion gegen jedes „kalte"Verfahren und erschrickt, wenn man ihm anräth, eine mitSchüttelfrost einhergehende Krankheit mit kaltem Wasser be-handeln zu lassen. Ein sich mit Hydrotherapie befassenderpraktischer Arzt muß es daher noch als ein Glück ansehen,daß der Empiriker von W örisbofcn durch seine im Publi-kum verbreiteten, in naiver lcichtfaßlicher Schreibart verfaßtenSchriften die Wasserproceduren bei dem Laicnpubliknm einiger-maßen populär gemacht hat, uud ist es vielleicht unter An-derem auch diesem Unistande zuzuschreiben, daß von den frischenWechselfieberfällen, die mir in den Monaten Juli und Augustunterkamen, sich beiläufig */, der Kaltwasserbehandlung unter-zogen."
Sachsen: Professor F. A. Hoffmann von derUniversität Leipzig sagt in seinen Vorlesungen über all-gemeine Therapie: „Mit der Zeit werden alle chronischenKrankheiten zur Domäne der Bäderbehandlung gehören."
Baden: Professor Erb in Heidelberg widmet dieserFrage in seinem berühmten Werke über Nückenmarks-krankheiten folgende Worte:
„Kälte und Bäder in verschiedenen Formen gehören zuden wichtigsten therapeutisch wirksamen Agentien auf diesen:Gebiete. Diese Methode hat, seitdem sie genauer studirt undrationeller ausgeübt wurde, einen bemerkenswerten Aufschwunggenommen. Ihre Resultate bei allen möglichen Formen chron-ischer Nervenleiden sind außerordentlich günstig. Es gibt wenigeHeilmittel, die einen gleich mächtigen Einfluß auf das Nerven-system ausüben."
Preußen: Professor Leyden äußert sich über dieBehandlung der Rückenmarkschwindsucht mit Wasser also:
„Obwohl die unvorsichtige Anwendung der Kälte oder deSkalten Wassers den Tabikern leicht Schaden bringt, erweist sichdoch eine vorsichtige Anwendung desselben als entschieden nützlichund wohlthuend. Besonders nützlich hält er die Kaltwasser-kuren zur Sommerszeit, wo sie auf die Muökelthätigkeit unddas ganze Befinden erfrischend wirken; die wohlthätige Wirkungdes kalten Wassers beruhe auf einer allgemeinen Erfrischungund Kräftigung, einer Erregung der Hautncrven und Abhärtunggegen Wittcrungseinflüsse und Erkältungen."
Lübeck : Dr. Pauli im Lübecker Kinderspitale be-handelt die Diphtherie der Kinder mit glänzendem Er-folge mit Hydrotherapie. Von 122 kleinen Patientenwurden auf diese Art 117 behandelt; davon starbennur 14; bei ächter Diphtherie ein schönes Resultat.
Bayern: Strümpell in Erlangen schreibt in seinemLehrbuche:
„Es gibt gegenwärtig keine andere Behandlungsmethodedes Typhus mit so zahlreichen und sichtbaren Vortheilen fürden Kranken. Wir betrachten es als Pflicht jedes Arztes, dereine Typhusbehandlung unternimmt, alles mögliche zu thun,um die Kaltwasserbehandlung durchzusetzen."
Ziemssen (Therapie der Tuberculose) sagt:
„Ich kann dieses Kapitel der Prophylaxis nicht schließen,ohne der Hydrotherapie zu gedenken, welche hier sowohl als beider entwickelten Tuberculose eine außerordentlich wichtige Rollespielt. Wasser, richtig temperirt, ist das beste, einfachste Mittel,das überall und bei jedem angewendet weiden kann. Der Effektdieser Procedur, der verschiedentlich variirt werden kann, isteiner der besten, die der Arzt zu erreichen vermag."
Bei Behandlung von Magenleiden heißt es:
„Ich kann auf die Methode der Hydrotherapie nicht nähereingehen, sondern will nur die Thatsache hervorheben, daß sie beiStörungen deß Verdaunngsapparatcs, besonders bei chronischenMagenkatarrhen rc., sehr günstig wirken."
Dr. v. Hößlin (München ) schreibt über die Be-handlung von Bleichsucht:
»In Fällen, in denen es durch innerlichen Gebrauch vonEisen, kräftiger Nahrung und anderen diätetischen Behandlungs-methoden nicht gelingt, eine Zunahme der Blutbildung zu er-reichen, gelingt dies oft durch eine energische Anregung desStoffwechsels, wie sie durch die Hydrotherapie . . . erreichtwerden kann."
Australien : Die Schlußfolgerungen aus einerAbhandlung über 2400 mit kaltem Wasser behandelte