Fälle von Typhus aus dem Brisbane-Hospital, Queens -land, lauten: (Londoner Practitioner, März 1891.)
„Durck die systematische Bäderbehaudluug kaun die Sterb-lichkeit an Typhus bedeutend herabgesetzt werden. Die Ver-minderung kann selbst 50 °/„ der früheren Sterblichkeit erreichen.Dieser Erfolg kann erzielt werden, trotzdem eine Anzahl Fällefür diese Behandlung ungeeignet ist; bei nur passenden Fällenläßt sich noch viel mehr erreichen durch Verhütung jener Com-plicationen und TodeSarten, welche man als Folgen der hoch-gradigen Temperaturen kennt.
Es ist keine Uebertreibung, wenn behauptet wird, daß ein-fache Herzlähmung von der Liste gestrichen werden müßte, wennalle Fälle gleich in der ersten KrankheitSwoche zur Behandlunggelangt wären."
Smyrna: Or. Burgniöres schreibt über dieCholerabehandlung:
„Besonders empfehlenswerth ist die Wasserbehandlung, dieich nnt sehr gutem Erfolge angewendet habe. Die Krankenwurden in ein in Brunnenwasser eingetauchtes Leintuch ein-gewickelt und mit Wolldecken bedeckt; so blieben sie bis zweiStunden und bekamen viertelstündlich ein Glas Wasser zutrinken. In allen Fällen trat nach kaum einer halben StundeWiedererwärmung ein. Dann wurde das nasse Leintuch er-neuert und zwar 2—3 Mal."
Amerika : Or. U. A. Hare, Professor derTherapie am Jefferson-College, sagt in einer Prcisschriftin Bezug auf das kalte Bad: „Kalte Bäder besitzen einengünstigen Einfluß, dem nichts anderes an die Seite zustellen ist."
Gaillard's Medical Journal in New-Aork schreibtin der Jahresübersicht über die Fortschritte der Medicin:
„Die Hydrotherapie ist Dank den ernsten und beharrlichenBemühungen des Dr. Baruch in der Werthschätzung der Aerztegestiegen . . . Die Wirkung des Wassers ist eine ganz andere,als die der antipyretischcn Medicamente und bei vielen Krank-heiten. besonders aber bei Typhus , ist es durch nichts andereszu ersetzen."
Dr. Elliot, Arzt des St. Agnes-Hospitales inPhiladelphia, berichtet über eine Herabsetzung der Sterb-lichkeit in diesem Krankenhause von 26,6 °/<> im Jahre1889 und 24 °/g im Jahre 1890 auf 6,5 °/g im Jahre1891, nachdem er die Bäderbehandlung eingeführt hatte.
Auch bei Geistes- und Nervenkrankheiten findet dieHydrotherapie in Amerika immer mehr Anwendung.
Diese Belege, die natürlich noch bedeutend vermehrtwerden könnten, mögen genügen, die Behauptung, daßdie ärztliche Welt der Wasserheilkunde feindlichgegenüberstand und stehe, ins rechte Licht zu rücken,und möchte ich nur vor einer Ueberschätzung warnen,die immer, wie nicht nur die Geschichte der Medizin,sondern der ganzen Menschheit lehrt, von einem Extremins andere führt und der größte Feind des Guten ist.Man darf in der Hydrotherapie kein Allheilmittel sehenund nichts Unmögliches von ihr fordern. Denn, wie„kein Kräutlcin wächst auf Erden wider den Tod," sofließt auch, Gott sei's geklagt, kein Wässerlein, das unsunverwundbar und unsterblich wacht.
am 2. Febr. 1894.
Motto: „Diesen Kuß der ganzen Welt."
L. Die Ueberschrift, welche für die folgendenZeilen gewählt worden ist, legt sofort einige Fragen nahe,deren Beantwortung nicht uninteressant sein dürfte. Erstens:wer hat eine Palestrinafeier veranstaltet? Herr Dom-capellmeister Eugen Wöhrle in München — das scheint übri-gens das eigentlich Interessante nicht zu sein; interessantwäre es vielmehr, wenn ein Domcapellmeister den 800?)
') 300. Todestag — nickt 400., wie A. G. in seinem Lcbens-abriß Palestrina's zweimal sagt, Beil. 5 z. „Angsb. Postztg."
Todestag Palestrina's vorübergehen ließe, ohne den großenTodten zu feiern. Die nächste Frage ist: Mit wemhat der Herr Domcapellmeister eine Palestrinafeier ver-anstaltet? wohl mit seinem Domchore? Wenn die Antwortbejahend lautete, so wäre auch das nichts besondersInteressantes — wenn ein Domchor Palestrina nichtkennt und feiert, wer denn sonst?! Die Antwort nun,die thatsächlich gegeben werden muß, ist wirklich interessant:Programm und Neclamezettel nennen als Sängerchor den„Münchener Chorschulverein unter gefälliger Mitwirkung... einer größeren Anzahl von Musikfreunden" — unterden ca. 160 Sängern und Sängerinnen sahen wir Volon-täre ans fast allen Ständen, Studenten, auch eine schöneAnzahl von Theologiecandivaten aus dem Gcorgianum.Davon, daß etwa der Chor der Metropole der Kern desPersonales gewesen wäre, ist keine Rede; der Domchorist nicht einmal genannt; von ihm scheint blos der Capell-meister „mitgethan" zuhaben. Ist das nicht interessant?für wen? Eine weitere Frage: Was ist aufgeführtworden? Lxwis, Oracko, eine Weihnachts-, eine Pfingst-motette, eine Motette „Lnsannn ab iinprobio", „^.vsRegina", „Imuäata Dominurn", ein 4stimm. Madrigal zur Gottesmutter (unterlegter Text) ... da ist's ja sehrkirchlich, sogar liturgisch hergegangen! Die Feier waralso wohl in einer Kirche? etwa bei einer anßerlitnrgischenNachmittags- oder Abendandacht? Aus den angeführtenProgrammnummern und aus der Thatsache , daß P. vonseinen Werken gut 95 Prozent für die Kirche geschriebenhat, scheint eine Palestrinafeier in der Kirche, beimGottesdienst nahe zu liegen, um so mehr, als der äissostitus des unsterblichen Meisters auf einen gebotenenFeiertag fällt und die Feier in München ein ^.nni-varsurium vsruiü war. Also: w o fand die Feier statt?Das Programm weist uns in das königl. Odeon,in den Concertsaal — genau dahin, wohin ein reak-tionärer Wandalismus auch eine manierliche Aufführungdes Mozart'schen großen Requiem gewiesen hat: vondiesem Requiem sagte mir ein „strenger" Zuhörergelegentlich der Aufführung am 1. November 1891,es sei für die Kirche zu schön; von Palestrinastil hörteich als Universitätsstudent Anfang der 80cr Jahre inMünchen , er sei nur für die Fastenzeit. Gegenübersolchen Argumenten gegen Kirchenmusik dürfte es aller-dings schwer sein, mit Gründen aufzukommen. Nehmeich noch dazu, daß ich von Choral jahraus jahrein —damals wenigstens — nichts anderes hörte, als dasMonosyllabon „Rsejuroin aatörnaM" aus Etts Oantica,saora, so gibt das, für gewisse Kirchen Münchens namentlich, eine eigenartige kirchenmusikalische Perspektive.Vielleicht ists jetzt besser (s. Nr. 32 der Augsb. Postz.:„Palestrina in der St. Ludwigskirche in München ") —am Dom sind allerdings vor nicht langer Zeit Falsi-bordonvespern auf die Vigilien hcrabdecretirt worden!(ot. LIu8. saora, 1893 S. 84.) Wer endlich war Zu-hörer bei dieser Palestrinafeier? Der Odeonssaal war— mitten im Carneval — für diese „Charfreitagsmnsik"ausverkauft; das ist jedenfalls auch interessant; das warein Scherbengericht sowohl über diese Musik, als auchüber die Ansicht gewisser Zöpfler, daß diese Musik (undder Choral, der mit Palestrina meist zusammen bc-
Es ist schade, daß der Verfasser die GesammtauSgabe der WerkePalestrina's nicht kennt; sonst würde er sich wohl nicht ans dasoxus (Indium »Tonedras kaetas snut« beziehen, um P.'S Genia-lität zu demonstriren, s. Vorwort zum 32. Bd. S. V. AndereIrrthümer in der genannten Lebensskizze sind mittlerweile bereitsberichtiget worden.