Ausgabe 
(22.2.1894) 8
 
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In dieser Zeit wandte sich Monheim wieder demGlauben seiner Ahnen zu. Luidl berichtet, daß dies nichtzum geringsten Theil der Fürbitte der heiligen Walburgabeim Gebrauche des heiligen Walbnrga-Oeles zu dankensei. Er erzählt nämlich von einer kranken Frau:^)Esstritte dieselbe lange Zeit schon mit denen empfindlichstenGeburtsschmerzen, und war die höchste Gefahr, daß nitdas Kind der Mutter, die ihm das Leben geben sollte,das Leben benähme: aller Artztenkunst schlug fehl, allebefürchten, daß mit dem todten Kind zugleich die Muttereine Leich seyn wurde. Sobald ihr aber, weiß nit aufwessen Einrathen, und von was für einer Hand das Hl.Walburgä-Oel aus dem Eichstüttischen Wunderquell ge-reichet war, und sie dessen ersten Tropffen genossen hatte,wurde sie den Augenblick darauf glücklich entbunden undgab demjenigen das Tageslicht, wegen welchem sie schonbegunte, ihre Augen in den Tod zu schließen. Als solchewunderbarliche Begebenheit ruchbar wurde, fingen dieMonheimener an, nach und nach ihre Augen zu öffnen undzu erkennen, wie billig ihre Voreltern so große Andachtgegen diese H. Abbtißin getragen hatten; entschlossen sichdemnach zu jener Kirch sich willfährig Zurück zu wenden,in welcher allein GOTT seinen Heiligen solche Krafftund Macht, Wunder zu würcken, verliehen hätte."

Der 30jährige Krieg hatte an Kloster und Reliquiennichts mehr zu zerstören, da dieses schon früher besorgtwar; dafür scheint die Kirche ziemlich mitgenommen wordenzu sein. Bald nach dem Kriege lesen wir nämlich voneiner Restauration der Kirche und Consekration dreier neuerNebenaltäre. Die letztere geschah am 5. August 1668durch den Generalvikar des Bischofs Marquard. Amnämlichen Tage wurde auch die aus freiwilligen Beiträgender Bürgerschaft neuerbaute St. Peterskapelle eingeweiht.Wir sehen, es war wieder der Sinn für schöne Gottes-häuser und die Opferwilligkeit dazu erwacht. Nun auchdie, wie im ganzen Lande, nicht minder in der Mon-heimer Gegend, vielfach gelockerten Sitten zu bessern, trugviel bei die, wenn gleich kurze, doch segensreiche Wirk-samkeit des berühmten heiligmäßigen Capuzinerpatersk. Markus, eines zweiten Johann Capistran . DerHerzog von Neuburg selbst schrieb über ihn an BischofMarquard von Eichstätt :Was nun dießer, von demAllerhöchsten, bevorab bey dießen verwirdten vnndt be-trüebten Zeitten, geschickter, vnndt in Wahrheit rechtgottseeliger vnndt heyliger Mann in denen Kirchen, vorden Altären, aufs den Predigtstühlen vnndt aufs denstraßen, auch endlich aufs dem offenen platz, weilen dieKirchen die überaus große Anzahl des, sogar von vielenMeilen her haüffig zuegeloffenen Volks, nit fassen können,sodann vnderschiedlich in meiner Hofcapellen, vndt privatimin seinem Zimmer, biß zue dessen abraiß, durch seinevoll tröst- vndt geistreiche Ermahnungen vndt mit weinen-den äugen hertzinniglichen Zucsprechungen bey männiglich,hoch- vnndt niederen, geist- vnndt weltlichen standts,gucttes gewürcket, für Zerknirschung der Gemüetter vnndtBereuung begangener Sünden erwecket, vnndt welchergestalt das ganze Volk, zue Vergießung der Bueßzäher,vnndt daß man die Allerheiligste Dreyfaltigkeit vmb gnadtvnndt Barmherzigkeit durch einhellige öffentliche Auff-rueffung gebeten vnndt zur Besserung des Lebens mittheuren Versprechen, Gott nimmermehr zue belaidigen,beweget: ist nit genuegsam zu beschreiben."

5. e. 1. xx. 223224. Die Angabe, die erwacht, daßsich binnen Jahresirist36ä0 Monheimische Einwohner" bekehrt

Dieser hciligmäßige Mann kam nach Monheim am14. November 1680 und wirkte auch hier überaus segens-reich zur Befestigung des Glaubens und Erreichung guterSitten durch seine erschütternden Predigten und die wunder-baren Heilungen, welche auch in Monheim auf seine Seg-nungen hin erfolgten.03)

Mit dieser inneren Erneuerung ging dann die immergrößere und eifrigere Verehrung der hl. Walburga Handin Hand, womit sich das Verlangen vereinte, doch wiederwenigstens Etwas von den Reliquien der Heiligen zu be-sitzen. Dieses Verlangen fand auch im Jahre 1700 seineErfüllung. Wir lassen hierüber einen Zeitgenossen er-zählen, l'. Anselm Goudin, in seinemBenediktinischenWeltwunder"; °^) er sagt:weilen aber dem AllmächtigenGOTT beliebet, dise schon von so grossen Alter gleichsamerloschene Gedächtnuß seiner getreuen Dienerin Walburgisdaselbsten wiederumb in die Hertzen der Gläubigen ein-zupflantzen; so ist zu wissen, daß der Hochwürdige undHochgelehrte Herr Philipp Jakob Pfister, Dechant undPfarrer zu Monheimb auf eyfrigstes Anhalten von demCloster zu St. Walburg auß, einen schönen Partikulvon den Gebäinern deß Leibs der Heiligen Walburgisüberkommen, selben anno 1700 den 12. Oktober aufdas andächtigiste eingeführet, und die glorwürdige Er-neuerung der alten Wunder-Werck gleich mit seinen selbsteignen Augen angesehen; in deme nämblichen, gleichwieumb das Jahr nach Christi Geburt 893 bey der erstenUeberbringnng durch Luibillam noch denselbigen Tag einHinfallender von seiner schwären Kranckheit augenblicklichbefreyet; also ist ebnermassen bey dieser andern Ueber-bringung in schon erwähnten 1700. Jahr zu mehrererBestättigung, daß es ein veritabler Partikul von St.Walburg sehe, noch selbigen Tag ein gichtbrüchigerKnab durch dero grosse Vorbitt mit einer vollkommenenGesundheit erfreuet worden. Von selbiger Zeit an bißauf gegenwärtiges Jahr befindet sich die uhralte Gedächt-nuß gegen der Heiligen Walbnrg also glorreich erneueret,nicht nur allein in der Stadt Monheimb, sondern auchin anderen umliegenden Oerthern, daß die ChristglaubigeMenschen neben schon vielfältigen überbrachten Opffcren,auch mehr dann 170 Votiv-Täffelein außgehänget zurunfehlbaren Zeügnuß der innerhalb 15 Jahren mit ihnengeschehenen Wunder-würdigen Gnaden und Wohlthaten;als mit welchen sie auf bloss Anruffung und Verlobungzu der Heiligen Walburg ohne den Gebrauch ihresHeiligen Oeles beglücket worden."

Von dieser Zeit an hob sich das religiöse LebenMonhcims immer mehr. Eine vom 15.23. September1717 gehaltene Mission gibt dafür sprechendes Zeugniß.Am 15. September Nachmittags 4 Uhr wurden dieMissionäre (4 Jesuiten ) von der Stadtgeistlichkeit, densämmtlichen Beamten, dem Magistrate und vielen Bürgernam Stadtthore empfangen und in Prozessionunter Po-saunen und sauberer musio" zur Kirche geführt, wosofort die vorbereitende Predigt gehalten wurde. DieVolksmenge wuchs während der Mission manchmal auf56000 Menschen an. Am meisten zogen die Buß-prozessionen, welche an verschiedenen Tagen Abends ab-gehalten wurden. Es erschienen dabei die Jungfrauenin weißen, die verhciratheten Frauen in schwarzen Klei-dern, jede eine Dornenkrone auf dem Haupt und eine

hätten, ist jedenfalls ein ziemlicher Irrthum, da Monheim dieseEinwohnerzahl nie auch nur annähernd erreichte.

-o) Eichst. Past.-Bl. 1861, ptz-. 161-162.

") 1. Theil, p 2 > 194-196.