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brennende Kerze in der Hand. Während solcher Pro-zessionen fanden mehrere Exhortationen statt, „dergestalteingriffig gehalten, daß fast männiglich die Zähren ausden Augen getrieben wurden". Von größter Wichtig-keit war die Predigt über die Pflichten der Kinder gegenihre Eltern; die Kinder baten laut ihre Eltern um Ver-zeihung angesichts der 5000 Menschen, die bei dieserPredigt zugegen waren. Der erhebendste Anblick aber war,als vor dem allerheiligsten Sakramente nach der Predigtüber das Bekenntniß des Glaubens die versammelte Mengemit zum Schwur erhobener Hand die xrokesslo ticlöi demMissionär nachbetete. Am 23. September Morgens feiertedie Gemeinde Monheim die hl. Communion. Um 6 Uhrgingen die Dienstboten, um 8 Uhr die Bürgerschaft, um'/zlO Uhr die Beamten und der Magistrat zum Tischedes Herrn. Darnach folgte die Abschiedspredigt und mitErtheilnng des päpstlichen Segens endete die Mission."
So übte die hl. Walburga in Monheim wieder diealte Anziehungskraft, von allen umliegenden Ortschaftenkamen die Wallfahrer wieder herbei, besonders feierlichwurde immer das Walburgafest selbst am 25. Februarund das Fest der Uebertragung der letzten Walburga-religuie, der 12. Oktober, begangen, und auch die Re-liquien selbst waren, wenigstens in einem kleinen Theile,wieder vertreten; nur eins fehlte noch: die StiftungLiubilla's, das Kloster, war spurlos verschwunden undhatte bis jetzt gar kein, auch nicht das kleinste Zweigleinmehr herausgetrieben. Aber auch hier wurde geholfen:vor gerade 25 Jahren zogen 4 Klosterfrauen aus derKongregation Maria Stern in Augsburg in Monheim ein und übernahmen, was ja so ganz nach dem Geisteder hl. Walburga ist, den Unterricht in den Mädchen-schulen und haben dort im Laufe dieses Vierteljahr-hunderts in ihrem Klösterl überaus segensreich gewirkt,in neuester Zeit auch mit dem Gedanken beschäftigt,diese Wirksamkeit noch weiter auszudehnen und auch denkleineren Kindern ein Plätzchen klösterlicher Sorgfalt undguter Bewahrung zu verschaffen.
Damit sind wir bei der Gegenwart angelangt undbietet uns in derselben das Bild Monheims wieder einenerfreulicheren und schöneren Anblick als am Schlüsse derbeiden letzten Perioden; das Bild des gegenwärtigenJahres 1693 erinnert uns lebhaft an das vom Jahredes Beginnes und der Blüthe 893: Alles finden wirwieder vertreten: Reliquien — Kloster — eifrige undinnige Verehrung der hl. Schntzpatronin Walburga , aller-dings alles in nicht so ausgedehntem Maßstabe, allesgleichsam en ininiaturs!
Zum Schlüsse noch eine Bemerkung! Im Pfarr-archiv zu Monheim befindet sich ein Brief eines Kaplans,worin derselbe erzählt, nachts im Traume die heiligeWalburga gesehen zu haben, wie sie auf einen bestimmtenPlatz hinweist, bei welchem die abhanden gekommenen hl.Reliquien zu finden wären; auch hörte ich öfters dieLeute erzählen, man sehe manchmal nachts an einerStelle einen hellen Lichtglanz, der ebenfalls das Nach-vorhandensein dieser hl. Reliquien daselbst andeute, undes wurzelt immer noch im Volke die Meinung, der kost-bare Schatz sei doch nicht zerstört, sondern irgendwo ver-graben. Wir schließen mit dem aufrichtigen Wunsche:Möge diese vox populi auch als vox Der,als Fügung Gottes sich bekunden und fürMonheim bald die Stunde kommen, daß
dieser große Theil der hl. Reliquien wiederzum Vorschein kommt, daß dieselben imGotteshause, nach einer würdigen Restau-ration desselben, wieder feierlich ausgesetztund von dem gläubigen andächtigen Volkemit seinen Seelsorgern an der Spitze undden Bewohnerinnen des Klosters, wie vor1000 Jahren, aufs eifrigste verehrt werdenkönnen!
Recensionen und Notizen.
Don Bosco , der große Jugendcrziehcr und Verehrer Mariens.Von Präses Mehler in Negensburg. Im Selbstverlagdes Verfassers. Mit Porträt Don Bosco's. 30 Pfg.78 Seiten.
-s- In Don Bosco ist der kath. Kirche einfMann erstanden,wie eben ganz allein diese sie hervorbringen kann. Ohne Ueber-treibung kann Don BoSco den großen Ordensstistern an dieSeite gestellt werden. Hätte jedes Land Europa'S 2—3 solcheMänner, die sociale Frage wäre um ein gar gutes Stück ihrerLösung näher gebracht. Aber noch allzuwenig ist dieser großeMann und sein Werk bekannt. Für was war er und wirkteer auch katholisch? Wenn einmal ein Freimaurermillionär etliche100 Mark zu einem „humanitären" Zweck spendet, so weiß eSden andern Tag die halbe Welt; daß aber ein Don Bosco seinganzes Leben der Rettung der Jugend geweiht, daß in den vonihm gegründeten Anstalten 300,000 Knaben erzogen werden,die sonst leiblich und geistig zu Grunde gingen und daß biszum Jahre 1888 aus diesen Anstalten 6000 Priester hervor-gingen u. s. w., das ist freilich nicht crwähnenswerth. DaSSchriftchen ist mit wohlthuender Lebendigkeit geschrieben undman erkennt, daß der eigene Eifer in dem nämlichen Geiste zuwirken, hier die Feder geführt hat. Wir wünschen dem Büch-lein die weiteste Verbreitung, die es auch verdient, und diesumsomehr, da der Reinertrag zu einem guten Zweck bestimmt ist.
Herders Theologische Bibliothek. 9. Theil. Kaulen,Dr. F., Einleitung in d. Heilige Schrift Altenu. Neuen Testaments. Dritte verbesserte Auflage.Erster Theil. (VI u. S. 1-182) M. 2. Zweiter Theil.(S. 183-436) M. 3. Dritter Theil. (S. 437-700)M. 3. Die drei Theile in einem Bande. (VI u. 700 S.)M. 8; geb. M. 9,75.
Die Untersuchung beruht auf der gründlichsten und viel-seitigsten Gelehrsamkeit, welche kein bloßes Notizensammcln undReferiren fremder Ansichten ist, sondern sich durchweg in einergeistvollen Höhe hält. Der Kenner wird leicht bemerken, wievollkommen Kaulen die ganze einschlägige Literatur beherrscht,obgleich er sie nur da citirt, wo es die Beweisführung oder dasInteresse des Lesers erfordert; ferner auf welche genaue eigeneDurcharbeitung der Originaltexte und sämmtlicher alterVersionen sich seine Ausführungen stützen.
Die katholischen Missionen. Jllustrirte Monatschrift.Jahrgang 1894. 12 Nummern. M. 4 — fl. 2.40 ö.W. — Frciburg im Brcisgau. Herder'sche Verlags-handlung. Durch du Post und den Buchhandel.Inhalt von Nr. 2: DaS neue Central-Seminar fürIndien in Kandy. — Der selige Rudolf Aquaviva am HofeArbars des Großen. (Fortsetzung.) — Altchristliche RuinenNord - Syriens . (Fortsetzung.) — Nachrichten aus denMissionen: Kurdistan (Schulen); China (Tröstliches auSder Mongolei; Christengemeinden in Hupe); Hinterindien (Rück-kehr der annamitischen Prinzen); Vorderindien (Kholsmission);Südafrika (Trauerkunde vom Unter-Sambesi ); Belgisch-Kongo(Die hclgische Mission am Kwanzo): Nordamerika (Mission beiden Arapahus); Centralamcrika (Mission in Honduras ); Süd-amerika (Die Salesiancrinissiouen); Occanien (Mission in Neu-Pommern ). — Aus verschiedenen Missionen. — Miscellcn. —Für Missionszwecke.
Illustrationen: Ansicht von Kandy gegen das Gebirge.
— Eine Promenade in der Stadt Kandy. — Ansicht einerThecpflanzung bei Kandy. — Das Diöcesan-L-eminar in Dswaffna.
— Das Thor Aladius am Palast der Großmogule zu Kutab. —Ruinen der Kirche zu Ruciha aus dem 6. Jahrhundert. - Ruinender Kirche zu Haß aus dem 4. Jahrhundert. — Das Innereder Kirche zu Muschabbak. — Antikes Familiengrab bei Ruciha.
°°) Eichst. Past.-Bl. 1874, x§. 204 ff.