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ist das Gegentheil der Fall, da wird im Allgemeinen ein Ge-danke musikalisch blos berührt, gestreift, ist im Augenblick aus-gesprochen und vorbei. Schwierigkeiten imVortragedesOrsäoder Marc.-Messe macht einem aufmerksamen Chor auch dieWiederholung im Sopran bei „Lt in unnin voininuin"(Sopr. u. Tenor in Wechselbeziehung) und bei „vsuinvsrurn" (wo der Sopran sich selbst wörtlich wiederholt)und viele andere scheinbare Kleinigkeiten.
Das scheinen mir Gründe zu sein, die es erklärlichmachen, wenn die Wiedergabe des „Orsäo" ermüdete.Aber „Pfeile, die man voraussieht, treffen nicht so leicht"
— dieses Wort des hl. Gregor läßt sich namentlich inBezug auf die Stimmenanlage des ,,6rsäo« anwenden;man kann nämlich durch den Vortrug hier viel gutmachen. Sodann bestimmt doch der Text, ja das ein-zelne Wort in vielen Fällen den musikalischen Ausdruck,auch im Oracko, selbst wenn das Wort noch so raschvorübereilt; Nich. Wagner in seiner Bearbeitung des„Ltastat rnaber" V.P. hat dies vorzüglich gezeigt; andrer-eits kann gerade motettische Breite auch ermüden. Soglaube ich, daß man aus „xsr yusm onmirr tactusurrt", aus den einzelnen Sätzen von „Lt uriarusuirotirm" ab viel mehr machen und viel größere Wirk-ung erzielen kann, obwohl, vielleicht gerade weil sie sokurz sind. Vor allem aber müssen die einzelnenSätze viel mehr von einander abgehoben werden, esMüssen deutlich vernehmbare Cäsuren gemacht werden;hier gibt der Text und seine Behandlung gerade seitensP's. leicht verständliche Directiven; gerade deswegen halteich jedes mir bekannte 6rsäo von P. für viel leichterals etwa das der Nissa „Anal äoirua" von Orl. diLasso! Es muß also noch mehr Klarheit in das „Oreäo"kommen; diese Klarheit kommt hinein eben durch Glie-derung, durch dynamische und agogische Schattirung.Ich schreibe diese Bemerkung hier nieder nicht zunächstfür den Münchener „Chorschulverein"; denn ich glaube,daß sein Dirigent jetzt schon von deren Richtigkeit über-zeugt ist, und daß der Chor selbst darauf kommen wird,sobald er einmal stabiler ist und sich in diese Werkemehr eingesungen hat. Daß meine Besprechung auch eineandere Adresse hat, als an diesen Chorschulverein, kannschon aus dem vorangestellten Motto ersehen werden. Hiergilt mein Wink jenen Kollegen, welche mit ganz leichten6reäo's, z. B. aus „llasu Ksciswxtor" von Kaimsich, ihre Sänger und die Zuhörer ermüden, weil sienicht zu gliedern, nicht Licht und Schatten zu gebenwissen. Der alte Leopold Mozart soll gesagt haben,das Llissrers von ^.IlsZri sei eben, was man darausmache — dieses Dictum ist gar nicht so verwerflich, alsmanche meinen; man verstehe es nur recht! Klang-farben geben, im orchestralen Sinne, das können wirVokalchordirigenten nicht (höchstens können wir unterUmständen durch Knabenstimmen gegen Dameustimmen„färben" — beim „^.va Regina," müßte das im Altdes 2. Chores herrlich gewesen sein!), wir brauchenauch nicht in dieser Weise Farben zu geben, zu trom-peten und posaunen: unsere Mittel sind edler, schönerGesangston, gute Textaussprache, Dynamik und Agogik
— aber eben von diesen Bütteln darf man keines über-sehen, soll nicht die Aufführung geistlos und langweiligwerden.
Sehr gut, vortrefflich war die Wiedergabe desMadrigals „O süßer Tod", das denn auch äa onxoverlangt wurde.
Was die Solovorträge betrifft, so hätte sicherlich
eine größere Vertiefung in die betreffenden Partien, beiden Madrigalen auch die Beibehaltung des wohlklingen-den italienischen Urtextes die Musik in viel helleres Lichtgestellt.
Auf alle Fälle ist der Münchener Chorschulvereinund sein^Dirigent zu dem Erfolge vom 2. Februar vonHerzen zu beglückwünschen. Möge er, nachdem die Mün-chener kgl. Vokalcapelle ihre Concerte für immer aufge-geben zu haben scheint, deren Stelle im Odeonsaale ein-nehmen und uns alljährlich wenigstens einmal mit seinenLeistungen erfreuen!
Das Kloster Monhcim und die Reliquien derheiligen Walburga: 893—1893.
Zum 1000. Jahrestag der Reliquienübertragungund Stiftung des Klosters.
Von A. Zottmann.
(Schluß.)
VI. Nekatholisation — Erneuerung der Ver-ehrung der hl. Walburga — neue Reliquien—neues Kloster. Von 1600 bis zur Gegenwart.
Einer der Nachfolger des Herzogs Ottheinrich warWolfgang Wilhelm . Dieser hatte, obwohl sein VaterLudwig Philipp so voll Haß gegen die katholische Kirche war, daß er in den Kirchen seines Landes an den Sonn-tagen Gebete vorzubeten befahl, in welchen die Katholikenals „abgöttische Menschen", „reißende Wölfe", die ka-tholische Kirche als „Mördergrube" dargestellt waren, den-noch große Neigung zum Katholizismus und hatte auchnoch zu Lebzeiten seines Vaters, im Juli 1613, im Ge-heimen das katholische Glaubensbekenntniß abgelegt. Am25. Mai 1614 that er diesen Schritt auch öffentlich zuDüsseldorf . Noch im nämlichen Jahre trat er nach demTode seines Vaters die Neuburger Erbschaft an. DenLutheranern seines Landes beließ er völlige Religions-freiheit, verordnete aber zugleich, daß es allen katholischen Unterthanen freistehen solle, ihren Glauben unbehindertzu bekennen und ihren Gottesdienst mit Messe, Predigt,Einrichtung katholischer Schulen, Kinderlehren, Prozes-sionen und Krcuzgängen abzuhalten °°). Dadurch schlugnun auch für Monheim die Stunde der Rückkehr zumkatholischen Glauben und zur Verehrung der heiligen Wal-burga . Vorerst wurde im Schlosse für die Katholikendurch Kaisheimer Patres Gottesdienst gehalten. Am7. März 1618 trafen dann 2 Patres der Jesuiten vonEichstätt zu einer Mission ein, welche die ganze Fasten-zeit hindurch dauerte, worauf sie wieder abzogen. „Andem 23. April, demnach wir siben Wochen allhier gewesen,haben Ihre fürstliche Gnaden Bischof zu Eichstätt eineGutschen hergeschickt, uns auf Befehl des H. l?. Pro-vinzialis wieder abzuholen." Nach kurzer Unterbrechungaber kehrten wieder 3 Patres zurück, welche zuerst aufweitere 3 Wochen, dann, weil während dieser Zeit derPfarrer und Dekan Danbmeier „licenzirt" wurde, alleindie Pfarrei 3 Jahre lang versahen, bis sie endlich einenneuen Pfarrer für Monheim gefunden hatten, der am12. Januar 1622 hier eintraf. Unter dem neuen Pfarrer,Caspar Zeiller, blieb noch ein Jesuit über eiuen Monatlang, bis nämlich am 21. Februar auch ein Caplan hiereintraf."