zn haben glaubt. Dabei wird das an sich schon sehrplastische Wort des Verfassers unterstützt durch die außer-ordentlich vielen und schönen Originalzeichnungcn der beidem Werke mitbetheiligten Künstler, durch Text- wie durchVollbilder, worin sich die malerischen Schönheiten derErde vor unserm Blick herrlich entfalten und das Cha-rakteristische jedes Landes und Volksstammes durch eigen-artige Reize der jeweiligen Scenerie und durch die Vor-führung des so lehr- und kenntnißreich Geschilderten sichzur Geltung bringt. Dankbar muß der Gebildete dasHervortreten dieses eminenten Werkes begrüßen, wodurcher auf nahezu spielende Weise sein Wissen bereichert undin Länder- und Völkerkunde sich Kenntnisse aneignet,welche zeitlebens sein und seiner Freunde Ergötzen seinwerden. Allerdings liegt es in der Natur der Sacheund des Stoffes, daß etliche wenige Bilder sowie aucheinige Textzcilen nicht sür das Kiuderange sind.
Zuerst behandelt der Verfasser in allgemein ver-ständlicher, edel klarer, oft schwungvoller SpracheEuropa , welches den Neigen führt und im Verlaufvon zwei Jahrtausenden aus dem Schatten der Unbe-kanntheit zum leitenden Welttheil und zur höchsten Civili-sation sich emporgeschwungen hat. Staunend blicken wirhinan zu den Höhen der europäischen Cultur, freuen unsdieser Errungenschaften, belehren uns über die dort an-sässig gewordenen Nationen und Stämme und wandern dannfrohen Muthes aus in die andern Erdtheile, um die Natur-schönheiten und Völker jener Zonen mit dem zn vergleichen,dessen wir daheim uns erfreuen. Wahrlich, eine fröh-liche Länder- und VLlkerentdcckungsfahrt, die wir da an-treten! Wir begreifen die Freude, mit der die Genossendes Columbus das Wort „Land!" ausriefen, wenn wirso mit unsern Blicken, sei es auch nur in vorliegendemWerke, von einem Land zum andern übergehen, jederzeitwieder Neues und Hochinteressantes kennen lernend. Wirvertauschen Erdthcil um Erdthcil, Besuch abstattend bei denzahlreichen Völkern der Erde und sie alle in ihren Cha-raktercigcnihümlichkeiten, Körper- und Gcistcsbeschasfen-hciten, Tugenden und Fehlern genau beobachtend. DesUngewöhnlichen, ja oft Wunderbaren erfahren wir dabeiso viel, daß uns die Zeit darüber wie im Fluge vergeht. —Asien , der größte und volkreichste Erdtheil, die Wiegedes Menschengeschlechtes, der Religionen, der geistigenCultur, das Land der Zauber und Märchen, der Niesen-und Wundcrbanten, nimmt unsere Aufmerksamkeit durchdie hervorstechenden Merkmale seines hohen Alters, seinergIänZendenVcrgangcnhcit,seinersonderthümlichenGanz-üdcrHalb-Civilisation, wie durch die Contraste und wechselndeManchfaltigkeit seiner Länder und tausendfaches Anderesbestens in Anspruch. — Es folgt Afrika , das Land,welches gegenwärtig von so aktueller Bedeutung gewordenund eben für Cultur und Christenthum , wie für die Be-strebungen des Handels und der Kolonisation von Europa'sMächten aufgeschlossen wird. Afrika , an seinen Nord-küsten einstens der Ursitz menschlicher Cultur, das nochso wenig erforschte, wird nach Ethnographie und Geo-graphie vom kenntnisreichen Verfasser sehr eingehend be-handelt und so eine Fluth von Licht über diesen dunkelnErdthsil ausgegossen. Die beigegcbenen Karten sind sehrgenau revidirt; die Volksstümme, Neger wie Araber,Herren wie Sklaven, Eingewanderte wie Ureinwohner,stellen sich uns in ihrer vollen Eigenthümlichkeit vorAugen. Eingehend werden geschildert die Schrecken derSklaverei wie die Pracht der dort sich so üppig ent-faltenden tropischen Natur. Der Verfasser versteht es,
rasch uns Bahn zn brechen in das ungebahnte Landund uns mit Vorliebe bekannt zu machen mit vielenseither unbekannten Natur- und Menschheitszusiänden.Unser Weg geht von Meer zu Meer. — Doch auch derOzean hält unsere Reise nicht auf. Amerika empfängtuns. Wir stehen auf dem Boden der „Neuen Welt"mit seiner überaus reichen und wechselvollcn Scenerie,seinen auf deur höchsten Gipfel der Cultur stehendenStaaten und rasch emporgeblühten Städten, mit seinerenergisch klugen, rastlosen, unternehmenden, praktischenBevölkerung, wie mit seiner romantischen Wildnis; desUrwaldes und der Urmenschen dieses Riesenlandes. Mitsteigender und gerechter Bewunderung verfolgen wir dieseZonen und diese Nation, der in Kunst, Industrie undErfindung das Große klein, das Schwierigste leicht er-scheint. — Den Schluß bildet Australien , dieses unsaui fernsten gelegene Jnselland mit seiner, man darf sagenwahrhaft sonderbaren Fauna und Flora. Auch hier fesseltder weltkundige Autor unsere ungctheilte Aufmerksamkeitdurch seine Schilderung von Land und Leuten, mag ernun des öderen Kontinentes Städte oder Steppen be-schreiben, oder des blühenden Jnselreiches lachendeEilande, die sich wie ein Kranz um dasselbe herum-liegen, mag er von der gegenwärtigen Generation sprechenoder der ausgestorbcncn Stämme gedenken.
So tritt das gestimmte Prachtwerk, welches in jederBeziehung von äußerst eleganter und vornehmer Aus-stattung ist, nach Form und Inhalt in Geist und Herzgewinnender Gestalt uns entgegen, da Wort und Bilder-schmnck, Verfasser, Zeichner, Kartograph und Verlegerharmonisch zusammenwirken, den freundlichsten Eindruckauf den Leser zu machen und ein Monnmentalwerk zuschassen, durchaus und in allwcg entschieden geeignet,spielend neben der edelsten Unterhaltung die reichste Be-lehrung zu bieten.
Das gediegene Werk dürfte sich besonders für froheTage als Festgescheuk empfehlen, dann aber namentlichfür die Bibliotheken höherer Schulen, für Erwachseneund gebildete Familienkreise, welche in genußreicher Weisesich unterhalten und belehren wollen. Dem schönen Werkewohnt ein bleibender Werth inne.
Das Ende des Hückelisums.
Ein vernichtendes Gericht geht soeben über den Mannnieder, welcher in unerhörter Weise das Denken der mo-dernen Welt, besonders der deutschen, beeinflußt hat.Häckel ist es zu verdanken, daß die extremsten materialist-ischen Anschauungen, welche, großentheils nur im Keime,im ursprünglichen Darwinismus schlummerten, zur vollenEntwickelung gelangten und zu den herrschenden in denKreisen der Naturforscher wurden. Durch ihn ist die ge-waltige, leidenschaftliche Propaganda entfacht worden,welche in die gebildeten Laienkreise getragen wurde, ander er selbst den Löwenanteil beanspruchen kann. Eswar soweit gekommen, daß Niemand, bei Strafe derLächerlichkeit, mehr wagen durste, an dem Darwinismusin Häckcl'scher Form zu zweifeln; Finsterling, Neactionär,Jesuitensöldling und was dergleichen ebenso liebenswürdigeals wissenschaftlich entscheidende Beweise mehr sind, ris-kirte sowohl der Laie, der nicht recht zustimmen, als derGelehrte und Naturforscher, der nicht begreifen wollte,bis endlich der Häckclismus trimnphirend durch alleKreise gezogen war und seine Alleinherrschaft errichtethatte.