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22. März 1894.
Julius Schnorr von Carolsfeld .
Ein Geben kblcitt zu dessen hundertstem Geburts-tage von A. G.
Gewiß ist Julius Schnorr von Carolsfeld werth,daß seiner an seinem hundertsten Geburtstag öffentlichgedacht wird, hat er sich ja auch gerade in unserm engerenVaterland durch seine Werke verewigt. Julius war derSohn des Veit Hans, der in Leipzig am 30. Oktober1841 starb, er war der siebente Sohn unter fünfzehnGeschwistern. Kaiser Leopold hatte im Jahre 1687 dieFamilie geadelt unter Verleihung des Beinamens vonCarolsfeld . Der Vater war zuerst Jurist, Notar, späterKünstler, und obwohl er als Künstler nicht gar hoch ge-stiegen, erhielt er doch an der Kunstakademie zu Leipzig ein Amt, in dem er auch blieb bis zu seinem Tode.
Julius wurde geboren am 26. März 1794 zuLeipzig und wanderte derselbe im Jahre 1811 nachWien , da er, obwohl erst 17 Jahre alt, fest entschlossenwar, sich der Kunst der Malerei zu widmen, deren An-fänge sein Vater schon in der frühesten Jugend ihmgleichsam eingeimpft hatte. Die Studien in der Per-spektive und der Anatomie waren als ganz junger Menschseine Lieblingsbeschäftigungen gewesen, und bei Radier-ungen seines Vaters für eine Ausgabe des Homer hatteder Sohn fleißig mitgewirkt, und zwar nicht nur ober-flächlich, sondern von Anfang sich immer einstudirend,von Anfang an reiflich überlegend. Es muß sofort be-tont werden, daß er von Anfang an eine uugemein großeHinneigung zum religiösen Stile bekundete und es seineifrigstes Bestreben war, zuerst nach Italien zu ziehen,denn sagt er selbst: „meine Principia sind, ein guterKünstler oder keiner; niemand lästig zu fallen und baldnach Italien zu gehen." Seine beiden Brüder, auchKünstler, waren vor ihm nach Italien gegangen, er aberging vorläufig, wie bemerkt, nach Wien ; Gründe, warumnicht auch er zuerst Italien besuchte, hat Einsender undSchreiber dieser Zeilen in den ihm zu Gebote stehendenQuellen nicht gefunden.
In Wien besuchte Julius Schnorr die Akademieder Künste , ohne aber durch sie in seinen stets idealenBestrebungen wesentlich gefördert zu werden. Sein Idealwar der große Michel Angelo ; „gewaltige Muskelmänuerwill ich malen". Und er probirte eS mit einem großenOelbild „Die Sündfluth", welche aber trotz der Flnthdas Schicksal hatte, vom Maler als ungenügend undunwürdig durch Feuer vernichtet zu werden, „ungenügendgegenüber den Kunstleistungen der älteren Deutschen undNiederländer".
Der Krieg im Jahre 1813 drohte Schnorr , seinenStudien ein Ende zu machen, denn gleich Tausendendeutscher Jünglinge wollte auch er als Soldat seinemVaterlands dienen, wie mehrere seiner Kunstcollegen inWien , dienen als freiwilliger Streiter; aber er erhieltseine Pässe nicht, und dann fehlte ihm auch das Geldzur Reise zum preußischen Heere. Er gab einer SchülerinZeichnungen zum „Versilbern", diese aber vereitelte inder besten Absicht seine Pläne, versteckte die Zeichnungenund es wurde zu spät zum „Durchbrennen". SeinBruder ging in den Krieg, und Julius selbst half ihmzur Ausrüstung nach Prag , wo er in der deutschenLegion Fähnrich wurde, während er selbst in Folge einer
Beschädigung des Knies in Wien das Zimmer zu hütenhatte.
Sechs Jahre hielt sich Schnorr in Wien auf; eSfehlte ihm nicht an Gönnern, es fehlte ihm nicht anArbeitskraft und Arbeitswillen, aber an einem fehlte esihm bedeutend, wie wir dies merkwürdigerweise bei vielen,ja sehr vielen Künstlern finden, es fehlte ihm nämlich amnorvno rsruin, am Geld. Er machte zuerst Schäferbildchen,warf sich aber in Bälde auf das Ernste. Ein „Sechs-kampf" nach Arioft zeigte schon sein tiefes Eindringenin das romantische Hcldenwesen, ein „Besuch des Zachnriasund der Elisabeth bei der heiligen Familie" sein religiösesGefühl und seine „Wallfahrt" bereits den angehendenKünstler. Wie manche Künstler auf ihren Gemäldengewisse ihnen liebe Personen verewigten — wir erinnernz. B. an Martin Knoller mit seinem Haupikuppelgcmüldein der Schloß- und Klosterkirche zu Nercshcim an derbayerischen Grenze —, so hat auch Schnorr auf demletztgenannten Gemälde seine spätere Gemahlin, MariaHeller, verewigt, die damals allerdings erst zehn Jahrealt war. Sie war die Stieftochter des LandschaftsmalersFerdinand Olivier, bei dem Schnorr drei Jahre in Wien wohnte und der ihm stets mit Rath und That treu zurSeite stand. Die ältere Schwester Fanny heiratheteauch später, und zwar Friedrich Olivier .
Nachdem sich seine Finanzen besser gestaltet hatten,trat er mit selbst erworbenen Mitteln nach kurzem Auf-enthalt im elterlichen Hause am 16. November 1817 vonWien aus die Reise nach dem lang ersehnten Italien an, allwo er zwei Jahre bleiben und sich ausbildenwollte. Sein Begleiter war der Dichter Müller, mitdem er nach einem kürzeren Aufenthalt in Florenz am23. Januar 1818 in der ewigen Stadt, in Rom, ankam,wo er, da sein Name bereits bekannt war, von de-deutschen Künstlern auf das liebenswürdigste empfangenund aufgenommen wurde.
Alsbald begann er eine rege künstlerische Thätigkeit.Während sein Bild „Drei Marien am Grabe" Entwurfblieb, fand sein Gemälde „Die Hochzeit zu Cana" großeAnerkennung. Auch verfertigte er viele Landschafts-zeichnungcu, desgleichen viele nach dem Leben gezeichnetePorträts berühmter Männer, z. B. v. Stein, Niebuhr,Nnckert, Thorwaldsen, welche nach und nach eine statt-liche Sammlung ausmachten. Auch wurde der Planeiner „Bibel in Bildern" zu damaliger Zeit gefaßt.Auch seine persönlichen Verhältnisse gestalteten sich mitder Zeit vorzüglich, besonders als Nusgang des Jahres1818 sein Freund Friedrich Olivier auch nach Rom kamund er Hausgenosse Buuseus wurde, welcher ihm sehrzugethan war, wie auch sein Leipziger Landsmann Quaudtund dessen Gemahlin dem Künstler stets sehr gewogenwaren. Im Jahre 1824 hinderte eine Armwunde Schnorr ziemlich lange an seinem künstlerischen Schaffen. ImDezember deS nächsten Jahres ließ der kunstsinnige KönigLudwig von Bayern durch den Meister Cornelius Schnorrdie Berufung zu einer Professur an der Kunstakademiein München zugehen, ein Plan, den der König schonals Kronprinz gefaßt hatte. Zugleich ließ er Schnorr eröffnen, daß er in München zur Mitwirkung an großenkünstlerischen Unternehmungen von ihm ansersehen sei.
Obwohl dieser ehrenvolle Ruf den Künstler mithöchster Freude und mit innerem Stolze erfüllte, so konnteer demselben nicht alsbald Folge leisten, denn er sollte