Ausgabe 
(22.3.1894) 12
 
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er mißt 25 oin. Die mittelalterlichen Rüstungen sindmeist aus Eisen getrieben, dann tauschtet. Wir lesenvon dem 105 Fuß hohen Sonnenidol, dem Coloß vonNhodns, von Chores, dem Schüler des Lysippns,280 v. Chr.: daß Zwischen dessen Beinen Schiffe durch-führen konnten; er war allerdings am kleinen Hafen, wieman im Vorbeifahren merkt. Derselbe war von Erz ge-gossen, und nachdem ihn 224 v. Chr. ein Erdbebenniedergeworfen, ließ nach der muhamedanischen Eroberungder Insel der Chalife die Stücke durch 900 Kameelefortschleppen.

In neuerer Zeit eröffnet die Reihe der in Knpfergetriebenen Colossalfiguren der 24 Meter hohe CarolusBorromäus zu Arona, dem Geburtsorte des Heiligen,welcher 1697 auf zwölf Meter hohem Sockel aufgestelltwurde und weithin über den Lago Maggiore sichtbar ist.Eine Treppe führt im Innern, wie in der 1844 aufge-stellten 19 Meter hohen Bavaria , hinauf bis in den Kopf,in dessen Raume bei sicbenthalb Meter Umfang bequemvier Personen tafeln können, um durch die Augenöffnungzugleich die Fernsicht zu genießen. Hände und Füßesind dabei in Bronce gegossen, man war der Hohlarbeitmittels Liegamboß und Prelleiscn noch nicht mächtig;nur der Mantel ist bon schwerem Kupferblech und sosetzt die Figur für die Fleischtheile ein verschiedenesPatina an.

Zwanzig Jahre spater (1717) erhob sich nach demVorbilde des Farnesischen Herkules von Lysippns die10 Meter hohe Niesenfigur mit der Keule, der sogen,große Christoph auf der Wilhelmshöhe bei Kassel .Thnrmhoch steht er auf seinem 85 Meter hohen Unter-bau, in Metall ausgehöhlt durch den Kupferschmied-gesellen O. F. Küpper aus Hanau , dessen Nameebenso bezeichnend ist, wie uns jetzt die Wilhelmshöhe an den König erinnert, welcher nach Sedan den ge-fangenen Kaiser Louis Napoleon dahin abführen ließ,um dieses Symbol deutscher Heldenlraft und Größe ge-hörig zu betrachten.

Daran reiht sich die 17 Meter hohe, vor noch nichtzwanzig Jahren enthüllte Bildsäule des Arminius oderdas Hermannsdenkmal bei Detmold , zunächst demSchlachtfeld im Teutoburgerwald, auf 30 Meter hohemDome über der 1246 Fuß hohen Grottenburg. Bis zurSpitze des gegen Frankreich erhobenen Schwertes 80 Fußmessend, erhebt er sich 57 Meter über den Erdhügel, undnicht weniger als 11,000 Kilogramm, d. i. 210 Zentner,Kupfer sind zu den Platten verwendet, welche um denNiefenkörper merklich sichtbar vernietet wurden. DerSchöpfer des Gedankens wie des Modells ist bekanntlichder Bildhauer Ernst Bändel aus Ansbach , einZögling der Münchener Akademie, dessen Andenken auchhier manche Büste in Ehren erhält.

Doch was sagen wir erst zu der kolossalsten allerFiguren, dem Bilde der Freiheit nach dem Modelldes Elsässers Bartholdi, dem Geschenke von Frank-reich für den Eingang des Hafens in New-Z)ork!Diese in Kupfer getriebene Niesenstatue von 33 MeterHöhe steht auf einem 48 Meter hohen Postament, undhält mit der Rechten eine Fackel 94 Meter über denErdboden empor. Man steigt in ihr hinauf und genießtauf einer dritthalb Meter breiten Flüche die Fernsicht,höher als der Thurm des Berliner Nathhauses und sohoch als wo der Helm des Kölner Domes aufsitzt.

Gehen wir zu den Triumphwagen über, so hatunser großer König und Kunstmäcen Ludwig I. AugustuZ

die Viktoria auf dem Gespann von vier Löwen vorahnendauf das Münchener Siegesthor gestellt, durch welches 1871die siegreich aus Frankreich heimkehrenden Truppen ihrentriumphirlichen Einzug hielten. Sie allein ist 17 Fußhoch und dieses ewige Werk von 900 Zentnern Erzgegossen. Lysippns, der von Alexander M. mit einmalden Auftrag zu 34 Neiterstatueu für die am Granikusgefallenen Helden erhielt und dem man nachrühmte, daßer 600 Statuen gegossen habe, schuf auch den Sonnew-wagen mit den vier Pferden, welche nachher tn die Renn-bahn von Constantinopel, und von da auf das Portaldes Markusdomes in Venedig zu stehen kamen. Sie wurden1796 als gute Beute nach Paris entführt, von wo sieerst 1815 zurückkamen.

An kupfergetriebencn Werken dieser Art geht wett-eifernd voran die nach Schadow's Modell 1795 vonJury ausgeführte, mit vier zwölf Fuß hohen Rossen be-spannte Quadriga auf dem Brandenburger Thor in Berlin, welche Napoleon 1806 nach Paris ent-führte. Bekannt ist die Anekdote, wie der TurnvaterIahn die Schuljungen beim Vorübergehen an dieser statt-lichen Stadtpforte nach der Frage: was denkt ihr euchhiervon? mit einem Backcnstrciche firmte mit den Worten:Merkt euch, daß wir die Viktoria mit dem Siegeswagenaus Frankreich wieder zurückholen müssen!

Daran schließt sich die nach Nitschel's Modell vonGeorg Howald in Braunschweig 1858 63 alsKrönung für das Schloß geformte Brnnonia auf demViergespann. Nach dem Nesidenzbrande mußte dasherrliche Werk 186568 von demselben Meister erneuertwerden. Howald hat auch die Herzoge K. W. Ferdinandund Fr. Wilhelm daselbst in Kupfer getrieben und diesesGeschäft dort eingeführt: er starb erst 1891.

Howald der Jüngere schuf den Herkules fürden Frankfurter Bahnhof. Eine kupfergetriebene Figurder unbefleckten Jungfrau erhebt sich auf der Weltkugelüber dem Thurm der Marienkirche in Würzburg , mitder Lilie in der Rechten und der Schlange den Kopfzertretend, mit zwei Gesichtern, seit etwa 50 Jahren ver-goldet: sie soll in Folge eines Gelöbnisses zur Abwendungder Pest errichtet worden sein.

Von getriebener Arbeit gilt auch das Reiterstand-bild Augusts des Starken in Dresden von LudwigWicdemann 173136, wovon das Roß allein auf denHinterfüßen und dem Schweife ruht. Doch bedarf esnoch der Untersuchung, ob nicht doch das Pferd vonErzguß ist.

(Schluß folgt.)

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(Unter dieser Rubrik geben wir ein fortlaufendes Verzeich»niß der bei uns cingelangcuden Bäcker, deren Recension wiruns vorbehalten. Unsere Herren Mitarbeiter ersuchen wir, dieBücher, welche sie zu recensiern wünschen, sich aus diesem Ver-zeichnis auszusuchen.)

Die katholische Bewegung. Monatsschrift. Heraus-gegeben von G. M. Schüler. Würzburg , Verlag von Wörl.27. Jahrg. Heft 3 enthält: Das apostol. Glaubensbekenntnißund die jüngsten katholischen Schriften über dasselbe. WarShakespeare Katholik? Origenes und sein Leben. DreiStimmen über das Duell. Das Mcßthürmchen auf demNctscber-Dom.

Llissions ä'Lkriquö. Erscheint alle zwei Monate.AbonnementSpreiS 5 FrcS. per Jahr. Zu abonniren bei L. U.Honail, iLroviuaial, rus tlassstto 27, Laris, oder II. ?. 8u-pärisur ckss ksrss, LIanos rus cks Urncck 58 ü Lla1iues(LeI§igns).Nr. 103 enthält u. A. in franz. Sprache: Briefe von Nocheran Msgr. Livinhac. Nachrichten aus Uganda . Bries des