Ausgabe 
(29.3.1894) 13
 
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Dichter Franz Sichert in seinem vortrefflichen Wetter-leuchten (Paderborn , 1893) an die österreichischen Katho-liken richtet:

Rettet eure Kinder!

Nun, Bruder, rafft euch auf zu Thaten!

Ihr schlief'!, kam der Feind bei Nacht,

Und in der Kinderseele SaatenHat er des Unkrauts Gift entfacht!

In uns'rer Kinder zarten HerzenKeimt seines Hasses Schierlingsfrucht,

Wie Bilsenkrautes gift'ge KerzenEntbrannt' er d'rin Empörungssucht lAuf, österreichisch-christlich' Blut!

Es gilt der Kinderscele Gut!

Was haben wir nicht schon gelitten!

O, welche Bande! Welche Schmach!

In frecher Judasrottc MittenGeschah es, daß der Muth uns brach.

Doch unser Dulden hat ein Ende,

Weihs uns'rer Kinder Blüthen gilt!

Nicht nur zum Fleh'n hob unS die HändeDer Herr er brachte Schwert und SchildZum Schreck der feigen JudaSbrutlAuf, für der Kinderseele Gut!

Nicht länger schleppt ihr zu AltärenDes Satans dann ein Gotteskind;

Auf, Brüderl Laßt uns steh'n und schwören:

Wo Christ ist, auch wir Christen sind!

Wenn aus den Schulpalästen bannteIhn haßerfüllt die neue Zeit,

Dann brause, wo ein Herz noch brannteFür Christus, himmelan der StreitUnd lasse glüh'n in KampfesgluthUns für der Kinderseele Gut!

Laßt neue Blüthen lodernd brechenDrum aus des Glaubens Stamm hervor,

Laßt Worte nicht, laßt Thaten sprechen,

Und Herz und Hand zu Gott empor!

Und in der Seele kühn' VertrauenUnd auf der Lippe einen SpruchZur wundermildesten der Frauen,

Die uns zertrat der Schlange Fluch,

Und die der Unschuld BlüthenfluthStreut in der Kinderseele Gut!

Ja hört's: Solang' uns noch im MundeEin Hauch, ein Schlag im Herzen wohnt,

So lange über unserm Bunde

Noch sonnumbliht das Kreuzbild thront

Solang' noch eines Herzens FlammeEmpor zum Heiland liebend bricht

Das merkt euch, ihr vom Judas stamme

. Bekommt ihr unsre Kinder nicht!

Wir alle steh'n mit Gut und Blut

Wir schwören's! ein für dieses Gut!

Mit Gott denn, mit des Kreuzes ZeichenDie stolze Zwingburg kühn erstürmt,

Die, Schlüssel zu des Feindes Reichen,

Die Hoffnung seiner Zukunft schirmt!

Wir müssen, müssen sie gewinnen,

Die Schule, neu als Christi vauö,

Und sollte unser Leben rinnenAus tausend Todcswunden aus!

Wie Sturm erbrause, Christcnmuth!

Auf, für der Kinderseele Gut!

Die Grabstätten des großen Noriker - ApostelsSt. Severin in und bei Neapel .

Zu den vielen Verdiensten, welche sich der erst kürz-lich in Wien verstorbene Prälat Or. Sebastian Brunner um die katholische Sache speziell Oesterreichs erworben,ist sicher auch zu rechnen, daß er seinen Landsleuten dasAndenken des großen Noriker-Apostels St. Severin wiederaufgefrischt und über dessen Grabstätte zum ersten Maleverläßliche Kunde brachte.

Bis in die neueste Zeit herab selbst noch ineinem 1879 erschienenen kirchlichen Proprium warenüber letztere irrthümliche, althergebrachte Angaben imUmlaufe, die schon längst einer Berichtigung bedurftHütten.

St. Severin hatte noch bei seinen Lebzeiten denBewohnern der römischen Donaukastelle vorher verkündet,daß sie bald nach seinem Hinscheiden, gezwungen durchden Einbruch germanischer Völkerschaften in jene Gegenden,nach Italien sich zurückziehen würden, und sie gebeten,dann auch seinen Leichnam mit sich zu nehmen. SechsJahre nach St. Severius Tod: 488, traf ein, was derHeilige vorausgesagt. St. Severins Leiche wurde beidieser Gelegenheit in einem schon lange zu diesem Zweckebereit gehaltenen Kasten auf einen Wagen gelegt unddie langwierige Reise angetreten. In Italien wurde dieirdische Hülle des Heiligen einstweilen im Kastelle vonMonte Feltre, welches Einige für S. Leon, Andere fürMacerata di Monte Feltre in der ehemaligen DelegationUrbino halten, niedergelegt. Von hier aus begannen Unter-handlungen mit einer edlen Frau Namens Barbaria inNeapel , welche nebst ihrem Manne von großer Verehrungzu dem Seligen beseelt war. Sie wünschte die heiligenUeberreste desselben auf ihrem Landgute Luculanum bei-zusetzen und erbaute zu deren Aufnahme eine Grabkapellenebst einem Cönobium für die Priesterschaft, welche imGeleite St. Severins über die Alpen mit herübergekommenwar. Papst Gelastus gab die Einwilligung hiezu undso konnte (zwischen 492 u. 496) die Uebertragung dahinerfolgen.

Von dem großen Ansehen, das St. Severin genoß,gibt Zeugniß Papst Gregor der Große in seinen Briefen(lid. III Dp. 19, 115. IX Dp. 35); derselbe erbautein Rom die erste Kirche zu Ehren desselben in der Nähevon St. Matthäus in Mernlana.

Bis zum Jahre 910 blieben Severins hl. Ueberrestein Luculanum; in diesem Jahre war man genöthigt, zuderen Sicherung einen anderen würdigen Aufbewahrungs-ort in Neapel selbst ins Auge zu fassen. Seit den erstenchristlichen Zeiten befand sich in dieser Stadt bereits eineSt. Severinskirche. Sie ist wahrscheinlich jenem heiligenBischöfe geweiht, von dem das römische Martyrologiumam 9. Januar bemerkt:Dog-poli in Dampams, nutaHs8t. Lovorivi Dxlsoopi trutrls 5 satt Vlotorinl Nor-berts, qui post irmltarurn virtutum perpetrottoneirlxloirus sauotitats qutsvtt." Auch unter der Genossen-schaft der hl. Luzia, welche in Campamen den Marter-tod erlitt, findet sich ein St. Severinus, Märtyrer.

Im Laufe der Zeit war bei der Severinuskirche inNeapel ein Benediktinerkloster entstanden, und der Abtdieses Klosters war es, welcher 910, da die räuberischenSarazenen die Umgebung Neapels unsicher machten, imEinverständnisse mit dem Bischöfe der Stadt die Reliquiendes Noriker-Apostels St. Severin für seine Kirche ausLuculanum erhob und feierlich einbegleitete. Hier genossendieselben auf Jahrhunderte hinaus Ruhe und Sicherheit.Erst im Jahre 1807 wurde diese Ruhe neuerdings gestört.

Unter der napoleonischen Gewaltherrschaft ward denKlöstern Italiens dasselbe Loos bereitet, wie in denanderen Staaten.

Am 26. Februar obgenannten Jahres erschien einDekret, des Inhalts, daß aus den aufgehobenen Kloster-kirchen Ornate und Reliquien an ärmere Pfarrkirchen ,wenn sie solche wünschten, abgegeben werden sollten.Ueber dieses Dekret zeigte sich Niemand mehr erfreut,

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