Ausgabe 
(29.3.1894) 13
 
Einzelbild herunterladen

zu München nach dem Modell unseres braven BildhauersÄsn ton Heß. Ferner die sechs Gruppen für das CafsLuitpold nach Kaindl 1886, die Amphitrite für denWasserthurm in Mannheim nach Modell vonHoffmann1889. Meisterhaft ist ferner die für Berlin bestimmteIrene mit dem Knaben Plutos nach dem von Pausaniasdem Cephissodotos zugeschriebenen Original, sei es der Kopiein unserer Glyptothek, einem Bilde, das man mit christ-licher Deutung auf jeden Altar stellen dürfte. Es folgendie Figuren am Hause von Braun und Schneider nachModell von Bildhauer F. L. Bernauer 1891; St.Peter für das Nathhaus in Hamburg nach Modell vonFeiffer 1892; auch St. Jakob nach Bildhauer Kumm1893 ist dahin bestimmt.

Auf den Giebel des Neichstags-Gebäudes von PaulWallot kommt also die durch Bismarck in den Sattel ge-hobene Germania zu stehen, ein Werk unseres wackerenSeitz, das eben 1893 in der Weltausstellung zu Chicago dem bayerischen Namen Ehre machte und von da nachSän Fraucisco in Californien begehrt wurde. ReinholdBegas, der erste Bildhauer Berlins , hat das Modell zudieser Gruppe geschaffen.

Es ist doch eine Freude, in München , dem Haupt-sitze des Kunstgewerbes, zu leben, das solche Meister aus-weist. Solche Leistungen können nur weitere Bestellungenzur Folge haben unter dem Wahrspruche: Mach's nach!Auch Kusterer inAugsburg hat mit seinen tüchtigenArbeitern die letzte Weltausstellung besucht.

In gleicher Weise arbeitet Knodt in Bockenheim für Frankfurt, Strahburg, Hamburg, Berlin , sogar eineHomburgia.

Die Figuren mecklenburgischer Fürsten am Stände-hause in Rostock hat Fr. PeterS in seiner Klempner-werkstatt in Berlin hergestellt, dazu den Bannerträgerals Giebelfigur.

Uebrigens werden in neuerer Zeit nicht bloß Thurm-helme, Drachen als Wasserspeier, Laternen, Löwen undOrnamente aller Art, sondern auch Kreuzblumen undKapitelle über Granitsäulen von Kupfer getrieben, wiePschorr in der Reichshauptstadt an seinem Bau solcheanbringen ließ.

Peters schuf 1887 ferner einen Ritter mit Fahneund Lanze für die Thurmspitze der Marien bürg inOstpreußen , des weiteren 1889 zwei große sitzende Fi-guren, Vergangenheit und Zukunft, für einen Palastthurmin Madrid, für die Mannheimer Brücke unseresPros. Thicrsch nach Vogels Modell Neptun und Ceres,und eine Reihe Fürsten für das Ständehaus in Rostock;dann mehrere Adler.

Für den Kaiserpalast in Goslar wurde in derBerliner Werkstatt von Martin und Piltzing nachdem Modell von Scholl das vier Meter hohe Reiter-standbild Kaiser Wilhelms I. in Kupfer getrieben,welches in Barbarossa zu Toberenz sein Gegenbilderhält. Vorbereitet ist das' auf 12 Meter berechneteReiterstandbild Kaiser Wilhelms I. für Coblenz alsRheindenkmal für die deutsche Ecke, wo Rhein und Moselzusammenfließen, nach Entwurf von Bildhauer Hundrieserund Architekt Bruno Schwitz.

Dieselbe Darstellung ist mit neun Meter hohenNebenfiguren für den Kyffhäuser bestimmt; möge dieAusführung der einen oder anderen Aufgabe unserenkunstfertigen Meistern zugedacht werden, wie nicht minderdas 14 Meter hohe weibliche Heiligenbild für einen freienPlatz in Strahburg.

Wir haben zwei geborne KünstlerfamilienNamens Seitz in München. Unser BenvenutoCellini , Joseph Seitz, lebt als Greis von mehr als80 Jahren bereits im Spital, sein Sohn Otto der Malerist Professor an der Akademie: Vater und Brüder allewaren Künstler. Aber auch der Vater unseres Plastikershat bereits diesen Gewerbezweig betrieben und, nachdemer von 1818 bis 1822 in Paris gearbeitet, während seinesachtjährigen Aufenthalts in Bordeaux unter anderm einenkunstreichen Brunnen in Kupfer getrieben. Da aber beider Enthüllung sein Name nicht genannt wurde, zog ermit beleidigtem Stolze sich nach München zurück undbewarb sich hier um eine Concession. Wir wissen ja seitder Vertreibung unserer Landsleute im letzten Kriege, daßdie Meisten derartigen Gegenstände, die wir aus Paris bezogen, von deutschen Kunsthandwerkern gefertigt waren.Wir haben uns auch im Schaffen der kunstfertigen Hand vonFrankreich frei gemacht, und wie viele Arbeiter haben alleinin Gebrauchsgegenständen aus Einem Stück sich aus derSchule Seitz selbständig gemacht; wurden doch allein imKunstgewerbehaus 1892 für 11,000 Mark Kupferwaarenverkauft. Wie viele Museen, vor andern das in Genf ,ließen sich mustergiltige Gefäße aus Einem Stück nachMünchener Technik zum Modell für Gewerbetreibendekommen, indeß die Hauptwerkstatt nur mehr Großfigurenliefert.

Vieles ist in dieser Weise im Werden begriffen,wozu die Dauerhaftigkeit bei großer Billigkeit einladet.Ich selbst möchte mit dem heutigen Vortrag einen prak-tischen Gewinn für München erzielen. Beim siegreichenEinzug unserer aus Frankreich heimkehrenden Truppenunter Führung des deutschen Kronprinzen, späteren KaisersFriedrich Wilhelm, sahen wir das Hofgartenthor miteiner Viktoria gekrönt, beim Erscheinen unseres Kaisersim September 1891 trat eine Pallas Athene an dieStelle, und jüngst bei der Vermählung der PrinzessinAuguste mit Erzherzog Joseph Augustin reichte einGenius den Kranz, so daß das Thor in einerVierthalb bis vier Meter hohen Figur einen reizendenpyramidalen Abschluß erhielt. Wohlan! das Modell istgegeben: warum soll die entsprechende Figur nicht, inKupfer getrieben, zur bleibenden Verschönerung der Stadtdienen? Ein einfacher Bürger könnte die Kosten dafürprästiren. Ebenso habe ich den Stadtconsuln längstvorstellig gemacht, auf dem Jsarthorthurm als historischesWahrzeichen den Stadtgründer Heinrich den Löwenanzubringen, etwa wie ich ihn an meinem Haufe malenließ, im Kampf mit der Meerschlange zur Befreiung deSKönigs der Wüste, wie die Legende aus seinem Kreuz-zuge vom Strande von Joppe lautet, wo er an die Stelledes Persens bei der Befreiung der Andromeda getretenist. Ein Erzguß wäre an beiden Stellen schon wegendes Gewichtes nicht angebracht.

Eben taucht der Gedanke auf und findet bei denmaßgebenden Behörden, im Gemeinderath wie in derMagistratur, Anklang, im Stadttheil Haidhausen amWvrthplatze, oder wegen der Kreuzung der Weißenburger-straße richtiger noch in der Wörthstraße, ein Krieger-denkmal nebst Brunnen zu errichten und nicht immeraus der griechischen Mythologie, sondern aus der deutschenHeldensage den Stoff zu wählen. ES soll ein Sieg-friedsbrunnen werden mit der Darstellung, wie derHeld, den Schild neben sich, mit der Hand aus demBorne schöpft. Aber hinter ihm hebt der grimmige Hagen die Lanze, lauernd nach der Stelle, wohin das Linden-