Ausgabe 
(5.4.1894) 14
 
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sammmlegen der Kleider also verhalten, daß hicrmnen keinMangel erscheine rc. Wann nun dieses Alles fleißig verrichtetund die Diener ihres Dienstes entlassen werden, sollen sie nichterst in der Küche oder anderswo mit den Weibspersonen einenungebührlichen Schwätzmarkt aufschlagen und allerlei leicht-fertige unzüchtige Sachen auf die Bahn bringen, viel wenigerbei der Nacht gar aus dem HauS liegen, inmaßen hievor Etlichegethan, sondern ein Jedes in sein deputirte Kammer schlafengehen und zu hievor gedrohter gewißlich wahrgcmachter Strafenicht Ursache geben.

Schließlich und für'S Zwölfte. Dieweilen dann in allendiesen jetzt nach einander verlesenen Artikeln und Punkten demDienstgesinde gar nichts Beschwerliches oder Unleidliches, welchesEines billig zu ahnden hätte, sondern allein alle nützlichenSachen, dadurch Zucht und Ehrbarkeit gepflanzt und ein frommerEhehalt ohnedicß, will er anders Schande und Spott entfliehen,zu leisten schuldig ist, aufgetragen wird demnach und hieraufsoll ansitzt Eines und das Andere, daß sie diesem Allen fleißignachleben, auch dem Richter in Abwesenheit Ihrer Gnaden inallen billigen Sachen Gehorsam leisten wollen, ihrer Herrschaftordentliche Pflicht darauf thun. Auf daß aber Niemand, alshätten sie solche Hausordnung und Artikel auf einmal nichtallerdings Verstanden rc., mit der Unwissenheit sich entschuldigenkönnte, so wird diese Hausordnung darauf dann die Herr-schaft inskünftig stark zu dringen entschlossen im Jahr vier-mal, ncmlich zu Qnatemberszeitcn oder nach Gestalt der SacheVielleicht noch öfter, dem ganzen Hausgesinde öffentlich publicirtund verlesen werden.

Hierauf und zu einer gebührliche» Verglcichung aller undjeder in dieser beschriebenen und jetzt abgelesenen Hausordnunginscrirter und eingebundener Artikel, sofern anders die Dienerund Dienerinnen diesem Allem fleißig und gutwillig nachkommenwerden, so sind unser gnädiger Herr und Frau rc. entgegendieses gnädigen Erbietens, daß sich derselben Dicnsilcute alleund jede nicht allein ihrer jährlichen dcputirtcn und bestimmtenBesoldungen, Essen, Trinken und dergleichen Notwendigkeiten,sondern auch noch dazu alle Beförderung, es sei zu besserenDiensten, ehrlichen Hcirathen und anderer gebührlichen Hilfegänzlich zu gctrösten haben sollen rc. Dessen weiß sich ansitztein Jedes durch angedeutete Mittel theilhaftig zu machen, vorStrafe und Ungnade (so man Keinem gönnen will) allerdingszu verhüten."

Daß der fürstliche Pfleger Julius Cäsar Crivelliein Alaun von Ordnung und Sitte war und seinen ka-tholischen Glauben hochhielt, ist aus dieserHausordunug"wohl ersichtlich. Ihr Inhalt könnte mit Fug und Rechtim Wesentlichen auch heute noch gar Vielen Dienst-boten wie Herrschaften zur Mahnung und Darnach-achtuug dienen.

Dr.

Winke für Palnstiircchilger.

Von Dr. Sepp.

Es ist eine leidige, nicht länger zu verschweigendeThatsache, daß unsere christlichen Pilger nach dem ge-lobten Lande, deren Zahl von Jahr zn Jahr Zunimmt,an falsche Orte und neuerfundene Sanctn-arien geführt werden, die mit dem Leben des Heilandsgar nichts zu thun haben. Schon Patriarch Valergakam deßhalb mit den nicht wohl unterrichteten italienischenHütern der dortigen Wallfahrtsstätten in Couflikt, undunwissenschaftliche Frömmigkeit trägt ebenso an solchenVerirrungen schuld, wie halbe Gelehrsamkeit. So mancherbeeilt sich, treugläubig an den Dragoman, eine Reise-beschreibung herauszugeben, ohne sich besser zu orientiren,oder er schafft sich den Palästina-Bädeker an,welcher, vom protestantischen Theologen Benziuger neuaufgelegt, so unkritisch wie möglich ist. Verkehrt sinddie Stationen der Geburt des Täuferszu SänGiovanni in Ain Karim, zwei Stunden von der West-Pforte Jerusalems , wohl um durch solche Nähe den Pil-gern den Besuch zu erleichtern. Jrrthümlich weist man

in der reizendsten Landschaft, wo nun die Sionschwesternihre Sommerfrische halten, zwischen demWeinberg-brunnen" (nun Mariaborn) und Terebinthenthal imeigentlichen Tempe des Landes der Verheißung dazu dieJ^hanniswüste (Mark. I, 4) nebst dessen Einsiedler-höhle. Halbwegs nach Bethlehem liegt das Eliaskloster,gegründet vom Jerusalemer Patriarchen Elias (ch 518);aber die Griechen schützen den Propheten vor, und zeigenvor dem Thore auf die Steinbank mit dem Lcibeseindruckzum Beweise, daß er auf der Flucht da geruht. Gründ-lich falsch ist die moderne Annahme von Emmaus imweit entfernten Kubeibe, weil sich dort eineKirchcnruine fand. Verkehrt nennen wir den Neubaueines Pilgerhauses nebst Kapelle zu Kefr Kenna,näher bei Nazareth , statt in Kann Galil den Ortdes Hochzeitswunders Kanu in Galiläa zu erkennen.Bethsaida führt noch heute den alten NamenMesadijeh, gelegen am Nordostnfer, an der Abend-seite des Sce's hat es nie ein zweites gegeben. Unver-zeihlich endlich ist die Wanderung nach Telhum, stattKapharnaum in dem von den Arabern noch heuteso genanntenChristendorf " Kefr Minieh zu er-kennen. Daß der letzte Zufluchtsort Jesu, Ephrem inder Wüste (Joh. XI, 54), südlich in der Landschaftder Gadarener, so auch Aenon bei Salim (III, 23)im Süden JndäaS ganz übersehen sind, kommt nochdazu.

Kein Land hat mehr religiöse und politische Um-gestaltung erfahren, als Palästina, und die Landkartewird zum völligen Palimpsest, indem ein Erobererum den andern seit 2000 Jahren seine Einträge über-und durcheinander gemacht hat. Die ältesten Ein-wohner des Landes waren die Chetiter, ein Völkerbund,zu welchem sogar die Dardnner gehörten. Das Hansdes intelligenten griechischen Bischofs Neron zu Nazareth bewahrt im Atrium zwei ansgegrabene Steinköpfe gewißvon einem Alter, wie die assyrisch-babylonischen, oder ausAbrahams Zeit, übrigens von einer Häßlichkeit, daß sonstnur Indianer- oder die atavistische Physiognomie einesLords Maitland auf Korfn, des bekannten Gricchen-feindes, mit ähnlich verguatschten Zügen aufstoßcn könnten.Der älteste Neligionsdienst in Kanaan, demNieder-lande ", ist der des Donnergottes Elias am Karmel, derim feurigen Wagen durch die Wolken fährt und (nichtzu verwechseln mit dem Propheten) als Ncgenherr Jliaauch noch im Kaukasus, wie bei den Serben, verehrtwird. Er ist in den Hintergrund getreten, aber seineWiederkehr wird (wie Mark. IX, 10) noch heute er-wartet und jährlich am Eliasfeste den 20. Juli figürlichder Wunschknabe vom Lebensbruunen weg aufs Roß ge-hoben, auch wie bei den Griechen Jacchos mit unbe-schreiblichem Jubel von allem Volke des Umlandes,welcher Religion immer, begrüßt. Alsdann galt für dieKreuzritter trsuAL Ost, und wie damals im Wettrennenvollführen die Beduinen noch heute ihren feurigen Um-ritt. Das Prophetengrab Wely Nebi Elia findet sichvor dem Nordthore von Damaskus , wie bei Sarepta;nicht minder habe ich vor dem des Jonas verschiedent-lich die Schuhe ausgezogen, um beim Betreten deSInnern ja keinen Muslem zu ärgern, ziehen sich dochseine Heiligthümer der ganzen Küste entlang bis Trojahin, eben weil der Held mit dem Fischabentener derbabylonische Oanncs, eine weltgiltige Person ist.

Unter der XVIII. und XIX. ManethonischenDynastie war Palästina ägyptisch, und davon schreibt