Ausgabe 
(5.4.1894) 14
 
Einzelbild herunterladen

sich noch der jüngst entdeckte*) Opferstein zu Schech Sadim Hauran mit der geflügelten Sonneuschcibe. Er gehörtzum Grabmal Hiobs, Kabr Ayub, welches in einemDolmen aus der Steinzeit besteht. Aegyptens Grenzereichte in Sesostris ' Tagen nach dem Papyrus Anastasi Ibis zum Lande Aup gegen Syrien hinaus. Zu dem,einen Pfeilschnß südlich gelegenen, Dar Ayub oder Hiobs-kloster aus der Gassauidenzeit, kommen muslimische Pilgernoch bis aus Ceutralafrika, zumal ein Negerhospiz dabesteht so nachhaltig ist der Neligionsglaube. Hiob erwähnt (30, 6) noch die Höhlenbewohner, und hat seinAndenken auch in Tannur Ayub, dem Warmbade vonChannizera oder Ciunerez, das von einem noch auf eineralten Karte in Florenz verzeichneten Dolmen bis insMittclalter herein Tabula oder Mensa hieß. Hier soller auf Allah's Geheiß den kalten Born, dann mit demandern Fuße den heißen Sprudel aus dem Boden ge-stampft haben und in diesem vom Aussatze rein gewordensein, wie die Kvranausleger Sure 38 naher ausführen.

Die Bauten der Ureinwohner, meist auf Höhen ge-legen, zeigen, wie jene der Phönizier zu Tyrus undSidon und am Salomonischen Tempel fugengeräuderteSteine. Sie waren ein Staatsvolk, aber ihre Städte-republiken unterlagen ohne inneren Zusammenhang demBeduinenstamm der Beni Israel. Erst als diese einKönigsvolk geworden, gelang die Eroberung Jerusalems aus der Hand der Jebusiter, und die Gründung Salemswurde statt der Priesterstadt Hebron zur Hauptstadt er-koren. Die heilige Stadt hat niemals Jebussalem ge-heißen, auch nicht Hierosolyma, wie die Griechen deuteten,sondern der Name besagt: Die Stadt (Ir) oder Gründung(lern) Salems, sei es die Friedensstadt, wie Jeruel(II. Chron. XX, 16) die Stadt Gottes. In den babyl.-assyr. Keilinschriften taucht noch das Wort uru, oru fürurlw auf, was akkadisch ori, hebräisch (Genes. 10, 11) ir;Ursalimma lautet der Name der Stadt des Chazakijahu(Hiskias) zu Kujundschik am Palaste Sanheribs , Jura inder Siegestafel Sesenks (Sisaks). Urkundlich nennt sieJsaias 48, 2 Ir olioäesLll, die hl. Stadt, wie sie nochei Xu äs im Munde der Araber heißt.

Die assyr.-babyl. Gefangenschaft der Jsraeliten undJuden bildet einen wichtigen Abschnitt auch für die Topo-graphie Palästina's, denn nach der Rückkehr muß derVolksrest sich im Lande erst neu zurechtfinden, undHiebei kamen die Judäer mit den Samaritern zuerst inConflikt. Diese behaupteten, der Berg, wo Abraham dasstellvertretende Opfer für seinen Sohn brachte, welchessie noch jährlich wiederholen, sei der Garizim, unddas Land Moria bei ihnen gelegen (Genes. 22, 2,Deuter. 11, 29. 30), nämlich der Hain More, darumhabe Josua die Gesetzestafeln auf dem gesegneten Bergeaufgestellt. Ich habe eigens den Weg von Bires Seba(Beersabe) angetreten, sprach zu mir 1874 der CohenJmram oder Priester des zusammengeschwundenen Volks-restes zu Sichem-Nablus, aber der Tempelberg zu Je-rusalem ist gar keine Höhe, zu welcher der Patriarch dieAugen erheben konnte, auch paßt die Entfernung von

*) Entdecker ist der bereits von der Pforte zum Ober-ingenieur ernannte Tempelchrist Schumacher, welcher ebendie Schiencnbahn von Kaifa am Fuße des Karmel durch dieEbene Jezrcel in der Richtung nach den Pfeilern der altenNömerbrncke (Dlchisr Um cl Kanatir), sieben Kilometer vomAusfluß des Jordans aus dein See Gcnnezareth, baut und bisDamaskus vermessen hat. Auch die französischen Dominikaner stießen bei der Grundlegung zu ihrem Hospiz vor dem Damaskus-thor in Jerusalem auf eine ägyptische Stele.

drei Tagen nur auf unsern heiligen Berg. Hierin mögensie Recht haben. Nachum, welcher den Untergang Ninive's prophezeihte, hat sein Grab zu Alkusch bei Mosul ;nach dem Exil errichteten die Galiläer zu seiner Ver-ehrung im alten Kinnereth ein Grabmal, daher dieStätte fortan Kapharn au m, Dorf Nahums, und zwarim Talmud Beracoth o. 9 Fol. 48, 2das alte Nahum"hieß. In diesem Sinne kennt Nabbi Jsaak Chelo noch1333 Kefar Nahum , wo früher viele Minim, d. h.Christen, waren, und Carmoly setzt die Grabstätte aufseine hebräisch beschriebene Palästinakarte. Es liegt südlichnur eine Viertelstunde von obigem Tannur oder HammamAyub, dem Ofen oder Warmbrunncn Hiobs.

Von den Sanktuarien und strittigen heiligen Ortendes gelobten Landes wollen wir vorsätzlich reden, undhier ist die Kirche des Christusgrabes zuerst an-gefochten. Wer möchte glauben, daß gerade seit derGründung des anglikanischen Bisthums auf dem HügelSion aus Anlaß des Ritters von Bunsen 1840 dieächte Lage in Frage gestellt wurde! Ging doch nochjüngst, im September-Monat 1892, die Nachricht durchdie Blätter, das von General Gordon entdeckte Heilands-grab, oder sogenannte Gordonsgrab, sei mit dem Platzeum 4000 Pfund Sterling feil. Sogar der Erzbischofvon Canterbury und die Bischöfe von Salisbury, Nöchester,Nipon und Cashel gaben ihre Zustimmung zu den Aus-grabungen und wenigstens 1000 Pfund sind bereits zu-sammengekommen. Hier käme doch besser das von Cler-mont Ganneau, dem französischen Kanzler, aufgedeckteLustr Isu zwischen dem Berge des Aergernisses undThale Kidron zur Sprache, in welchem der Finder sogarnoch auf eine Hirnschale stieß; dabei bot ein Nachbargrabnoch die Namen Lazarus und Simeon. Schade, daß dieHebräer keine Sarkophage, sondern Schubgräber kannten,wie sie auf unsere Klöster sich vererbten.

König Herodes Agrippa führt 42 aer. vulg. diedritte Mauer auf, welche den Hügel Goatha (Jerem.31, 39) oder Golgatha, die Neustadt (Oaonoxolis), undden Hügel Bezetha mit einschloß. Da nun Constantindie HI. Grabkirche baute, kam diese nothwendig in denUmfang der von Hadrian (unter Ausschluß der Süd-hälfte des Sion) mehr nach Norden verlegten Stadt.Meiner Rechtfertigung der ächten Lage kamen nachträg-lich die Ausgrabungen des russischen Ministers und zwei-maligen Palästinapilgcrs Abraham Noroff zu statten,welche im abessinischcn Klosterhose noch ein Stück derZweiten Stadtmauer und des alten Stadtgrabens nach-wiesen, worin sich merkwürdig noch steinerne Schleuder-kugeln, offenbar von der Belagerung unter Titns, vor-fanden. Der Missionär Barclay nahm deren nach Amerika mit, auch ist die sogenannte Kapelle des Kreuzfundes derhl. Helena in diesen äußeren Stadtgraben hineingcbaut:der Grabmünster kommt augenscheinlich außer die Alt-stadt zu stehen. Seitdem haben Nachgrabungen in derGrabkirche selbst am Orte des sogenannten Kerkers Christiauf eine förmliche Gruft mit Kokim oder Schiebgräbernzur Seite geführt, wonach das Felsengrab Josephs vonArimathia nur eines von vielen hier an der West-seite war.

Nach der Eroberung und Zerstörung des Tempelsund der halben Stadt siedelte Titus 800 Veteranen imDorfe Emmaus , 60 oder nach anderer Leseart 30 Sta-dien von Jerusalem , an. Davon erhielt der Ort denneuen Namen Colonieh, doch heißt der Brunnguelldaselbst noch Botel Amus. Römisch sind Brücke und