Ausgabe 
(5.4.1894) 14
 
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Straße, sowie Kastul oder das Castell auf der Höhe,so daß Hieronymus in der Vulgata Luk. 24, 13 vonder Identität überzeugt der Zeit vorausgreifend

mit aastellum übersetzt. Die Sache scheint sonnenklar,auch die Entfernung von anderthalb Stunden für diePosition zu sprechen: gleichwohl hat diese sichere Auf-stellung mir eifersüchtige Gegner zugezogen, und dochbringe ich die Tradition bis ins vorige Jahr-hundert wieder zur Geltung. In kirchlichen Fragenkommt wissenschaftlich nicht leicht eine Frage zum Aus-trage; schon Monelia sagt mit Recht: Lo ventum est,nb owniL tütn tirneainus, ouuota xsrvertsrsQonLnUi rnoliuntur.

(Schluß folgt.)

^ ?. Constantin Lievens, der Apostel derKolhs.

I's. Seit zehn Jahren haben wir über die katholischeMisston bei dem indischen Heidenvolke der Kolhs be-richtet, das in mehreren Stämmen im nordwestlichenTheile West - Bengalens wohnt. Mit besonderer Auf-merksamkeit haben wir dieses Missionswerk vom Jahre1886 verfolgt. Denn um diese Zeit begann l?. Lievens,der Apostel der Kolhs, sein großes Bekehrnngswerk. Ja,mit Recht darf man sagen: großes Bekehrungswerk! Hatdoch ?. Constantin Lievens in der erstaunlich kurzenZeit von kaum sieben Jahren und unter den schwierigstenVerhältnissen unter bitterer Noth und Entbehrung undgrimmiger Verfolgung eine solche Menge wahrer Be-kehrungen erwirkt, daß er in dieser Beziehung wohl inder ganzen bisherigen Missionsgeschichte des neun-zehnten Jahrhunderts als einzig dasteht. Wenn wirheute wieder seiner großen apostolischen Thätigkeit ge-denken,*) so geschieht es mit tiefer Wehmuth, denn l?. C.Lievens ist nicht mehr! In übermäßiger, ganz außer-ordentlicher Anstrengung hat er dem apostolischen Berufsein Leben geopfert und in dem schönsten Mannes-alter von 37 Jahren!

)?. Constantin Lievens wurde geboren am 11. April1856 zu Moorslede in Westflaudern. Schon alsjunger Kleriker durchglühte ihn der Wunsch, Missionärim fernen Heidenlande zu werden. Mit diesem Wunscheentschied er sich ein Mitglied der Gesellschaft Jesu zuwerden und trat am 22. Oktober 1878 ein in daS No-viziat Trouchienes. Schon im Jahre 1880 befand ersich im Lande seiner Sehnsucht in Indien. Die belgischeOrdensprovinz der Gesellschaft Jesu besaß seit dem Jahre1859 in dem unbebauten weiten Missiousgebiete West-bengalen ein großes Arbeitsfeld. Nachdem alldort derjunge Flamlünder im Seminare zu Asansole seine theo-logischen Studien vollendet hatte, wurde er am 14. Januar1883 von Msgr. Goethals, apostol. Vicar (späterErzbischof) in Calcutta , zum Priester geweiht und wirktedann zwei Jahre als Lehrer und Erzieher im Collcg deshl. Franz Xaver in Calcutta und in Asansole . Im Jahre1885 trat?. Lievens ein in die Kolhs-Mission.

Damals bestanden unter den Kolhs-Stämmen derMuudaris, Oraons und der Hos die HauptstationenDo rundn (bei Nanchi, der Hauptstadt von Chota-Nagpur), Jamgain und Mariadi sämmtlich imDistrikte Lahordagga, und Tschaibassa im Distrikte

*) Wir entnehmen die Thatsachen der ZeitschriftDie ka-tholischen Missionen" aus ihren Jahrgängen von 1875 bis

Singbhum. Diese Statiorten waren als Centralstellenauserlesen.

Die erste Station unter den Kolhs gründete k.Stock mann im Jahre 1868, es ist jene von Tschai-bassa. Im Jahre 1873 errichtete k. Stockmann dieFiliale Burudi. Bald darauf gründete )?. de Coek dieStation Do rundn. Anno 1874 erhielt die Kolhs-mission vortreffliche Hilfe durch Mitglieder der Kongre-gation derKreuzschwestern", welche derCulturkampf "aus Deutschland vertrieben. Bis zum Jahre 1880 war,bei allem Eifer der tüchtigen Missionäre, das Misstons-werk noch von geringem Erfolge. Als nun die Hilfs-mittel sich mehrten, kam ein reges Leben in das sich nunrasch entwickelnde Werk.

Anno 1881 gründete k. Müllender die StationMariadi und bald darauf Josephdi. 1883 gründetek. Mottet die wichtige Station Bandgaon, welcheCentralstelle für Mariadi und Josephdi wurde.

Im Jahre 1884 war in Dorunda die Zahl derBekehrten von 378 im Jahre 1881 auf 1149 gestiegen.Am raschesten hatte sich bisher Mariadi entwickelt. Erst1881 gegründet, zählte es 1885 im August mitJosephdi 1052 Bekehrte.

Im Laufe des Jahres 1885 eröffnete k. ConstantinLievens seine erste Station Torpa, im BezirkeChota-Nagpur mit 52 Christen. Diese Mission ent-wickelte sich sofort derart, daß der hochw. Missions-Oberel?. Grosjean meinte, Torpa könne ein zweites Mariadiwerden. Aber Torpa sollte Mariadi in fast un-glaublich kurzer Zeit schon weit überholen. Nach kaumEinem (!) Jahre im August 1886 1157 Bekehrteund am 1. Dezember des gleichen Jahres war diese Zahlaus 2500 gestiegen! Und eben an diesem Tage 1. De-zember zählte Mariadi mit Josephdi, Burudi undBandgaon 2120 Getaufte.

Von der Arbeitslast, welche )?. Lievens zu be-wältigen hatte, können wir uns keinen Begriff machen.Wohl war ihm k. Gengler beigegeben; derselbe warjedoch der Sprache der Eingebornen noch nicht mächtigund litt häufig am Fieber, so daß ihm gegen Ende 1886ein anderer Ort angewiesen wurde. k. Gengler schriebüber die Arbeitslast k. Lievens' eben im Jahre 1886

am 2. Oktober aus Torpa:I?. Lievens hört Jedenmit der größten Geduld an; Niemand hat ihnen bishereine solche Theilnahme geschenkt. Aber es ist ein schweresStück Arbeit für den eifrigen Missionär. Es gibt Tage

der gestrige z. B. am 1. Oktober wo uns dasheiligste Herz 116 Neubekehrte geschenkt, an denen erauch nicht einen Augenblick frei hat, und des Abendskann er sich dann vor Müdigkeit nicht mehr aufrechthalten. Wir zählen einzig auf die Hilfe der Vorsehung,um dieses schöne und große Werk auszuführen." Vier-zehn Tage später schrieb k. Lievens selbst:Ich binkrank; Arbeit und Ermüdung erdrücken mich fast. Den-noch kann ich mir keinen Augenblick Ruhe gönnen. Ichhabe jetzt (das war am 16. Oktober 1886) 2000 Christen(einen und einen halben Monat später waren es 500 mehr!);etwa 15 Schulen und täglich im Durchschnitt 20 Be-kehrungen. Ob das so fortgehen wird, weiß ich nicht."Und bei diesen riesigen Anstrengungen lebte U. Lievensin bitterer Armuth!Ich habe kein Haus, keineMöbel (schrieb er im Herbste 1885), noch Geld, und kaumso viel Lebeusuothdurft, daß ich nicht Hungers sterbe.Allein ich habe meine Station dem liebenswürdigenHerzen unseres Heilandes geweiht; ich habe Maria zur