Ausgabe 
(5.4.1894) 14
 
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Schutzpatronin, St. Joseph zu meinem Schaffner unddie heiligen Engel zu meinen Gehilfen erkoren." Dasist die Sprache eines wahren Apostels. Als l?. vanReeth, damals Provinzial der belgischen Ordensprovinz,gelegentlich seiner Visitationsreise in Indien nach Torpakam,konnte er sich beim Anblick der Armuth und Ent-behrung, zu welcher k. Lievens sich vemrtheilt hatte, derThränen nicht erwehren."

Aber nicht nur Armuth und Noth hatte der frommeMissionar und wahre Menschenfreund zu ertragen, son-dern auch schmählichste und gröblichste Unbilden von denprotestantischenSendboten" aus der deutschenGoßner'schen Missionsgesellschaft. DieseMissionäre "waren allerdings schon lange vor den katholischen Mis-sionären unter den Kolhs thätig und hatten endlich einenwenigstens numerischen Erfolg erzielt. Und als Anfangder 1880er Jahre die katholischen Missionäre mit ver-mehrten Kräften schon ungewöhnliche Resultate erzielten,erhob sich auf protestantischer Seite die Verdächtigungund Verlüumdung gegen die katholische Mission in wirk-lich empörender Weise.

Die feindlichen Angriffe wurden so heftig, daß sievon den katholischen Missionären in der Presse zurück-gewiesen werden mußten. Als nun durch die ganz außer-ordentlich raschen und großen Erfolge des l?. Lievensdas ganze Werk der protestantischen Kolhsmission zu-sammenzubrechen drohte, da richtete sich der Haß ingrimmer Wuth und Verfolgung gegen Lievens. Erschüttelte durch markige Vertheidigung in Wort und Schriftseine Feinde ab und waltete in gewohntem Glutheiferseiner Begeisterung seines hohen BerufeS. Am 30. Juli1887 schrieb er:Preisen wir Gott in den Werken seinerGnade, die er hier in Torpa wirkt. Seit dem letztenJgnatiusfeste (31. Juli) hat sich die Zahl der Bekehrtenverzehnfacht"(!). Es waren 20,000! Am 15. Juli1887 erhielt er sehnlichst erwartete Beihilfe durch ?.Cazel u. I'r. Seitz. Eben 1?r. Seitz schrieb:VollEifer für die Sache Gottes und beseelt von dem heißenWunsche, Seelen zu retten, nahm sich k. Ltcvcns derMundaris an. Seit seiner Ankunft in Indien hatteer mit Wehmuth beobachtet, wie die armen Ureinwohnervon Chota-Nagpur von den geldgierigen Hindus (ins-besondere von den Steuereinnehmern!) ungerechterWeise bedrückt (ja ,ausgesogeiü) wurden. Jetzt, da esihm endlich vergönnt war, seine Arbeit und sein Lebendiesen Armen zu weihen, that er es auch von ganzemHerzen."In Calcutta und andern Städten Indiens",meinte LievenS in launiger Weise,bestehen Vereine zumSchutze unserer Hansthiere gegen Grausamkeiten; das magseinen guten Grund haben; aber jedenfalls will ich, eh'ich Mitglied eines solchen Vereines werde, erst einmalversuchen, meine lieben Mnndaris vor ungesetzlichen,grausamen Behandlungen von Seiten der Beamten zuschützen."*) Es war bei dem Mnndarisvolke schon früherzu einem Ausstände gekommen und es drohte eben wiederein solcher anszubrechen. Ihr Verlangen spricht sich ausin den Worten:Wir wollen unsern eigenen König wiederhaben, wie früher; unter ihm waren wir wohlhabend undglücklich; jetzt bereichert die Frucht unserer Arbeit Fremd-linge, und wir müssen darben." Die englische Regierunghatte zwar billige Gesetze gegeben, allein diese wurden vonden SteuerbeamtenTikedaren" die zugleich Aufseherüber das politische Verhalten des Volkes und alle Hindu

*) S.D. kath. Miss." 1888 S. 66 ff.

sind, nicht gehalten. Die Polizei aber, deren Beamtezumeist Mohammedaner sind, läßt sich von den Tikedarenins klingende Schlepptau nehmen.

Da stand nun l?. Lievens auf, belehrte mit voll-ständiger Kenntniß der bestehenden Gesetze das unter-drückte unwissende Volk, unterstützte es mit Wort undSchrift in vorsichtigster, kluger Weise, auch persönlich;ermähnte sie, den erlaubten Hilfeweg des Gesetzes nichtzu verlassen, und die erfreulichsten Folgen dieses An-strebens waren es, welche Hunderte und Tausende dieserHeiden demgroßen Lehrer" und Missionär ?. Lievenszuführten; der ihnen dann vollkommen begreiflich machte,daß der erreichte bessere leibliche (materielle) Zustand sienoch lange nicht wahrhaft glücklich mache, wenn sie sichnicht, und zwar mit aller Aufrichtigkeit, zum festen undtreuen Glauben an die göttlichen Offenbarungen be-kehren würden.

Dadurch erreichte k. Lievens den Hauptzweck derMission. Und diese Heiden, deren Religion in einer ArtGeistercult, freilich auch mit traurigem Aberglauben, be-stand, die sonst einen friedlichen Charakter haben, wurdenin der That iuniggläubige Christen. Schaarenweiseströmte das Volk 20, 3035 Meilen weit nach Torpa,und nicht bloß die Heiden, auch die protestantischen Ein-geborneu.

Noch im August 1887 hatte Lievens 15,000 Be-kehrte und 60 Schulen im Dezember war die Zahl,wie schon gesagt, auf 20,000 gestiegen! Und der de-müthige, selbstlose Pater stellte diese großen Erfolge immerallein als Gnadenwirkuugen Gottes hin. Schon im Mai1888 zählte die Mission 45,000 Christen und Kate-chumenen!Die kathol. Missionen" haben Recht, wennsie in ihrem Mürzheft S. 51 schreiben:In der That,was der junge Missionär in drei Jahren geleistet, grenztaus Wunderbare!" Im Jahre 1888 wurde die Mis-sion organisirt und k. Lievens siedelte nach Nanchiüber der Hauptstadt von Chota-Nagpur und zugleichHauptort von ganz Lohardagga. Seine Aufgabe warnun: seine reichen Erfahrungen auch in den Dienst derandern Stationen zu stellen und ihnen einegemeinsame"Marschroute zu geben. Außerdem leitete er die Heran-bildung tüchtiger Katechisten und Schullehrer.

Auch hier wurde k. Lievens wieder von SchaarenRath- und Hilfesuchender umlagert. Durch die Anord-nungen des ?. Lievens drangen nun die Missionäre zunächst die Katechisten bis in das Gcbirgsland imWesten Lohardagga's nach Barwai vor, das nochnie der Fuß eines Missionärs betreten. Von Raucht ausunternahm k. Lievens ebenfalls größere Wanderungen.Auf einer vierzehntägigen Rundreise taufte er, eben nochim Jahre 1888 und zwar im September, 1500 Kate-chumenen. In oieser Zeit begannen mit besonderer Wuth undin der Folge immer heftiger werdend die feindlichen An-griffe der protestantischen Secten, einzelner barbarischerGutsherren und mancher Steuereinnehmer. Lievens er-lebte die bittersten Stunden, und war sogar sein Lebenbedroht. Das abscheuliche Echo häßlichster Verleumdungund Anklage hallte wider sogar in derAllgemeinendeutschen Missionszeitschrift", wovon wir seinerzeit wieder-holt berichteten. Trotzdem und allcdem schritt Lievens,der Mann des Gottvertrauens, feurigen Muthes fort aufseiner erhabenen Siegesbahn. Noch wollte ermit Gott !"seinen großen Plan durchführen: die Bekehrung des bie-deren Barwai-Volkes. Nachdem er im September1888 seine Katechisten dorthin gesandt, unternahm er 1889