111
im Oktober seine so berühmt gewordene apostolische Reisenach Barwai. Die Katechisten hatten mit großem Er-folge vorgearbeitet, k. Lievens prüfte, lehrte weiter undin drei Wochen taufte er 13,000 Heiden, Erwachsene undKinder. Im Jahre 1890 zog er abermals in die Bergevon Barwai, verweilte dort einige Monate, lehrte, predigteund taufte — Tag für Tag, und feierte das Weihnachts-fest unter 3000 Neubekehrten. Es folgten immer neueBekehrungen. Am 8. Januar 1891 kam 1?. Lievensnach Ranchi zurück. Bald nun zeigten sich bei ihm sehrbedenkliche Krankheits-Symptome. Allein k. Lievensschonte sich nicht; noch gab es so viel der unaufschieb-baren Arbeit — und — die „Alles" aufbietende pro-testantische Propaganda! Und der Neophyten in Barwaiwaren es jetzt 35,000. Schon in den ersten Tagen desMonats Februar war ?. Lievens, obschon leidend, wiederunter ihnen, durchwanderte nochmals das ganze Landtaufte 1677 Kaiechumenen und segnete 218 christlicheEhen ein. Seine dritte große Rundreise vom 30. Aprilbis zum 5. Juni — auch im Jahre 1891 — war ebensoreich an Erfolg; und in diesem Jahre verzeichnete derRegierungsccusus für Lohardagga allein 5 2,0 0 0 ka-tholische Christen!
Doch — k. Lievens hatte seine Kräfte überschätzt.Sein körperlicher Zustand war so bedenklich, daß dieMissionsobern k. Lievens bestimmten, noch im Juli 1891in der frischen Gcbirgsluft von Dardscheling (am Himalaya )Erholung zu suchen. Kaum aber hatten seine Kräfte sichetwas gehoben, kehrte er nach Ranchi zurück und begannwieder seine Arbeiten ihrem ganzen Umfange nach. Daswar jedoch nur ein letztes Aufdämmern seiner Kraft.Mit Gewalt zog es sein Herz wieder nach Barwai, woseine Lieblingsgründung. Er sah sie wieder; doch zumletzen Male. Seine Kraft war gebrochen. Zwei Monatespäter trat er die Reise nach Europa an. Am 2. Sep-tember 1892 verließ er Indien. „Mit Trauer undSchmerz sahen seine Obern, seine Mitbrüder und seinetheuern Neophyten den unvergleichlichen Mann scheiden"— und sein edles Herz blutete; aber er sprach: „Gott stirbt nicht und sein Werk wird bleiben." Einganzes Jahr lang kämpfte der noch junge Mann mit demTode. Inbrünstigst bat er Gott, er möge ihm doch feineKräfte wieder schenken und ihn zu seinen lieben Kolhszurückführen. Doch — es sollte nicht sein; Gott ver-langte von ihm das größte Opfer, das ein apostolischesHerz kennt. Seine letzten Tage im Colleg seiner Mit-brüder zu Löwen waren eine Quelle der größten Er-bauung für Alle im Hause. Mit sanfter, freudiger Er-gebung schaute er dem herannahenden Tode entgegen.„Die Ewigkeit ist so lang (sagte er eines Tages)! Wiegerne hätte ich noch etwas länger gearbeitet und gelitten!Doch bringe ich das Opfer von ganzem Herzen." Am7. November 1893 gab l?. Lievens seine an Tugendenund Verdiensten reiche, schöne Seele in die Hände seinesSchöpfers zurück. Der Name dieses Mannes aber, dereine so großartige religiöse Bewegung hervorgerufen, wiesie Indien seit 200 Jahren nicht mehr geschaut, wirdfür alle Zeiten prangen in der Missions-geschichte Indiens unter dem Epitheton: ?. Kon-stantin Lievens — der Apostel der Kolhs. —L. I. k.
Recensionen und Notizen.
Im Verlage von A. Riffarth in M.-Gladbach ist einneues Gebetbuch für katholische Lehrer und Lehrerinnen unter
dem Titel: „Christus mein Vorbild" erschienen. Woh!sind ähnliche Bücher bereits vorhanden, doch fehlt diesen geradedas, was in einem Gebetbuch für Lehrer von besonderer Wich-tigkeit ist: das Gebet des Lehrers. Dies gab dem Ver-fasser Veranlassung, ein für alle Lagen des Lehrers geeignetesGebet- und Betrachtungsbuch zu bearbeiten, und darfman mit Recht behaupten, daß obiges Buch wegen seines viel-seitigen und ansprechenden Inhaltes sich besonders aus-zeichnet und durchaus geeignet erscheint, die religiösenBedürfnisse eines echt christlichen Lehrers auch inden verschiedensten Lebenslagen in vollkommensterWeise zu befriedigen. Da der Preis ein äußerst mäßigerist, — das Buch kostet in Kaliko gebunden mit MarmorschnittM. 1,25, in Chagrinleder mit Nothschnitt M. 2, — so könnenWir allen Lehrern und Lehrerinnen die Anschaffung dieses schönenGebetbuches nur empfehlen, und kann solches zu obigen Preisendurch jede Buchhandlung bezogen werden.
Nirfchl Jos., Gedanken über Religion und religiöses Lebenin freien Verträgen. 8° p. IV -s- 2ö3. Würzburg , F.X. Bücher 1691. (II) M. 3.09.s. Das Buch verdient es wohl, daß es nach 30 Jahrenzum zweiten Mal in die Oefsentlichkcit tritt; wie es bei seinemersten Gange viele Freunde gewann, so wünschen wir ibm die-selbe warme Aufnahme auch diesmal, handelt es doch über diewichtigsten Fragen und höchsten Ziele des Lebens, wozu jederdenkende Mensch so oder so Stellung nehmen muß. SindPascals berühmte Lsnsöss mehr aphorismeuartig, so sind diese„Gedanken", mit Pascals Buch geistig verwandt, mehr logischzusammenhängend und fortschreitend. Die Form der Darstell-ung ist sehr gefällig und zum Herzen gehend, und doch sind eswirklich „Gedanken" und nicht bloß Phrasen. Manche Vor-trüge sind ohne weitcrs als Predigten und Ansprachen ver-wendbar, alle aber bieten dem Leser dazu reichliche Anregung.Das Werk könnte gar manches schwülstig-süßliche Betrachtungs-buch ersehen, wenn die, welche gemeinhin überhaupt dergleichenlesen, nicht vielfach einen zu verdorbenen Geschmack hätten, uman kerniger Nahrung Gefallen zu finden.
Das System der Theologischen Summe beS heil.Thomas von Aquin oder übersichtlicher und zu-sammenhängender Abriß der Lamms, VlreoloZies, mitAnmerkungen und Erklärungen der tsrmini teodnioi vonA, Portmann, Professor der Theologie an der höherenLehranstalt in Luzcrn. Luzern , Naber u. Comp. 1 Mk:
ES gereicht uns zur großen Befriedigung, der theologischenWelt das Erscheinen eines Werkes anzuzeigen, das voraussicht-lich überall in Gelehrten- wie in gebildeten Laicnkreisen die besteAufnahme finden und gar sehr mit ein Faktor werden wird,das im raschen Aufschwung begriffene Thomasstudium nament-lich bei den jüngeren Theologen zu fördern. Der Autor diesesWerkes erfreut sich bereits seit einer Reihe von Jahren durchviele sehr gründliche und gelehrte Schriften — auf welche wirnebenbei hinweisen wollen — des besten Rufes in der Gelehrten-wclt; besonders kann er auf dem Gebiete des Thomismuö alseine hervorragende Autorität anerkannt werden. Dieses Lobverdient der genannte Verfasser aber mit allem Rechte durchsein neu erschienenes bezeichnetes Werk. Dasselbe ist eine gänz-liche Umarbeitung und wesentliche Erweiterung einer früherenProgrammarbcit, welche als solche bereits in der Liuzer Quar-talschrift 1891 I. Heft einen gefeierten Lobredncr erhielt und eineEmpfehlung „dieser vorzüglichen Arbeit" an jeden Theologen.Diese Anerkennung und Empfehlung gebührt deni Verfasser inungleich größerem Grade durch sein jüngstes Opus, und kanndieses dem ähnlichen Werke des berühmten Frciburger ProfessorsBerthier >I/ötmIs cls ls, Lowmo Mreolog'iqno elo 8t. TlromaZä'^quin- nicht bloß würdig an die Seite treten, sondern mußwegen seiner ruhigen und objectiven Darstellung, welche desSchweizer Professors Werk leider vermissen läßt, demselbenvorgezogen werden. Jeder Theologe besonders, der das theolog-ische Llonumontum aero psrennins des hl. Thomas, das einstdie Vater des Tricnter Concils zu ihren Berathungen und Be-weisgründen neben den hl. Schriften liegen hatten, einigermaßenstudieren und verstehen will, wird dieses Werk nicht leicht ent-behren können; es wird ihm ein kundiger Führer durch dunkleStellen und aufstoßende Schwierigkeiten werden und ihm sodie große Arbeit des richtigen Verständnisses bedeutend erleichtern.Möge ein fleißiger Gebrauch die Mühen des Verfassers lohnen.
Aigen a. Jnn, Februar 1891. Pletl Georg.