Ausgabe 
(19.4.1894) 16
 
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Diese väterliche Fürsorge, alle schädlichen Einflüsse vonseinen Söhnen fern zu halten, führt den Herzog sogarsoweit, daß er die heidnischen römischen und griechischenSchriftsteller alsheidnische Schwätzer und Fabelhansen"bezeichnet, die aus einer Fürstenschule, in welcher auchein Bischof soll erzogen werden (Prinz Philipp war schonim Alter von 3 Jahren zum Bischof von Negensburgerwählt worden), womöglich ausgetrieben werden sollen.In Wirklichkeit ist dieser Wunsch des Herzogs nicht zumVollzug gelangt; vielmehr ist Prinz Maximilian wie seineBrüder in die Kenntniß der griechischen und lateinischenLiteratur eingeführt worden. Weil aber der Glaubeeine Gabe Gottes und ein sitttenreines Herz das ge-eignetste Organ zur Aufnahme desselben ist, so empfiehltder fürstliche Vater seinen Söhnen mit allem Nachdruckedie kindliche Verehrung der hl. Gottesmutter. Darumsollen sie in das Verständniß und den Gebrauch desOlüdnm L. Nurias Vir^ims eingeführt werden, dassie, weil es kurz ist, leicht in den Kopf bringen undauswendig gebrauchen können. Wirklich findet sich unterden noch erhaltenen Jugendarbeiten des Prinzen Maxi-milian aus den Jahren 1683 bis 1585 ein von ihmselbst in lateinischer Sprache geschriebenes Oftidum ö.V. Llarius. Schon in frühester Jugend in die Mari-anische Congregation in München aufgenommen, wurdeer im Jahre 1584 zum Prüfecten derselben und balddarauf zum Vorstand aller in Deutschland bestehendenmarianischen Vereinigungen ernannt. Zur Verehrungder Gottesmutter dürfen die Prinzen auch Kirchgängenach Thalkirchen und Ramersdorf und mit seiner be-sonderen Erlaubniß auch Wallfahrten auf den hl. Berg(Andechs), nach Tuntenhausen und Altötting machen.Wie bei allen geistlichen Uebungen das Verständniß be-tont wird, so soll auch die Bedeutung der Wallfahrt denPrinzen erklärt und ihnen Stoff zur geistigen Verarbeitungwährend derselben geboten werden, damit sie von Jugendauf des Herrn Joch tragen und die elende Pilgrimschaftdieses Lebens erkennen und betrachten lernen. Ein Be-richt des Präceptors Petreus meldet unterm 27.Sept. 1580über einen solchen Kirchgang dem herzoglichen Vater:Maximilian ist auf seinem Napple geritten bis zur Wiesebei Thalkirchen; alsdann ist er über die Wiese hin mituns gegangen und hat die lateinische Litanei singenhelfen. Bei der hl. Messe hat er den Rosenkranz undfür alle, deren er in seinem täglichen Gebete gsusralitsreingedenk ist, ein specielles kaisr uoster mit ^.vsülariu gebetet.

Nach solchen streng religiösen Grundsätzen wurdeMaximilian von frühester Jugend an erzogen. DerUnterricht des Prinzen war, solange er in München weilte, conform dem Lehrplane an dem von den Jesuiten geleiteten Gymnasium in München , an dessen öffentlicherPreisverthetluug er 1584 und 1585 persönlich sich be-theiligte und zwar als Preisträger. Außerdem lernte erzeichnen, malen und musiziren. Für die freie Zeit warvom Vater Ballspiel, Kugeln, Tafelschießen, mäßigesUmherlaufen, Reiten und besonders Fischen gestaltet.Der bereits erwähnte Präceptor erzählt, mit welch großerFreude Maximilian den ersten Hecht, den er gefangen,seiner fürstlichen Mutter präsentirte, nachdem er ihn fürden abwesenden Vater hatte abmalen lassen. Ringenund Schwimmen war nicht gestattet; Karten- und Würfel-spiel durfte nicht zugelassen werden.

Weil der spätere Beruf Tapferkeit und Mannhaftig-keit von dem Träger der Herzog-krone forderte, darum

solle Maximilian schon in der Jugend unerschrocken redenund handeln lernen. Der ihm von Natur eigenen Zag-haftigkeit und Erschrockenheit bei unvorhergesehenen Redensoll dadurch begegnet werden, daß ihm öfters Meldungen,Botschaften, Ueberbringung von Grüßen aufgetragen undauch kleinere deutsche Vortrüge von ihm gehalten werden.Wie sehr dem Wunsche des Vaters, daß die lateinischeSprache in den Mittelpunkt des ganzen Unterrichtes ge-stellt und von seinen Söhnen vollkommen beherrschtwerde, von Seite dieser entsprochen wurde, das beweisendie noch vorhandenen lateinischen Briefe Maximilians anseinen Vater und die Berichte seiner Lehrer. Bereits imAlter von neun Jahren schrieb er an seinen Vater einenBrief in lateinischer Sprache, der in einer Beilage derNonumsutg, xuöäuAoFiou reproducirt wird.

Im Alter von 14 Jahren, 1587, siedelte Maxi-milian an die Universität Jngolstadt über, um zunächstRhetorik und Dialektik zu studiren. Während der vierJahre seines dortigen Aufenthaltes hörte er juridischeund geschichtliche Vorlesungen und lernte die bedeutenderenSchriften von Lenophon, Cicero, Tacitus, Horaz und Ovid kennen. Zugleich erhielt er Unterricht in der Mathematikund Kriegskunde. Nach des Vaters Willen wurde fran-zösische und italienische Konversation eifrig gepflegt.Präceptor Fickler führte ihn in die Institutionen, in diersAulas furis dvilis und die bayerische Landordnungein. Die von Jngolstadt an seine Eltern gerichtetenBriefe, 38 an der Zahl, geben eben so sehr Zeugnißvon der kindlichen Liebe zu seinen Eltern, wie von seinertiefen Frömmigkeit und seinem Eifer für das Studium.Jeder dieser Briefe berichtet über den Stand seinerStudien und gibt seiner Freude an denselben Ausdruck.Die begleitenden Berichte des Präceptors und Hofmeisters lassen ersehen, daß es nicht leere Versicherungen waren,die der Sohn dem besorgten Vater gab, daß vielmehrwirklich nicht nur oditsr, sondern gründlich und an-haltend gearbeitet wurde. Wiederholt ist Maximilianbet öffentlichen Disputationen oxxoasuäo st arZu-uasutauäc» in xudliso mit bestem Erfolge aufgetretenund sandte Thesen und Argumente in Abschrift demHerzoge nach München . Ein neuer Hofmeister NamensLaubenberg scheint sich in Jngolstadt gegen die Wünschedes Prinzen zu nachgiebig gezeigt und in demselben nichtso sehr seinen Zögling, als vielmehr den künftigen Herzogrespectirt zu haben. Darum erließ Herzog Wilhelm imJahre 1587 an Laubenberg eine Instruktion, die vondem unbefangenen Blicke des Vaters rühmliches Zeugnißablegte. Ihr Inhalt ist folgender: Der Hofmeister sollenicht so viel Gepränge und äußerliche Ceremonien mitfeinem Sohne treiben, solle nicht immer fragen, ob derPrinz dies oder jenes thun wolle, sondern selbst jeder-zeit ihm sagen, was er thun und lassen soll; ja er solleihm zuweilen auch ohne Angabe eines Grundes etwas ansich Erlaubtes verweigern und abschlagen, damit derPueb" gegen ihn billigen Respekt trage; denn demHerzog will eS vorkommen, als seien sie (Hofmeister undPrinz) viel zu gesellig mit einander. Der Hofmeistersolle sich nicht nach künftigen Gnaden oder Ungnaden desPrinzen richten; denn wenn er mehr sich nach der auf-gehenden als nach der untergehenden Sonne richte undihm, dem Prinzen, allein das xlaosko singe, so könnteer das nicht vor Gott verantworten und würde sich fürsein Amt als untauglich erweisen.

Beichtvater des Prinzen während der Universitäts-jahre war der Jesuitenpater Gregor von Valencia , Pro-

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