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Diese väterliche Fürsorge, alle schädlichen Einflüsse von seinen Söhnen fern zu halten, führt den Herzog sogar soweit, daß er die heidnischen römischen und griechischen Schriftsteller alsheidnische Schwätzer und Fabelhansen" bezeichnet, die aus einer Fürstenschule, in welcher auch ein Bischof soll erzogen werden (Prinz Philipp war schon im Alter von 3 Jahren zum Bischof von Negensburg erwählt worden), womöglich ausgetrieben werden sollen. In Wirklichkeit ist dieser Wunsch des Herzogs nicht zum Vollzug gelangt; vielmehr ist Prinz Maximilian wie seine Brüder in die Kenntniß der griechischen und lateinischen Literatur eingeführt worden. Weil aber der Glaube eine Gabe Gottes und ein sitttenreines Herz das ge­eignetste Organ zur Aufnahme desselben ist, so empfiehlt der fürstliche Vater seinen Söhnen mit allem Nachdrucke die kindliche Verehrung der hl. Gottesmutter. Darum sollen sie in das Verständniß und den Gebrauch des Olüdnm L. Nurias Vir^ims eingeführt werden, das sie, weil es kurz ist, leicht in den Kopf bringen und auswendig gebrauchen können. Wirklich findet sich unter den noch erhaltenen Jugendarbeiten des Prinzen Maxi­milian aus den Jahren 1683 bis 1585 ein von ihm selbst in lateinischer Sprache geschriebenes Oftidum ö. V. Llarius. Schon in frühester Jugend in die Mari­anische Congregation in München aufgenommen, wurde er im Jahre 1584 zum Prüfecten derselben und bald darauf zum Vorstand aller in Deutschland bestehenden marianischen Vereinigungen ernannt. Zur Verehrung der Gottesmutter dürfen die Prinzen auch Kirchgänge nach Thalkirchen und Ramersdorf und mit seiner be­sonderen Erlaubniß auch Wallfahrten auf den hl. Berg (Andechs), nach Tuntenhausen und Altötting machen. Wie bei allen geistlichen Uebungen das Verständniß be­tont wird, so soll auch die Bedeutung der Wallfahrt den Prinzen erklärt und ihnen Stoff zur geistigen Verarbeitung während derselben geboten werden, damit sie von Jugend auf des Herrn Joch tragen und die elende Pilgrimschaft dieses Lebens erkennen und betrachten lernen. Ein Be­richt des Präceptors Petreus meldet unterm 27.Sept. 1580 über einen solchen Kirchgang dem herzoglichen Vater: Maximilian ist auf seinem Napple geritten bis zur Wiese bei Thalkirchen; alsdann ist er über die Wiese hin mit uns gegangen und hat die lateinische Litanei singen helfen. Bei der hl. Messe hat er den Rosenkranz und für alle, deren er in seinem täglichen Gebete gsusralitsr eingedenk ist, ein specielles kaisr uoster mit ^.vs ülariu gebetet.

Nach solchen streng religiösen Grundsätzen wurde Maximilian von frühester Jugend an erzogen. Der Unterricht des Prinzen war, solange er in München weilte, conform dem Lehrplane an dem von den Jesuiten geleiteten Gymnasium in München , an dessen öffentlicher Preisverthetluug er 1584 und 1585 persönlich sich be- theiligte und zwar als Preisträger. Außerdem lernte er zeichnen, malen und musiziren. Für die freie Zeit war vom Vater Ballspiel, Kugeln, Tafelschießen, mäßiges Umherlaufen, Reiten und besonders Fischen gestaltet. Der bereits erwähnte Präceptor erzählt, mit welch großer Freude Maximilian den ersten Hecht, den er gefangen, seiner fürstlichen Mutter präsentirte, nachdem er ihn für den abwesenden Vater hatte abmalen lassen. Ringen und Schwimmen war nicht gestattet; Karten- und Würfel­spiel durfte nicht zugelassen werden.

Weil der spätere Beruf Tapferkeit und Mannhaftig­keit von dem Träger der Herzog-krone forderte, darum

solle Maximilian schon in der Jugend unerschrocken reden und handeln lernen. Der ihm von Natur eigenen Zag­haftigkeit und Erschrockenheit bei unvorhergesehenen Reden soll dadurch begegnet werden, daß ihm öfters Meldungen, Botschaften, Ueberbringung von Grüßen aufgetragen und auch kleinere deutsche Vortrüge von ihm gehalten werden. Wie sehr dem Wunsche des Vaters, daß die lateinische Sprache in den Mittelpunkt des ganzen Unterrichtes ge­stellt und von seinen Söhnen vollkommen beherrscht werde, von Seite dieser entsprochen wurde, das beweisen die noch vorhandenen lateinischen Briefe Maximilians an seinen Vater und die Berichte seiner Lehrer. Bereits im Alter von neun Jahren schrieb er an seinen Vater einen Brief in lateinischer Sprache, der in einer Beilage der Nonumsutg, xuöäuAoFiou reproducirt wird.

Im Alter von 14 Jahren, 1587, siedelte Maxi­milian an die Universität Jngolstadt über, um zunächst Rhetorik und Dialektik zu studiren. Während der vier Jahre seines dortigen Aufenthaltes hörte er juridische und geschichtliche Vorlesungen und lernte die bedeutenderen Schriften von Lenophon, Cicero , Tacitus , Horaz und Ovid kennen. Zugleich erhielt er Unterricht in der Mathematik und Kriegskunde. Nach des Vaters Willen wurde fran­zösische und italienische Konversation eifrig gepflegt. Präceptor Fickler führte ihn in die Institutionen, in die rsAulas furis dvilis und die bayerische Landordnung ein. Die von Jngolstadt an seine Eltern gerichteten Briefe, 38 an der Zahl, geben eben so sehr Zeugniß von der kindlichen Liebe zu seinen Eltern, wie von seiner tiefen Frömmigkeit und seinem Eifer für das Studium. Jeder dieser Briefe berichtet über den Stand seiner Studien und gibt seiner Freude an denselben Ausdruck. Die begleitenden Berichte des Präceptors und Hofmeisters lassen ersehen, daß es nicht leere Versicherungen waren, die der Sohn dem besorgten Vater gab, daß vielmehr wirklich nicht nur oditsr, sondern gründlich und an­haltend gearbeitet wurde. Wiederholt ist Maximilian bet öffentlichen Disputationen oxxoasuäo st arZu- uasutauäc» in xudliso mit bestem Erfolge aufgetreten und sandte Thesen und Argumente in Abschrift dem Herzoge nach München . Ein neuer Hofmeister Namens Laubenberg scheint sich in Jngolstadt gegen die Wünsche des Prinzen zu nachgiebig gezeigt und in demselben nicht so sehr seinen Zögling, als vielmehr den künftigen Herzog respectirt zu haben. Darum erließ Herzog Wilhelm im Jahre 1587 an Laubenberg eine Instruktion, die von dem unbefangenen Blicke des Vaters rühmliches Zeugniß ablegte. Ihr Inhalt ist folgender: Der Hofmeister solle nicht so viel Gepränge und äußerliche Ceremonien mit feinem Sohne treiben, solle nicht immer fragen, ob der Prinz dies oder jenes thun wolle, sondern selbst jeder­zeit ihm sagen, was er thun und lassen soll; ja er solle ihm zuweilen auch ohne Angabe eines Grundes etwas an sich Erlaubtes verweigern und abschlagen, damit der Pueb" gegen ihn billigen Respekt trage; denn dem Herzog will eS vorkommen, als seien sie (Hofmeister und Prinz) viel zu gesellig mit einander. Der Hofmeister solle sich nicht nach künftigen Gnaden oder Ungnaden des Prinzen richten; denn wenn er mehr sich nach der auf­gehenden als nach der untergehenden Sonne richte und ihm, dem Prinzen, allein das xlaosko singe, so könnte er das nicht vor Gott verantworten und würde sich für sein Amt als untauglich erweisen.

Beichtvater des Prinzen während der Universitäts­jahre war der Jesuitenpater Gregor von Valencia , Pro-

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