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(267 handschriftliche Bücher auf Pergament und 164auf Papier), der Klöster Allerheiligen, Ettenheimmünster ,Gengenbach, Krozingen , Lichtenthal, Oehningen, Offen-burg, St. Blasien, St. Georgen, St. Margen, St. Peter,St. Trudpert, Schüttern, Schwarzach, Tennenbach, Won-nenthal. Die Universität Heidelberg bereichertesich mit 60,000 Bänden anS dem Neichsstifte Salem ,mit 870 aus der Abtei Gengenbach und noch mit an-derer Klosterbeute. Auch die protestantische Uni-versität Erlangen hat die Bücher katholischer Klösternicht verschmäht.
Die Universitäts-Bibliothek zu Leipzig ging hervor aus den Büchersammlungen des LeipzigerDominikanerklosters, verschlang die Bibliotheken derFranziskaner, Augustiner , und nahm die Drucke undHandschriften der Klöster Altzclle, Buch, Chemnitz ,Langensalza, Pcgau, Petersberg, Pirna . Die königl.preußische Bibliothek in Berlin begann 1661durch Vereinigung einer Schloßbibliothek mit den Schätzender Klöster und Stifter aus der Mark Brandenburg,dem Magdeburgischen und Wcstphalen. Dazu mußtendie Klöster in Schlesien, Provinz Preußen , Posen undRheinland ihre Bücher hergeben. Die Universitäts-bibliothek in Breslau enthält die Bücher von 70(siebenzig) Klöstern und katholischen Anstalten. Auf dieseArt und Weise war es keine Kunst, Bibliotheken anzu-legen und die Wissenschaft zu fördern.
Die obige Zusammenstellung enthält natürlich bloseinige der stärksten Beispiele. Den Katholiken ist vonihren alten Bibliotheken außerhalb Bayerns nur seltenetwas geblieben. Was die katholische Kirche dank denOpfern ihrer Mönche und Geistlichen besaß, ist durchdie Reformation, Revolution und Säkularisation zumTheil vernichtet worden, zum Theil in die Bibliothekender Landeshauptstädte und der Universitäten, und auchin protestantische Bibliotheken übergegangen. Die Katho-liken haben nach ihrer Beraubung mit Büchersammelnmeist wieder von vorn anfangen müssen, und zwar ohneStaatsnnterstützungen, aus eigcuen Mitteln.
Besonders haben in Neuschaffung von Bibliothekensich die bayerischen Klöster ausgezeichnet. WieBrück in seiner Geschichte der katholischen Kirche des19. Jahrhunderts berichtet, hat zu Anfang dieses Jahr-hunderts in Bayern die Regierung ärger als die wildenHunnen und die Ungarn gegen die Kirche gehaust. Alleswurde ausgeplündert. Heute zählt das Kloster Metten wieder 60,000 Bände, St. Bonifaz in München 36,000nebst 150 meist arabischen Handschriften. Schcycrn,Schäftlarn, Weltenburg schließen sich würdig an, sogardie armen Franziskaner in München haben es auf14,000 und die Minoriten zu Würzburg auf 12,000Bände gebracht, darunter 220 erste Drucke und 242Handschriften.
Das protestantische Predigerseminar zuWittenberg , der Wiege des Protestantismus, dagegen,obgleich im Besitze eines Theiles der alten Universitäts-bibliothek, zählt nicht über 33,000 Bände, das reiche seit1544 bestehende Thomasstift in Straßburg nichtüber 30,000, die seit 1648 bestehende protestantische„Ministerialbibliothek" in Erfurt nicht über 18,000;das evangelisch-theologische Seminar in Tü-bingen 25,000 Bände, wogegen das kathol. Wilhelms-stift in Tübingen 40,000 Bände ausweist. Sonst habendie angesehensten Predigerseminare nirgends eine eigentlichbedeutende Bibliothek auszuweisen.
Unter den deutschen Staaten hat das katholischekleinere Bayern genau gerade so viel staatlicheBibliotheken als Preußen und fast "/z der darinenthaltenen Bücher. Die katholischen Städte Köln ,Aachen, Trier, Mainz, Straßburg , Metz, Colmar,Breslau , Posen u. s. w. stehen mit ihren Städtebiblio-theken glanzvoll in der ersten Reihe. Der katholischeAdel darf sich mit seinen Familienbibliotheken, waSUmfang und Werth anbelangt, kühn mit dem pro-testantischen messen.
Bemerkt sei noch, daß auch die Jesuitenbiblio-theken eine bedeutende Rolle spielen. So kam 1632die Jesuitenbibliothek in Fulda als Kriegsbeute nachKassel . Zu manchen bedeutenden öffentlichen und vielenGymnasialbibliotheken haben die Büchersammlungen derJesuiten den Grundstock abgegeben.
Wie Vieles und wie Kostbares bei diesen Plünder-ungen der alten katholischen Klöster und Stifter zu Grundegegangen ist, läßt sich nicht beschreiben. Was laut dem„Adreßbuchs " noch vorhanden ist, kann aber schon ge-nügen. Die alten katholtschenMöncheund Geist-lichen haben zahllose Bücher abgeschrieben,verfaßt, gedruckt, gekauft und gesammelt, undso unschätzbare Denkmäler christlicher Wissen-schaft zu Stande gebracht. Die leiblichen undgeistigen Nachkommen der Plünderer jedoch schmähen undverleumden im Besitze und Genusse des Raubes die altenErwerbcr und Eigenthümer. Mit stolzer Miene beschränkensie sich auf das „Ein- und Ausathmen der mentalen Vo-cale und Konsonanten" und erklären in gelehrtem Tone,das Christenthum könne nicht „Adjectiv der Wissenschaft"werden.
Recensionen und Notizen.
Emil (E.), Erinnerungen eines alten Prägers.Gbettogcschjchten aus vergangenen Tagen. Leipzig , Ma-lende. 1893. 6°. 251 S.
Ein „schlechtes" Buch; wenn auch frei von jeglicherPikantcric eines Sachcr-Mascch, so doch „schlecht" wegen desin seiner „Gänze", wie der Verfasser zu reden beliebt, trivialenStiles und unordentlichen Deutsches, vor allem aber wegen derGehässigkeit, mit der der Verfasser, ein Vollblut-Ghcttojude,Christenthum und katholische Kirche anschaut. Das Letztere trittbesonders unverhüllt in die Erscheinung in der ersten Geschichtevon der „Gräfin Nochile". Neben ziemlich viel Gift für denAdel wird da der ganze schäbige Apparat liberaler Colportagc-roinauc — die stereotype Schauergeschichte aus einem Kloster,der „Jünger LoyolaS" bezw. abgefeimte Beichtvater gegenübereinem „wahren, ächten Priester" nach dem Herzen BcrtholdAuerbachs — auf die Scene gebracht, und zwar möglichst plumpund langweilig, allerdings deshalb auch am ungefährlichsten.Wir legen das Buch mit Befriedigung aus der Hand!
F. Lindner, Erläuterungen zur bayer. Gemeinde-ordnung für die Landestheile diesseits desRbeines. Gesetz vom 29. April 1869 und 19. Januar1872. Nebst einem Anhange und ausführlichem Register.2. voll. umgearbeitete und weseutl. vermehrte Anst. mitherausgegeben von Dr. Thomas von Hauck. München ,I. Sckweitzers Verlag (Jos. Eichbichler) 1894. — Preisdes vollsläud. Werkes 6,50 M. — gebunden 7,50 M.
IV. Mit der jüngst ausgegebenen IV. bis VI. Lieferungliegt nunmehr die Linoner'sche Gcmeindcordnung für das rcchts-rhein. Bayern abgeschlossen vor. Was die erste Lieferung ver-sprochen, ist bis zum Schlüsse voll. erfüllt worden. Die Erläu-rcrnngcn sind so ganz und im vollsten Sinne ein Handbuch derPraxis, das dem nichtjuristischen Gemeindebcamlcn und Ge-nieiudevcrtreter, dem Bürger, der sich um Ausgaben, Rechte undPflichten der Gemeinde und Gemeiudcangehvrigen intcrcssirt,dieselben guten Dienste bietet, wie dem juristisch gebildeten Ver-waltungSbcamten. Jeder wird rasch und leicht in knappen, kurzenAusführungen und doch in erschöpfender Klarheit Antwort auf