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Christi symbolisch darstellt. Ein Bild im OosmotariurnI?ri8oil1rro zeigt zwei Adler auf zwei Erdkugeln im Be-griffe, zu den ewigen Höhen sich emporzuschwingen.
Mindestens so alt aber als die Bedeutung der Ver-jüngung und Erneuerung ist die andere, die den Adler,der gegen die Schlange kämpft, als Symbol desLichtes faßt, das die Finsterniß besiegt. So gibt dieApocälypse dem mystischen Weib, das der Drache ver-folgt, „zwei Flügel eines großen Adlers". Gerade dieseapocalyptische Symbolik aber beweist, daß wir den Kampfdes Adlers nicht nur als den des Lichtes gegen daSDunkel, als den Christi gegen die Holle zu deuten haben,denn die Schlange ist, wie vorab Achmim beweist, keines-wegs das einzige Gegenstück. Man darf von der all-gemeinen zu einer mehr speziellen Deutung übergehen:der Adler symbolisirt das Gute, die Tugend, die dasLaster, das Böse bekämpft und kümpfend besiegt. Wohlkönnte man versucht sein, im folgenden Bild einen Belegfür die andere Auffassung zu finden, wonach derAdler auch ein Symbol derer ist, die ungerechtes Gutverzehren, aber seine Stelle in einem Cyclus von Dar-stellungen beweist schlagend, daß es nur im obigen Sinneauszulegen, daß ferner im Adler als „dem Guten"das Christenthum, im andern Thiere, einem Wolf, alsdem Bösen, das Heidenthum zu verstehen sei.
Die Darstellung fallt in die konstantinische Epoche,in die Zeit des eben erst erfolgten äußeren Triumphesdes Christenthums, der ohnehin zu Achmim einen förm-lichen Chorus von Jubelbildern hervorgerufen hat. Siereiht sich auf einem 15 curr langen Clavusstück un-mittelbar an jene merkwürdige Figur an, die N.Forrer in Folge einer Personalverschmelzung als„Christus-Georg" gedeutet hat, weil der Drachen-tödter mit Lanze und Kreuz dem sonstigen Christus-typus von Achmim sich nähert. Ich glaube aber, Forrerhätte ruhig an Christum ausschließlich denkendürfen, denn gerade seine zum Vergleich herangezogenenzwei Thonlampen von Achmim zeigen unverkennbarals den Sieger über den Drachen den genügend charak-terisirten Erlöser selbst. In unserm Falle nun reihtsich an die Drachenscene das Bild eines Adlers, dersich in einen Wolf einkrallt. Es ist diese Darstellungnur eine Variation der vorhergehenden, wie Forrermit Recht bemerkt.
Wenn aber der geschätzte Achmimforscher also schließt:„Diese Darstellung wurde bis in das Mittelalter hineinvielfach angewendet und findet sich noch an Kapitälenvon südfranzösischen Kirchen bis ins X. und XI. Jahr-hundert. Dort sitzt der Vogel bald auf einem Hasen,bald auf einem Schafe, einem Hunde, einem Wolfe odereinem Hirsche. Diese zahlreichen Variationen beweisen,daß man den ursprünglichen Sinn der obigen Symbolebereits zur Carolingcrzeit vergessen hatte und an Stelledes Wolfes nach Belieben andere Thiere setzte"— so fragen wir: Wer sagt uns denn, daß nur derWolf in Verbindung mit dem Adler symbolischen Sinnhabe? Und woher wissen wir, daß ursprünglichdieser symbolische Sinn gerade auf dem Wolf beruhte?Erscheint doch letzterer gleichzeitig mit dem Drachenin derselben Bedeutung wie dieser! Vielmehr wärezu bedenken, daß auch die späteren Variationen einealte Symbolik wiedergaben, denn alle die von Forrergenannten Thiere sind in hohem Grade symbolisch. Aller-dings besagt der Adler mit Hase, Hirsch, Hund und Schafetwas Anderes als mit dem Wolf, weil erstere Thiere
mehr oder minder ein Gutes symbolisircn. Der Adler,den wir ja auch als Sinnbild ungerechten Raubes kennen,bedeutet da, wo er den Hasen, den Hirsch, den Hundoder das Schaf bedroht, nichts Anderes als das Böse,das dem Christen nachstellt, wie ein Dieb in der Nacht,als den bösen Feind, der die harmlose Seele zu um-stricken sucht, oder etwas Aehnliches. Man braucht sichüber diese heterogene Bedeutung des Adlers nicht zuwundern, wenn man erwägt, wie schon in den erstenchristlichen Jahrhunderten auch der Fisch,im Gegensatz zum Jchthys-Christus, hin undwieder zum Symbol des Satans gewordenist. So war ja auch die Schlange neben ihrer Be-deutung als Sinnbild des Bösen, des Verführers, eineErinnerung an den in der ehernen Schlange des Mosessymbolisirten Erlöser. Nirgends häufiger als im Gebietder Symbolik gilt das Wort von den Dingen, die —zwei Seiten haben.
(Fortsetzung folgt.)
Zur Chronologie des heiligen Willibald .
Von Adam Hirsch mann, Pfarrer in Schvnfeld.
(Fortsetzung.)
Es mag mit Recht auffallend erscheinen, daß derBenediktinermönch Willibald kaum ein Vierteljahr nachseiner Abreise von der ewigen Stadt zum Priester ge-weiht worden, da er doch, seitdem er deutschen Bodenbetreten, fast immer auf Reisen sich befand, somit zurVorbereitung auf diese hehre Würde keine Zeit übrighatte. Darum muß diese Ordination in spätere Jahreverlegt werden, auf den 22. Juli 742, erklärt Herr S.Fassen wir vor allem die geographische Entfernungzwischen Rom und Freising inS Auge, so finden wirRom etwas unter dem 42. Breitengrade, während Frei-sing fast auf der Halbscheide des 48. und 49. Gradesliegt, so daß sich eine Differenz von 6*/z Graden ergibt.Die Entfernung zwischen je 2 Breitengraden zn 15 geo-graphischen Meilen — 30 Stunden genommen, ergibtin unserem Falle 195 oder in runder Summe 200 Weg-stunden als Resultat. Nehmen wir an, daß der hl. Willi-bald täglich einen Marsch von 8 Stunden zurückgelegthabe, und wir werden nicht zu viel behaupten, wenn wirunseren Pilger auf einem Pferde oder Maulesel reitenlassen, so hat er in 25 Tagen das Ziel seiner Reiseerreicht; bis 24. Mai konnte er wohl auf deutschemBoden sich befinden, wenn er auch an den longobardischenHof nach Pavia einen Abstecher gemacht hatte. Inner-halb der Frist vom Ausgange des Monats Mai bis 22.Juli konnten leicht an der Seite des nordgnuischen GrafenSuidger, der seinem Gastfreunde wohl das nothwendigeGespann zur Verfügung gestellt haben wird, die Streckenzwischen Freising und Eichstätt und dem unbekanntenAufenthaltsorte des Grafen zweimal durchmessen werden.
Außerdem darf man die stets wiederkehrenden Klagendes hl. BonifatiuS über den furchtbaren Pricstermnngelin den deutschen Landen nicht vergessen. Berichtet jadoch der Metropolit selbst, daß er gezwungen war, sogareinen nikolaitischen Priester auf seinem Posten znbelassen, da er anderweitig nicht besetzt werden konnte(öjo. 91 l. o. I, 377); erzählt uns ferner die Nonnevon Heidenheim, daß Wynnebald sieben Kirchen inThüringen zu bedienen hatte (LI. 6-. XV, 1, 109).Unter solchen Umstünden finden wir die Eile begreiflich,mit welcher dem 40jährigen Willibald die Priesterweihe