140
ertheilt wurde. Oder war denn nicht die priesterlicheWürde das erste Erfordernis), um als Abt eines neu-zugründeuden Klosters, als Missionar einer erst zu or-ganisirendcn Christengemeinde mit Erfolg wirken zukönnen? Ist es unter solchen Umständen auch nurwahrscheinlich, daß der hl. Bonifatius die Ertheiluugder Priesterweihe an Willibald bis zum 22. Juli 742hinausgeschoben habe? Man hält uns die Vorschriftendes KirchenrechteS entgegen, wornach der St. Magda-lcnentag, welcher im Jahre 740 auf einen Freitag ge-fallen ist, kein kanonischer Weihetag gewesen sei. Istvielleicht der 9. Sonntag nach Pfingsten des Jahres742, welcher damals mit dem 22. Juli zusammentraf,ein kanonischer Ordinatioristag?^) Herr S. gibt denAnsnahmSfall selbst zu. Wenn aber der päpstliche Legatbesondere Vollmachten von Nom besessen hätte? Schonunterm 1. Dezember 722 erhielt der soeben zum Bischofgeweihte Winfried von Papst Gregor II. die Fakultät:OräiirationeZ vero xrosläbw'oruw ssu äwacworuwHon uisi Fvarti, 86ptiwi st äsaiwi msiwiurn fo-zunÜ8, 86b ob iuFrssoo guacira.F68iwa.Ii aigua woäi-airbo V63pors savdati novsrit Lslsdraucias (Dp. 18:bow. I, 267—268). Mit Hilfe dieses Privilegiumskonnte Willibald am Freitag Nachmittags) ordinirtwerden. Darum halten wir mit Hauck (K.-G. Deutsch-lands I, 489) den 22. Juli 740 als Wcihetag^) deshl. Willibald fest. Doch verfolgen wir den Bericht derNonne weiter.
Nach Ablauf eines Jahres berief Bonifatius denhl. Willibald zu sich nach Thüringen . Dieser kam demAuftrage sogleich nach und fand im Hanse seines BrudersWhnncbald gastfreundliche Aufnahme, welcher jenen seit18'/g Jahren, seitdem er von Nom abgereist war, nichtmehr gesehen hatte. Sie freuten sich über das Zu-sammentreffen. Es war Herbstzeit, als Willibald nachThüringen kam. Sogleich setzte ihn der Erzbischof Boni-fatius unter Mithilfe des Bnrchard und Wizo in diebischöfliche Würde ein. Willibald blieb eine Woche dortund kehrte hierauf wieder an seinen früheren Wohnortzurück. Willibald zählte, als er an dem Orte, welcherSulzeprucge genannt wird, zum Bischöfe gesalbt wurde,41 Jahre, und es war Herbstzeit, fast zur nämlichenStunde (als er geboren war), 3 Wochen vor Martini:8ta.timgU6 v6N6rauäu8 illo vir Ooi lVillil>a.Iäu8 86-cwnäuw fassioiwm mrnoti viri (Lcwikabii) in Hr^riir-F6Lw vonislwb 6b in äowo Irairw wri s. V^mw-lwläi lwoxitalitabw waiwioiww lwlwlwb, gut illuwfum priu8 8 aiworuw axabiv sb non äiwiäio aä 60gnoä äo Ilowa. iwigostab uoir viäib.
Bleiben wir einstweilen bei dem letzten Satze stehen.Wie übersetzen wir die Zeitbestimmung: Whnnebald hatte
°) Die jetzt geltenden kanonischen OrdinationSkage sind dieO.natemperiamStagc, der Samstag vor dem Passionssonntage,nicht vor dem Palmtage, wie Herr S. angibt: LabbatumLitisntss, vor dem Osterfeste: Labdatum «anetum. Silber-nagel, Lehrb. d. kath. K.-NechteS S. 144.
H Dass im Mittelalter die Weihen nicht immer in Per--bindnng mit der hl. Messe ertheilt wurden, geht aus den Sta-tuten der Shnode von Mainz im Jahre 1049, welche nnter demVorsitze deö Papstes Leo IX. gefeiert worden ist, hervor. Hefcle,Conc.-G. IV, 735. Kirchenlexikon IV, 1272.
°) Das Gnndekariannm (Ll. 6. 8. 8. VII, 248) hat denEintrag: XI. Xal. llnA. orcliuatio s. IVillibaiai. Vor Ein-führung des römischen Nitns unter Bischof Johann Christophvon Westcrsletten 1612—1636 wurde der 22. Juli alö Ordi-nationstag des hl. Willibald im Ofsicinm des Tages com-mcnivrirt.
, seinen Bruder nicht mehr gesehen: 8 annoruw 8jwbio! eb irono äiwiäio, seitdem er von Nom abgereist war?
Mabillon (^.oba. 8. 8. IV, 345 A. 2) übersetztediese jedenfalls eigenthümliche Zeitbestimmung mit 8 und91/2 — 17*/z Jahren; ebenso Popp, Brückl, Stamminger(l?rauo. 3 . I, 474) und neuestens auch Holder-Egger,welcher zu dieser vielumstrittenen Stelle bemerkt (LI. 6l.XV, 105 A. 2), daß durch einen Abschreiber ein Irr-thum sich habe Angeschlichen, indem zu lesen sei: .. . Fuiilluw fallt xriu8 X ob VIII aniwruw sxubio ob rwiwäiwiäio . . . rwn viäib, welcher ihn seit 18ffz Jahrennicht mehr gesehen hatte.
Greiser dagegen (bow. X, 766), Hauck (K.-G. I,460) und Herr S. übersetzen die Stelle mit 8^2 Jahren,indem sie die Sachlage dahin erklären: Willibald undWhnnebald haben sich um Ostern 735 zum letzten Malein Nom oder auch in Monte Cassino gesehen, ehe letzterermit dem hl. Bonifatius in die deutsche Mission abging.
Gegen diese Auffassung erheben sich jedoch ver-schiedene Bedenken. Vor allein die Frage: Mit welchemRechte wird ein Zusammentreffen der Brüder im ge-nannten Jahre 735 angenommen, da weder im Hodo-eporikon, noch in der Vita des hl. Whnnebald, noch injener des hl. Bonifatius ein Anhaltspunkt hiezu ge-geben ist?
Nettberg (K.-G. Deutschlands II, 358) war derAnschauung, der hl. Bonifatius habe schon bei seinemzweiten Aufenthalte in Rom (c. 722) seinen Blutsver-wandten aus England , Whnnebald, für die deutsche Kirchegewonnen, dieser sei jedoch erst 731 nach Deutschland abgereist, da er vorher die Einwilligung seines Bruders,welcher sich nach dem Oriente begeben hatte, erholenwollte.
Hauck (K.-G. I, 459 A. 4) hat mit Recht diesemehr als sonderbare Interpretation verworfen, indem erbetont: es sei nicht nothwendig, einen persönlichen Ver-kehr, eine mündliche Besprechung zwischen den beidenBrudern anzunehmen, es genüge ein schriftlicher Gedanken-austausch. Bonifatius habe erst bei seiner dritten Nom-fahrt 738/39 Whnncbald für sich und seine Missions-thätigkcit gewonnen, ein persönliches Zusammentreffen seidurch den Text: illuw faw xriuo VIII aurwruwgpablo eb ucwo äiwiäio nicht gefordert: 8ffz Jahrevor seiner Abreise von Nom, Sommer 739, hatte Willi-bald seinen Bruder zum letzten Male gesehen.
Aber weder Ncttberg noch Hauck haben die ent-scheidende Stelle aus der Vita des hl. Wynnibald richtigaufgefaßt.
Dieser Biographie, welche gleichfalls wie das Hodo-eponkon von der Heideuheimer Nonne verfaßt worden ist,entnehmen wir die Thatsache, daß Whnnebald im 19. Le-bensjahre mit seinem Vater und seinem Bruder Willibaldnach Nom gezogen ist. (Whnnebaldistgeboreni.J.701, wieaus oux. 9 der Vita erhellt.) In Rom nahm er die Tonsurund widmete sich dem Dienste Gottes und dem Studiumder Psalmen. Nachdem er 7 Jahre in der ewigen Stadtzugebracht hatte, kehrte er wieder in die angelsächsischeHeimath zurück, um unter seinen Verwandten und Lands-leutcn neue Werbungen für das monastische Leben zumachen. Mit herzlicher Freude wurde Whnnebald inEngland aufgenommen; sogleich aber begann er, seineBrüder und Schwestern, sowie Andere seiner Verwandt-schaft zu ermähnen; die Flecken und Höfe durchwandernd,begeisterte er Viele für das Leben der Vollkommenheit(LI. 6-. XV, 108 eax. 3). Dann kehrte er wieder mit