jungen und sich mit Wasser für dke Wüstenreise ver-sehen haben.
Inzwischen waren die Kamele beladen, und nachdemich mein Vehikel bestiegen, setzte sich die Karawane inBewegung. Ich nahm meine Bibel in die Hand undlas den Hymnus, welchen Moses und die Kinder Israelsan diesen Gestaden einst sangen: „Dem Herrn will ichsingen, denn hocherhaben ist er, Roß und Reiter warfer ins Meer" rc. Ich kann mir keinen höheren Genußdenken, als die Bibelworte an Ort und Stelle zu lesenund zu überdenken.
Die ersten Tage bieten wenig Abwechslung. Vorsich die Sandwüste, links das Gebirge Er Naha unddann Et Tih, zur Rechten das Meer und jenseits dasbereits erwähnte Atüka-Gebirge. Man folgt dem Uferdes Meeres. Es ist dieses nach meiner Ansicht ganzsicher nicht der Weg des Exodus, da Moses sehr un-pädagogisch gehandelt hätte, die Schaaren angesichtsAegyptens ziehen Zu lassen. Es heißt auch in der Bibel:„Er führte sie den Weg dreier Tagereisen in die Wüste."Er hat sie wahrscheinlich zuerst gegen den Fuß des Ge-birges Er Nahah geführt und dann längs desselben, umdann bei Ain Hawüra oder einer anderen Quelle dasWunder von Marah zu wirken. Doch will ich hier überdie schwierigen Fragen betreffs der Identification der ein-zelnen Stationen nicht weiter handeln.
Die einzige Unterhaltung bildet das Farbenspiel desMeeres, die glänzenden Glimmerplatten, welche am Wegeliegen, und das Treiben der Karawane.
Das Kamelreiten ist eine eigene Sache. Es hatviele Vorzüge vor dem Reiten auf Eseln oder Pferdenvoraus. Man sitzt sehr sicher, das Kamel scheut nichtleicht, die Zügel braucht man nicht in der Hand zu be-halten, da dies der Kameltreiber besorgt, man kann sogarlesen und hat vor sich in den Satteltaschen alle mög-lichen Utensilien zu sofortigem Gebrauch. Doch das Auf-sitzen hat einige Schwierigkeit; denn zuerst richtet sich dasThier unter unmuthigem Grunzen auf die Vorderkniee,dann auf die Hinterbeine, dann vorne ganz aufrecht, undendlich ist die Geschichte im Reinen; man wird dabei,da alles ruckweise geschieht, von vorne nach rückwärtsund von rückwärts nach vorwärts rc. geworfen. Währenddes Reitens, das man erst langsam gewöhnt, wird manimmer nach vorne und rückwärts und wieder vorwärtsgeschoben, allerdings nicht zu stark, aber immerhin so,daß man bei jedem Schritte eine sehr tiefe Verbeugungmit dem Oberkörper macht. Es ermüdet dieses ungemein,und nach einem Ritte von 6—8 Stunden ist man äußersterschöpft; aber seekrank wird man nicht. So sehr ichdazu geneigt bin, habe ich bei diesem Stägigen Rittenie etwas von derartigen Gefühlen verspürt.
(Fortsetzung folgt.)
von
Friedrich Koch-Breuberg.
(Schluß.)
Die vergifteten Nadelstiche der Staäl wurden demersten Consul bald unerträglich. Jetzt hatte sie wenigstensdas erreicht, daß er sie beachtete. Nun verletzte sie fort-während seine Achillesferse — die Eitelkeit. Aber derverwundete Löwe begann bald sich zornig zu schütteln.Er verbannte zuerst Madame de Staäl aus Paris und,als sie es ferner wagte, ihn lächerlich zu machen, ausganz Frankreich . Sie, die ihn als Erretter der Gesell-
schaft, als höheres Wesen Lesungen, verließ jetzt voll Haßihr Vaterland und bot ihre Dienste seinen Feinden, denBourbonen, an. Das Erscheinen ihrer Werke „Delphine"und „Corinne" vergrößerte ihren Ruhm und machte sienur zu einer viel bedeutenderen Feindin. Jetzt konntesie ihm ebensoviel schaden, wie vielleicht das ganze König-reich England zusammen.
Und trotzdem machte sie stets unter der Hand An-strengungen, von ihm die Erlaubniß zur Rückkehr zu er-halten. Doch er sagte nur: Ich verabscheue die Mann-weiber ebenso, wie die weibischen Männer! Und eirandermal: Ich hasse diese Frau und möglich, daß ich si>.hasse, weil mir die Geduld für Frauen fehlt, die sich mirin die Arme werfen, und das hat sie sicher versucht.
Jetzt, wo Napoleon am Gipfel seiner Macht ange-langt war, wünschte Madame de StaÄ, sich mit ihm zuversöhnen. Es ist das nicht sehr großartig von dergroßen Frau, noch dazu, wenn man bedenkt, daß sie sichvon dieser Versöhnung klingende Münze erwartete.
Der Herr Minister Necker hatte nämlich zur Zeitder großen Hnngersnoth Frankreich eine Million znmAnkaufe von Korn geliehen. Ludwig XVI. hatte denSchuldschein gezeichnet, aber die Revolution mit ihrenspäteren Regierungen die Schuld nie anerkannt. DieseSumme sollte nun Napoleon I. der Erbin Neckers zurück-erstatten, so dachte sich die verbannte Dichterin, dennvon einem großen Manne mußte man doch mehr alsVerzeihung auf einmal begehren. Aber der Kaiser bliebhart, obwohl seine Stieftochter, die Königin Hortcnse,sich sehr für Madame de Staöl verwendete. Die Königinvon Holland , welche selbst viel gesungene Romanzendichtete, ohne je in's Vlanstrumpshafte zu verfallen,schätzte und bemitleidete ihre Schwester in Minerva. Siewagte es, dem erzürnten Kaiser die Nückberufnng der be-deutenden Frau als einen nothwendigen Akt der Ge-rechtigkeit darzustellen. Ein kleiner Erfolg blieb nichtaus. Madame de Stavl durfte nach Frankreich zurück-kehren und hatte nur Paris und dessen Umgebung zumeiden. Da entsendete die Dichterin ihren Sohn in dieHauptstadt. Natürlich blieben ihm alle Thüren ver-schlossen. Aber Hortense empfing ihn dann und ver-schaffte ihm sogar eine Audienz beim Kaiser. Die Unter-redung zwischen dem allmächtigen Cäsar und dem jungenMann währte lange, und Napoleon legte außergewöhnlichviel Geduld an den Tag. Zuerst ließ er sich die Liebeschildern, welche die Dichterin für Frankreich im Herzentrug, dann wie sie sich unglücklich im Exil fühle.
Was nicht gar, platzte der Kaiser heraus. Dazuist Ihre Mutter viel zu excentrisch! Ich will nicht ge-rade sagen, daß sie eine mschante Frau ist. Sie hatTalent, viel Talent, zu viel — ein aggressives, revo-lutionäres Talent! Sie ist in dem Chaos einer ein-stürzenden Monarchie, dem eine Revolution folgte, auf-gewachsen und trügt davon diese Elemente in ihremHerzen, was stets gefährlich werden kann.
Nach weiterer angenehmer Schilderung für den Sohnsagte er: Sie wäre nicht sechs Monate hier, ohne michin die unangenehme Nothwendigkeit zu versetzen, sie nachBicßtre zu schicken oder in den Temple zu sperren. Wasdas fatal wäre! Welche Sensation, und wie würde diesmeiner Popularität schaden! Sagen Sie Ihrer Mutter,daß ich einen Entschluß gefaßt habe, den nichts zu ändernvermag. So lange ich lebe, kehrt sie nicht nach Paris zurück!
Aber der junge Staöl ließ sich nicht so leicht ab-