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Brock haus bemerkt: „Im Unterschiede von den Vaternist auf den Denkmälern gerade die Kampfeslust desHahnes das am meisten hervortretende Moment." AuchBrock Haus übersieht die „Kampfeslust" des Hahnesnicht, wenn er ihn „häufiger später als Symbol derWachsamkeit, der Tapferkeit, der Auferstehung und soals Symbol Christi selbst" deutet. Denn was de Waalmit de Nossi bekennt, wenn er sagt, es sei nahe ge-legen, „auch die Hahnenkämpfe, wie man sie täglich vorAugen hatte, als Symbol des Lebens zu deuten, inwelchem wir den guten Kampf kämpfen müssen, damitder gerechte Kampfrichter uns dereinst den Siegespreiszuerkenne" — so meint schließlich Brockhaus dasselbemit seinem Begriffe der „Tapferkeit", den er allerdingsnicht exegetisch erörtert. Und wenn er diese Tapferkeit,diese allegorische „Kampfeslust" mehr wie de Waal aufden Denkmälern der Bedeutung „Wachsamkeit" und„Auferstehung" coordinirt, wenn er die letzteren Be-griffe der Zahl ihres Hervortretend nach dem ersterengleichzustellen scheint, so wag das für den seinerzeitigenStand der Sache nicht ganz genau gewesen sein: heute,wo die frühchristlichen Funde aus der Necropole vonAchmim -Pauopolis ergänzend zu den Katakombenfnndenhinzutreten, müssen wir Brockhaus beipflichten.
Was zunächst die Kampfesdarstellungen be-trifft, so wäre eS falsch, ihre genetische Entwicklung ausklassisch-heidnischen Motiven rundweg zu negieren, sie alschristlich xa LLoxy'-' hinzustellen. Freilich ist es ebensofalsch, mit Victor Schnitze diese „Abhängigkeit" derchristlichen Kunst von der heidnischen auch auf deninneren Gehalt der Darstellungen zu übertragen, sodaß man wie den klassischen Hahnenkümpfen auch denchristlichen eine allegorische Bedeutung höheren Sinnesabspricht. Die alten Christen, dies ist doch eine hundert-fältig bezeugte Thatsache , haben in der Periode der Ver-folgungen sowohl als auch des Friedeus es gar wohlund sinnig verstanden, an ein wenn man will heidnischesMotiv christliche Ideen zu knüpfen. So geschah esz. B. mit der ornR Aurnmnta, jener vierfachen Wieder-holung des griechischen Buchstabens U in der Formdie bei den Buddhisten und seit Urzeiten bei andernOrientalen als heiliges Symbol galt und gilt. DenChristen diente es trefflich zur arcauen Darstellung desKreuzes Christi, wie wir dies auf dem Gewandschmuckeines christlichen Todten von Nchmim beobachten.
Es ist hier nun nicht unsere Aufgabe, alle christ-lichen Hahnenkampfbilder aufzuzählen und zu erörtern,wiewohl dies gerade keine lange Arbeit wäre. Erinnernwollen wir nur au ein Mosaikfragment des Lateran-museums mit dem Bilde eines zum Kampfe heraus-fordernden Hahnes und an ein Neliefbild aus S. Aguese,einem Sarkophage entnommen und einen Hahuenkampfdarstellend. Die immerhin geringe Zahl derartigerKampfesdarftcllungen gibt kaum das Recht, letztere alsdie am meisten beliebte Auffassung zu bezeichnen. ImGegensatz zu de Waal hat daher auch Wilpert in seinenpeinlich genauen „Principienfragen der christlichen Archäo-logie" dem „Kampfhahn" eine bescheidenere Stellung zu-gewiesen. Wir halten den Hahuenkampf weder für dasam meisten bevorzugte, noch für das älteste Motiv überdie Symbolik des Hahnes, trotzdem er täglich vor denAugen der Christen sich abspielte, wie denn mit Rechtde Waal auf Paulus verweist, der vielfach seine Ver-gleiche aus der Arena und den agouistischen Kämpfenholte. Allein die thatsächliche Seltenheit der Kampfcs-
darstellungen auf Hahnenbildern der Katakomben und,fügen wir hinzu, ihr auffallendes Fehlen in densonst so symbolreichen Gräberfunden aus Achmim gebendem Hahnenkampf nicht im Entferntesten eine be-sonders wichtige Stellung in der frühchristlichen Auf-fassung und Symbolik.
Um so bedeutsamer aber erscheint uns der Hahnin seiner Beziehung zum Glauben an die Auferstehungder Todten. Schon die Katakomben haben hiefür wichtigeBelege geboten. Wo der Hahn hier auf Grabsteinenmit der Inschrift Il§ erscheint, wo er, wie auf
einem Jaspisring, in Verbindung mit der Palme undin einem Schiffletn auftritt, da kündigt er sich an alsVerheißung der kommenden Auferstehung aus der Ruhedes Todes nach dem Kampfe des Lebens. Zeigt sichüber ihm das Christusmonogramm, so symbolisirt er denHeiland selbst, der am jüngsten Tag uns alle „weckt"zu herrlichem Leben. Keinen Zweifel aber läßt auf demGrabstein eines Leopardns neben der Figur des Hahnesdie verstümmelte, von Polidori richtig ergänzte In-schrift bestehen: VIL HL — illa, äis ffaus
r'68U1'K68.
Wandern wir nun von den Katakomben hinaus zumGräberfeld von Achmim-Panopolis , so findenwir hier den Hahn, wir dürfen eS ruhig aussprechen,von vornherein als Auferstehnngssymbol infast ausschließlichem Sinne.
Mein Freund Forrer, der mit besonderem In-teresse den christlichen Thiersymbolen auf den Gewändernvon Achmim nachging, dem auch sicherlich die besten undmeisten derartiger Stoffe durch die Hand gingen, ist zueiner höchst interessanten Vermuthung gelangt, die er mitfolgenden Worten ausspricht: „Mehrfach beobachtete ichden Hahn in auffallend roher, linearer Ausführung aufgleich auffallend roher Leinwand in seltsamer Dnrchzieh-technik als Clavus angebracht, und es machte diese wieder-holt gleichartige Erscheinung den Eindruck, als läge ihreine bestimmte, mir unklare Anschauung zu Grunde.Sollte der Hahn als „Wecker" ein Zeichen der Aufer-stehung fein, und waren diese durchweg rohenund einfacheu „Hahnengewänder" dteTodten-kleider der Armen? Nun, die Auferstehung sym-bolisirt der Hahn auf den Mumieugewänderu ohne Zweifel;aber auch der Begriff „Hahnengewünder" ist keine allzu-kühne Annahme. Für beide Momente können wir einund dasselbe Beispiel hier vorführen.
Ich besitze einen Gewandrest, der, wie das Originalausweist, nur das Bruchstück eines gleichartigenganzen Gewandes ist. Und was bietet sich unsdar? Inmitten rankend sich verschlingender Umrahm-ungen wiederholt sich fortwährend die Figureines friedlichen Hahues, der hier auf einemchristlichen Grnbkleid nichts anderes als die Hoffnungder Auferstehung bedeutet. Dies erhellt bis zur Evidenzaus der ebenfalls sich fortwährend wieder-holenden Männergestalt, die, lebhaft an die vonForrer als frohe Herolde des siegreichen Christen-thums gedeuteten Tänzer auf christlichen Textilienerinnernd, jeweils mit der erhobenen Linkenzum Hahne empordeutet. Unser Gewandstück,das noch in das III. Jahrhundert, sicherlich in die heid-nisch-christliche Uebergangszcit zu datiren ist, steht keines-wegs vereinzelt da. In den verschiedensten Museen undPrivatsammlungen, besonders auch in der SammlungForrer-Straßburg, der mein Stück entstammt, sind ähn-