Ausgabe 
(10.5.1894) 19
 
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liche Darstellungen vertreten, die dem Hahn weit mehrwie die Kampfcsdeutung die nicht minder poetische Sym-bolik des Auferstehungsglaubens zuerkennen und zugleichdarthun, daß da, wo man dem Todten anstatt eines ge-wöhnlichen Kleides ein spezielles Funeralgewandmitgab, die Figur des Hahnes mit Vorliebe als Ornamentin Verwendung kam.

Diese Bedeutung als Auferstehungssymbol scheintuns für den Hahn die häufigste und die älteste zu sein,letzteres in um so höherem Grade, je mehr wir das Bilddes Hahnes auf den Verlüugnungsscenen, resp. letztereselbst einer jüngeren Epoche zuschreiben müssen im Ge-denken an die Thatsache, daß erst mit dem UebertrittKonstantins im vierten Jahrhundert und durch die hie-durch geschehene Aenderung in der Lage der Christen derSymbolzwang aufhörte und historische Scenen als solcheungescheut dargestellt werden konnten.

Es gilt dieses Princip auch völlig für die koptisch-christliche Kunst Achmims. Nur mag es auffallen, daßauf den Verläugnungsscenen von Achmim -Panopolis derHahn keineswegs die significante Rolle spielt, wie in denabendländischen Bildern. Auch nicht einmal ist aufden allerdings seltenen diesbezüglichen Darstellungen inTextilstücken der Hahn sichtbar. Trotzdem bleibt in derwichtigsten aller Verläugnungsscenen von Achmim , nämlichin jener des größeren bischöflichen Palliums ausdem VI. Jahrhundert, die Situation klar und unver-kennbar. Ueber dieses werthvolle Pallinm selbst hatForrer, sein einstiger Besitzer, zu wiederholten Maleneingehend berichtet, auch hat der Schreiber dieser Ab-handlung darüber ausführlich gehandelt. Wir verweisendemgemäß auf die betreffenden Quellen. Von den 9gestickten Figurentableaux dieses Prachtgewandes zeigtNr. 7 eine Darstellung, welche N. Forrerin Folgeder Zwischenstellung hinter den Bildern aus Christi Wirkenszeit und vor dem Bilde der Kreuzigung als dieScene gedeutet" hat, in welcher JesuS dem Petrus dieVerlüugnung voraussagt. Forrer hat gewiß auch ohneden Hahn das Nichtige getroffen:Christus ist reich (?)gekleidet und sitzt vor dem die Prophezeiung zurück-weisenden Petrus."

(Fortsetzung folgt.)

Zur Chronologie des heiligen Willibald .

Von Adam Hirsch mann, Pfarrer in Schönfcld.

(Schluß.)

Aus den Angaben der Vita des hl. Wynnebaldgeht klar hervor: Willibald und Wynnebald haben sichweder gesehen noch gesprochen, als letzterer in die deutscheMission abging. Damit fällt aber auch zugleich derGrund hinweg, die dritte Nomfahrt des hl. Bonisatiusin das Jahr 735 zu verweisen.

Sowohl Willibald, der Mainzer Biograph, alsOthlon berichten, daß der hl. Bonisatius während derRegierung des Herzogs Hugbert nach Bayern gekommensei und durch häufige Predigten das Volk aus denhäretischen Lehren eines gewissen Eremwulf, den er nachden kanonischen Satzungen von der Kirche ausschloß,herauszuziehen versucht habe. Dann aber kehrte dersecleneifrige Oberhirte wieder zu den Brüdern, die inThüringen seiner Obsorge unterstellt waren, zurück:Htsgus omuikus ritö coulsotis, Laguariorum tsru-porikns HuAokerti äucüs aäiit torras . . . ebkratres suk suas älosaeLsoll ^uksruntionis cousit-

tutos rursus mi^ravit, juxta, illucl axostoli: euxiäl-tntsni Kuchens venienäi act ckrutres. N. 6-. II, 345.Mabillon ^ot. 8s. IV, 17. Fast mit denselben Wortenschildert Othlon die nur vorübergehende Wirksamkeit deshl. Bonisatius unter Hugbert; auch er betont dessenHeimkehr aus Bayern nach Thüringen . Mabillon, I.o. IV, 40 eux. XLVII.

Wie angesichts dieser klaren Angabe der bonifati-anischen Biographen Herr S. sagen kann:Willibald setzt die dritte Reise des Apostels der Deutschen nachRom unmittelbar nach der Visitation der kirch-lichen Verhältnisse Bayerns unter dem damals nochlebenden Herzog HngVdrt an", (Nr. 50 S. 4) ist nichteinzusehen.

Niezler (Gesch. Bayerns I, 103) setzt die Anwesen-heit des hl. Bonisatius auf bayerischem Gebiete gegendas Jahr 735, Will (Negesten I, V) in die Zeit von735736, Woelbing (Die mittelalterlichen Lebensbe-schreibungen des Bonisatius S. 79) gegen das Endeder Regierung des Herzogs Hugbert 728739.

Erst nachdem der Apostel der Deutschen Vorsorgefür die Kirchen in Hessen und Thüringen getroffen hatte,trat er in Begleitung zahlreicher Schüler die dritte Rom-reise an, um dem Papste Gregor III (731741) per-sönlich seine Ergebenheit zu bezeigen. Das wichtigsteResultat dieses Besuches der Gräber der hl. Apostel-fürsten Petrus und Paulus war unstreitig die nach-folgende kirchliche Organisation Bayerns , wo Bonisatiusmit Zustimmung des Herzogs Odilo und der Großendes Landes vier Diözesen errichtete und ebensovicle Bi-schöfe aufstellte. Die päpstliche Confirmationsurkundeträgt das Datum: 29. Oktober 739 (LI. 6-. Lpp. I,293). Daher werden wir wohl am besten mitHcrgen-röther (K.-G. I, 681), Hefele (Conc.-G. III, 493),Will (Negesten I, V) und Dümmler (N. O. Lpx>. I,289) diese letzte Nomfahrt in die Zeit 737738 ver-legen. Der Ausdruck, daß Bonisatius viele Tage (rnultüsätokus) in Bayern bei Herzog Odilo und seinen Unter-thanen verweilt habe, fordert durchaus nicht, anzunehmen,daß der eifrige Glaubensprediger die Jahre 736 und 737auf die Circumskription der bayerischen Diözesen verwendethaben müsse; für diese Thätigkeit genügte doch wohl dasFrühjahr und der Sommer 739; sonst hätte der Bio-graph wohl den significanteren Terminus multis anuis,viele Jahre, gewählt.

Mochte Bonisatius auch von Thüringen aus denglücklichen Vollzug der Diözesaueintheilung des Herzog-thums Bayern nach Rom gemeldet und um deren Be-stätigung nachgesucht haben, so ist es doch von vorne-herein sehr wahrscheinlich, daß er diese junge Pflanzungnicht aus den Augen verlor und gemäß dem päpstlichenAuftrage die bayerischen Bischöfe auf einer Synode zuvereinigen suchte. Darum stimmt die Angabe der Nonnevon Heidenheim, daß der im Mai 740 aus Italien an-gekommene Willibald den hl. Bonisatius in Freising an-getroffen habe und mit demselben nach den Ufern derÄltmühl gezogen sei, um in Eichstätt am 22. Juli 740die Priesterweihe zu empfangen, sehr mit den allgemeinenZeitverhältnissen überein.

Ein Jahr darnach wanderte Willibald nach Thür-ingen , um drei Wochen vor Martini, an seinem Geburts-tage, zum Bischöfe erhoben zu werden.

Herr S. sagt nun: Im Jahre 741 fiel der Ge-dächtnißtag des hl. Martin, 11. November, auf einenSamstag, also mußte drei Wochen vorher, am Samstag