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dem 21. Oktober, Willibald znm Bischöfe geweiht werden.Das ist aber nach dem kanonischen Rechte nicht zulässig,indem die Consccration eines Bischofes immer an einemSonntage vorgenommen werden muß?)
Mit Hefele (Conc.-G. III, 495 A. 2) könnte manhierauf erwidern: rwlla. rsZulu sius sxssxtious. Derhl. Bonifatius als päpstlicher Legat war sicherlich fürsein weitausgedehntes Missionsfeld mit großen Facul-täten seitens des apostolischen Stuhles ausgerüstet; aberfordern die Worte der Nonne: „Ills UVillibaläris,Hnanäo in spisooputum eonssornius ernt:, tmbsbach40 annos st 1 annurn st tuno ernt nuturnnuls tsivpnsvirsn illnnr bsrs llorain tridus Ii sdäoinnäidusg.nts uatals s. lllartinl in spisooputum consssrntussst" die Interpretation, daß Willibald am Samstagdem 21. Oktober 741 znm Bischöfe consccrirt werdenwußte? Der hl. Bonifatius wählte in zarter Aufmerk-samkeit gerade jenen Tag und jene Stunde, um seinemVerwandten die bischöfliche Würde zu übertragen, anwelchen derselbe vor 41 Jahren das Licht der Welt er-blickt hatte. Ob aber dieser 42. Geburtstag Willibaldsauf Samstag den 21. Oktober 741 oder auf Sonntagden 22. Oktober desselben Jahres gefallen ist, das liegtin der Zeitbestimmung: tridus Iisdäoinaäidng nntsnatals Llartini, drei Wochen vor Martini, nicht soprägnant ausgesprochen, als daß man daraufhin einapodiktisches Urtheil sich bilden könnte, um das Jahr741, welches durch die Akten des ersten deutschen Na-tionalcoucils als Consecrationsjahr des hl. Willibald ge-fordert wird, zu verwerfen. Für dieses Jahr tritt auchals Zeuge der Eichstätter Tradition ein der Zeitgenossedes Bischofes Gundekar II , der Anonymus von Her-rieden, welcher erwähnt, daß auf Anordnung des PapstesGregor III. Willibald von Bonifatius zum Bischöfe vonEichstätt consccrirt worden sei zugleich mit Burchard vonWürzburg (N. 6-. VII, 255). Da Gregor III. am29. November 741 aus dem Leben schied, so kannWillibalds Bischofsweihe nicht über das Jahr 741 hinausverlegt werden. Hatte unser Heiliger am Tage seinerConsccration das 41. Lebensjahr soeben abgeschlossen,so datirt seine Geburt in den Oktober des Jahres 700zurück.
Wenn Bonifatius seinem Landsmanne zu Sülzen-brücke, im ehemaligen Archidiakonate Gotha , im heutigencoburg -gothaischen Amte Jchtershausen (Past.-Blatt 1881,104), nicht auf der Salzburg bei Neustadt a. d. Saale,wie man feit Eckhart und Falckenstein allgemein ange-nommen hat, die bischöfliche Weihe ertheilte, so geschahdieses wohl deßwegen, weil Wyuuebald daselbst als Mis-sionspriester stationirt war: dort nun sahen sich diebeiden Brüder znm ersten Male wieder, seitdem Willibaldnach Ostern 723 von Nom Abschied genommen und nachden heiligen Stätten des gelobten Landes gepilgert war:18'/z Jahre waren entschwunden; welch verschiedene Wegehatte die göttliche Vorsehung das Brüderpaar geführt! undnun finden sie sich wieder im Herzen von Deutschland als Priester und Bischof!
Daß im Jahre 741 Willibald nicht als Bischofeiner festbegrenzten Diözese Eichstätt , sondern nach eng-lischem Vorgänge als Klosterbischof für die kleine Koloniean der Altmühl aufgestellt wurde, ergibt sich schon ausder Betrachtung der Zeitlage, indem das Herzogthum
*) Im Jcihrc 713 fiel Martini auf einen Montag; dreiWochen vor Martini fallen nach volksüblicher Rechnung ausMontag, den 21. Oktober, nicht Sonntag, den 20. Oktober.
Bayern erst 739 eine neue Diöcesaneintheilung erfahrenhatte. Aber gerade in den Tagen, in welchen der Abtdes Klosters Eichstätt die bischöfliche Weihe erhielt, am21. Oktober 741 starb der mächtige Frankcnführer KarlMartell: Karlmann und Pippin theilten sich in die Herr-schaft, der Halbbruder Griso, welcher unberücksichtigt ge-blieben war, verband sich mit dem Bayernherzog Odilo ,doch Karlmann errang den Sieg und verkleinerte Bayern um den Nordgau. Dieser politischen Aenderung folgtegar bald eine kirchliche: aus dem ehemals bayerischenNordgane und dem alamannischen Sualafelde wurde dasBisthum Eichstätt gebildet 743—747 (Niezler, Gesch.Bayerns I , 104; Forsch, z. d. Gesch. XVI, 400—406).Die einheimische Tradition verlegt die formelle Errichtungder Diözese in das Jahr 745 (Popp, Anfang und Ver-breitung d. Christenth. S. 158).
Die letzte Frage, die wir zu erledigen haben, lautet:Wann starb der heilige Willibald ? Nach Herrn S. am7. Juli 779 (Nr. 52 S. 2).
Da die Nonne von Heidenheim ihrem Berichte überden Heimgang des hl. Willibald nichts beigefügt hat,noch auch sonst eine gleichzeitige Quelle das Todesjahrunseres ersten Bischofes aufgezeichnet hat, so sind wirauf die Tradition angewiesen, wie sich dieselbe im gunde-karianifchen Pontifikalbuche niedergelegt findet. Da findenwir nach der Ausgabe von Bethmann in den Nonuinsuta.O-smunnias Lorixtores im siebenten Bande S. 243folgenden Eintrag: „ Willibaläs, luos xriwus rsZis^.ureutsussg. . . Noch auf derselben Linie den histor-ischen Vermerk: 8säit anuoo 36. Tlnno insurn. 781Xou. ckul. stillt: O Willibald, als Erster leitest dudeine Eichstätter.*) Er regierte 36 Jahre, starb am7. Juli 781." Dann folgen die trockenen Namen seiner5 ersten Nachfolger: Gerhoch, Aganus, Adalunc, Altune,Otker, mit der Bemerkung: Diese 5 Bischöfe füllten eineNegierungszeit von 100 Jahren aus; ein Beweis, daßdie Chronologie derselben dem Verfasser des Gunde-karianums unbekannt war, während er über Willibald, denGründer der Diöcese, Tag und Jahr des Todes unddie Dauer der Amtsführung zu berichten wußte.
Der zweite Eintrag (lblcl. VII, 245) lautet: Dassind die Namen der Bischöfe der aureatensischen Kirchezu Ehren des Weltheilandes erbaut: ^.nno alr iasar-uutioue Douriwi 781, 8. Mllllfialäus Xon. lul. cou-8ortium soassswält aw^sloruw, astats gmlpps 7?anucwum, ssäit annos 36: Im Jahre des Herrn 781am 7. Juli erhob sich der hl. Willibald zur Gesellschaftder Engel, in einem Alter von 77 Jahren; er hatte36 Jahre regiert."
Beide Einträge weisen die gleichen Jahre hinsichtlichder Dauer der bischöflichen Amtsführung und den gleichenTodestag: 7. Juli, nebst dem nämlichen Sterbejahre 781auf. Zählen wir von diesem letztgenannten Jahre 36 Jahrerückwärts, so gelangen wir zu dem Jahre 745, in welchemnach schon oben berührter Eichstätter Tradition das Bis-thum sein Entstehen feierte. Herr S. hält nun aus denEinträgen des Bischofes Gundekar II. , gegen das Jahr1072 gemacht, folgende Daten als historisch fest: a) Willi-bald hat 36 Jahre lang den bischöflichen Stuhl in Eich-stätt eingenommen, 6) Willibald ist 77 Jahre alt geworden.Da nun nach der Voraussetzung des Herrn S. Willibaldam 20. Oktober 743 als Bischof von Eichstätt consccrirtworden ist, so fällt sein Tod auf den 7. Juli 779. Aber
*) Ueber die Bedeutung des ltureatum s. Past.-Vlcitt1871, 130.