Ausgabe 
(10.5.1894) 19
 
Einzelbild herunterladen

152

wir erlauben die Gegenfrage: Ist es vom Standpunkte derhistorischen Kritik aus erlaubt und gestattet, eine spätereNachricht, die weder den Schein der Unwahrheit, noch derUnmöglichkeit in sich schließt oder offen zur Schau trägt,so zu zerstückeln, daß man ein und das andere Satzgliedfür wahr hält, das andere aber, das vielleicht einer lieb-gewonnenen Meinung unbequem ist, als falsch erklärt?Da ein gleichzeitiger Bericht über Willibalds Tod nichtvorliegt, so gibt es nur die doppelte Möglichkeit: Ent-weder man nimmt den Eintrag Gundekars so wie er sichvorfindet, oder man verwirft denselben ganz und gar.Der Kern dieser schriftlich fixirten Tradition ist: Willi-bald starb am 7. Juli (Samstag) 781. Denn Snttner(Vitao pontil. in: ladnla. I-eoriroäianL

x. 1) erklärt im ersten Eintrag die Zeitangabe: seäitLirnos XXXVI als Nasura; ursprünglich habe ge-standen ruinös XXVII: also nicht 36, sondern 27 Jahrehabe Bischof Willibald regiert; ferner hält derselbe umEichstätts Diözesangeschichte hochverdiente Forscher dieZusätze, welche mit saciit beginnen, nicht von Gundekar II. herrührend, sondern glaubt sie dem Bischöfe Otto (1182bis 1195) zuweisen zu müssen, wo nicht ein spätererFortsctzer aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, Konradvon Kastei, besonders genannt ist. Daß man im Gunde-karianum immer äaLl^XXXI (781), nicht äaol-XXIX(779) gelesen habe, wie Herr S. vermuthet, dürfte außer-dem Mangel jeglicher nachweisbarer Rasur an dem nochvorhandenen Originale aus dem Zusätze Konrads vonKastei hervorgehen, welcher zu dem ersten Eintrage:Leckib rwnos 36. ^.n. ino. 781 Xon. llnl. oliiit:Willibald regierte 36 Jahre; er starb am 7. Juli 781hinzugefügt hat: Hnno ciaoXI-V im Jahre 745 wurdeWillibald Bischof; er zählte demnach die 36 Bischofs-jahre nicht von 743, sondern von 745 ab.

Wenn Herr S. ferner aus 7 Eintrügen im Pon-tifikalbuche Gundekars II. folgert, daß die Diözese Eich-stütt schon 743 geschaffen worden sei (N. 6-. VII, 246bis 247; Past.-Bl. 1862, 137), so wollen wir hierübermit ihm nicht rechten, nur dagegen legen wir Verwahrungein, daß Willibald erst im Oktober 743 zum Bischöfeconsccrirt worden sei; indessen die Erklärung Popps(1. o. S. 170), wornach der Ausdruck: anno amtmniaonstitutnonis ffujns apisaopii auf die Kathedral-kirche in Eichstätt zu beziehen sei, hat auch ihre Be-rechtigung.

Sehr ungerne vermißten wir in den chronologischenStudien des Herrn S. eine Auseinandersetzung mit denBollandisten (TVotrr 8s. llul. II, 491), mit Mabillon(I. o. IV, 354), mit Falckenstein (TVngleotz.

II, 424), Hauck (K.-G. II, 720), Holder-Egger (N. 0-.XV, 106 A. 4), welche den Tod des ersten Bischofesvon Eichstätt in das Jahr 786 verlegen, da er im Jahre785 noch urkundlich erscheine. (Vergl. Will, Negesten I, 44,Lullus II nr. 79, Dronke, aoä. äixl. kulä. irr. 85 S. 52).

Da wir uns nur das Ziel gesteckt hatten, diechronologischen Aufstellungen des Herrn S. über den hl.Willibald einer Besprechung zu unterziehen, so könnenwir über die Prüfung der hier einschlägigen Urkundenauf ihre Aechtheit hinweggehen, indem wir auf die Aus-führungen von Popp (1. o. 190195), von Lefflad,Negesten S. 2, und von Stamminger (Idrano. 8. I,480481) verweisen.

Als Endresultat aber glauben wir die drei Datengesichert zu haben: Der hl. Willibald wurde am 22. Juli

740 in Eichstätt zum Priester, am 21. oder 22. Oktober

741 in Sülzenbrücke durch den hl. Bonifatins zumBischöfe geweiht und starb am 7. Juli 781 einesseligen Todes.

Recensionen und Notizen.

Pros. vr. H. Karsten's Flora von Deutschland ,Deutsch-Oesterreich und der Schweiz . Mit Ein-schluß der fremdländischen medizinisch und technisch wich-tigen Pflanze», Droguen und deren chemisch-physiolog-ischen Eigenschaften. Zweite vermehrte und verbesserteAuflage. Ca. 85 Bogen in Lex.-8°, mit Abbildungen vonüber 1300 Pflanzcnarten in Holzschnitt. Gera -Untcrm-haus (Reuß). Verlag von Fr. Eugen Köhler. Vollständigin zwei Halbbäuvcn 5 10 M. oder in 20 Lieferungen»IM.Vollständig Ende 1894.«

DaSArchiv der Pharmacie« nenntKarstcns Flora"einWerk aus Meisterhänden hervorgegangen". DasCeNi-trat-Organ f. d. Interessen des NcalschnlwesenS" nennt dasBuchein Produkt deutscher Gelehrsamkeit und deutschen Fleißes",welches nicht nur dem Apotheker und dem Arzte, sondern auchallen Botanikern empfohlen zu werden vedicnt, und dieDeutsche mediciuische Wochenschrift:ES ist dies das für denArzt empfehlcnSwcrtheste aller botanischen Werke, da es ingedrängter Kürze alles für denselben Wissenswerthe aus denGebieten der Botanik und Drogucnkunde enthält."Die Na-tur":Gerne bekennen wir, daß es sich hier um ein Werkhandelt, welches nicht mit gewöhnlichem Maßstabe gemessenwerden kann. Zwar ist der Kern seines Inhaltes ein florist-ischer, allein der Verfasser faßt diese vaterländische Floristikim großen Stile an, wie eS seil langer Zeit in solcher Weisenicht mehr geschah. Wenn es sich auch zunächst um die deutscheFlora bandelt, so gebt der Zweck des Verfassers doch offenbardahin, jene Flora als einen Bestandtheil der Gcjammt-Vege-tation unseres Planeten zu fassen, sie mit den Formen derselbenin Verbindung, in Vergleich zu stellen. Daraus geht dannvon selbst hervor, was die deutsche Flora ist und nicht ist,welche Lücken sie ausfüllt oder an sich trägt. So erwirbt sichdiesedeutsche Flora" Karsten's von vornherein einen kosmischenCharakter, wie sich das auch von einem Manne erwarten ließ,der zwöls Jahre lang vom äußersten östlichen Küstengebirgc desäquatorialen Südamerika bis zu dessen Niesenhöhen botanisirendwanderte, um auf der Hochebene von Quito zu den beträchtlichenErhebungen des wunderbar gegliederten Festlandes emporzusteigen. Wer seine große »sklora, Oolnwbia-o» näher kennt, derweiß es auch, daß dieser Mann zu den fleißigsten, umsich-tigsten und kenntnißreichsten unserer heutigen Bo-taniker, sowohl im systematischen wie im morpholog-ischen und physiologischen Sinne, gehört. Selten nnrvcrcinigcn drei solche Eigenschaften sich in einem einzigen Beobach-ter, und das ist es auch, was ihn und sein Werk in die vorder-sten Reiben stellt." Allen Freunden der seisntia. annrbilis

ans's Wärmste zu empfehlen. Pros. vr. K.

Leitschuh (Fr.), Franz Ludwig von Ertheil, Fürstbischof vonBamberg und Würzburg , Herzog von Franken. EinCharakterbild nach den Quellen bearb. von. Bamberg ,Büchner. 1894. 8°. VIII, 256 S.

Das Buch, mit 10 Vollbildern versehen, hübsch ausge-stattet nach dem Muster derBayerischen Bibliothek", für welchees ursprünglich bestimmt war, erzählt uns in angenehmer Sprachevon einem Kirchcnfürsten aus der Verwandtschaft Echters vonMespelbrunn (177995), dessen Regierung nach dem ZeugnisseDöllingcrseine musterhafte, vom ganzen Lande gesegnete« war.Ich habe«, sagt derselbe Gewährsmann,in meiner Jugend mein Großvater stand selbst in seinen Diensten auch vonGreisen niit Begeisterung die Verwaltung des Landes preisenkören.« Wenn auch des Verfassers Urtheil gar zu panegyrischklingt:ein Melchisedck in der Abendsonne des untergehendendeutschen Reiches", so läßt sich doch nicht bestreiten, daß Ertheilsich als weltlicher Regent und auch als Kirchcnfürst ungcwöbn-liche Verdienste um sein Territorium erworben hat. In religiösenDingen huldigte er einer gemäßigten Aufklärung, in kirchenrecht-lichen dem Josephinismus, was sich besonders bei den Nuutiatur-streitigkcitcn 1785 ff. und derEmscr Punktation« zeigte. Beider Schilderung dieses letztgenannten Kapitels überschreitet derVerfasser verschiedentlich die sonst im Buche obwaltende Ob-jektivität des Urtheils und Ausdrucks.

Verautw. Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. - Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg .