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Mutterliebe.
In tiefer Nacht beb ich von Qual zerrissenUnd zähl den stumpfen Stundenschlag der Zeit;Und weinend wacht auf thränenfeuchten KissenMein dunkles Weh, Weh der Verlassenheit.
Verlassen, einsam in des Markts Getriebe,
In tiefste Brust der Sehnsucht Drang gebannt;Das wunde Herz lechzt ruhelos nack Liebe —Da streift mich tröstend eine milde Hand.
Und stiller wird des Herzens wildes Schlagen,Das Auge schliefst sich heiß und müde zu;
Und mit dein Schlummerlied aus alten TagenBringt mich das todte Mütterlein zur Ruh.
Guter Geist.
Wiudgcbläht ein Segel flaggt und fliehtIn deS Abends goldneS Thor,
Anf der Welleuspur ein Leuchten ziehtUnd versprüht im Dämmerflor.
Guter Geist hat frohen WandermuthUnd die golduc Ferne winkt,
Und ein Leuchten ist es rein und gut,
DaS auf seinen Spuren blinkt.
Mag verblassen mählich auch der Schein,Dämmer über dunkler Tiefe steh'n:
Leuchtend läßt hicnicdcn sich und reinFern zum Ziel die Straße geh'n."
Eine k'orruu udsolutionis a Löuvismo.
Jaussen hat schon früher in einem kleinen Schriftchen:„Aus dem deutschen Univcrsitätslcbcu des sechzehnten Jahr-hunderts", ein „allgemein verrufenes „akademisches Unge-heuer"", den Pennalismns, kurz berührt. In dem neuesterschienenen VII. Band seiner deutschen Geschichte findetsich nun noch Eingehenderes über diesen Unfug, wie be-sonders über die Dcposition der Füchse (Lsani).
„Wer eine deutsche Hochschule bezog, hieß Lsauus,Gelbschnabel (bss-Murs) oder Fuchs, und wurde ange-sehen wie „ein Thier des Feldes, dem zur gebührlichenVorbereitung für die öffentlichen Vorlesungen die Hörnerabgenommen werden" mußten. Man hing ihm eineOchscnhaut mit Hörnern über den Kopf und steckte ihmeinen Eberzahn in den Mund, letzterer wurde dann unterallerlei „Ceremonien " ausgebrochen, die Hörner abgesägtund darauf der Beanus, um ihn „von seinen groben,bäuerischen Sitten zu befreien", an verschiedenen Theilendes Körpers mit Kamm, Säge, Hammer und Zange, auchmit richtigen „Ohrfüchfen" bearbeitet. Nach solchenCeremonien führte der Beanus den Namen Pennal, vonxsuuats, Fedrrbüchse.
„Diese ,Dcposition' war ursprünglich ernsthaft ge-meint, in akademischen Gesetzen anerkannt, sogar anbe-fohlen, und geschah im Beisein und unter MitwirkungdeS Dekans der philosophischen Fakultät." Im Laufedes 10. Jahrhunderts artete aber dieselbe vielfach aus.Im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus der soge-nannte Pcnnalismus.
Es waren nämlich die Dürfen abgeschafft worden,und die Neuankommenden wurden „zur Beaufsichtigung"älteren Studenten, besonders Landslenten, zugetheilt, unddiese fingen bald an, eine unerträgliche Herrschaft über dieihnen Empfohlenen auszuüben. Sie hießen „Schönsten",„weil sie den jungen Studenten die Haare abschoren unddiese auch sonst wacker schoren". Jeder Ankömmling,„FuSs ", mußte als Famulus seinen Leibburschen, seinen„Herrn" oder „Patron", bei Tische bedienen, ihm Kleiderund Schuhe reinigen, seine eigenen besseren Kleider ab-liefern, während er selbst nur in schmutzigem und zer-lumptem Gewände und in Pantoffeln sich blicken lassen
durfte. Kurz, sie mußten sich zu allen Möglichen Dienst-leistungen und Plackereien hergeben. „Nach Ablauf desDienstjahres mußte der Fuchs bei den einzelnen Mit-gliedern der Landsmannschaft sich die „Absolution" er-erbitten und erhielt dieselbe auf einem von ihm herzu-richtenden „Pcunalschmaus" „im Namen der heiligenDreieinigkeit": das Haar wurde ihm abgebrannt, erwar Brandfuchs und konnte nunmehr anfangen, anAnderen zu vergelten, was er selbst erduldet hatte."
Diese Pennalschmäuse wurden zum schlimmstenUnfug, und selbst Professoren zogen ihre Vortheiledaraus.*)
Die strenge Disciplin der Jesuiten an den vonihnen geleiteten Schulen machte derartigen groben Unfugunmöglich. Gleichwohl traten sie den studentischen Ge-pflogenheiten nicht rigoros entgegen, sondern suchten auchdiese, soweit es anging, in die rechten Bahnen zu leiten.Und so wurde auch die Dcposition beibehalten, wennauch in milder Form.
In demOirsotoriuiu ^snäeraisuiu uovmrr (1691)2)der Universität Dillingen sind unter den Taxen, wie sieschon am 4. Mai 1036 im akademischen Rathe ausge-macht und vom Provinzial k. Walter Mundbrot be-stätigt wurden, folgende für die Dcposition ausgesetzt:
Dro clepositione
Loaäemias
Depositor!
Leäetto
Oowitis:
1 st.
1 si-
1 st-
Hobilis:
30 Kr.
15 Kr.
15 Kr.
vivitis -
12 Kr.
12 Kr.
12 Kr.
Danperis:
0
6 Kr.
6 Kr.
Und Cap. V3) enthält eine höchst merkwürdigeFormel in deutscher und lateinischer Sprache.
Die ersteres lautet:
„Wohlan ihr Dsuni, ehe ihr jezundt von eurerBachantercy erlediget werdet, müsset ihr 4 Sachen an-geloben. Erstlich, daß ihr aämoäuw. Ilovsronclo rrolULAniüco ?. Ilaotori und euren fürgesetzten ikro-lö88oril)U8 wöllet gehorsam sein. Zum anderen, daßihr allen den Jenigen, welchen es gebührt, alle Ehr undrsvsrsrm erweisen wöllet, damit man könne abnehmen,daß ihr Studenten seyet. Für das dritte, daß ihr euchnit wöllet rächen an den Jenigen, welche euch äsxouisrthaben. Letzlich und zum vierten, daß ihr euch nitmehr wöllet äsponisrorr lassen, es sehe gleich hie oderanderstwo: sondern euch hüten, daß ihr durch böseSitten nit verdient, wiederumb unter das BcanenBiech°) gezählt zu werden."
Imtins, lorurnln:
l?r1u8«inam vo8 Lsaur vsstro Lenuisiuo lists-rsrrrini, 4 ssgusirtin vovsrs äolrstm.
1° Huoä aäiri. IlsvZ" st ?. üsstori,
st xruoxositis vobis I?raeLöxtoriI>u8 oflecliis vslitig.
<inoc1 omniUrm, c^usur äsost Uouorour uo rsvs-rsntinra sxliibiturl sitm, ut ownilnis Lärmtet vosL88S 8tnäio803. 3° Huoä V08 rmllo rnoäo äs Ü8,gut vos äspcmnsrunt, vslitis uloissi 4*° st xostrsaro,Huoä lruus äspomtioirm astura, usgus Iris Oilinga,,us^us alidi äsnuo subirs velitis; ssä o^srnm äars,
*) Verql. Jansscn, Gcsch. d. d. Volkes. Freiburg 1893.VII. S. 206 si.
Dors Vita. Vorlas Instrnvtioueg. 6ap. I.
Z Ibiü eap. V. Dorwa absolutionis a Leanismo,
H rtü mor§: Leruuura tormnls, pro iis, gul Datluamuoeclnm ioteltigunt.
") Vergl. Jansscn. VII. S. 206. Anm. 2: Rsamrs DstiL.niinaI iKesoisus Vitaw Ktntliosornm (nach v. Räumer).