Ausgabe 
(21.6.1894) 25
 
Einzelbild herunterladen

195

sendete fernen Leibarzt Dr. Mcermmm Zum Kranken, der-berm mich das körperliche Leiden ziemlich hob, die Heiterkeitdes Geistes und Gemüthes kehrte aber nie mehr ganz zurück;hierüber schrieb die Frau des Meisters:er ist nie mehr,wie vor, recht fröhlich, war alzeit still und viel von seinenTod geredt." Mit dein genannten Arzt war Orlandolauge Zeit befreundet und er zeigte seine Liebs zu ihmdurch eure Widmung, die er im Jahre 1587 auf seinWerk:LIaäri§a.1i a, gunttrv, oiuHuo 6 sei vosivuovowsnts soinxosti" schrieb:8swpro anäai psn-Lnnäo eoms potesss lärs aac^uistarirri la, Krutiasurr" rc. Der Herzog nahm den innigsten Antheil ander Schwermnth Orlando's, beließ ihm seine bisherigejährliche Besoldung von achthundert Gulden und sorgteauf das beste für seine beiden Söhne Ferdinand undRudolf. Der Meister aber, schwermüthig, wie er war,gab bald um Entlassung aus seiner Stellung ein, baldum Fortbcziehnng seiner Besoldung, so daß seine Fraustets vermittelte zwischen ihm und dem Herzog und u. a.an letzteren schrieb:Seine Durchlaucht wolle der Familiedoch dießmal seines seltsamen Kopfes, der ja nur durchseine Kunst und grosse Arbeit in so viel Phantaseyknmmen, uit lassen entgelten; denn es wär sein Todgewest, wann er uit dienen könnte."

Im Jahre 1593 fordert ein HcnricuS Göüing ineinem Gedichte auf, für den schwer kranken Orlandozu beten:

Lost piücn für den alten Man,

Gr woll uns den noch langer lau,

Damit er Gott und nnS zugleichZu mchrerm Nutz und Frommen g'reich."

Doch Orlando sollte nicht mehr lange leben, er fühltesich im Frühjahr 1594 dem Tode nahe. Dennoch gaber noch eine Sammlung scchsstimmiger Gesänge herausund widmete sie dem Bischof von Augsburg , und am24. Mai genannten Jahres componirte er seinen Schwanen-gesangImerz'nuntz äs 8. Iststro", gewidmet dem hl.Bater Clemens VIII . Er schrieb in der Dedikation:yOou o§ui rivorenW mnA^iors u V. 8stn. inanäos äsäiso ,.ls la§rims äi 8. Bistro" rims coruposisuo tempo tu äal 8i^uor Iniig'i Dnusillo, s äa, msxor Urin xariieolai-s äsvostions in cjnssta. in in. Irormni^ravi etü vsstits äi ariuoniu" zc. Ja in einemsehrbeschwerlichen Alter" snng er sein Abschicdslicd, dannsorgte er noch speciell für das Heil seiner unsterblichenSeele, stiftete in der Kirche Gcising einen ewigen Jahr-tag mit zwei heiligen Messen nebst einer ewigen Nrmen-fpendc und übergab am 14. Juni 1594 seinem Schöpfer,Herrn und Richter seine unsterbliche Seele.

Ueber die Begrübnißfeier ist nichts überliefert, dochist sicher anzunehmen, daß dieselbeder Perle der Ka-pelle" des Herzogs, der ihn so hoch schätzte, würdig war.Orlando ist begraben auf dem Gottesacker des Franzis-kanerklostcrs, allwo dessen Frau ihm ein herrliches Grab-denkmal setzen ließ. Dasselbe besteht aus zwei Theilen;in der Mitte des oberen Theiles ist die Grablegung Christiangebracht, rechts im Hintergrund Jerusalem und linksder Caloarienberg. Zu beiden Seilen des Bas-Reliefliest man nachfolgende Inschrift, gedichtet von SebastianBaur aus Haidenheim:

Orlonäi cinevos, eben! moäo änlos logneniesdiüiio mutos, dien! üellltis nrna gromit,

1>assLo snnt. Lsnllo Llmritos tu» knnerg, lmsso,Drincipipus irniltum, ctioroquo Ooesarivus.

Ldgiea guem teiln» ^enitrix äeäit inAeniormo,InZoinorum altrlx Loja. stovit luimus.

ttorporis eruvms soclow googns Doja tsxit,

Dost Instro. ae üiomes sena bis aeta üuas.

Itodois, ssxo, keras, Orpüons, at Illo Orxüoa teaxit,

llarmonioeguL äncos povenlit üarmonia.

l^une guia complevit totnm oonoentibns orbom,

Victor onm su^cris cortat axoll sogeros."

In der Mitte des untern Theils lind kuieendeFrauen angebracht nebst den Wappen des Meisters undseiner Frau. Ein Unbekannter hat das Wappen zumAndenken an den großen Meister in Kupfer stechen lassenund mit nachstehenden Versen begleitet:

Oäanili Dass! gmcongno insigma icoms,

Liste xarmn; vigüi sinxula msnto nota.

Ilt so: illnstrat totnm xulcüerrimus ordom,

Orlanänm mnnäi sie guosgoo canit.

Horculeo esünnt animantia onncta Iconi,

Deält ct Oelanäo mnsiea tnrba Invsns.

Lrux monstrat votoris tiöi rctigioills aulleumLaotora tn tanto zioetore volvo, lieet."

Das wunderschöne Denkmal blieb auf angeführtemGottesacker stehen bis znm Jahre 1802, kam dann nachAufhebung des Klosters in den Privaibesitz des Hof-schauspielers Heigcl, später in die Akademie der bildendenKünste, dann an das Germanische Museum nach Nürnberg ,und endlich fand es seine Ausstellung in den: Natioual-mnseum in München . Seine treue Lebensbeglciterin starbeinige Jahre nach Orlando, am 5. Juni 1600, und wurdeneben letzterem begraben. Ihr Denkmal trägt die In-schrift:stlnnv Oowini 1600 den 5. Juni starb dieEdl nnd tugendhaftste Frau Regina di Lassin: WeilandOrlando de Lasso Jhro Durch!, in Bayern gewessienObristen-Capelmcisters nachgelassene Wittib, deren undallen Christglanbigen Seelen Gott gnädig und barm-herzig sein wolle. Auren."

Orlando ist todt, todt seit 400 Jahren, todt demKörper nach, aber sein Geist lebt fort, so lang fort, alses eine Musik und einen Gesang gibt, und seine Mo-tetten nnd Psalmen, sie erzählen von dem großen Geniennd der großen Seele, die so Edles und Hervorragendesgeschaffen.

Fassen wir nun seine Werke zusammen nach derQuantität, und jeder muß erkennen, Orlando war einerder ergiebigsten Meister aus dem Gebiete der Musik unddes Gesanges, der je gelebt. Nicht im einzelnen wollenwir sie aufführen, es genügt sicher die Bemerkung: Orlandohat im Ganzen 2337 Musikstück; componirt, nämlich 1572geistliche nnd 765 weltliche. Ein großer Theil dieserSchöpfungen liegt in Mauuscript, Copie nnd Druck inder königlichen Bibliothek zn München aufbewahrt; einenebenfalls reichen Schatz birgt die k. k. Hosbibliothekin Wien .

Es sieht unbestreitbar fest, daß Orlando di Lasso zu den größten Männern seiner Zeit zählte, und daß erdurch seine Werke sich einen unsterblichen Namen ge-schaffen hat. Was Palestrina im Süden, war Orlandofür den Norden. Er wurde derFürst der Künstler"genannt, und die zn seinem Lobe gedichteten Verse:

Ilic ills ost Dossos Isssmri gell rocroat orbewDiseoräomgoo sem coxotot bonnoillco,"

sind nahezu Zum Sprichwort geworden.

In Orlando war die Herrlichkeit der germanischenund römischen Kunst seiner Zeit in einer großen Er-scheinung vereinigt, so daß Proske mit Recht sagt:Or-lando war ein universeller Geist. Keiner seiner Zeit-genossen besaß eine solche Klarheit des Willens, übte einesolche Herrschaft über alle Intentionen der Kunst, so daßer stets mit sicherer Hand erfaßte, was er für seine Ton»