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gebilde bedurfte. Bon dem kontemplativen der Kirchebis zum heitersten Wechsel profaner Gesaugsweise fehlteihm nie Zeit, Stimmung und Erfolg. Groß im Lyrischen und Epischen, würde er am größten im Dramatischengeworden sein, wenn seine Zeit schon diese Musikgattnngbesessen hatte." Das Konversationslexikon von Mendcl-Ncißmann bemerkt: „Er adelte die strengere und kältereWeise der Niederländer durch die den italienischen Meisternbereits eigene ästhetische Schönheit und Anmuth und halsso mächtig zur Vollendung des figurirten Contrapunkts.Doch ließ ihn sein Leben auf Reisen, immerfort fürKirche und Welt Zugleich beschäftigt, hinter jener uner-bittlichen kirchlichen Strenge zurückbleiben, wie sie dergroße Meister des Südens, Palestrina , am Mittelpunktder Kirche gleichzeitig entfaltete. Will man in dieserBeziehung die wahre Größe Orlando's kennen lernen, somuß mau sein von jeher angestauntes Meisterwerk, dieBnßpsalmcu, studieren und dessen mächtige Harmonien,großartigen, ausdrucksvollen Stil voll Salbung und re-ligiöser Schönheiten auf sich einwirken lassen, mit demer Palestrina zu erreichen scheint."
Nur Ein ungünstiges Urtheil konnten wir findenüber unsern Meister, dasjenige Bnini's nämlich, das alsolautet: „Orlandus Lassns, ein Niederländer von Geburtund von Stil, ohne schöne Gedanken, ohne Leben undGeist, ein Mann, der mit einigen achtstimmigen Messenund Motetten in einfachem Stile das übertriebene Lob:Imssug, hui rooroat ordöin, sich erobert hat." Sicherist aus diesen Worten des sonst so gelehrten Baini zuentziffern, daß er die Werke Orlando's ganz und garnicht genügend gekannt hat.
Auch die Jctztwclt erkennt die Größe Orlando's an;bereits sind viele Nachrichten gekommen, daß seine Werkeauf's neue mit denen Palestrina's aufgeführt werden,noch mehr Nachrichten werden sicher dießbezüglich kommenauf sein Jubiläum; er verdient, daß seine Werke hervor-gesucht, aufgeführt und bleibend werden. Orlando konnteam Ende seines Lebens mit dem Dichter Horaz sagen:
„btregi monumentuin asro poronnius,
Ilogaliglls sltu xz-ramülllin llltius:tjuoä nvll linder eäar, non llguito impotoiwUosstt äiruero, ant irmumoradilisllrmorum seriös, ot Inga iemporuw."
Wir aber schließen mit den Worten des gleichenDichters und winden dem Meister zu seinem Jubiläumeinen Kranz aus Dankbarkeit, einen Kranz zu seiner Ehre:
„suwll Sllpordiam
l)uaesitam meriits ot ltdi Oelpdica1-auro eilige volens, ületpomeus, couuuu!
Die Könige von Preußen und die Fürsten vonHohenzvllerrl sind Abenberg -Zollmr, nichtZvllerrr-Abenberg.
(Schluß.)
Wir gehen sofort auf die kontroverse Abcu-berg-Zolleru und Zollern-Abcnberg über, umdurch Vorführung einiger Hauptgründe, welche einerseitsfür die direkte männliche Abkunft der Burggrafen vonNürnberg zweiter Dynastie von den Grafen von Aben-berg sprechen und anderseits für die Zöllen: ins Treffengeführt zu werden pflegen, eine sichere Grundlage für einobjectives Endurtheil zu gewinnen. Die Streitfrage liegtja gegenwärtig ziemlich einfach und offen vor aller Augen.Die Vertheidiger der abeubergischcn Abkunft der Burg-grafen von Nürnberg im MannSstamme suchen zu be-
weisen, daß die Gräfin Sophie in die Tochter
des Grafen Konrad, entweder mit Konrad junior, Grafenvon Abeuberg aus der Wolfram'schen Linie, oder mitKonrad, dem Sohne Napoto's aus der Linie Otto's I.,vermahlt gewesen und dem Geschlechte der Abeuberg dieBurggrafschaft Nürnberg und die österreichische GrafschaftNagoz zugebracht habe; auf der andern Seite behauptendie Vertheidiger der Zoller'schen Abkunft der Burggrafenvon Nürnberg , die Erbburggrafin Sophie in Kag-ss seidie Gemahlin Friedrichs III. , Grafen von Zollern, ge-wesen und habe demselben nicht bloß die Nagze'schenGüter in Oesterreich , sondern auch die von ihrer MutterHildegard, einer Gräfin Abeuberg, ererbten abenbergischcnBesitzungen in die Ehe ein- bezw. zugebracht.
Merkwürdigerweise berufen sich beide Parteien aufeine und dieselbe Ueberlieferung aus dem KlosterZweit! in Niederösterrcich, welche 1204 die dortigenCisterzienser zum ewigen Gedächtnisse angefertigtund in ihrem liloor kunäLtionurn (der sogenannten Bären-haut) unter Abt Ebro 1273 aufgenommen haben"). Ichhabe aber in der Beilage der Augsb. Postzeiiung 1881Nr. 70 Seite 2 längst darauf aufmerksam gemacht, daßdie Notiz oder die durch viele Zeugen beglaubigte ZwettlerAusschreibung ohne Sicgelabdruck ursprünglich sichallerdings in der Bärenhaut (so genannt von dem Ein-bande) befunden habe, daß aber diese alte Tradition oderUeberlieferung in die neuere Abschrifteusammlung unterAbt Otto I. erst am Anfange des 14. Jahrhundertsherübergenommen und dem neuen Kopial buche ein-verleibt wurde.
Da nun das Original der unsicgelmäßigcn Aus-schreibung, Ueberlieferung oder des Protokolls, wieDr. Schund die angebliche Urkunde neuerlich genannthat, verloren gegangen und nicht mehr vorhanden ist,so läßt sich mit Bestimmtheit nicht mehr nachweisen, obder Eintrag unter Abt Ebro 1273 dem Wortlaute derursprünglichen Ausschreibung aus dem Jahre 1204 genauund vollständig entsprochen hat bezw. ob der jetzige Ein-trag in das Kopicnbuch des Abtes Otto I. im Anfangedes 14. Jahrhunderts mit dem Originale und demEintrage von 1273 aufs genaueste überein-stimmt.")
Wir haben nun gegen die Schenkung der GräfinSophie in Nagze an das Kloster Zwcttl im Jahre 12 0 4im Allgemeinen nicht viel einzuwenden, nur die WortenOoruitis Ist'iäorioi" nach rouriti sui müssen wir auchheute noch wie im Jahre 1869 aus den dort angegebenenGründen") für eine Interpolation späterer Zeiten, fürunecht und unterschoben erklären. Der dem Originalefremde Zusatz ^oouritis IHäeriai« mag bei der An-fertigung der Stiftungsbücher des Klosters Zwettl im13. Jahrhundert unter Abt Ebro (1273) oder unterAbt Otto im 14. Jahrhundert von einem der Kopistenerst hinzugefügt oder aus einer Randglosse in den Textaufgenommen worden sein; ursprünglich d. h. im Texte
") Einige Abdrücke der fraglichen Ueberlieferung habe ichin den Grafen von Abcnberg 1869 S. 105 namhaft gemacht;auf andere hat Meyer in den Burggrafen S. 73 hingewiesen.
^) Einige nicht unwesentliche Verschiedenheiten im TextebcS Zwettler KopialbuchcS bezüglich der fraglichen Aufzeichnungund des Einganges dazu habe ich schon 1881 Nr. 70 der Beil.z. AugSb. Postztg. besprochen.
") Grafen v. Abeuberg S. 45. Die hohenlohische Abkunftder ersten Burggrafen von Nürnberg verzeihen wir dein HerrnOctter. Wenn derselbe aber in der Zwettler Aufzeich-nung für Nürnberg Rum bürg lesen wollte, so wurde erdcßsalls von Archivar Spieß schon zurechtgewiesen.