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der alten, nicht sicgeluiäßigen Ueberlieferung konnten dieseWorte schon deßwegen nicht stehen, weil sie mit derheimischen Ueberlieferung aus Kloster Heilsbronn undmit den Thatsachen, welche 1204 die Zwcttler Cisterzienserzum einigen Gedächtnisse constatirt haben, im grellstenWidersprüche stehen.
Die Bruder von Zwetil sagen in ihrer Aufzeichnung,„daß die Gräfin in Ragze lange nach dem Ableben ihresGemahls (des Grafen Friedrich) einen Weinberg inLentacher um 34 Mark Silber erworben und zweiHubcr in der Villa Nadel, welche sie, um Werke derBarmherzigkeit zu üben und Almosen zu spenden, sichdamals vorbehalten, als sie ihren Söhnen die Nachfolgeund das Erbe in ihr Vatergut eingeräumt hatte, — Gottund dsatas Llarias und den ihnen dienenden Brudernin Zweit! unter Vorbehalt der Nutznießung zur Be-nützung") frei und aus eigener Machtvollkommen-heit übergeben habe."
Nehmen wir nun an, daß der Weinberg zu Leutaker(nach freundlicher Mittheilung des Herrn ProfessorsLeopold Jananschek vom 12. Mai 1877 heutzutageDorf Leodagger mit trefflichem Wein bei Pulkau , nichtweit von Nütz, in Niederösterrcich) 6—8 Jahre nach demTode des Burggrafen Konrad I. von Abenberg-Rakoz"),sohin im Jahre 1198/99, von der verwittweten Burg-gräfin Sophie cx xropriig erworben wurde und dieUebergabe ihres Vaterguts an ihre SöhneFriedrich und Konrad ungefähr um dieselbeZeit stattgefunden hat, die Güter in der VillaNoedcl (nach Jananschek auch Nadel, Nadelcins beiNeunzen, etwa 3 Stunden vom Stifte Zwcttl entfernt)mithin ebenfalls 1198/99 von der Gräfin aus demVatergute zu wohlthätigen Zwecken rescrvirt worden sind,und erwägen wir, daß nach dem trefflichen I. Wcndrinsky,k. k. Bibliotheksbeamien in Graz, ") der Burggraf vonNürnberg und seine Mutter die Grafcschaft zu Nageth(Ra^s) und den Marcht und daz darzne gehört um 2000march silberS an Herzog Leopold den Glorreichen (1198bis 1230) zwischen den Jahren 12 00 und 1203 ver-kauft haben, so begreift man recht wohl, daß die Brüderin Zwcttl den Besitz, welchen sie der Gräfin Sophie vonNageths (Ila§ 26 ) verdankten, durch die Aufzeichnung von1204 gegen die allenfallsigen Ansprüche insbesondere desHerzogs Leopold von Oesterreich sicher stellten.
Die verwittwcte Burggräsin Sophie in 1Ia^2s hatte2 Söhne, Friedrich I. und Konrad II. , Doppelnamen,welche sich bei den Burggrafen von Nürnberg im 13.Jahrhundert noch zweimal wiederholten (Konrad III. undFriedrich II. mit dem Löwen, dann Friedrich III. undKonrad IV. der Fromme). Der ältere Sohn Friedrich war dem Vater Konrad I. von Abeuberg-Nagze?") schon1192 in das kaiserliche Burggrafenlehcn zu Nürnberg succedirt und erscheint als Burggraf zwischen 1192 und1200 häufig neben dem uahever wandten GrafenFriedrich II. von Abenber g. In Folge der Neber-
"1 In der Beilage der Augsb. Posiztg. 1631 Nr. 71 S. 2ist statt Mich brauch Nießbrauch zu lesen.
") Schon 1881 schrieb ich (I. e.): „Sophie von Nagze warnicht die Gemahlin Friedrichs I. (ch 1218), sondern Konrads I. (nicht V.!), Burggrafen von Nürnberg , welcher 1191 starb undzwei Söhne, Friedrich 1. u. Konrad jun>, Grase» von Aben-bcrg, bintcrlassen hat.
-°) Die Grafen von NaavS. Wien 1879, S. 103.
2 °) >0nuruäu8 grotoetrig äs raksoo« konnte in derUrkunde vom 25. Mai 1190 nur der Erbe des letzten Grafenvon Nakece, nicht dieser selbst, der wahrscheinlich schon vor1175 starb, genannt werden.
gäbe des mütterlichen Erbes um die Wende des 12. Jahr-hunderts hatte zwischen den Brudern eine Allodialgüter-abtheilung wahrscheinlich in der Weise stattgefunden, daßder altere Bruder Friedrich die Grafschaft Nakets inOesterreich , der jüngere Konrad dagegen die damalsdurch den Tod Friedrichs II. eröffnete und heimgefallcneGrafschaft Abeuberg zurückerhielt und mit dem Antheile,welcher der älteren Linie verblieben war, wieder ver-einigte. Daher ist es wohl gekommen, doß der Verkaufder Grafschaft Nagets in Oesterreich nur von einem Burg-grafen und seiner Mutter bethätigt worden ist.
Sophie, Gräfin von Nagze, wird noch vor demJahre 1204 gestorben sein, da die Zwcttler Aufzeich-nung aus diesem Jahre ihr Ableben vorauszusetzen scheint,weil die Rechte und Ansprüche des Klosters durch Zeugenund Mittelspersonen zu sichern nicht nöthig gewesen wäre,wenn Sophie noch gelebt hätte. Sie dürfte auch mitdem vicecowcg Konrad (Grafen von Abeuberg) schonca. 1165/70 vermählt worden sein und hatte demnach,vorausgesetzt, daß sie damals 20 Jahre alt war, bereitsein Alter von über 60 Jahren erreicht. Wo sie beigesetztworden, ist noch nicht genau ermittelt,^) die Vermuthungspricht für das Erbbegräbnis; zu 8. Aegydien in Nürnberg .
Zwischen 1191 und 1218 ist kein Burggraf vonNürnberg gestorben, wir wenigstens haben einen Beweishiefür nirgends auffinden und entdecken können. DieAufzeichnung des Klosters Zwettl aus dem Jahre 1204bestätigt bei Hinwegnahme des interpolirten GrafenFriedrich nur so viel, daß die Gemahlin des 1191/92verlebten Burggrafen (Konrad) von Nürnberg eben dieGräfin Sophie in Nagze gewesen. Würde Sophie mitdem Grafen Friedrich schlechtweg vermählt gewesensein und wäre dieser Graf Friedrich III. von Zollcrngewesen und würde derselbe im Jahre 1200 oder 1201mit Tod abgegangen sein, wie von den Hohenzollern -forschern behauptet wird, dann käme der Inhalt derZwcttler Aufzeichnung mit sich selbst in grellen Wider-spruch. Will man die Aufzeichnung gelten lassen, somuß man die an und für sich höchst verdächtigen Worte„cowttm Iriüerici" daraus wieder entfernen.
Nach der heimischen Ueberlieferung aus dem Haus-kloster der Grafen von Abeuberg und Burggrafen vonNürnberg ist Burggraf Friedrich I. im Jahre 1218 ge-storben?") Diese heimische Tradition ist zwar im Hin-blick auf die Zwcttler Aufschreibung beanstandet undheftig angegriffen worden, allein dieselbe findet in einerurkundlichen Nachricht von 1219 ihre volle Bestätigung.In einem Kaufsinstrumente Erzbischof Eberhards vonSalzburg und des AbteS von Niederaltaich tritt nämlichnach Eberhard corncs clo Oornffcrclr „Oüunraäns c^uon-clain xurcrnvirm" als Zeuge auf und bestärkt durch denZusatz „weiland Burggraf" implicite, daß sein ältererBruder Friedrich zuvor d. h. 1218 gestorben ist unddemselben seine Söhne Konrad III. und Friedrich II. dauials im Burggrafenlehcn bereits succedirtcn.^)
Im Jahre 1881 habe ich meine Annahme, baßFriedrich I. der jüngere und Konrad II. der ältereBurggraf sei, dahin berichtigt, daß sich die Sache um-gekehrt verhalten habe, und die Vermuthung ausge-sprochen, Sophie von Ernst brunn sei Friedrichs I .
°>) In den Graten von Abeuberg 1869 S. 55 habe ichden dort mitgetheilten Necrclogs-Eiutrag aus Kloster Heilsbrcnnauf Sophie von Nagze bezogen. Statt'Frcitag (o) ist Donners-tag (o) zu berichtigen.
--) Beilage zur Slugsb. Postztg. 1681 Nr. 71 S. 2.
2 °) Llon. Lote. XI, 138.