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13. Okt. 1828 (gedruckt in der Biographie A. v. Feuer-bachs, welche Ludwig Feuerbach, Leipzig 1852, veröffent-lichte, Bd. II, 272 f. u. 278 f.), ferner sein Schreibenan die verwittwete Königin Karoline von Bayern vom27. Januar 1832 und das ihr überreichte Memorandumüber Kaspar Häuser (gedruckt ebenda 316 f. u. 319 f.).
11) Dr. Ludwig Feuerbach , Sohn des Vorgenannten,bekannt als Philosoph; siehe dessen Aufzeichnungen ausden Monaten Juli und August 1828 bei D. 124 f.
12) Der k. Kreis- und Stadtgerichtsrathsaccessist inNürnberg Rudolf Giehrl, Mitglied der wegen Mord-versuchs an Kaspar Häuser am 17. Okt. 1829 einge-setzten Untersuchungscommission; siehe dessen Schrift:„Kaspar Häuser, der ehrliche Findling", Nürnberg 1830.
13) Pfarrer H. Fuhrmann an der Gumbertuskirche in Ansbach ertheilte Kaspar Häuser von Oktober 1832bis Mai 1833 Confirmandenunterricht; siehe dessen Berichtüber Kaspar Hausers Confirmationsfeier am 20. Mai 1833,ferner dessen „Trauerrede bei der am 20. Dez. 1833 er-folgten Beerdigung des am 14. dess. Monats meuchlingsermordeten Kaspar Häuser", beide gedruckt zu Ansbach 1833; „Kaspar Häuser beobachtet und dargestellt in derletzten Zeit seines Lebens", Ansbach t834.
14) Generalcommissär (Regierung? - Präsident) vonStichaner in Ansbach , mit dessen Tochter Lila vonStichaner Kaspar Häuser viel verkehrte, wie er ja über-haupt in der vornehmeren Gesellschaft von Ansbach ,namentlich bei den Damen und in Offizierskreisen, be-liebt war. Präsident v. Stichaner ist der Verfasser derbekannte Inschriften auf dem Grabmal des Kaspar Häuserund auf dem Denkmal im Hofgarten. Gleich günstig,wie er, urtheilte über Kaspar Häuser Hofrath Hofmannin Ansbach , der nach dem Tode des Präsidenten Feuerbachdie Oberaufsicht über Kaspar Häuser übertragen erhielt;siehe dessen Briefe an Staatsrath L. v. Klüber, D. 457 f.,L. I, 292 f., 368 A. 1 u. a. m.
Was bedeutet solchen Zeugen gegenüber die Kritikeines Berliner Polizeiraths Merker, der Kaspar Häusernie gesehen, sondern seine ganze Kenntniß von ihm ausfremden Berichten geschöpft hatte, ihn aber nichtsdesto-weniger zu einem Betrüger stempeln wollte (siehe seineSchrift: Kaspar Häuser nicht unwahrscheinlich ein Be-trüger. Berlin 1830). Mit Fug und Recht konnte R.Giehrl (s. oben Nr. 12) entgegnen (S. 44): „HätteHerr Merker den Unglücklichen auch nur ein Einzigesmalgesehen oder gesprochen, der Herr Polizeirath hätte seinejüngste Broschüre gewiß nicht geschrieben."*) Dennochwar es gerade diese Schrift, welche die nun folgendenZeugen gegen Kaspar Häuser einnahm.
(Fortsetzung folgt.)
Die Todeslinmeldungen.
Ein Streifzug in das „Nachtgebiet der Natur".Von k. F.. 0. 8. §r.
(Fortsetzung.)
Um solche, höchst glaubwürdige Berichte in ihremWerthe zu schwächen, wenden die Nachbeter des modernenStoffglaubenS ein: „Schon oft ward von wunderbarenVorkommnissen berichtet, welche sich nachher als Produkteeiner überreizten Nerventhätigkeit darstellten. Es werdenalso wohl auch die besprochenen „Spukgeschichten" auf
*) Zu schweigen von dem Kopenhagener Philosophie-professor Fr. Daniel Eschricht, der in ihm gar einen „Idioten"entdeckte (1657).
unregelmäßige Zustände des Nervensystems zurückzuführensein." Wahr ist hier allerdings, daß es gestörte Nerven-zustände geben kann, in welchen der Mensch rein innerePhantasie-Gebilde wie äußerlich vor sich gehende erblickt,d. h. überhaupt mit den Sinnen wahrzunehmen glaubt.Infolge allzu angestrengter Thätigkeit der Nerven erlangendie gewöhnlichen Vorstellungen der Seele einen höherenGrad der Lebhaftigkeit, so daß der Mensch schließlichäußerlich zu sehen und zu hören vermeint, was sich ledig-lich in seinem Innern abspiegelte. Als ein treffendesBeispiel mag hier der Reformator Dr. Martin Luther gelten. Schon nach wenigen Jahren, seit Luther be-gonnen hatte, „das lautere Evangelium" zu predigen,tauchten in seinem Innern der Zweifel, Beängstigungenund Gewissensvorwürfc viele auf. Des Reformatorsleidenschaftlich erregte Nerventätigkeit ließ ihm diese reininneren Vorgänge äußerlich als Angriffe des leibhaftigenSatan erscheinen. So wissen wir, daß Luther auf derWartburg den bösen Geist der Hölle oft in Gestalt einesMenschen kommen sah und dann mit ihm disputirte;einmal soll er ja sogar in der Erregung das Tintenfaßnach dem Widersacher geschleudert haben. „Mit mir ist'salso, bekennt der Reformator selbst, wenn ich Nachts er-wache, so kommt der Teufel alsbald und disputirt mitmir und macht mir allerhand seltsame Gedanken". Einandermal behauptet „der theure Gottesmann": „DerTeufel zieht zuweilen eine Larve an, wie ich selbst ge-sehen habe rc." Luther spricht von diesen „visierlichenTeufeln" so lebhaft, daß man meinen könnte, er redevon. wirklichen Erscheinungen; wir Katholiken habenschließlich auch keinen Grund, ihm diese Erscheinungenals wirkliche und wahre streitig zu machen, allein nachder allgemeinen Ansicht der Geschichtsforscher sind dieseVorkommnisse einzig und allein als Produkte äußersterNerventätigkeit anzusehen. Eine solch' krankhafte Nerven-überreizung erzeugt nach der wissenschaftlichen Benennung„ Halluzin ationen". Diese Halluzinationen treten besondershäufig bei einer mehr zur Schwermüthigkeit stimmenden,in sich zurückgezogenen Lebensweise ein; mitunter findensie sich auch bei einem ganz normalen Lebensgang. „Mitdem Begriff der Halluzination bewaffnet, vermag uns,rief vor mehr als 40 Jahren ein moderner Naturforschertriumphirend aus, keine übernatürliche Erscheinung mehrin Staunen, kein Gespenst mehr in Schrecken zu ver-setzen ; denn höchstens, wenn es nicht natürlich ist, ist esHalluzination."
Dieses vorlaute Wort mag vielleicht hinsichtlich einergewiß kleinen Anzahl von Todesmeldungen Geltung haben,aber bei den meisten Leuten, welche solche Begebenheitenerlebten, fehlte wohl schon die eigentliche Grundbedingungfür eine Halluzination, nämlich ein träumerisches Leben,überreizte Nerventhätigkeit. Gewöhnliche Menschenkinderkönnen im Dränge des Alltagslebens nicht leicht demPhantasieren und Träumen nachhängen. Denken wirhier zurück an die angeführten Beispiele, so sind in denbeiden ersten Fällen Männer Träger des Vorganges,welche streng wissenschaftlich thätig, also gewiß jedemleeren Phantasiespiel unzugänglich waren. Desgleichenzeigten sich in den übrigen Thatsachen die Personenkeineswegs als Anhänger eines schwärmerischen Lebens,sie standen vielmehr, wie meistens, mitten im wechsel-vollen, geschäftigen Treiben. Woher soll da eine Halluzi»nation kommen, da zudem jene Personen gar nicht anjene sterbenden Personen dachten; wie sollten sie da eineinnere Vorstellung, die nicht vorhanden ist, lebhaft in die