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äußere umsetzen können?! Aber selbst wenn manzufällig an die sich anmeldenden Personen dächte, sowürde man sich dieselben sicherlich nicht so vorstellen, wiesie bei der Todesanmeldung wirklich auftreten oder handeln;man denke z. B. nur an Marsilius Ficinus ! Ein solchesZusammentreffen unserer willkürlichen Phantasiethätigkeitmit der Wirklichkeit wäre wunderbarer als die Todes-anmeldnng selbst. Wohl könnte hier auch die Frageaufgeworfen werden, warum der Mensch, wenn die be-sprochenen Ereignisse wirklich auf Halluzination beruhen,vor seinen ureigensten Gedanken und Vorstellungen plötz-lich erschrecken sollte, mit denen er sich doch eben nochbeschäftigte, und die er jetzt äußerlich wahrzunehmenglaubt. Wie es fernerhin möglich isi, daß mehrere Per-sonen, die vielleicht ganz zufällig gegebenen Falles an-wesend sind, an einen sterbenden Menschen, der möglicher-weise nur einer bekannt ist, denken, und wie sie allezugleich das nämliche Phantasiebild sich vor die Seelezaubern und auch in die scheinbare Wirklichkeit, und zwarim selben Momente bei ganz verschiedener Nerventätig-keit, umsetzen sollten, können uns wohl die triumphirendenVertreter der Halluzination selbst nicht sagen; die ernst-liche Behauptung, derlei Halluzinationen seien möglich,stellt sich sicherlich selbst als Halluzination dar!
Nicht viel glücklicher als die Männer der Halluzi-nationstheorie, ist eine zweite Reihe von Gegnern, welchemit einem „Jllusionsbegriff" gegen die Todesanmeldnngzu Felde ziehen. Illusion ist der wissenschaftliche Namefür die sich tagtäglich wiederholende Thatsache der Sinnes-täuschung. Verleiht die Halluzination einem rein innerenZustand nach außen hin Leben und Gestalt, so fälschtdie Illusion einen äußeren, ganz natürlichen Vorgang,d. h. einen äußeren Sinnenreiz, der wirklich stattgefundenhat. Die Illusion erfordert also zu ihrem Eintreten stetseine äußerliche Sinneswahrnehmung, welche dann unterdem Einfluß der gerade in der Seele herrschendenStimmung mißdeutet wird. So sieht ein Furchtsamerin der Abenddämmerung beim Durchschreiten einesWaldes sehr leicht einen alten Baumstrunk für einenMenschen an, der ihm auflauert rc. Oder hat man sichden Tag über in Gedanken mit einem Leichnam, denman gesehen, beschäftigt, so kann es beim Eintritt desZwielichtes leicht geschehen, daß man diesen Leichnam zuerblicken wähnt, sobald ein blasser, weißer Gegenstanduns vor die Augen tritt. Aehnliche Illusionen hat gewißjeder der geneigten Leser selbst schon erfahren. MancherGeistererscheinung liegt nun sicherlich nichts anderes zuGrunde, als eine derartige Sinnestäuschung; aber allederartigen Ereignisse so zu erklären, ist schlechthin un-möglich. Wie kann z. B. Jemand irgend einer äußerenSinneswahrnehmung gerade jene Gestalt sozusagen an-zaubern, die der zufällig sterbenden Person entspricht,an welche man gar nicht gedacht, von deren Krankheitman gar keine Kenntniß, ja vielleicht im Leben nie etwasgehört hatte? Man denke nur an jene Todesanmeldungim Musiksaale des Ordenshauses zu M. rc.l Zudemsucht man sozusagen naturgemäß gegebenen Falles sichsofort zu überzeugen, ob nicht eine Illusion obwalte.Gegen diese Erklärungstheorie spricht sodann auch derUmstand, daß die Todesanmeldungen gewöhnlich unternahen Verwandten oder lieben Genossen sich ereignen.Berichten solche Personen eine Todesanmeldung, so ist dochwohl nicht anzunehmen, daß sie ihre Liebe und Ver-ehrung gegen theure Dahingeschiedene nicht besser zu-eigen wüßten, als dadurch, daß sie deren Andenken zu
frivolen Spukgeschichten mißbrauchten. Eine solche An-nahme widerstrebt unserem Gefühl der Verehrung gegentraute Entschlafene. Wollte man die Illusion als dieUrsache aller Todesanmeldungen gelten lassen, so müßtenwir schließlich mit Recht fragen, ob es dann überhauptnoch einen sicheren Beleg für die Wahrheit irgend einesVorganges gibt. Durch eine derartige Erklärungsweiseauffallender Begebenheiten würde dem Menschen geradezudie Möglichkeit abgesprochen, mit Hilfe seiner Vernunftzwischen Täuschung und Wahrheit zu entscheiden.
Die Thatsachen der Todesanmeldung können somitweder einfach ohne weiteres geläugnet, noch durch dieBegriffe der Halluzination und Illusion in Bausch undBogen als Schein bezeichnet werden; wir müssen alsodie weitaus größere Zahl derartiger Erzählungen alsWahrheit hinnehmen. Einen Einwand, als gebreche esden einschlägigen Begebenheiten an einem vernünftigenZwecke und seien sie deßhalb schon höchst unwahrscheinlich,werden wir späterhin genügend beleuchten und als nichtigzeigen.
(Fortsetzung folgt.)
Verzeichnis; bei der Redaction eingelanfenerSchriften.
Lehrbuch für den kathol. Religionsunterrichtin den obern Klassen der Gymnasien und Real-schulen. Von vr. Arth. König, Universitätsprofessor.IV. Curs: Die Sittenlchre. 5. Aufl. Freiburg , Herder's Ver-lag. Preis 1 M.
Die lachende Welt! Blüthen des Witzes und Humorsaller Nationen. Berlin , Hugo Steinig Verlag, 1. Heft. 1 M.
Anzeiger deö germanischen Nationalmuseums.1694. Nr. 2.
Stern der Jagend. Zeitschrift zur Bildung von Geistund Herz. Herausgegeben von Dr. Praxmarer. 15. Heft.Verlag von A. Rassel in Münster .
Für unsere Kleinen. Jllnstrirte Monatsschrift fürKinder von 4 bis 10 Jabrcn. Von G. Chr. Diefsenbach.Jährlich 12 Nummern. Preis Vierteljahr!. 60 Ps. Verlag vonPcrthes in Gotha .
Vortrüge für christliche Müttervercine, zugleichLekungen für christl. Mütter. Von Friedr. KösteruS,Pfarrer. I. Bd. Negensburg, Nationale Verlagsanstalt (vorm.Manz). Preis 4 M.
Die katholische Bewegung. Monatsschrift. Heraus-gegeben von G. M. Schüler. 1894. Heft 7. Inhalt: DieKirche und die Schulvzcsangenen und gefangenen Verbrecher. —Zeitgemäße Ausschau. — Die Maulwurfsarbeit der Loge. —Buddhismus und Christenthum u. s. w.
Kirchenmusikal. Viertelsahrs-Schrift. Heraus-gegeben vonr Salzburger Diöcesan-Cäcilien-Verein. Verlag vonMittermüller in Salzburg . 9. Jahrg. Heft 1 u. 2. Inhalt?Schreiben Cardinal Aianchini's an Generalpräses Fr. Schmidt.
— Palestrina . — Die Choral-Responsorien. — Daö liturgischeHochamt. — Stoßseufzer eines Organisten u. s. w.
Bayer. Zeitschrift für Nealschulwesen. Nedigirtvon Will). Vogt. München , Nieger'sche UniversitätSbuchhdlg.N. F. II. Bd. 3. Hcit. Inhalt: Heide G., Ueber staats-bürgerliche Propädeutik; Ackermann, Neusprachliche Lektüre undLehrmittel an den technischen Schulen Bayerns ; Marschall G.N., Die Verhandlungen der jüngsten Landrathsversammlungenüber die Realschulen. Recensionen. Stowasser, Latein.-deutschesSchulwörterbuch; Qniehl, Französische Aussprache und Sprach-fertigkeit u. f. w. — Vereinsnachrichtcn.
Wie war's? und was wird werden? Ein Glaubens-bekenntniß nebst einigen socialpolitischen und staatsrechtlichenForderungen. Von Dr. K. M. Ehrmann. Negensburg, Ver-lag von Wunderling. Preis M. 1,60.
Katcchetische Blätter. Verlag von Kösel in Kemptcn.Jährlich 12 Heste. Preis M. 2,40. 6. Heft. Inhalt: Dielogisch-richtige Dialektik in den Katechesen der einzelnen Unter-richtsweisen, von P. Wiesner. — Unterricht über die Firmung.
— Von hl. Lippen. — Literatur und Miscellen.
Katholische Volksbibliothek. München , Verlag vonC. A. Seysried u. Cie. Einsiedeln, Eberle u. Nickenbach. Ser. I