Ausgabe 
(19.7.1894) 29
 
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übelriechenden Giftpflanzen moderner Romanschreiberei aufwiegt,und möcbrcn namentlich recht Viele veranlaß! werden, die Ori-ginale aufzuschlagen und sich an ilmen zu erquicken, zumal da diegriechische Sprache ja nicht zu den schwer erlernbaren gehörtund doch so reichlichen Lohn bringt, indem sie uns eine dergrobartigsten Literaturen erschließt. Es ist bedauerlich, daß esheutzutage kein Verleger wagen kann. eine griechische Anthologie,m Urtext in w eleganter Ausstattungsalonfähig" dem Publi-kum zu bieten! -

Der Feierabend. Kathol. Unterhaltungsblätter.

Papst Leo XIII . hat aus wohl erwogenen Gründen denWunsch ausgesprochen, daß auch die katholischen Schriftstellernack ihrer besten Kraft dabin streben sollten, dem katholischen Volke durch passende Lektüre eine gesunde Nahrung zu bieten.Diesem erhabenen Wunsche kommen die katholischen Unter-haltungSblätter für Jung und Alt,Der Feierabend", mitmehreren Jugendfreunden von Joseph Gcllrich, Lehrer an derkatholische» Volksschule zu Landeshut in Schlesien, herausgegeben,in wirklich trefflicher Weise nach. Vor uns liegt der 38. und39. Jahrgang; ist schon die lange Zeitdauer, während welchersich diese Zeitschrift mitten in dem Gcwoge der rasch unter-gehenden Tageslitcratur erhalten bat, ein Zeugniß für ihreSolidität sowohl als auch für ihren ansprechenden Inhalt, sobieten auch die beiden genannten Bände des Unterhaltenden,Erbebenden und Belehrenden so viel, daß jeder katholischen Fa-milie dieses prciswürdige Unternehmen jährlich erscheinen vierBündchen von je 150 Druckseiten um den Gesammtabonnemcnts-preis von nur 2 M. 30 Pf., durch alle Buchhandlungen beziehbar

auf das Wärmste empfohlen werden kann. In reicher Füllewechseln in diesen Untcrhaltungsblättcrn Gedichte und Prosain geeigneter Weise ab, so daß der Hochwürdigste Herr Fürst-bischof dieser Zeitschrift wegen ihres, gediegenen, sittenreincn undreligiösen, dabei aber dock bildenden und erheiternden Inhaltsseine besondere Anerkennung ausgesprochen hat. Wir hebennoch besonders hervor, daß der Inhalt der frommen Erzählungennicht Ausfluß der Phantasie, sondern vorwaltend dem wirklichenLeben entnommen ist. Wenn, wie wir hoffen, die Zahl derAbonnenten sich mehrt, wird auch die Ausstattung, wie wirwünschen, eine elegantere werden.

OcsterreichischesLiieraturblatt, herausgegeben vonder Leo-Gesellschaft in Wien . redigirt von Dr. FranzScknürer. (Administration: Wien I., Annagasse 9.) Inhaltder Nr. 12 u. A.: Probst F., Liturgie des 4. Jahrh. u. derenReform. (?. Jld. Veith, Emaus.) Prill Jos., Einführungin die hebräische Spräche. (Dr. W. Gerber, Pros. an ver-deutschen Univ. Prag .) Lc Camus E., Leben unseres HerrnJesus Christus , übers. v. E. Kcppler. (Theol.-Pros. Dr. Jos.Schindler, Leitmeritz .) Caird John, Einleitung in dieReligionspbiloiophie, übers. von A. Ritter. (Seminar-Dir. Dr.Gg. Neinhold, Wien .) Grimmich Birg., Lehrbuch derthcorct. Philosophie. Auf thomistischer Grundlage. (Alumnats-Dir. Dr. I. Gruber, St. Pötten.) Faulmann K. , ImReiche des Geistes. (F. Sck.) Truxa H. M-, Hedwig Wolf,eine litcrar. Frauengestalt Oesterreichs . (Secretär Th. Kreß.)

Marburg A., Sandro Botticclli'SGeburt der Venus "u.Frühling", (vr. Jos. Neu Wirth, Pros. an der deutschenUniv. Prag . DukaS-TheodassuS I., Im Zeichen desHalbmondes. Schilderungen aus der türkischen Reichshauptstadt.(Laudesrath vr. H. Misera, Wien .) u. s. w.

Die Wocrl'schcn Reisebiicher

verdienen für die diesjährige Reisezeit wieder einmal mit allemNachdrucke empfohlen zu werden. Es werden diesen Herbst schon17 Jahre, daß die Anregung zu dieser Neisebücher-Sammlung vonder im Herbst des Jahres 1877 in Würzburg tagenden Generalver-sammlung der Katholiken Deutschlands ausging. Ein thatkräftigerWürzburger Verleger, LeoWoerl. Benjamin Herder 'sNeffe, griffdie nur allzusehr gerechtfertigte Anregung unverweilt mit großemEifer aus und begann sodann bereits im nächsten Jahre, dembis dahin für die Länder deutscher Zunge beinahe vollständigin «katholischen Händen befindlichen Neisebücker-Verlage eineReibe von Ncisebüchcrn entgegen bezw. an die Seite zu stellen,welche zwar keineswegs für Katholiken allein berechnet waren,aber diese doch als nächste Leser ins Auge faßten. Demgemäßsollte denn natürlich ohne Andersgläubige jemals im mindestenzu verletzen nicht bloß alles für Katholiken Anstößige in Bildund Text vermieden, sondern auch das sür Katholiken besondersInteressante katholische Kirchen und andere Monumental- :bauten, kirchl. Verhältnisse, katholische Vereine. Klöster. Gottes- >

dienst u. s. w. auch besonders achtsam und ausgiebig be-handelt werden.

Da das Unternehmen einen durchaus gesunden Boden hatteund auch mit praktischem Geschicke angegriffen war, blieb essofort nickt ohne greifbaren Erfolg, und in Folge dessen nahmeS allmählig immer größere Dimensionen an. So liegen dennzur Zeit, nach beinabe zwei Dezennien voll Aufgebotes einesungewöhnlichen Maßeö von geistiger Arbeit wie von materiellenMitteln, die großen wie die kleinen Woerl'fchen Rcisebüchcr ineiner Anzahl vor uns, welche geradezu siauncnswürdig ist.

In größeren Werken theils eigentlichen Reiseführern,theils rein wissenickaftl. Darlegungen, theils mehr seuilletonistischgehaltenen Neisebildcrn wurden bisher behandelt, und zwarmeist von genannten und überdies namhaften Auroren: die 5Welttheile je für sich, Oesterreich-Ungarn, Ungarn allein, Baden,Bayern, Württemberg, Südventschland, der Rhein und die Rhein -lande, die Schweiz, die deutschen und die Schweizer Alpen , St.Gorthard und der Brenner, die Ufer des Bodensee's, Vorarl-berg, Italien und Rom, Cvrsica und Sardinien, Bulgarien ,Griechenland, Paxos und Antipaxos, Palästina und Jerusalem ,Aegypten, der Orient, Nordafrika, Südamerika Mexiko. West-indien, Sumatra, die deutsch-österr.-ungar.-schweizcr. Benedik-tiner-, Chorherren- und Cistcrzienserstifte, zuletzt Schweden undSpanien. (Das Werk über Spanien wurde bereits in diesenBlättern besprochen.) Ueber den voin Reichsarckivassessor vr.P. Wittmann in München bearbeitetenFührer durchSchweden " (mit Plänen und Karten, 16°, 136 S. M. 2)freut es uns, die folgenden Zeilen den: Zarucke'sckenLitcrar.Ccniralblatt" (1894,19) entnehmen zu können:DaS Büchleinbringt in gedrängter Kürze Alles, was in geschichtlicher, ethno-graphischer, handelspolitischer und naturgeschichtlicher Hinsichtsür Reisende von Interesse und Wichtigkeit ist, und darf beiseinem billigen Preise jedem Besucher des nordischen Königreichswohl empfohlen werden. Eine kurze Zusammenstellung derwichtigsten Redensarten, übersichtliche Karren und Pläne sowieeine klare, fesselnde Schreibweise sind beim Gebrauche diesesFührers von besonderem Werthe."

Den genannten größeren Werken, welche zumeist ebensogeschmackvoll als reich illustrirt und selbstverständlich mit zahl-reichen Karten und Plän.n ausgestattet sind, tritt nun abereine fast unabsehbar lange Reihe von Städte-, Bäder- undTourcn-Fübrern zur Seite, in denen wir den eigentlichenSchwerpunkt des Woerl'ichen Neisebücher - Verlages erblickenmöchten, wie denn auch bezüglich ihrer der am meisten durch-schlagende Verbraucks-Erfolg bisher erzielt ist. In den größer»Ländersührern ausgenommen vielleicht Rom und Palästina mag Herr Weerl den älteren und bekannteren deutschenNeisewerken gegenüber immer nock einen reckt schwere» Standhaben; aber bezüglich seiner kleinen Srädtesübrer braucht mandie betreffenden Auslagen der seßhaften Buchhändler in unsernReisecentren und Frcmdenstädten wie ganz besonders die derfliegenden" Buchhändler in den Wartciälcn der Bahnhöfe auchnur mit einem Blick zu streifen, um alsbald zur Freudejedes Freundes und Pflegers der katholischen Literatur zugewahren, daß Woerl's Srädtesübrer dort nachgerade allenandernüber" sind; man würde ilmen keinen so breite» Platzeinräumen, wenn sie nicht Tag für Tag sehr fleißig gekauftwürden. Wir zählen in dem Vcrlagskatalogc nickt weniger alsrund 700 solcher kleiner Orts- und Landsckaftsführer, alle nachdem nämlichen Plane gearbeitet, alle in gleicher Weise ausge-stattet und alle meist nur 50 Pfennige kostend, trotz Beigabevon Plan oder Karte.

Abgesehen von der praktischen Einrichtung und deni niedrigenPreise, wird insbesondere der Umstand zu der immer größerenVerbreitung beigetragen haben: daß alle diese OrtSsührcr genaunach demselben, durch die Erfahrung bewährten Plane einge-richtet sind, was dem Vielrcisenden das Durchstiegen und Be-nutzen, überhaupt das Aufsuchen und Finden außerordentlicherleichtert. Und nun hat der Reisende noch dazu die nicht hochgenug zu schätzende Annehmlichkeit, daß er sich auf jedem fre-quentcn Bahnhöfe auch schon den Woerl'fchen Führer für dienächste Stadt kaufen und ihn so vor seiner Ankunft daselbststudieren kann.

'So untergeordneten Ranges daS hier berührte Literatur-gebiet auch scheinen mag, so weitgreifend und weittragend istdoch zweifellos seine Bedeutung, und deshalb dürfen wir unsüber den hier in Folge energischer, langjähriger und geschickterkatholischer Anstrengung errungenen Erfolg um nicht zusagen: Triumph von ganzem Herzen freuen.

Fran z Hülskamp. (Liter. Handw.)

Verantw., Redacteur: Phil. Frick in Augsburg. Druckn. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .