Ausgabe 
(26.7.1894) 30
 
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gewußt hätte, daß er schon ungefähr 20 Jahre früherin einem ältern Romane Dahns einen Vorläufer undConcurrenten im Urkundenfälschen gehabt hatte? Nämlichin dem RomanEin Kampf um Rom " muß eine ganzähnliche schmachvolle Rolle wie der Papst Liberius derPapst Sylverius spielen. Auch diesem Papste wirdvon Dahn die nämliche herrschsüchtige Politik und werdendie nämlichen macchiavellistischen Grundsätze und ver-brecherischen Mitte! unterschoben, als dem Papste Liberius .Ja Sylverius führt ganz die gleiche, widerlich salbungs-volle Sprache des muckerischen Prüdicauten.

Um den Besitz Roms kämpfen nach Dahns früheremRomaneEin Kampf um Rom " gegen Mitte des sechstenJahrhunderts 1) der Papst, 2) der L 1a Louis Napoleon republikanische Stadtpräfect Cethegns, der schon anno 600so nnd so viel die moderne Parole ausgibt:Italien hilft sich selbst", Italia tarä äa se, 3) die Ostgothenund 4) die Byzantiner unter ihrem Feldherrn Belisar .Der Papst Sylverius hatte dem Gothenkönige Witichisvor dessen Abzug aus Rom öffentlich Treue geschworen,und die Römer nach des Papstes Beispiel ebenfalls.Doch kaum hatten die Gothen den Mauern Roms denRücken gewendet, schreibt Dahn Band II S. 294, soberief Papst Sylverius es war am Tag nach seinemEide die Spitzen... Mit Unbefangenheit stellteer darauf den Antrag, da endlich die Stunde gekommensei, das Joch der Ketzer (die Gothen waren Arianer)abzuwerfen, eine Gesandtschaft an Belisarius , den Feld-herrn des rechtgläubigen Kaisers Justinian , abzuordnen,ihm die Schlüssel der ewigen Stadt zu überreichen."Die Gewissenszweifel eines noch sehr jungen Priestersnnd eines ehrlichen Schmiedemeisters wegen des gesterngeleisteten Eides beseitigte er lächelnden Mundes mitder Berufung auf seine apostolische Macht, wie zu binden,so zu lösen." ... So spielt Dahns Papst mit dem Eideder Treue, lächelnden Mundes.

Darauf ging der Antrag einstimmig durch, und derPapst nebst Cethegus und zwei andern wurden als Ge-sandte an Belisar gewählt. Cethegus jedoch kam derDeputation heimlich zuvor.Belisar sah von seinemZelthügel aus mit ernsten Augen das mächtige Schau-spiel, wie der Papst im Lager seinen Einzug hielt.Meilenweit herzugeeilte Gläubige, Haufen des Land-volkes der Umgegend, Tausende von Soldaten bildetenden unter unaufhörlichen Jubelrufen sich heranwälzendenStrom von Menschen, über welche Sylverius unermüdlichSegen sprach." Der Dahn'sche Belisar hatte seine by-zantinische Leibwache, weil siezu gute Christen" seien,durch heidnische Hunnen und Gepidcn ablösen lassen.Vor diesen, des Lateins unkundigen Barbaren läßt hieraufHerr Dahn seinen Sylverius noch unmittelbar vor demZelteingange des Feldherrn simpclhaster Weife sich lächer-lich machen durch eine schöne Rede über den ungeschicktgewählten TextLasset die Kleinen zu mir kommen,"wobei er wieder lächeln muß, aber salbungsvoll.

(Schluß folgt.)

Die deutsche Gesellschaft für christliche Kunst

(gegründet 1893)

versendet ihren ersten Jahresbericht*) und das Verzeich-niß ihrer Mitglieder (bis 1. Juni 1893). Wir erhaltenhier in authentischer Weise einengedrängten Ueberblick

*) Verfasser i. A. H. Inspektor S. Staudhammer-Münchcn.Geschäftsstelle d. d. E. f. chr. K. LndwigSsir. 15.

über die bisherige Thätigkeit der deutschen Gesellschaftfür christliche Kunst und über die in nächster Zeit vor-zunehmenden Schritte." Ueber erstere haben die Leserder Postzeitung wiederholt Bericht empfangen, speziellüber die Gründung, die erste JahreSmappe, die Verhand-lungen in Würzburg . Es ist nicht uninteressant, dieReihe der Tagesblätter und Kunstzeitschriften zu durch-laufen, welche von Anfang an oder auf die genanntePublikation hin das neue Unternehmen mit aller Auf-merksamkeit verfolgten. Obenan stehen die AngsbnrgerPostzeitung, die Kölnische Volkszeitnng, das NegensbnrgerMorgenblatt, das Archiv für christliche Kunst, das öster-reichische Literaturblait; aber auch die Allgemeine Zeitung ,die Kunst für Alle und eine sehr große Zahl andererBlätter der verschiedensten Richtung bekundeten meist ingünstigster und anerkennender Weise ihr Interesse an derSache. Der Bericht spricht deßhalb auch die Hoffnungaus, es werdedem ernsten Streben der Gesellschaft diegleiche Unterstützung auch fernerhin zur Seite stehen",besonders, da sich die Publikationen der Gesellschaftimmer mehr, namentlich nach der instruktiven Seite hin,vervollkommnen werden.

Die Herausgabe der ersten Mappe war mit beson-deren Schwierigkeiten verbunden. Denn als diese Aufgabean die Gesellschaft herantrat, zählte sie erst eine kleineZahl begeisterter Förderer in der Künstlcrwelt; dannkonnten in der verhältnißmäßig kurzen Zeit, welche fürdie Vorbereitungen vergönnt war, gerade von den bestenund geeignetsten Schöpfungen der Künstler-mitglieder keinetechnisch genügenden Nachbildungen beschafft werden; weiter-hin fällt der Umstand in die Wagschale, daß manche derKünstler schon längst den Wunsch hegten, aber keine Ge-legenheit fanden, direkt im Dienste der christlichen Kunstzu schaffen. Daher kommt es auch, daß in ausgedehnteremMaße, als es in der Folge geschehen dürste, Werke vonJuroren herbeigezogen werden mußten. Immerhin werdenjederzeit alle andern Rücksichten der einen sich unterordnenmüssen, die Wirksamkeit der Gesellschaft möglichst segens-reich zu gestalten.

Noch ein anderer Punkt ergab sich aus den angeführten Schwierigkeiten. Wegen der verhältnißmäßig ge-ringen Auswahl an Werken, welche der Kunst, der Re-ligion und dem allgemeinen Verständniß gleichmäßig ent-sprachen, mußte die Jury in der ersten Mappe zunächstdarauf Hintrachten, zu zeigen, daß es Männer gibt, diemit vollendetem technischen Können den Willen verbinden,ihre Geisteskraft in den Dienst der religiösen Ideen zustellen; und dieses Ziel hat sie unstreitig mit jedemBlatte erreicht.

In allen Versammlungen und Zuschriften zeigte sich,daß die Mitglieder mit dem bei Gründung der Gesell-schaft klar ausgesprochenen Grundsatz einverstanden sind,wir sollten nicht allein die kirchliche, sondern die christ-liche Kunst im weitesten Sinne pflegen. Der Betrachterder Mappe wird auch ohne nähere Bezeichnung leichtfinden, für welchen Zweck die einzelnen Darstellungen ge-dacht sind, und darnach wird er sein Endurtheil ein-richten. Anders gestaltet sich eine Schöpfung deS künst-lerischen Empfindens, wenn ich sie für den Altar be-stimme, anders, wenn sie der häuslichen Erbauung oderAnregung dienen soll, wieder anders, wenn derselbe Gegen-stand als ein allgemein zugängliches Monumentalwerkgedacht ist. Bei Kunstwerken, welche im GotteshausAufstellung finden, spielt die Tradition eine ungleichgrößere Rolle als bei anderen. Es möge nicht über-