Ausgabe 
(26.7.1894) 30
 
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Professor (München ). Franz Festing, Pfarrer (Nieder-roth bei Röhrmoos ). Clemens Freiherr von Heereman,

k. Negierungsrath a. D., Mitglied des Reichstags unddes preußischen Abgeordnetenhauses (Münster ), vr. PaulKeppler, Universitätsprofessor, Vorstand des NottenburgerDiöcesan-Kunstvereins, Herausgeber und Redacteur desArchivs für christliche Kunst (Tübingen), vr. AloisKnöpfler, Universttätsprofcssor, Kassier (München ). Dr. I?.Albert Kühn, O. 8. L., Professor der Aesthetik u. Kunst-geschichte (Einsiedeln ). Dr. Oscar Freiherr Lochner vonHüttenbach, Professor, II. Schriftführer (Eichstütt). Dr.Jos. Schlecht, Lycealprofessor (Dillingen), vr. GustavSchnürer, Universttätsprofcssor (Freiburg, Schweiz ). S.Staudhammer, k. Inspektor und Hofstiftsvikar (München ),

l. Schriftführer. Georg Busch , Bildhauer, II. Präsident.Beruh. Hertel, k. Regierungsbaumeister (Münster ). Heinr.Freiherr von Schmidt, k. Professor, Architekt (München ).M. Heinrich Waders, Bildhauer (München). MartinFeuerstein, Maler (München). Gebhard Fugel , Maler(München ).

(Schluß folgt.)

Von Gremrble nach der Grande Chartrcuse.

Von H. Eid.

(Fortsetzung.)

So schön auch die Eindrücke dieses Tages waren,den wir hier mitten in der Einsamkeit des Gebirges ver-lebten, so hatte mich doch der kleine Nundgang in bren-nender Sonnenhitze recht müde gemacht, und ich erfreutemich infolge dessen des erquickendsten Schlafes, den ichum so höher schätzte, als ich bisher in dem geräuschvollenGrcnoble kaum einmal gut geschlafen hatte. Wie herrlichist doch dieses Erwachen im Psarrhause gewesen, da durchsFenster die junge Morgensonne grüßte und die frischenWaldlüfte wehten, während die alten Tannen droben aufden grauen Felsen mit ihren dunklen Zweigen zu sichhinaufwiukten l Nur gemach, wir kommen bald! Laßt unsnur erst frühstücken und von dem guten Pfarrer Abschiednehmen. Ich hatte mich in der That wohl gefühlt andiesem Ort der Ruhe und der Freundschaft und trenntemich nur ungern von unserm ehrwürdigen Gastgeber.Auf Wiedersehen!

In vergnügter Schönheit strahlte der neue Morgen.Es schien wiederum drückend heiß zu werden, allein wirtrösteten uns mit dem Gedanken, einen schattigen Wegvor uns zu haben. Dieser Weg führt längs des Berg-stromes durch ein tief cingerisscues, schluchtartiges Thalbis hinauf zur sogenannten Einöde (1a äösort), wo dasKloster gelegen ist. Gleich hinter dem Städtchen St.-Laurent betraten wir das fcldumgürtcte Thal; eine sehrgut gehaltene, auch ziemlich breite und bequeme Straßeführt dicht zwischen Bach und Bergwand dahin. Große,bemooste Steine lagen da und dort in wirren Haufenund vielfach zerschmettert zur Seite, Zeugen der wildenGewalt von Wind und Wetter, die hier zu Zeiten wohlschrecklich Hausen müssen. Aus diesem Steinchaos erhebensich schlanke Tannen und stämmige Buchen, höher undhöher steigend bis hinauf, wo das Auge die seltsam ge-zackten, nadclartigen Felsspitzeu in voller Klarheit amblauen Himmelsgrunde sich abheben sieht. Jetzt tritt plötz-lich das Gebirge so nahe an uns heran, daß die Aussichtnach oben unter den Baumgipfeln völlig verdeckt ist; dafüraber offenbart sich dem Auge der Anblick der jenseits desBaches liegenden Höhen, der uns bisher durch die dichten

Ufergestrüuche entzogen war. Wie da die Tannen nachoben hin immer kleiner werden, wie sie sich zuletzt inihrer wunderlichen Zwergengestalt auf die Vorspränge derFelsen flüchten, und wie sie dort ans den höchsten nacktenZinnen wie schwarze Männlein in Reih und Glied zustehen scheinen! Und uns znr Seite, tief drunten, murmeltder Corrent mit seinem krystallhellcn Wasser, das in wilderHast über die grünen Felsblöcke dahinsauste und dessenweiße, wirbelnde Schaumkronen aus dem Halbdunkel ge-spenstisch heraufkeuchten.

Indem wir uns den erhabenen Eindrücken dieserherrlichen Natur überlassen, schreiten wir schweigend nebeneinander her. Kein Wandrer ist uns bis jetzt begegnet,alles ist so still ringsum, als ob wir auf tausend Meilendem Getriebe der geschäftigen Welt der Menschen entrücktwären. Aber siehe, dort drüben am andern Ufer wehenbläuliche Nauchstrcifcn über den schweigenden Wald, dortist eine Ccmentfabrik. Wagen, mit Pferden bespannt,halten vor der Eingangsthürc, Säcke werden ausgeladen,und die Stimmen der Fuhrleute und Arbeiter schlagenan unser Ohr. Nicht weit von hier befindet sich eineandere industrielle Anlage, aber nicht von alltäglicherNatur. Es ist die weltberühmte Ltqueurfabrik der großenKarthause. Wir läuteten am äußeren Thore und er-hielten alsbald Einlaß. Durch den Pförtner ließen wirdem die Oberaufsicht führenden Klosterbruder melden, daßwir wünschten, die Fabrik besichtigen zu dürfen. Esdauerte auch nicht lauge, so erschien ein altes, grauesMännchen im grauweißen Mönchshabit und mit einemgrobleinenen blauen Arbcitsschurz bekleidet, das uns mitlächelndem Gesichte freundlich willkommen hieß, sich dabeitausendmal entschuldigend, daß es ihm leider nicht erlaubtsei, uns die Fabrik zu zeigen, indem eben Tag für TagReisende einträfen, die sie zu sehen begehrten, wobeijedoch zu fürchten sei, daß das Geheimniß der Zube-reitung des Liquems leicht verrathen werden könnte.Indessen wollte uns der alte Mann nicht ziehen lassen,ohne uns einen Beweis von der Gastfreundlichkcit desHauses gegeben zu haben. Wir traten also mit ihm in einkleines, weißgetüuchtes Gemach und ließen uns auf seineEinladung hin auf die sehr primitiv aus Weiden ge-flochtenen Stühle nieder. Der Bruder öffnete nun denWandschrank, nahm fünf Gläschen heraus wir warenunsrer vier, da sich uns schon in St.-Laurent noch zweiWanderer beigesellt hatten und goß in ein jeglichesvon dem goldig klaren, duftigen Getränke, das uns dannauch ausgezeichnet mundete. Das graue Mönchlein schienin Grcnoble sehr gut bekannt zu sein und erkundigte sichbei meinem Freunde über mancherlei Personen und ört-liche Verhältnisse, wie man es bei solchen Gelegenheitenzu thun pflegt. Es war gut, daß wir uns nicht langeaufhielten, denn wir wären sonst so gute Freunde ge-worden, daß dem freundlichen Alten die des öfterenwiederholten Entschuldigungen wegen der uns verweigertenErlaubniß noch viel härter angekommen wären.

Die Hälfte unseres Weges war zurückgelegt. Esging auch bereits gegen Mittag, und <^us ostauä, wieheiß! kam es gar oft über die lechzenden Lippen. Miteiner Wendung der Straße standen wir plötzlich vor derkühn über den Bergstrom gewölbten, steinernen BrückeSt. Bruno, und gerade, als wir sie zu überschreitenuns anschickten, begegneten uns zwei junge Männer, dieoffenbar soeben von der Chartreuse kamen. Ich glaubtein dem einen, einem hellblonden, rothwangigen Jünglinge,einen Landsmann zu erblicken und redete ihn deßhalb

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